Netzwirtschaft

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Die Digitalisierung erfasst immer mehr Lebensbereiche. Wie sie sich auf Menschen und Märkte auswirkt, beleuchtet das Netzwirtschaft-Blog auf FAZ.NET.

Intensivleser gehen ins Internet

Das Internet bewirkt die schleichende Erosion der Intensivleserschaft der Zeitungen, haben zwei Wissenschaftler herausgefunden.

Nachrichten im Internet machen den Zeitungen zunehmend Leser abspenstig. Das ist das Ergebnis einer Studie, die das Journal „Medien- und Kommunikationswissenschaft“ publiziert. Erstmals sei es gelungen, eine Nutzungsverschiebung zwischen Print und Online nachzuweisen, schreiben die Autoren Castulus Kolo und Robin Meyer-Lucht. Das Internet bewirke die schleichende „Erosion der Intensivleserschaft“ der Tagespresse. Im Trend sei der Anteil der Intensivleser überregionaler Tageszeitungen in den vergangenen Jahren um 0,6 Prozentpunkte im Jahr gefallen, während die überregionalen Nachrichtenseiten ihre Intensivleser um 1 Prozentpunkt im Jahr ausgebaut hätten.

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Regionale Tageszeitungen verlieren ihre Intensivleser schneller, allerdings profitiert das Internet weniger stark davon. 

Die Autoren prüften die Nutzung von Nachrichtensites, die zum großen Teil von Verlagen stammen, und gedruckten Zeitungen im Zeitraum 2001 bis 2006. Es ergab sich, dass Zeitungen Leser verlieren, für die das Internet Nachrichtenmedium ist. Besonders stark gilt das für Leser im Alter von 25 bis 35 und bis 44 Jahren. Bei ihnen sei der Anteil regelmäßiger Leser von Tageszeitungen von 50,5 auf 37,4 und von 64,8 auf 54,2 Prozent gefallen. Zugleich stieg der Anteil der Intensivnutzer von Nachrichtensites von 7,9 auf 14,2 und von sieben auf 12,3 Prozent.

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„Online und Print laufen nicht einfach parallel oder ergänzen sich gar“, so die Autoren, „sondern machen einander zunehmend Zuwendungsressourcen streitig.“ Der Übergang von der „experimentellen Parallelnutzung“ zur „habitualisierten Entscheidung“ für Print oder Online zeichne sich ab. Die Entwicklung zeige, wie wichtig es für Verlage sei, ihre Marken zu digitalisieren. Für ihre Analyse stützen sich die Autoren auf die Allensbacher Werbeträger-Analyse und die Allensbacher Computer- und Technik-Analyse.

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