Netzwirtschaft

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Die Digitalisierung erfasst immer mehr Lebensbereiche. Wie sie sich auf Menschen und Märkte auswirkt, beleuchtet das Netzwirtschaft-Blog auf FAZ.NET.

Weniger Klicks auf Web 2.0 Seiten

Im Februar sind die Klicks auf die Web 2.0 Seiten in Deutschland erstmals kräftig gefallen. Die VZ-Familie hat zusammen mehr als eine Milliarde Seitenaufrufe weniger als im Januar. Zudem bleiben die Nutzer weniger lange auf den einzelnen Seiten.

Im Februar sind die Klicks auf die Web 2.0 Seiten in Deutschland erstmals kräftig gefallen. Nach IVW-Messungen hat StudiVZ nach 8 Monaten kräftigen Wachstums erstmals rund 400 Millionen Seitenaufrufe verloren. Der kleine Bruder SchülerVZ verlor sogar rund 700 Millionen Klicks. Zum Vergleich: Das Portal T-Online hat ebenfalls rund 100 Millionen PIs verloren, weil der Februar weniger Tage hat als der Januar. Dennoch ist der Rückgang auf den Web 2.0 Seiten weit stärker als dieser Kalendereffekt. Auch für die Lokalisten und MyVideo ging es im Februar leicht nach unten.

In Amerika ist ein Trend schon länger erkennbar: Viele soziale Netzwerke können zwar ihre Reichweite weiter ausbauen, aber die durchschnittliche Verweildauer geht mit jedem weiteren Nutzer zurück. Denn viele Menschen, vor allem Jugendliche, sind heute parallel in mehreren Netzwerken angemeldet. Da die Online-Zeit nicht beliebig ausgedehnt werden kann, leidet die Verweildauer in den einzelnen Netzwerken.

In Deutschland ist diese Tendenz auch schon bei einigen, aber nicht bei allen sozialen Netzwerken zu beobachten, wie eine Analyse von Nielsen Online für die F.A.Z. ergeben hat. Relativ klar zeigt das Netzwerk Wer-kennt-wen.de die amerikanische Kombination aus steigender Reichweite, aber tendenziell fallender durchschnittlicher Verweildauer der Nutzer. Noch kann sich das junge Unternehmen den Rückgang leisten, denn mit 168 Minuten Verweildauer im Durchschnitt liegt Wer-kennt-wen.de weit vor SchülerVZ (111 Minuten), StudiVZ (100 Minuten), den Lokalisten (63 Minuten), Xing (42 Minuten) und MySpace (31 Minuten).

Ganz anders sieht es jedoch bei MySpace aus: Reichweite und Verweildauer scheinen ihren Zenit in Deutschland – ebenso wie in Amerika – überschritten zu haben. Zudem liegt die durchschnittliche Verweildauer auf den MySpace-Seiten deutlich unter dem deutschen Durchschnitt, weil MySpace viel weniger für die Kommunikation genutzt wird als die Konkurrenzseiten, haben die Messungen von Nielsen Online ergeben.

In Amerika ist die durchschnittliche Verweildauer auf MySpace im vergangenen Jahr ebenfalls kräftig von 230 auf 180 Minuten im Monat gefallen, haben Messungen des Marktforschungsunternehmen Comscore ergeben. Offenbar unterscheiden sich die Nutzungsgewohnheiten von MySpace in Amerika und Deutschland sehr deutlich.

Das gilt auch für die Geschäftsnetzwerke: Während LinkedIn in Amerika im Durchschnitt nur sieben Minuten je Monat von seinen Mitgliedern genutzt wird, ist die Aktivität auf Xing weit größer: 42 Minuten je Monat sind die deutschen Nutzer im Durchschnitt aktiv, hat Nielsen Online gemessen.

Dabei zeigt sich bei den Lokalisten der gegenteilige Zusammenhang: Die Münchner Online-Gemeinschaft kann zwar ihre Reichweite seit einigen Monaten nicht mehr steigern, wohl aber die Verweildauer. Den Unternehmen kann es egal sein: Beide Entwicklungen garantieren Wachstum und Attraktivität in der Werbebranche.

Von der Kommunikationsfreude seiner Mitglieder profitieren auch StudiVZ und SchülerVZ. Im Durchschnitt verbringen die rund acht Millionen Mitglieder der beiden Netzwerke mehr als 100 Minuten jeden Monat auf den Seiten. Ein Rückgang der als „Stickiness“ bezeichneten Treue der Nutzer ist trotz des schnellen Wachstums bisher nicht zu erkennen.

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