Netzwirtschaft

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Endspiel um Freenet – live

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Auf der Freenet-Hauptversammlung geht es heute ums Ganze: Die Großaktionäre United Internet und Drillisch wollen den Aufsichtsrat abwählen lassen, den Vorstandschef stürzen und Freenet anschließend unter sich aufteilen. AR-Chef Helmut Thoma und Vorstandschef Eckkard Spoerr wollen den Angriff abwehren. Ein Live-Bericht.

22:50 Uhr Spoerr: Ein klares Votum

Rund 64 Prozent der Stimmen entfallen auf das Freenet-Lager. Wie erwartet ist der Hermes-Kandidat Lars Reichelt in den Aufsichtsrat gewählt worden. Einen Denkzettel geben die Aktionäre aber Eckhard Spoerr noch mit auf den Weg: Für seine Entlastung als Vorstandschef stimmen nur 57 Prozent der Aktionäre. Aber wie hatte Spoerr schon vorher treffend gesagt: „Mehrheit ist Mehrheit“.  (-> Abstimmungsergebnis (PDF)).

„Von den freien Aktionären, als ohne Drillisch/MSP und Permira, stimmte 94 bis 97 Prozent für uns. Nicht ein relevanter institutioneller Investor war auf Seiten von United Internet und Drillisch. Das ist ein superklares Votum“, sagte Spoerr der FAZ.

Offenbar hat kaum jemand der Argumentation von United Internet und Drillisch geglaubt, die geplante Absetzung des Aufsichtsrats und des Vorstands liege im Interesse des gesamten Unternehmens und nicht nur im Interesse der beiden Großaktionäre. 

Nun hat Freenet ein Jahr Zeit, die versprochenen Vorteile der Debitel-Übernahme umzusetzen, um vor allem den Aktienkurs nach oben zu bringen. Denn in einem Jahr will Choulidis auf der nächsten Hauptversammlung wieder angreifen. Ob United Internet dann noch an Bord ist, kann bezweifelt werden. Bis dahin wird die DSL-Sparte wohl verkauft sein. Als Käufer tippe ich mal auf Vodafone. Ein Wettbieten mit den Briten kann sich United Internet nicht erlauben. United Internet legt am kommenden Mittwoch seine Quartalszahlen vor. Dabei dürfte spannend sein, ob sich die Abschwächung des DSL-Marktes Geschäftes negativ ausgewirkt hat. Auch eine Abschreibung von rund 60 Millionen Euro auf den Freenet-Anteil liegt in der Luft.

21:40 Spoerr und Thoma haben es geschafft !

Dann geht plötzlich alles ganz schnell: Die Freenet-Hauptversammlung spricht dem Vorstandsvorsitzenden Eckhard Spoerr das Vertrauen aus. Auch sämtliche Mitglieder des Aufsichtsrates werden bestätigt. Die Sonderprüfung des Debitel-Deals wurde ebenfalls abgelehnt. Damit haben Spoerr und Thoma auf ganzer Linie gesiegt, Paschalis Choulidis und (in Abwesenheit) Ralph Dommermuth haben verloren. Dommermuth hat sogar doppelt verloren, denn der Aktienkurs von United Internet ist heute um 6,2 Prozent eingeknickt, was ihm als Großaktionär richtig weh getan haben muss. Er ist der große Verlierer dieser Schlammschlacht. Niemand hat verstanden, warum er sich in diese Art der Auseinandersetzung so hat verstricken lassen. Spoerr kann ja nun – wie angekündigt – mit Choulidis ein Bier trinken gehen. Da er ihm große Teile seines 4,4 Millionen Euro Gehaltes im vergangenen Jahr verdankt, wird er die Rechnung sicher gern übernehmen.

21:35 HV stimmt gegen Abberufung von Thoma 

20:45 Thoma schließt die Debatte

Zwar sind den gut vorbereiteten Drillisch-Anwälten die Fragen immer noch nicht ausgegangen, aber die sollen sie schriftlich beim Notar einreichen. Jetzt stellt sich hier die Frage, ob bis Mitternacht alles über die Bühne geht. Vielleicht war es ein strategischer Fehler von Freenet, die HV auf nur einen Tag anzusetzen.

19:30 Thoma schließt Rednerliste

Jetzt hat Helmut Thoma doch die Rednerliste geschlossen. Nach einer kurzen Pause werden weitere Fragen beantwortet. Dann wird abgestimmt. Aber das kann noch dauern.

19:00 Uhr Zeitspiel

United Internet und Drillisch sind mit einer Armada von Anwälten hier angereist, die Freenet mit endlosen Fragenkatalogen beschäftigen. Das Ganze scheint nur ein Ziel zu haben: Die HV über Mitternacht hinaus zu verlängern. Da Freenet nur für einen Tag eingeladen hat, müsste die HV später neu angesetzt werden.

17:50 Uhr Die Börse hat entschieden: Freenet + 3,5 Prozent, UI – 6,2 Prozent

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17.20 Uhr Portrait Eckhard Spoerr: Der Unabsteigbare

Der Mann polarisiert, wo immer er auftritt. Skrupellos und trickreich ist er für die einen, ein durchsetzungsstarker und fähiger Manager für die anderen. Dass der 40 Jahre alte Schwabe Eckhard Spoerr auch nach neun Jahren noch an der Spitze des eigenständigen Unternehmens Freenet steht, hat er wahrscheinlich beiden Eigenschaften zu verdanken. Wie kaum ein anderer deutscher Spitzenmanager musste er in dieser Zeit Krisen überwinden, ihm wenig gewogene Aktionäre in Schach halten, sich gegen Konkurrenz um den Chefposten durchsetzen, Übernahmeversuche vereiteln – und scheinbar nebenbei noch ein Unternehmen im hart umkämpften Telekommunikationsmarkt leiten. Damit seine Geschichte reif für die Management-Lehrbücher wird, muss er aber erst noch beweisen, dass das von ihm geformte Mobilfunkunternehmen Freenet nicht nur aus der Not geboren wurde, sondern jetzt wirklich richtig aufgestellt ist.

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Der Mann mit der markanten Brille, der sich in der Rolle des Bungee-Springers gefällt und zu festlichen Anlässen schon mal goldfarbene Cowboy-Stiefel zum Smoking trägt, zeigt schon früh, was in ihm steckt. Abitur mit der Note 0,8, Leistungsschwimmer und schon früh leistungsorientiert: Das Studium der Betriebswirtschaft in Saarbrücken und der Michigan Business School zieht er in acht Semestern durch. Danach geht er zur Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton, was ihm aber schnell zu langweilig wird. Er macht sich als Sanierungsberater selbständig und lernt dabei, mit Krisen umzugehen. Das ist die richtige Schule, um 1999 Chef der neu gegründeten Mobilcom-Internetsparte Freenet zu werden. Kaum in Büdelsdorf angekommen, muss er nämlich feststellen, dass Freenet in einer finanziellen Schieflage steckte. Doch Spoerr zeigt erstmals seine Qualitäten und steuert Freenet durch die turbulente Zeit nach dem Dot.com-Crash im Jahr 2001. Nicht als Hasardeur, sondern ganz bodenständig.

Das Chaos, in das die Muttergesellschaft Mobilcom nach dem gescheiterten UMTS-Abenteuer fällt, lässt ihn ebenso kalt wie sein bisher einziger eklatanter Management-Fehler, als Partner für schnelle DSL-Internetanschlüsse auf ein kleines Unternehmen aus München zu setzen. Der Partner geht pleite und Freenet fällt im Wettbewerb zurück. Doch Spoerr, der sich und seinen Mitarbeitern alles abverlangt, holt den Rückstand auf und zeigt der Konkurrenz 2004 erstmals seine Art Geschäfte zu machen: Als nämlich Konkurrent United Internet noch penibel die Bücher des Speicherplatzanbieters Strato prüft, kauft er das Unternehmen einfach. Auf dem Erfolg kann er sich aber nicht lange ausruhen, denn 2005 beginnt die wahre Leidenszeit für Spoerr. Der neue Großaktionär Texas Pacific Group strebt die Verschmelzung mit der Muttergesellschaft Mobilcom an. Eigentlich ist der Mobilcom-Chef Thorsten Grenz als neuer Leiter der verschmolzenen Gesellschaft vorgesehen, doch Spoerr setzt sich durch. Bei der Forderung der Texaner nach einer Sonderausschüttung habe er sich „geschmeidiger“ gezeigt, heißt es später. Auch das gehört zu Spoerr dazu. Ebenso wie eine fürstliche Entlohnung für seine Dienste, die ihm 2007 mehr Geld bringt als dem Telekom-Chef René Obermann, obwohl dessen Unternehmen um eine Vielfaches größer ist.

Dafür steht er aber den zermürbenden Streit mit einigen Aktionären durch, die aus der Verschmelzung mit Mobilcom Profit schlagen wollen. Mitte 2007 ist die Verschmelzung endlich durch, da droht ihm neues Ungemach: Der Mobilfunkanbieter Drillisch hat ein Auge auf seine Handysparte geworfen und kauft sich in das Unternehmen ein. Im September 2007 schließen sich Drillisch und United Internet zusammen, um Freenet zu zerschlagen. Sein Schicksal scheint abermals besiegelt. Doch schon wie 2004 mit Strato trickst er den mächtigen United-Internet-Chef Ralph Dommermuth aus: Statt sich kaufen zu lassen, übernimmt Spoerr in einer Nacht- und Nebel-Aktion den weit größeren Mobilfunkanbieter Debitel. Typisch für Spoerr: Er bezahlt den Kauf zum Teil in eigenen Aktien, was ihm den überlebenswichtigen neuen Großaktionär bringt. Dass Freenet sich für das Geschäft hoch verschulden muss, nimmt Spoerr in Kauf. Dass er sich damit Ralph Dommermuth und den Drillisch-Chef Paschalis Choulidis zu Feinden macht, ist ihm egal. Dass er der neue Chef des Unternehmens wird, versteht sich von selbst. Ob er es aber auf Dauer bleibt, darüber wird heftig spekuliert. Denn die Schlammschlacht, die Dommermuth und Choulidis in den vergangenen Monaten immer wieder angefangen haben, hat auch bei Spoerr Spuren hinterlassen. Seine rüden, manchmal eigensinnigen und wenig auf Teamarbeit ausgelegten Management-Methoden sind nicht bei allen neuen Mitarbeitern und Aktionären gefragt. Und manchmal steigen auch Unabsteigbare ab.  

16.55 Spoerr will mit Choulidis ein Bier trinken gehen

Eckhard Spoerr sendet Friedenssignale in Richtung Drillisch. Nach der HV will er mit Paschalis Choulidis ein Bier trinken gehen. Das wird bestimmt total lustig.

16.35 Uhr Zwischenfazit

Vorstand und Aufsichtsrat der Freenet AG haben den Angriff der Großaktionäre United Internet und Drillisch offenbar abgewehrt. Eine Vorentscheidung war die Rede von Stephan Howaldt, dem Deutschland-Chef des britischen Investmentfonds Hermes, der mehr als 5 Prozent der Anteile besitzt. Howaldt hob vor allem die Fähigkeiten seines Aufsichtsratskandidaten Lars Reichelt hervor, ohne sich klar zu seinem Abstimmungsverhalten zu äußern. „Offenbar hat sich Freenet die Zustimmung mit einem Sitz für Hermes im Aufsichtsrat gesichert“, sagte Frank Rothauge, Analyst des Bankhauses Sal. Oppenheim. Das Hermes-Votum galt vorher als ausschlaggebend für den Ausgang der Hauptversammlung. Die Abstimmungen haben aber noch nicht begonnen.

Die Freenet-Großaktionäre United Internet und Drillisch, die zusammen rund 25,9 Prozent der Anteile an Freenet halten, hatten auf der Hauptversammlung die Anträge gestellt, den Aufsichtsrat abzuwählen und neu zu besetzen. Die beiden Unternehmen hatten zuvor monatelang versucht, Freenet zu übernehmen und unter sich aufzuteilen. Nun sollte die Hauptversammlung genutzt werden, um über einen Austausch des Kontrollgremiums doch noch die Macht zu übernehmen.

Allerdings haben die meisten Redner diese Vorschläge von United Internet und Drillisch abgelehnt. „Der Vorstand und der Aufsichtsrat sind viel zu sehr mit aktienrechtlichen Themen statt mit dem Tagesgeschäft beschäftigt“, sagte Howaldt. Er forderte United Internet und Drillisch auf, entweder ein attraktives Übernahmeangebot zu machen oder das Unternehmen zu unterstützten. Gleichzeitig ermahnte er aber auch den Freenet-Vorstand. Sein Rat „Bitte halten Sie Maß“ bezog sich wohl auf die 4,4 Millionen Euro Jahresgehalt, die Vorstandschef Eckhard Spoerr im vergangenen Jahr erhielt, was ihn zu den Spitzenverdienern unter den Tec-Dax-Unternehmen machte.

Tilo von Kap-Herr, Sprecher der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger, warf United Internet und Drillisch vor, nur ihre eigenen Interessen als Wettbewerber von Freenet im Sinn zu haben, nicht aber die Interessen des Unternehmens. Steffen Weis von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz sagte, der Plan, Vorstand und Aufsichtsrat des Unternehmens auf einen Schlag abzulösen, bringe nur Konfusion zur Unzeit.

Drillisch-Chef Paschalis Choulidis hatte bereits am Morgen der Hauptversammlung durchklingen lassen, nicht mit einem Erfolg zu rechnen. Es bestehe aber weiterhin Aussicht auf eine gewisse Erneuerung im Aufsichtsrat. Damit könne langfristig die Grundlage für Veränderungen im Management von Freenet gelegt werden, sagte Choulidis. Es gelte dabei vor allem, die Führungskräfte von Debitel zu halten. Freenet hatte Debitel übernommen, um der Zerschlagung zu entgehen. Choulidis hält aber an seinem Plan fest, Freenet-Chef Eckhard Spoerr ablösen. Ersetzen könnte ihn der bisherige Debitel-Chef Oliver Steil. Choulidis hatte im Vorfeld ebenfalls schon angedeutet, wenn diese Hauptversammlung keinen Erfolg für United Internet und Drillisch bringe sollte, es im kommenden Jahr wieder zu versuchen.

Eckhard Spoerr kann sich über den Erfolg auf der Hauptversammlung möglicherweise aber nur kurze Zeit freuen. Nach Angaben aus Finanzkreisen sind sowohl der Großaktionär Permira als auch Hermes mit dem Management-Stil von Spoerr nicht einverstanden. Die Investoren sorgen sich um dessen Rufschädigung unter den Anlegern, die von den Auseinandersetzungen mit United Internet und Drillisch in den vergangenen Monaten ausgelöst wurden.

16.30 Uhr 14 von 27 Rednern sind durch. Das kann dauern.

Wie hatte Choulidis schon am Mittwoch angedeutet: „Das wird eine lange Nacht“.

16.25 Uhr: Auch Reichelt ist Porsche-Fahrer

Folgender Kommentar hat mich eben erreicht: „AR in spe Lars P. Reichelt ist „Board Member Porsche 356 Club Switzerland, Zurich“, was sehr gut zum Vorstandsfuhrpark bei freenet passt. http://www.xing.com/profile/LarsP_Reichelt Klingt qualifizierter als der aktuelle Rest, auf alle Fälle“. Zur Erklärung: Spoerr fährt Porsche 911. Dank an Kommentator Dose.

16.20 Uhr: Spoerr dankt Choulidis für sein Gehalt

„Danke, dass Sie mein Gehalt hochgetrieben haben“ sagte Eckhard Spoerr zu Paschalis Choulidis. Die von Drillisch angefachte Übernahmespekulation sei 2007 maßgeblich dafür verantwortlich gewesen, dass sein Gehalt 4,4 Millionen Euro betragen habe.

16.05 Börse gibt United Internet die Quittung: Aktienkurs fällt um 6,5 Prozent 

Der Verlierer des Tages heißt United Internet. Der Aktienkurs ist heute um 6,5 Prozent gefallen. Auch auf Sicht eines Jahres sieht der Kursverlauf nicht gut aus. Die Analysten sind über das Verhalten von United Internet überhaupt nicht glücklich. Ralph Dommermuth gilt inzwischen als Zauderer, der abermals eine Möglichkeit ausgelassen hat, die Konsolidierung voran zu treiben. Der Kursverfall der vergangenen vier Monate hat das Unternehmen weit mehr Geld gekostet als die Übernahme des DSL-Geschäfts von Freenet gekostet hätte. Das Unternehmen könnte aber beim anstehenden Hansenet-Verkauf die selbst beanspruchte Rolle des Konsolidierers auf dem deutschen DSL-Markt einnehmen.

 

16.00 Spoerr will „Ruhe und Frieden“

„Wir brauchen Ruhe und Frieden. Wir müssen nach dieser Hauptversammlung schnell aufhören, uns einen Schlagabtausch in der Öffentlichkeit zu liefern. Wir brauchen jetzt ein Jahr Zeit, um das umzusetzen, was wir uns vorgenommen haben“, sagte Spoerr an die Adresse von United Internet und Drillisch.

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15.50 Uhr Zwischenfazit 

Einen Putsch wird es hier und heute nicht mehr geben. Da sich Hermes auf die Seite von Freenet gestellt hat, sind die Abwahl von Vorstand und Aufsichtsrat wohl vom Tisch, auch wenn die Abstimmung immer noch nicht begonnen hat. United Internet und Drillisch können noch darauf hoffen, möglicherweise auf die Wahl des Aufsichtsrates Einfluss zu nehmen. Womöglich hoffen die beiden Unternehmen noch auf einen Verfahrensfehler, damit die HV in die Länge gezogen und vielleicht sogar wiederholt werden muss. Aber der alte Fuchs Helmut Thoma hat bisher keine Fehler gemacht.

15.45 Uhr Lars Reichelt stellt sich vor

Das von Hermes ins Spiel gebrachte neue AR-Mitglied Lars Reichelt stellt sich vor. Reichelt ist ein international erfahrener Mobilfunk-Manager, der bereits für Yahoo und One in Österreich gearbeitet hat. Zur Zeít arbeitet er für ein Unternehmen in Saudi-Arabien. Danach beginnt die Antwortrunde.

15.30 Uhr Reden, Reden, Reden

Im 10-Minuten-Rhythmus reiht sich nun Redner an Redner. AR-Chef Thoma kann sich meist darauf beschränken, die Redner zur Einhaltung der Zeit zu ermahnen.  

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 14.15 Uhr Die Vorentscheidung: Freenet erkauft sich Hermes-Stimmen mit AR-Sitz

Die mit Spannung erwartete Rede von Stephan Howaldt zeigte, dass Hermes wohl für Freenet stimmen wird. Dafür wird Hermes wohl seinen Kandidaten Lars Reichelt in den Aufsichtsrat drücken. „Dieser Zusammenhang war in der Rede von Howaldt klar zu erkennen“, interpretiert Analyst Frank Rothauge. Ansonsten mahnte Howaldt den Vorstand, sich mehr auf das Tagesgeschäft zu konzentrieren und den DSL-Verkauf durchzuziehen. 

Stephan Howaldt, Hermes

13.35 Uhr Kleinanktionäre stellen sich auf Freenet-Seite

Die Vertreter von SdK und DSW stellen sich auf die Seite von Freenet. Die Anträge von United Internet und Drillisch würden nur die Interessen dieser Unternehmen dienen, nicht aber dem Interesse von Freenet. Die Abberufung des Vorstands und des Aufsichtsrats würden nur zu Konfusion zur Unzeit führen. Die Oppositionsbank nahm es gelassen hin. Gleich wird es spannend. Dann spricht Stephan Howaldt von Hermes.

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Die Oppositionsbank: Norbert Lang (United Internet) zwischen den Choulidis-Brüdern

 13.20 Uhr Präsenz 73,35 Prozent 

73,35 Prozent des Grundkapitals sind auf der HV vertreten. Dazu Frank Rothauge, Sal. Oppenheim: „73,35 Prozent sind nicht genug, um Eckhard Spoerr in Sicherheit zu wiegen. Damit sind die Chancen der Opposition gestiegen“, sagte Rothauge. Ein Wert nahe 80 Prozent wäre besser für Spoerr gewesen. Trotzdem: „Spoerr wird es heute schaffen“, lautet sein Tip.

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Frank Rothauge, Sal. Oppenheim

12.55 Uhr MSP-Vorschläge bedeuten faktische Übernahme 

Finanzvorstand Axel Krieger äußert sich zu den Tagesordnungspunkten 17 bis 21, den Anträgen von Drillisch und United Internet. „Dies bedeutet die faktische Übernahme unserer Gesellschaft. Das ist nicht akzeptabel, da United Internet und Drillisch ihre Interessen als Wettbewerber unserer Gesellschaft verfolgen“, sagte Krieger.

12.35 Uhr Der Börse gefällt die HV offensichtlich

Der Kurs steigt um fast 1,6 Prozent im Tagesverlauf. Die Bestätigung der Gewinnprognose hat die Börsianer nach dem schwachen Zahlen des Vortages wohl etwas beruhigt.

 

12.30: Finanzvorstand Axel Krieger: Keine Dividende für 2007 

Dem Bilanzgewinn von 610 Millionen Euro stehe keine entsprechende Liquidität gegenüber. Mit anderen Worten: Für eine Dividende müsste Freenet einen Kredit aufnehmen. Es sei daher wirtschaftlich sinnvoll, die Liquidität der Gesellschaft für das operative Geschäft zu verwenden. (Kein Wunder bei den Schulden) 

12.20: Spruch des Tages

Eckhard Spoerr: „Die Geschichte unseres Unternehmens ist von kontinuierlicher Dynamik und erfolgreichen Veränderungsprozessen gekennzeichnet“ 

12.00 Uhr Zwischenfazit 

 

Nach 2 Stunden ist noch nichts Spektakuläres passiert, da das Management zunächst den Bericht zur Lage des Unternehmens gibt. Vorstandschef Spoerr und sein Kumpel, Finanzchef Axel Krieger, erwarten für 2009 ein Ebitda von 450 Millionen Euro, davon 400 Millionen Euro aus dem Mobilfunk. Diese Zahl enthält den Verkauf des DSL-Geschäfts noch in diesem Jahr. Die mit Spannung erwarteten Abstimmungen folgen noch.

11.45 Uhr Sorgen um Spoerrs Image 

Wie im Markt zu hören ist, machen sich einige große Anteilseigner Sorgen um Spoerrs Image bei großen Investoren. Die Schlammschlacht der vergangenen Monaten wirkt sich negativ auf Spoerrs Ruf aus und könnte Anleger vom Kauf der Aktie abhalten.

11.30 Uhr: Im Saal ist es erstaunlich leer

 

Die Präsenz scheint nicht so hoch zu sein, denn das erwartete Gedränge ist ausgeblieben. Offizielle Angaben zur Präsenz gibt es noch nicht. Aber die institutionellen Investoren sind sicher alle da. 

11.15 Uhr: Freenet-Aktie legt im Tagesverlauf 0,7 Prozent zu

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11.00 Uhr: Spoerr: Heute kein Showdown, sondern wichtige und wegweisende Entscheidungen

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Pünktlich  zu Spoerrs Rede beginnt ein heftiges Gewitter über Hamburg. Ein Zeichen? Spoerr berichtet ausführlich über den Geschäftsverlauf des vergangenen Jahres.

10.50 Uhr: Analysteneinschätzung Frank Rothauge, Sal. Oppenheim

„Selbst wenn Eckhard Spoerr jetzt bleibt, ist nicht ausgeschlossen, dass er bald nach der HV abgelöst wird. Außerdem ist zu erwarten, dass Hermes einen Sitz im Aufsichtsrat anstrebt“.

10:45 Uhr: Spoerr hat 2007 4,4 Millionen Euro verdient

Der Betrag splittet sich in 660000 Euro Festgehalt. Der Rest sind Aktienoptionen. 

10.30 Uhr: Choulidis: Spoerr bleibt wohl 

Es sehe so aus, als ob Spoerr nicht gestürzt werde, sagte Drillisch-Chef Paschalis Choulidis am Freitag. Es bestehe aber weiterhin Aussicht auf gewisse Erneuerungen im Aufsichtsrat. Damit könne langfristig die Grundlage für Veränderungen im Management von Freenet gelegt werden. Es gelte dabei vor allem, die Führungskräfte von Debitel zu halten.
 

Paschalis Choulidis

10.15 Uhr: Thoma: DSL-Verkauf weit fortgeschritten 

Der Verkauf der DSL-Sparte ist weiter fortgeschritten als bei der Einladung absehbar war, sagt Thoma. Noch in diesem Jahr soll die Sparte verkauft werden. Nach Angaben aus Branchenkreisen möchte Freenet für jeden der noch 1,1 Millionen DSL-Kunden zwischen 600 und 700 Millionen Euro haben. Interessenten sind Vodafone, United Internet und möglicherweise Telefónica. Allerdings steht inzwischen auch Konkurrent Hansenet zum Kauf, was den Verkaufspreis drücken könnte. Wie erwartet weist Thoma die Vorwürfe von United Internet und Drillisch, die zur Abwahl der AR führen sollen, als unbegründet zurück.

10.00 Uhr: AR-Chef Helmut Thoma eröffnet die HV 

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9.45 Uhr: Erste Analysteneinschätzung Frank Rothauge, Sal. Oppenheim 

„Es könnte sein, dass die Freenet-Geschäftszahlen Auftrieb für United Internet und Drillisch bringen. Die DSL-Zahlen waren alles andere als gut. Trotzdem erwarte ich, dass sich Freenet heute noch behaupten wird“.

 

9.30 Uhr. Ein Schicksalstag und eine lange Nacht

„Eine lange Nacht“ erwartet Drillisch-Chef Paschalis Choulidis. Auf der Freenet-Hauptversammlung in Hamburg will er gemeinsam mit dem United-Internet-Finanzvorstand Norbert Lang versuchen, den Aufsichtsrat abwählen zu lassen und mit eigenen Gefolgsleuten zu ersetzen. Ziel ist damit auch die Ablösung des Freenet-Chefs Eckhard Spoerr. Zudem sollen Sonderprüfungen den umstrittenen Debitel-Kauf näher untersuchen. 25,91 Prozent beträgt der zuletzt gemeldete Anteil der beiden Unternehmen an Freenet, doch Drillisch hat einige Aktien der Schweizer Bank CS gekauft. Gemeinsam dürften United Internet und Drillisch heute mit knapp 30 Prozent der Anteile auf der HV auftreten. Mehr als 30 Prozent werden es allerdings auch nicht, denn dann müssten die Unternehmen ein offizielles Übernahmeangebot machen.

Die entscheidenden Akteure auf der HV: Helmut Thoma, Eckhard Spoerr, Stephan Howaldt, Paschalis Choulidis, Norbert Lang (v.l.n.r.)

Ob das reicht, ist fraglich. Zünglein an der Waage ist der britische Investmentfonds Hermes, der rund 5 Prozent der Stimmen hat. Dessen Deutschland-Chef Stephan Howaldt, der zuletzt im Freenet-Lager vermutet wurde, hat sich zumindest für ein kurzes Statement angekündigt. Auch AR-Chef Helmut Thoma erwartet eine solide Mehrheit, während Choulidis das Rennen offen sieht.

Wichtig ist zunächst die Präsenz auf der Hauptversammlung. Spoerr ist sogar bis nach Amerika gereist, um möglichst viele Aktionäre von seiner Strategie und zur Reise zur HV zu überzeugen. Eine große Präsenz wird ihm helfen. Ein Unternehmen, das schon Yahoo im Kampf gegen Microsoft unterstützt hat, hat im Auftrag von Freenet-Aufsichtsratchef Helmut Thoma in den vergangenen Wochen alle institutionellen Investoren abgeklappert und für Freenet zu gewinnen versucht. Auch der Großaktionär Permira war nicht untätig. Offenbar gibt es einen Pakt der institutionellen Investoren, für Freenet zu stimmen, um Ruhe in das Geschäft zu bekommen. Die Ruhe hat Freenet auch nötig, denn die am Donnerstag veröffentlichen Geschäftszahlen für das zweite Quartal waren schlecht.

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Gedrängel am Schalter schon um 9 Uhr 

 Die Chronologie des Übernahmekampfes:

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12 Lesermeinungen

  1. Was ist denn eigentlich das...
    Was ist denn eigentlich das Problem mit einem offiziellem Übernahmeangebot? Das UI und Drillisch die Übernahme wollen, weiss doch ohnehin jeder.
    Grüße Theo

  2. @ Theo: Dann müssten UI und...
    @ Theo: Dann müssten UI und Drillisch mehr zahlen als gewünscht.

  3. @Theo: Wer ein bischen mehr...
    @Theo: Wer ein bischen mehr Hintergrundswissen haben möchte, was im Vorstand von freenet los ist, sollte mal den Artikel bei BooCompany lesen. Die Sache ist weit komplizierter und die Vorstände haben ein persönliches Interesse nicht übernommen zu werden, unabhängig davon ob das die UI ist oder sonst ein Unternehmen…
    http://www.boocompany.com/files/Zusammenfassung_freenet-inside_2008.pdf

  4. Fakt ist doch, dass dieses...
    Fakt ist doch, dass dieses ganze Prozedere dem Unternehmen freenet im
    operativen Geschäft massiv schadet. Alleine das Ansehen der Marke freenet im DSL-Bereich hat schon sehr gelitten, was mit auch ein Verdienst von United Internet und Drillisch ist. Ruhe muss rein, egal wer an der Unternehmensspitze ist.

  5. Spoerr hat dem Finanzinvestor...
    Spoerr hat dem Finanzinvestor Permira für Debitel einen Kaufpreis von 1,6 Milliarden Euro gezahlt. Wir alle wissen, dass Finanzinvestoren aufgrund der weltweiten Finanzkrise unter einem gewissen Druck stehen, an Bargeld zu kommen. Aber musste dies das Bargeld der Freenet AG sein?
    Das Unternehmen Debitel hatte vor gerade einmal gut vier Jahren für lediglich 640 Millionen Euro einen Käufer gefunden. Ein mittlerweile aufgehübschtes Unternehmen, das 2006 noch in den roten Zahlen war und im vergangenen Jahr unter den erfahrenen Firmen-Refurbischern von Permira einen bescheidenen Nettogewinn von 63 Millionen Mark erwirtschaften konnte. Dieses Unternehmen mit 1,1 Milliarden Euro Schulden soll heute das 22- bis 28-fache des Jahresgewinnes wert sein, auf jeden Fall aber seinen Wert seit 2004 um über 200 Prozent gesteigert haben? Die Aktionäre würden sich wünschen, Spoerr hätte eine ähnliche Leistung vorzuweisen mit dem von ihm geführten Unternehmen.
    Die Bilanz sieht nämlich anders aus. Freenet, den ehemals „zweitgrößten deutschen Internet-Provider“ hat er zur Nummer fünf im DSL-Markt herabgewirtschaftet.
    Es ist Spoerr nicht zuzutrauen, das ser heute den „drittgrößten Mobilfunkprovider in Deutschland“ oder „Größten unabhängigen Netzprovider“ zum Erfolg führt. Sein Startposition ist heute weit schlechter. Statt mit voller Kasse, startet Spoerrs zweiter Versuch, ohne eigenes Netz, und mit weitem Abstand auf die führenden Anbieter startet und mit 1,1 Milliarden Schulden nach der Debitel-Übernahme. Oh je.

  6. AR in spe Lars P. Reichelt ist...
    AR in spe Lars P. Reichelt ist „Board Member Porsche 356 Club Switzerland, Zurich“, was sehr gut zum Vorstandsfuhrpark bei freenet passt.
    http://www.xing.com/profile/LarsP_Reichelt
    Klingt qualifizierter als der aktuelle Rest, auf alle Fälle.

  7. netter Tip Dose... habe mir...
    netter Tip Dose… habe mir mal bangalinkgsm die bei Herrn Reichelt als CEO Position eingetragen ist angeschaut. Leider findet man dort im Portal unter Management Team jemand anders. Auch taucht er im ganzen Team nicht auf … http://www.banglalinkgsm.com/html1/management_body.php

  8. Nachtrag: ich glaube da ist er...
    Nachtrag: ich glaube da ist er dann doch nicht mehr… die nachrichten und aktivitaeten die zu finden sind, gehen alle in jahr 2005 zurueck… wohl eine frage der xing profil pflege :)

  9. Hallo Herr Schmidt,
    an dieser...

    Hallo Herr Schmidt,
    an dieser Stelle ein Lob an Sie nach HH in die HV. Viele Mitarbeiter im Konzern der freenet verfolgen das Geschehen der Veranstaltung via Web.
    Angesichts der Tatsache, dass die angedeutete Verzögerungstaktik durch UI & Drillisch weiter anhält, drücken wir Ihnen die Daumen durchzuhalten. Jetzt erst recht.

  10. ok, also das hat mich dann...
    ok, also das hat mich dann doch jetzt neugierig gemacht… bei banglalinkgsm war er bis 08.2006 CEO, danach sollte er wohl eigentlich fuer die orascom der banglalink gehoert nacht Italien gehen.. derzeit kuemmert er sich wohl nur noch um seine private beratungsfirma… na auf solchen versammlungen hoert es sich wohl einfach besser an, wenn man sagt man arbeitet fuer eine firma in saudi arabien…. ok das wars von mir.

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