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Spoerr lässt Dommermuth abblitzen

Die Kampfhähne Ralph Dommermuth und Eckhard Spoerr tragen ihren Zwist nun mittels "offener Briefe" aus. Offenbar hat Spoerr jetzt die besseren Karten. Vielleicht ist der "Taktiker" Dommermuth einfach zu ehrlich für den "Trickser" Spoerr.

Freenet will sich von United Internet nicht abhalten lassen, die Verhandlungen mit Permira über den Kauf des Mobilfunkanbieters Debitel fortzusetzen. „Es liegt nicht im Unternehmensinteresse, die Erfolg versprechenden Verhandlungen mit Permira aufgrund bisher unverbindlich geäußerter Vorüberlegungen ihrerseits abzubrechen oder zu verschieben” schrieb Freenet-Chef Eckhard Spoerr in einem Brief an Ralph Dommermuth (PDF), den Vorstandsvorsitzenden von United Internet. Dieser hatte Spoerr am Montag – ebenfalls per Brief (PDF)- aufgefordert, den vereinbarten Zeitrahmen einzuhalten und erst Anfang Juni eine Entscheidung zu treffen, wenn auch United Internet sein Angebot nach intensiver Prüfung der Bücher offiziell abgeben könne. In der vergangenen Woche hatte Dommermuth Permira offen gedroht, für das Unternehmen werde bei einem Debitel-Verkauf an Freenet unbequem in Deutschland. Medienberichten zufolge stehen die Verhandlungen zwischen Freenet und Permira aber kurz vor dem Abschluss. Spoerr scheint zur Zeit die besseren Karten zu haben.

Bild zu: Spoerr lässt Dommermuth abblitzen  

Die Fehde geht weiter: Eckhard Spoerr (rechts) lässt Ralph Dommermuth auflaufen

Erst am Montag hatte United Internet sein – inoffizielles – Angebot von 12,80 Euro auf 14 Euro je Aktie erhöht. Ein offizielles, förmliches Übernahmeangebot will United Internet zur Zeit nicht vorlegen. Denn nach den Regeln der Finanzaufsichtsbehörde Bafin wäre United Internet jetzt noch an den Preis gebunden, den das Unternehmen für seinen Anteil an Freenet zum Jahreswechsel gezahlt hat. Dieser Preis liegt bei mehr als 16 Euro je Aktie. Erst im Sommer wäre United Internet nicht mehr an diese Bafin-Regel gebunden und könnte ein Übernahmeangebot auf Basis des inzwischen auf rund 12 Euro gesunkenen Durchschnittskurses der vergangenen drei Monate abgeben.

Freenet fühlt sich an diesen Zeitrahmen aber nicht gebunden. „Es ist nicht zutreffend, dass es zwischen uns einen „vereinbarten Zeitplan” … gibt”, schrieb Spoerr. Das inoffizielle Übernahmeangebot will Spoerr ebenfalls nicht akzeptieren. „Solange kein Übernahmeangebot vorliegt, verfügt Freenet nicht über die von Ihnen behauptete Handlungsalternative. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass sich vermeintliche Handlungsalternativen zwischen den Parteien nicht immer materialisiert haben”, schrieb Spoerr. Hintergrund der Formulierung ist der gescheiterte Übernahmeversuch aus dem vergangenen Jahr. Damals stand eine Einigung kurz bevor, als United Internet die Verhandlungen überraschend platzen ließ. „Leider sahen Sie sich im Rahmen der Gespräche außer Stande, die von Ihnen genannten Kennzahlen nachzuweisen. Letztendlich blieb uns nicht anderes übrig, als die Gespräche abzubrechen”, nennt Dommermuth in seinem Brief als Grund für den Abbruch der Gespräche.

Gleichzeitig warnt er Spoerr eindringlich vor einem Debitel-Kauf: „Bitte lassen Sie sich nicht ohne Not zum Erfüllungsgehilfen von Permira und den Debitel finanzierenden Banken machen. Wie Sie wissen, werde diese der Übernahme der milliardenschweren Debitel-Kredite nur unter dem Vorbehalt zustimmen, dass Freenet eine horrende Margenerhöhung akzeptiert. Ziel ist es, bereits teilweise veräußerte Debitel-Kredite „herauszuputzen”, um eine Weiterveräußerung an Dritte zu ermöglichen und auf diesem Weg außerordentliche Einmaleffekte zu erzielen. … Wenn Sie zulassen, dass zukünftig neben dem Debitel-Geschäft auch die Freenet-Assets für die Debitel-Kredite haften, dann setzen Sie alles auf eine Karte. Das kann soweit führen, dass im Falle eines Scheiterns … die Freenet-Aktionäre durch Sicherheitsverwertungen quasi-enteignet werden”, warnte Dommermuth.

Seine immer schärfer werdenden Warnungen scheinen aber weder bei Freenet noch bei Permira auf offene Ohren zu stoßen. Vielleicht ist Dommermuth einfach zu ehrlich, um gegen Spoerr zu gewinnen.

Die Chronologie des Übernahmekampfes:

 

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