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Netzwirtschaft

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Die Digitalisierung erfasst immer mehr Lebensbereiche. Wie sie sich auf Menschen und Märkte auswirkt, beleuchtet das Netzwirtschaft-Blog auf FAZ.NET.

Googles Antwort auf Facebook: OpenSocial

Google antwortet auf Facebook mit einem Set offener Schnittstellen namens OpenSocial. Damit können Entwickler ihre Anwendungen für alle sozialen Netzwerke entwickeln. Besonders profitieren die kleinen Netzwerke; auch Xing ist vom Start weg dabei.

Google hat sich mit seiner Antwort auf Facebooks Coup mit Microsoft nicht viel Zeit gelassen: Am Donnerstag stellt die Suchmaschine ihr neues Schnittstellensystem OpenSocial vor, das unter dem Projektnamen Maka-Maka bekannt geworden war. OpenSocial vereint nach Angaben von Techcrunch mehrere Schnittstellen (API), die es Softwareentwicklern erlauben, ihre Applikationen für alle sozialen Netzwerke zu entwickeln. Die mühsame Anpassung an die Eigenheiten der Netzwerke soll entfallen.

Statt sich bei einem Netzwerk einzukaufen oder das eigene Netzwerk Orkut stärker voranzutreiben, geht Google also den Weg, sich selbst in das Zentrum zwischen Entwickler und den sozialen Netzwerken zu stellen und diese Netzwerke miteinander zu verknüpfen.

Konkret geht es wohl um drei Schnittstellen:

  • Profilinformationen (user data)
  • Informationen über Freunde (social graph)
  • Aktivitäten (news feeds)

Vom Start weg dabei sind Netzwerke wie Friendster, Viadeo, LindedIn, Hi5 und natürlich die Google-eigene Seite Orkut. Und Xing? „Wir sind auch von Anfang an mit dabei“, sagte Xing-Sprecherin Daniela Hinrichs auf Anfrage. StudiVZ ist – wenig überraschend – nicht dabei; das größte europäischen Studentennetzwerk ist ein weitgehend geschlossenes Netzwerk.

Auf Seiten der Entwickler gehören iLike und Slide, die auch beliebte Facebook-Applikationen geschrieben haben, zu den Mitgliedern. Mit im Boot ist auch der Softwareriese Oracle.

Am Donnerstag wird Google den Start von OpenSocial in Amerika ankündigen. Die Pressemitteilung ist anscheinend schon durchgesickert.

OpenSocial wird nach meiner Einschätzung den kleineren Netzwerken mehr Aufmerksamkeit der Entwickler bringen, die bisher den Anpassungsaufwand gescheut haben. Dazu gehört auch Orkut, die in den Vereinigten Staaten weit hinter MySpace und Facebook hinterherlaufen. Facebook wird natürlich kein Interesse an OpenSocial haben, da seine Größenvorteile schwinden. Der Kampf um die Spitze der sozialen Netze wird also auf den Zweikampf Facebook gegen Google hinauslaufen.

Bild zu: Googles Antwort auf Facebook: OpenSocial

(via Techcrunch) 

Weitere Hintergründe gibt es bei:

 

Zum Vergleich: Folgende Zeilen habe ich für die gedruckte FAZ über OpenSocial geschrieben.

ht. FRANKFURT, 31. Oktober. Die Internet-Suchmaschine Google hat ein technisches System für eine einfache Einbindung externer Programme in soziale Netzwerke entwickelt. Die Plattform, die Google am Donnerstag unter dem Namen Open Social vorstellen wird, gilt als Reaktion auf den großen Erfolg des amerikanischen Netzwerkes Facebook, für das externe Entwickler inzwischen Tausende Zusatzprogramme bereitgestellt haben. (F.A.Z. vom 30. Oktober).

An der Google-Initiative beteiligen sich nach Informationen dieser Zeitung neben sozialen Netzwerken wie Xing, LinkedIn, Viadeo, Hi5, Friendster und dem Google-eigenen Netzwerk Orkut, die zusammen mehr als 100 Millionen Nutzer haben, auch die Softwareunternehmen Oracle und Salesforce. Das deutsche Studentennetzwerk StudiVZ ist nach Angaben eines Sprechers nicht beteiligt.

Die Zusatzprogramme, die vor allem die Facebook-Nutzer in großer Zahl in ihre persönlichen Seiten eingebaut haben, mussten bisher aufwendig an die technischen Eigenheiten angepasst werden. Für viele Entwickler, darunter amerikanische Unternehmen wie iLike, Rockyou oder Slide, lohnte sich die Anpassung ihrer Programme für kleinere Netzwerke bisher nicht. Google setzt mit Open Social daher auf allgemein verfügbare Industrieschnittstellen, um die Programme problemlos einbauen zu können. Die drei Schnittstellen, die Open Social zu Beginn zur Verfügung stellt, sollen zunächst den Austausch der Informationen aus den Profilen der Nutzer, über ihre Freunde, mit denen sie in Kontakt stehen, und über ihre Handlungen im Netzwerk ermöglichen.

Viele Netzwerke wie Xing hatten sich erst nach dem Erfolg von Facebook für die Öffnung ihrer Plattformen für externe Entwickler entschieden und stehen noch ganz am Anfang. Open Social bringt vor allem diesen kleinen Netzwerken Vorteile, da sie erstmals für Entwickler interessant werden.

Dagegen beteiligen sich die amerikanischen Branchengrößen wie Facebook oder MySpace, das gerade die Öffnung für externe Entwickler angekündigt hat, bisher nicht an Open Social. In amerikanischen Technologieblogs wie Read Write Web wird Googles Ankündigung daher als Auftakt zu einem Dreikampf auf dem Markt der sozialen Netzwerke zwischen Facebook, MySpace und Google gewertet. MySpace hat nach jüngsten Angaben des Marktforschungsunternehmens Comscore weit über 100 Millionen Nutzer in aller Welt, Facebook verfügt zurzeit über 73 Millionen Nutzer, wächst zurzeit aber wesentlich schneller als seine Konkurrenten.

Die sozialen Netzwerke gelten als attraktive Werbeflächen im Internet, da die Nutzer dort sehr viel Zeit verbringen und zudem meist korrekte Angaben über ihre persönlichen Interessen machen. Die Zusatzprogramme könnten den Netzwerken zudem des Status eines Internet-Betriebssystemes geben, was die Verweildauer auf den Seiten weiter erhöht. Aus diesem Grund hatte sich der Softwareriese Microsoft vor wenigen Tagen an Facebook beteiligt. Die Investition bewertet Facebook mit 15 Milliarden Dollar.

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