Netzwirtschaft

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Die Digitalisierung erfasst immer mehr Lebensbereiche. Wie sie sich auf Menschen und Märkte auswirkt, beleuchtet das Netzwirtschaft-Blog auf FAZ.NET.

Chefs verbringen ein Viertel ihrer Arbeitszeit im Internet

Chefs mittelständischer Unternehmen nutzen ihre Online-Zeit meist für E-Mails. Mehr Informationen bringen auch bessere Entscheidungen, glauben die meisten Mittelständler. Konsequent wird das Netz aber selten eingesetzt.

Deutsche Mittelständler, die das Internet nutzen, verbringen jeden Tag fast zwei Stunden mit dem Lesen und Schreiben von E-Mails sowie dem Surfen im World Wide Web, hat eine Umfrage des Unternehmernetzwerkes „The Executive Committee“ (TEC) unter mittelständischen Vorstandschefs im Alter zwischen 40 und 65 Jahren ergeben. „Das Bild vom mittelständischen Patriarchen, der sich die E-Mails von seiner Sekretärin ausdrucken lässt, stimmt nicht mehr. Ein Viertel ihrer Arbeitszeit verbringen die Chefs im Netz. Nur noch 10 bis 15 Prozent verzichten auf das Internet“, sagte Wolfgang Hartmann von TEC (PDF)

    Vier Fünftel ihrer Online-Zeit verbringen die Chefs mit E-Mails. 30 elektronische Nachrichten erhalten sie im Durchschnitt am Tag. 73 Prozent der Befragten gaben an, nur die E-Mails zu lesen, die sie auf den ersten Blick als wichtig einstufen. 64 Prozent leiten die E-Mails zur Beantwortung gleich an Untergebene weiter. Nur 11 Prozent der befragten Mittelständler lesen grundsätzlich gar keine E-Mails.

    Die 100 Minuten, die jeden Tag für die E-Mails aufgewendet werden, sind nach Ansicht der Befragten sinnvoll eingesetzte Zeit. Die Mehrheit der Chefs sieht als Folge des erhöhten E-Mail-Aufkommens eine höhere Transparenz im Unternehmen, eine Entkopplung von Hierarchie und Information und eine Steigerung der Effizienz. Dass Probleme, die sich früher von selbst gelöst haben, jetzt manchmal unnötig aufgebauscht werden, fanden nur wenige der Befragten. Insgesamt bewerteten die Mittelständler die positiven Aspekte deutlich stärker als die negativen Folgen. Besonders vorteilhaft wurde der schnellere Informationsfluss im Unternehmen beschrieben. Zu wichtigen Fragen könne die Meinung der anderen Führungskräfte im Unternehmen jetzt schneller eingeholt werden.

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    TEC hat auch den Einfluss auf das Führungsverhalten abgefragt. Die Sorge, dass sich der CEO wegen der vielen Online-Vorgänge nicht mehr auf seine strategischen Aufgaben konzentrieren kann, ist offenbar unbegründet: Nur jeder fünfte Unternehmer sieht dies als deutliche Gefahr, mehr als 40 Prozent antworteten mit Nein. Dagegen stimmten 38 Prozent der These zu, dass sie „schneller erfahren, wo etwas schiefläuft und wo sie eingreifen können“. Immerhin glauben fast 70 Prozent der Unternehmer tendenziell, dass ihre „Entscheidungen besser werden, weil sie mehr Informationen zur Verfügung haben“. Die Mehrheit der Spitzenmanager klagt zwar darüber, häufiger als früher in unwichtige Vorgänge eingebunden zu werden, weil Entscheidungen heute leichter „hochdelegiert“ werden können, aber eine ebenso große Mehrheit verlagert die unwichtigen Vorgänge ebenso konsequent wieder zurück.

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    Wenn die Vorstandschefs im World Wide Web unterwegs sind, suchen sie nach eigener Einschätzung vor allem Informationen über Wettbewerber und Kunden. Auch Marktdaten, Adressen oder Kontakte werden noch vergleichsweise häufig gesucht. Dagegen haben Management-Netzwerke oder Hinweise zum Führungsverhalten eine untergeordnete Priorität. Überhaupt nennen die befragten Mittelständler persönliche Kontakte und ihre eigenen Führungskräfte im Unternehmen als ihre wichtigsten Quellen zur Informationsbeschaffung. Das Internet nutzen heute 41 Prozent für die Informationsbeschaffung; Zeitungen erreichen einen Wert von 33 Prozent. Künftig wird das Netz nach Einschätzung der Befragten eine weit höhere Bedeutung für die Informationsbeschaffung bekommen.

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    Dass im Internet weit mehr möglich ist, als E-Mails zu schreiben oder sich Informationen zu suchen, haben die meisten Mittelständler noch nicht verstanden. „Die gewaltigen Folgen der Internet-Revolution für die Management- und Informationsprozesse in mittelständischen Unternehmen sind erst in Ansätzen erkannt“, sagte Hartmann. Das Netz solle stärker für Vertrieb, Marketing, Kundenbeziehungen und Personalsuche eingesetzt werden. Die neue Freude der Chefs an der E-Mail hilft aber nicht unbedingt den anderen Mitarbeitern im Unternehmen. „Offenbar bietet die Online-Kommunikation dem Unternehmer einen einfachen Weg der früher vernachlässigten Einbindung von Mitarbeitern, vor allem von Führungskräften, in wichtige Entscheidungen. Ob die Mitarbeiter ihrerseits sich durch den Chef besser informiert fühlen, ist jedoch eine offene Frage.“ Die höhere Informationsdichte in Unternehmen schlage sich zumeist nicht in höherer Zufriedenheit der Mitarbeiter nieder. Auch die Frage, ob eine erhöhte Zahl von Management-Informationen alleine für verbesserte Entscheidungen ausreiche, sei damit noch nicht beantwortet.

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