Netzwirtschaft

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Die Digitalisierung erfasst immer mehr Lebensbereiche. Wie sie sich auf Menschen und Märkte auswirkt, beleuchtet das Netzwirtschaft-Blog auf FAZ.NET.

AOL kauft Bebo für 850 Millionen Dollar

AOL hat das soziale Netzwerk Bebo für 850 Millionen Dollar übernommen. Bebo gehört mit 40 Millionen Nutzern zu den größten sozialen Netzwerken und ist Nr. 3 im Markt hinter MySpace und Facebook. Besonders stark ist Bebo in England.

Das Internetunternehmen AOL hat das soziale Netzwerk Bebo für 850 Millionen Dollar in bar übernommen. Bebo hat nach eigenen Angaben 40 Millionen Nutzer in aller Welt und ist damit die Nummer drei unter den sozialen Netzwerken hinter MySpace und Facebook. Bebo war das letzte große, unabhängige Netzwerk. „Bebo ist die perfekte Ergänzung zu unseren Kommunikationsnetzwerken, dem AOL Instant Messenger (AIM) und ICQ. Kein anderes Netzwerk kann das vorweisen“, sagte Randy Falcon, Vorstandsvorsitzender von AOL. „Die Integration von Bebo mit AIM und ICQ bringt uns in eine führende Position im sozialen Internet“, sagte Falcon. AOLs „social graph“ werde dann auf 80 Millionen Menschen anwachsen.

AOL setzt nach mehreren Strategiewechseln inzwischen auf die Online-Werbung und baut dafür in ganz Europa neue Portale auf. Die Bebo-Übernahme soll vor allem der AOL-Werbeplattform einen Schub bringen. Die im vergangenen Herbst gestartete „Platform-A“ soll den Kunden die Möglichkeit geben, Werbung nicht nur auf AOL-Seiten, sondern in einem weit größeren Werbenetzwerk zu buchen. Die 40 Millionen Bebo-Nutzer seien ind somit eine willkommene Ausweitung des Netzwerkes. AOL hat in Europa zuvor schon den Adserving-Spezialisten Adtech gekauft, war aber mit der Übernahme des Werbenetzwerkes Tradedoubler gescheitert.

Bebo wurde 2005 in England gegründet und ist hinter Facebook die Nummer zwei unter den sozialen Netzwerken auf der Insel. In Deutschland ist das Unternehmen bisher nicht mit einer eigenen Version am Markt und daher wenig bekannt. Bebo-Präsidentin Joanna Shields wird nach der Übernahme weiter die Geschäfte von Bebo leiten.

Bebo stand seit einigen Monaten zum Verkauf und hatte bereits im vergangenen Jahr das Interesse von Yahoo geweckt. Damals gab es Gerüchte, Yahoo biete eine Milliarde Dollar für Bebo. Auch Microsoft, News Corp. und Google waren nach einem Bericht von Techcrunch an Bebo interessiert. Die jetzige Übernahme lässt außerdem die Vermutung zu, dass AOL nun weniger Interesse (und Geld) hat, Yahoo im Übernahmekampf gegen Microsoft beizustehen. AOL war als Interessent für Teile des Yahoo-Geschäftes gehandelt worden.

Der Kaufpreis von 850 Millionen Dollar gilt als moderat, nachdem Konkurrent Facebook nach dem Einstieg von Microsoft mit 15 Milliarden Dollar bewertet worden ist.

UPDATE: Comscores Reichweitendaten zeichnen ein etwas anderes Bild, das den Kaufpreis ins rechte Licht rückt:

Reichweite global Januar 2008 / Wachstum gegenüber Januar 2007 in Prozent:

MySpace: 109 Millionen / 10

Facebook: 101 Millionen / 305

Bebo:  22,4 Millionen / 76

 

Reichweite Großbritannien (Januar 2008 / Wachstum gegenüber Januar 2007 in Prozent)

Facebook: 12,8 / 688

Bebo: 11,4 / 74

MySpace: 8,8 / 9

 

Verweildauer in Minuten: (Februar 2008 global)

Bebo: 217

Facebook : 199

MySpace: 156

 

 

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