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Die Digitalisierung erfasst immer mehr Lebensbereiche. Wie sie sich auf Menschen und Märkte auswirkt, beleuchtet das Netzwirtschaft-Blog auf FAZ.NET.

Freenet-Aufsichtsrat erwartet "solide Mehrheit"

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Stephan Howaldt heißt der Mann, der über das Schicksal von Freenet entscheiden wird. Der Deutschland-Chef des britischen Investmentfonds Hermes verfügt über gut 5 Prozent der Anteile an Freenet. Im Moment sieht es so aus, als habe er sich für Freenet entschieden.

Helmut Thoma, der Aufsichtsratsvorsitzende des Internetunternehmens Freenet, erwartet auf der Hauptversammlung am Freitag einen klaren Sieg über die Kontrahenten United Internet und Drillisch. „Es sieht so aus, als gäbe es eine solide Mehrheit für die Verwaltung“, sagte Thoma dier FAZ. Auch der britische Investmentfonds Hermes, der von seinem Deutschland-Chef Stephan Howaldt vertreten wird, wird nach Thomas Einschätzung für Freenet stimmen. Dafür wird das Unternehmen später wohl mit einem Aufsichtsratssitz belohnt. In der Branche ist von einem Pakt der institutionellen Investoren zu hören, die genug von dem Theater um Freenet haben und nun endlich Ruhe wollen, damit das Unternehmen im Wettbewerb nicht noch weiter zurückfällt. „Da sind einige auf einem Ego-Trip. Das muss beendet werden“, heißt es.

Die entscheidenden Akteure auf der HV: Helmut Thoma, Eckhard Spoerr, Stephan Howaldt, Paschalis Choulidis, Norbert Lang (v.l.n.r.)

Spekulationen, der Freenet-Vorstandschef Eckhard Spoerr werde nach dem Verkauf der DSL-Sparte vom bisherigen Debitel-Chef Oliver Steil abgelöst, bezeichnete Thoma als haltlos. „Eckhard Spoerr führt das Unternehmen, und das wird auch nach dem DSL-Verkauf so bleiben. Es gibt keinen Plan, Spoerr abzulösen – das sieht auch Permira so“, sagte Thoma. Wie zu hören ist, könnten Permira und Hermes nach dem Verkauf des DSL-Geschäftes trotzdem darüber nachdenken, ob sie Spoerr durch Steil ersetzen.

Freenet hatte vor kurzem das Mobilfunkunternehmen Debitel von der Beteiligungsgesellschaft Permira erworben. Permira hält nach dem Kauf rund 25 Prozent der Freenet-Anteile und ist damit zweitgrößter Aktionär des Unternehmens. Den größten Anteil besitzen United Internet und Drillisch, die auf der Hauptversammlung den Aufsichtsrat abwählen lassen wollen, um das Unternehmen anschließend aufzuteilen. United Internet hat Interesse an der DSL-Sparte, während Drillisch den Mobilfunkzweig haben möchte.

Für Paschalis Choulidis, den Vorstandschef von Drillisch, ist die Hauptversammlung aber noch lange nicht gelaufen. „Hermes wird den Ausschlag geben. Und nach meinen Kenntnissen hat sich Hermes noch nicht entschieden“, sagte Choulidis der FAZ. United Internet und Drillisch wollten die Tagesordnung am Freitag wie geplant durchziehen und damit auch über die Abwahl des Aufsichtsrates abstimmen lassen. Für den Fall einer Niederlage kündigte Choulidis an, den Anteil an Freenet gegebenenfalls auszubauen. „Im nächsten Jahr wird es wieder eine Hauptversammlung geben. Dann wird das Spiel weitergehen. Und dann wird Herr Spoerr die Aktionäre nicht mehr damit erpressen können, dass seine Abberufung den Verkauf der DSL-Sparte erschweren und damit den Aktienkurs belasten könne“, sagte Choulidis. Gemeinsam mit dem UI-Finanzchef Norbert Lang wird er am Freitag den Angriff auf Freenet ausführen. Ralph Dommermuth hat wohl inzwischen genug von der Fehde, die ihn einiges an Reputation und Geld gekostet hat. Er kommt nicht nach Hamburg.

Bild zu: Freenet-Aufsichtsrat erwartet "solide Mehrheit"

Schickt lieber seinen Finanzvorstand zur Freenet-HV: Ralph Dommermuth

Für den Verkauf der DSL-Sparte sind erste Gespräche geführt worden. Besonderes Interesse hat neben United Internet auch das Telekommunikationsunternehmen Vodafone. Auch Telefónica könnte interessiert sein, hat sich aber bisher nicht dazu geäußert. Nach Angaben aus Branchenkreisen verlangt Freenet für jeden der noch 1,1 Millionen DSL-Kunden zwischen 600 und 700 Euro. Die Preisvorstellungen der Interessenten sollen aber weit darunter liegen.

UPDATE:

Einen Tag vor der wichtigen Hauptversammlung hat Freenet schwache Zahlen für das zweite Quartal vorgelegt. Der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) schrumpfte im Vergleich zum Vorjahr von 70,5 Millionen auf 53,7 Millionen Euro, teilte das Unternehmen am Donnerstag in Büdelsdorf mit. Der Umsatz sackte von 467 Millionen auf 435 Millionen Euro ab. Für den Einbruch machte Spoerr höhere Aufwendungen für die Kundengewinnung und Rückstellungen für Aktienoptionen verantwortlich. Auch die schwierige Lage auf dem Markt für schnelle DSL-Internetanschlüsse und der Streit mit den wichtigen Aktionären United Internet und Drillisch belasteten das Geschäft.

Die Zahl der DSL-Kunden sank von 1,19 auf 1,1 Millionen. Das Geschäft soll möglichst noch in diesem Jahr verkauft werden. Dagegen stieg die Zahl der Mobilfunkkunden um 170000 auf 5,98 Millionen. Nach dem Verkauf der DSL-Sparte will sich Freenet auf das Mobilfunkgeschäft, den Verkauf von Speicherplatz im Internet und das mobile Internet konzentrieren.

Eine Prognose für das gesamte Geschäftsjahr sei seriös nicht zu erstellen, sagte Spoerr: „In diesem Jahr werden wir noch erhebliche Einmalaufwendungen durch den Zusammenschluss mit Debitel haben“. Auf der Hauptversammlung hofft Spoerr auf breite Zustimmung für seine Strategie. „Wir sind zuversichtlich, dass wir die Mehrheit haben“, sagte er. Sollte diese knapp ausfallen, sehe er sich dadurch aber nicht geschwächt. „Mehrheit ist Mehrheit“, sagte Spoerr. Er hofft, dass sich das Verhältnis zu United Internet und Drillisch nach der Hauptversammlung wieder normalisiert. 

 

Per Live-Blogging werde ich am Freitag den ganzen Tag über die Hauptversammlung berichten.

Die Chronologie des Übernahmekampfes:

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1 Lesermeinung

  1. <p>Dieses Machtgehabe zwischen...
    Dieses Machtgehabe zwischen Spoerr und Dommermuth geht in meinen Augen langsam zu weit. Im Interesse der United Internet und Freenet Aktionäre ist der Grossteil der Aktionen mit Sicherheit nicht. Beide sollten vielleicht endlich mal persönliche Interessen zurück stellen und an das Wohl des Unternehmens respektive der Aktionäre denken.
    Naja, nach Bekanntgabe der neuesten Freenet-Kundenzahlen wäre eine Übernahme ja wenigstens knappe 60 Mio. günstiger ;)
    MfG

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