Netzwirtschaft

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Freenet boxt Debitel-Kauf durch

Obwohl United Internet am Sonntag noch einmal den Druck auf Freenet erhöht hat, stimmte Spoerrs Aufsichtsrat dem Debitel-Kauf zu. Zuvor hatte United Internet in einem neuen Breif geschrieben, 58 Prozent des Grundkapitals seien für den Verkauf an United Internet.

UPDATE: Eckhard Spoerr hat es geschafft. Sein Aufsichtsrat stimmte der Übernahme von Debitel zu. Spoerr bleibt natürlich Vorstandsvorsitzender und darf sich anrechnen, zum zweiten Mal einen scheinbar aussichtslosen Kampf gewonnen zu haben: Zuerst gegen den Mobilcom-Chef Grenz und nun gegen Ralph Dommermuth von United Internet. Kurz vor der entscheidenden Aufsichtsratsitzung am Sonntag hatte United Internet noch die Aufstockung seines Angebots auf 16 Euro je Aktie in Aussicht gestellt. Es hat nichts mehr genutzt. (Portrait: Der Ehrliche ist wieder der Dumme)

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Eckhard Spoerr (l.) setzt sich gegen Ralph Dommermuth durch

In einem Brief an den Freenet-Vorstand wies United Internet darauf hin, dass acht institutionelle Freenet-Aktionäre, die zusammen 32,6 Prozent der Aktien halten, ihre Anteile an United Internet verkaufen wollen. Zusammen mit den von United Internet und Drillisch gehalten 25,05 Prozent seien Anteilseigner mit 58 Prozent des Grundkapitals für einen Verkauf des Unternehmens an United Internet, heißt es in dem Schreiben.

Da die Debitel-Übernahme kurz vor dem Abschluss steht, hat United Internet am Sonntag noch einmal Tempo gemacht: Sollte Freenet die geforderten detaillierten Information zum DSL-Geschäft vorlegen, würde United Internet innerhalb von fünf Arbeitstagen ein Übernahmeangebot vorlegen, schrieb der United-Internet-Vorstandsvorsitzende Ralph Dommermuth. Damit verabschiedete sich Dommermuth von seiner bisherigen Strategie, ein Übernahmeangebot erst im Juni vorzulegen. Dann wäre United Internet nicht mehr an die Börsenregel gebunden gewesen, den außenstehenden Freenet-Aktionären so viel Geld je Aktie zu bieten, wie das Unternehmen selbst für seine Freenet-Aktien gezahlt hat, nämlich gut 16 Euro.

Bisher hatte United Internet stets versucht, billiger an die Freenet-Aktien zu kommen, da der Aktienkurs seit dem Jahresanfang kräftig auf etwa 12 Euro gefallen ist. Doch mit den bisherigen Angeboten von zunächst 12,80 Euro und dann 14 Euro je Aktie hatte United Internet aber offenbar nicht genügend Freenet-Aktionäre auf seine Seite ziehen können. Mit der Erhöhung des Angebotes auf 16 Euro je Aktie würde United Internet erheblich mehr für die Freenet-Übernahme zahlen als geplant. Offenbar sieht der United-Internet-Vorstand darin aber die letzte Möglichkeit, den Debitel-Kauf noch zu verhindern. „Die Abgabe eines Übernahmeangebotes würde selbstverständlich voraussetzen, dass die Debitel Transaktion nicht durchgeführt wird“, schreibt Dommermuth.

Die Chronologie des Übernahmekampfes:

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