Netzwirtschaft

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Die Digitalisierung erfasst immer mehr Lebensbereiche. Wie sie sich auf Menschen und Märkte auswirkt, beleuchtet das Netzwirtschaft-Blog auf FAZ.NET.

Google und Doubleclick dürfen neuen Werberiesen bilden

Die EU-Kommission hat Google genehmigt, Doubleclick zu übernehmen. Damit entsteht der mit Abstand größte Online-Werbekonzern der Welt. Schon wird die Kritik der Datenschützer und Wettbewerber lauter.

Die EU-Kommission hat die Übernahme des Internet-Werbefirma Doubleclick durch den Internet-Konzern Google genehmigt. Die Übernahme würde sich in keinem relevanten Bereich negativ auswirken, begründete die Brüsseler Behörde am Dienstag ihre Entscheidung. Bedenken anderer Unternehmen, der Zusammenschluss werde Konkurrenten benachteiligen, wies die
Kommission zurück. So könnten Kunden wie Website-Betreiber oder Werbetreibende auch weiter auf andere Anbieter zurückgreifen. Vorsorglich hatte sich zum Beispiel United Internet am Adserving-Unternehmen Adition beteiligt, um ein letztes unabhängiges Unternehmen zu erhalten.

Neben Doubleclick war bereits Adtech von AOL aufgekauft worden. Doubleclick liefert wie Adtech die Werbung aus, ist also eher Dienstleister der Werbebranche – allerdings mit sehr hohem Marktanteil. Die Werbebranche befürchtet, dass Google mit Hilfe von Doubleclick mit Druck in den Markt für Display-Werbung drängen wird und dabei die Google-Konkurrenten benachteiligen könnte. „Adserving gehört zu den Kerntechnologien und zu den datensensiblen Bereichen der digitalen Werbung. Die in diesem Bereich anhaltende Konzentration führt zu einer Marktmacht globaler Anbieter, die den Wettbewerb einschränkt. Für einen offenen und unabhängigen digitalen Mediamarkt in Deutschland und Europa sind der Erhalt neutraler Dienstleister von essentieller Bedeutung“, sagte Matthias Ehrlich, Vorstand der United Internet Media, der F.A.Z. 

Unmittelbar nach der Entscheidung gab Google den Abschluss des Erwerbs von DoubleClick bekannt. „Wir freuen uns, den Erwerb von DoubleClick zum Abschluss gebracht zu haben. Mit DoubleClick verfügt Google nunmehr über eine führende Plattform für Online-Werbung, die es uns ermöglichen wird, Verbesserungen bei Technologie und Infrastruktur schnell auf den Markt zu bringen. Dies wird die Messbarkeit und Leistungsfähigkeit digitaler Medien für Webseiten-Betreiber, Werbetreibende und Werbeagenturen erheblich steigern und gleichzeitig die Relevanz von Werbung für die Nutzer verbessern“, sagte Google-CEO Eric Schmidt. 

Googles Konkurrent Microsoft hatte vergangenen Herbst davor gewarnt, die umgerechnet 2,2 Milliarden Euro teure Übernahme stelle eine Gefahr für den Datenschutz und den Wettbewerb dar. 

Solche Daten sind für die Werbewirtschaft wichtig, um maßgeschneiderte Reklame im Internet zu schalten. Datenschützer fürchten negative Folgen durch einen Zusammenschluss der umfangreichen Datenbanken von Google und Doubleclick. Die Kommission stellte dazu klar, dass die wettbewerbsrechtliche Genehmigung nicht die datenschutzrechtlichen Pflichten des Unternehmen berühre.

Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar hat die Genehmigung kritisiert. Wenn die beiden Unternehmen zusammenarbeiteten, könnten sie das Surfverhalten von Millionen von Internetnutzern beobachten, sagte Schaar der Zeit. „Anstelle zweier sehr mächtiger Datenbanken entsteht eine“, fügte er hinzu. „Das Nutzerprofil wird immer detaillierter.“ Der Datenschützer kritisierte zudem, dass nicht klar sei, ob nach der Fusion der beiden Unternehmen die europäischen oder die US-Datenschutzbestimmungen gelten sollten. Zwar hätten beide Firmen ihren Sitz in den Vereinigten Staaten, Google verarbeite aber viele Daten in Europa.

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