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Die Digitalisierung erfasst immer mehr Lebensbereiche. Wie sie sich auf Menschen und Märkte auswirkt, beleuchtet das Netzwirtschaft-Blog auf FAZ.NET.

United Internet lässt Freenet zappeln

"Ich beschäftige mich zur Zeit nicht mit Freenet", sagt United-Internet-Chef Dommermuth. Das demonstrative Desinteresse, auch an den 3 Milliarden Euro hohen Verlustvorträgen, wird den Verkaufspreis senken.

United Internet hat es mit der Übernahme des Konkurrenten Freenet nicht mehr eilig. “Freenet ist für uns keine kurzfristige Geschichte, höchstens eine mittel- bis langfristige. Ehrlich gesagt: Ich beschäftige mich im Moment gar nicht damit”, sagte Ralph Dommermuth, Vorstandsvorsitzender von United Internet, der F.A.Z. Offenbar hat Dommermuth an den rund drei Milliarden Euro hohen Verlustvorträgen, die ein Käufer nur bei einer Freenet-Übernahme in diesem Jahr steuerlich nutzen könnte, kein Interesse.

Denn auch ohne Freenet läuft das Geschäft von United Internet wieder rund. Nach einer Delle im wichtigen Geschäft mit schnellen DSL-Internetanschlüssen im zweiten Quartal hat das Unternehmen zwischen Juli und September 120 000 neue DSL-Anschlüsse verkauft, doppelt so viel wie im Quartal zuvor. “Wir mussten erst unsere Vertriebskanäle wieder hochfahren. Jetzt läuft das DSL-Geschäft von Monat zu Monat besser. Das geht auch im vierten Quartal so weiter: Der Oktober war besser als der September. Und der November ist nochmal stärker. Daher bin ich zuversichtlich, dass wir in diesem Quartal 230 000 DSL-Kunden gewinnen können und unser Jahresziel von 500 000 Neukunden erreichen”, sagte Dommermuth, dessen Unternehmen an der Börse mit 4,1 Milliarden Euro bewertet wird.

Im zweiten Quartal war das DSL-Geschäft von United Internet in den Ballungszentren eingebrochen, da die Haushalte vor allem Komplettpakete für Telefon und Internet aus einer Hand nachgefragt haben. Diese Pakete konnte United Internet nicht liefern, da die geplante Kooperation mit der Deutschen Telekom geplatzt war. “Die Telekom hatte plötzlich mitgeteilt, dass sie uns das geplante Vorleistungsprodukt in Jahr 2007 nicht mehr liefern könne. Daraufhin sind wir die Kooperationen mit Telefónica und QSC eingegangen. Das hat etwas gedauert”, sagte Dommermuth. Seit Anfang Juli ist United Internet aber zurück im Geschäft, muss allerdings mit Telekom-Angeboten konkurrieren, die ebenfalls preislich konkurrenzfähig geworden sind. Das sieht Dommermuth gelassen.

“Die Telekom versucht, allen Bestandskunden ihre Pakete zu verkaufen. Das ist im Moment ein extremer Effekt, aber das wird sich irgendwann wieder beruhigen”, vermutet Dommermuth. Die Telekom hatte im dritten Quartal zwar 480 000 ihrer Kunden DSL-Pakete verkauft, trotzdem aber wiederum eine halbe Million Kunden verloren.

Ein weiterer Wachstumstreiber für United Internet war die Vermietung von Speicherplatz im Internet, vor allem im Ausland. “Dort haben wir die Zahl der kostenpflichtigen Kundenverträge im Vergleich zum Vorjahresstichtag um 390 000 auf 1,55 Millionen gesteigert”, sagte Dommermuth.

Seit kurzem ist das Unternehmen in Spanien aktiv; weitere Auslandsmärkte sollen im kommenden Jahr hinzukommen. “Im Ausland müssen wir in den ersten Jahren aber mit Anlaufverlusten rechnen. Auch Spanien ist jetzt natürlich defizitär”, sagte Dommermuth. In den ersten neuen Monaten hat das Unternehmen seinen Umsatz um 27 Prozent auf 1,07 Milliarden Euro erhöht. Das Ergebnis vor Steuern legte knapp 30 Prozent auf 182 Millionen Euro zu.

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