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Die Digitalisierung erfasst immer mehr Lebensbereiche. Wie sie sich auf Menschen und Märkte auswirkt, beleuchtet das Netzwirtschaft-Blog auf FAZ.NET.

Google Chrome: Große Pläne mit dem kleinen Browser

| 19 Lesermeinungen

Google Chrome ist kein einfacher Browser. Google Chrome ist ein Web-Betriebssystem, das allen Google-Programmen den Weg auf den Desktop des Nutzers ebnen soll. Und am Ende Microsoft vom heimischen Computer verdrängen könnte. [UPDATE: Der erste Eindruck: leicht und schnell]

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Auf den ersten Blick könnte man Google Chrome für einen einfachen Browser halten. Neben dem Internet Explorer von Microsoft, Mozilla Firefox, Apple Safari oder dem Web 2.0 Browser Flock. Doch es geht Google mit Chrome um weit mehr als einen nächsten Browser-Krieg. Es geht um das Betriebssystem der Zukunft, das im Internet („in the Cloud“) laufen wird, und das vor allem Microsoft überflüssig machen soll. Denn Chrome integriert natürlich die anderen Google-Programme wie Mail für die Kommunikation oder Docs & Spreadsheets für die Textverarbeitung und Tabellenkalkulation. Die Programme laufen in dem Browser parallel nebeneinander in verschiedenen Reitern.

Chrome bringt also quasi als trojanisches Pferd alle anderen Google-Programme mit und läuft – dank Google Gears – online wie offline. Ein Betriebssystem von Microsoft ist auf dem Computer dann nicht mehr nötig. Selbstverständlich wird Google Chrome wie alle anderen Google-Programme kostenfrei sein und wohl schon bald als vorinstallierter Browser auf den Rechnern der Hardwarepartner ausgeliefert werden. Dieser Schritt könnte den Google-Programmen wie GMail oder Docs, die bisher keine wesentlichen Marktanteile gegen Microsoft oder Yahoo gewonnen haben, einen ordentlichen Schub geben.

Dass Google mit Chrome weit mehr im Sinn hat als einen Browser, machte Sergey Brin in Mountain View klar (via Reuters):

„Google co-founder Sergey Brin said Chrome was designed to address the shift to using software from within a Web browser rather than as locally installed computer applications running inside Microsoft Windows or some other operating system. „I think operating systems are kind of an old way to think of the world,“ Brin told a group of reporters after the news conference at Google’s Mountain View, California headquarters. „They have become kind of bulky, they have to do lots and lots of different (legacy) things.“Google believes any task done in a standalone desktop computer application can be delivered via the Web and Chrome is its bet that software applications can be run via a browser.“We (Web users) want a very lightweight, fast engine for running applications,“ Brin said.“The kind of things you want to have running standalone (on a computer) are shrinking,“ he said, adding that he still edits photos on his computer rather than using a Web program“. 

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Auch die Selbstbeschreibung von Google zeigt den Weg, den die Suchmaschine einschlagen will:

„All of us at Google spend much of our time working inside a browser. We search, chat, email and collaborate in a browser. And in our spare time, we shop, bank, read news and keep in touch with friends — all using a browser. Because we spend so much time online, we began seriously thinking about what kind of browser could exist if we started from scratch and built on the best elements out there. We realized that the web had evolved from mainly simple text pages to rich, interactive applications and that we needed to completely rethink the browser. What we really needed was not just a browser, but also a modern platform for web pages and applications, and that’s what we set out to build.“

Anders als Microsoft wird Google auch keine Schwierigkeiten mit den Kartellbehörden bekommen, seine Suchmaschine als Voreinstellung im Browser zu etablieren. Im Firefox wird die Google-Suche bis mindestens 2011 als Voreinstellung mit ausgeliefert werden. Das haben Google und Mozilla gerade vereinbart.

Google Chrome soll vor allem das Thema Cloud-Computing beflügeln. The Cloud, die Wolke, gilt als Inbegriff für die kommende technische Revolution im Netz. Dokumente, Internetseiten, Fotos oder Videos werden künftig nicht mehr auf dem heimischen Rechner abgelegt, sondern irgendwo „in der Wolke“, womit riesige, über die ganze Welt verteilte Datenzentren gemeint sind. Die Internetnutzer können dann überall und mit allen Geräten auf ihre Daten zugreifen und mit anderen Nutzern teilen. Wo die Daten tatsächlich gespeichert sind, spielt keine Rolle mehr. Irgendwo in der Wolke eben.

Was zunächst trivial klingt, hat gravierende Konsequenzen. Im ersten Schritt für die Hard- und Softwarehersteller selbst: Unternehmen brauchen keine teuren Netzwerkrechner mehr, sondern mieten bei Bedarf entsprechende Kapazitäten „in der Wolke“, um ihre Internetseiten, Programme und Dokumente zu speichern. Die Softwarehersteller verkaufen keine Lizenzen mehr, sondern vermieten „Software als Service“, wie es heute bereits das amerikanische Unternehmen Salesforce praktiziert. Weit über die IT-Industrie hinaus ändert die Wolke aber auch die Internetnutzung grundlegend. Einen Vorgeschmack gibt Google: Texte, Tabellen, Fotos, der Terminkalender und natürlich die E-Mails können mit kostenlos nutzbaren Programmen erstellt, verwaltet und gespeichert werden, die nur noch im Internet laufen. Statt teurer Bürosoftware und Festplatten ist nur noch ein Internetanschluss notwendig, der die Verbindung zu den mehreren hunderttausend Netzwerkrechnern der Google-Wolke herstellt.

Zunächst galt die Wolke nur als neues Modethema. Als aber Ray Ozzie, als Nachfolger von Bill Gates der oberste Softwarearchitekt von Microsoft, die neue Strategie des Softwaregiganten vorstellte, war aus dem Modebegriff über Nacht Realität geworden: Ozzie verkündete nichts weniger als Microsofts Abkehr vom Personalcomputer und die Zuwendung zur Wolke als verbindendes Element zwischen allen Computern, Netzwerkrechnern und mobilen Geräten. „Live Mesh“ wird das neue Supernetz heißen, mit dem Microsoft die ganze Computerwelt überziehen will. „Cloud-Computing wird künftig eine zentrale Rolle in der Informationstechnologie spielen“, sagte Microsoft-Chef Steve Ballmer in einem Interview. Auf dem Spiel stehe dabei nichts weniger als „die Art und Weise, wie Computer benutzt und eingesetzt werden“, sagte Ballmer. Nur wenige ganz große Technologieunternehmen werden aufgrund der Größenvorteile den Cloud-Computing-Markt beherrschen: Amazon, Google, IBM, möglicherweise Oracle, ganz sicher aber Microsoft werden nach Ballmers Ansicht dazugehören.

Ozzie zeigte auch, wie Cloud-Computing à la Microsoft aussehen könnte: Eine Microsoft-Software schaltet alle Geräte eines Nutzers – vom Personalcomputer bis zum Mobiltelefon – zusammen und koppelt sie mit einem Speicherplatz in der Wolke. Freigegebene Daten werden automatisch auf die anderen Geräte in der Microsoft-Wolke kopiert und lassen sich auf allen Geräten mit Internetanschluss nutzen. In einem ersten Schritt sollen nur Computer und Mobiltelefone mit einem Betriebssystem von Microsoft mitmachen können; in einem zweiten Schritt sollen aber auch Apple-Nutzer ihren Platz auf der Microsoft-Wolke bekommen. Obwohl die Microsoft-Pläne noch ganz frisch sind, wird „Live Mesh“ schon jetzt zu den großen strategischen Weichenstellungen des Softwarekonzerns gerechnet. „Das war ein sehr wichtiges öffentliches Statement für Microsoft, nämlich dass die aktuelle Schlacht die Schlacht um die Wolke ist“, sagte Gartner-Analyst Mark Stahlmann. Das sei nicht mehr der Kampf um die Internetsuche oder um das Betriebssystem. „Diese Kämpfe sind ausgefochten und gewonnen. Der Kampf um das Cloud-Computing ist aber völlig offen“, sagte Stahlmann. Google hat mit Chrome einen wichtigen Schritt in Richtung Wolke unternommen.

UPDATE: Der erste Eindruck

  • – Sehr einfach zu installieren; läuft auf meinem Windows-System ohne Schwierigkeiten. Und ist dazu sehr schnell (Heise: Google Chrome überholt die Konkurrenz)
  • – Optisch sehr leicht; die Anzeigefläche für die Web-Seiten bekommt den maximalen Platz. 
  • – Statt Adresszeile und Suchfeld gibt es nur eine „Omnibox“ für beides. Suchergebnisse und Webseiten vermischen sich dann in der Darstellung. Auf den ersten Blick etwas verwirrend, auf den zweiten Blick gelingt der Zugriff auf die gesuchte Seite sehr schnell.
  • – Anonymes Surfen: Wer nicht möchte, dass einzelne Seiten im Webverlauf angezeigt werden, kann sie mit der Option „anonymes Surfen“ ausblenden.
  • – Erstes Fazit: Ganz nett, aber auf den ersten Blick kein großer Fortschritt gegenüber Firefox oder Opera für die Menschen, die nur Webseiten anschauen wollen. Der Fortschritt liegt unter der Motorhaube: Die Anwendungen in den einzelnen Fenstern sollen unabhängig voneinander laufen, dank Google Gears auch offline. Insofern zeigt Chrome seinen Charakter als Web-Arbeitsoberfläche für das „Cloud-Computing“. 
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19 Lesermeinungen

  1. <p>Ich kann mir nicht...
    Ich kann mir nicht vorstellen, dass im großen Stile unternehmenskritische Anwendungen und somit auch die Daten ins Netz gestellt werden. Millionen von Unternehmen werden viel zu skeptisch sein und den konservativen Weg gehen, eben Daten auf eigenen In-House-Servern zu speichern. Man stelle sich vor, dass jeder aufgrund irgendwelcher Schwachstellen auf allemöglichen Daten zugreifen kann?! Wahrscheinlich werden das ein paar große IT-Konzerne machen, der Old Economy traue ich das aber nicht zu. Wenn das wirklich mal soweit kommen sollte, dann sind wir von einer (oder wenigen) Weltfirmen nicht mehr weit entfernt.

  2. Sie sollten doch wissen, dass...
    Sie sollten doch wissen, dass Google im Streit um gMail in ganz Europa den kürzeren gegen Herrn Daniel Giersch gezogen hat. Wie kann man da mit gMail wegen Chrome punkten? Es wird wieder kostenlos Werbung für einen kleinen Mitbewerber gemacht, der allerdings vom Marken und Patentrecht mehr zu verstehen scheint als diese „Weltfirma“ Peinlich, peinlich tss tss ….

  3. <p>Schwachsinn! Glauben die...
    Schwachsinn! Glauben die Leute wirklich die Nutzer würden ihre privaten Daten unkontrolliert irgendeinem Nirwana überlassen? Reines Wunschdenken das eine totale Kontrolle aller Computerdaten zum Ziel hat? Mal davon abgesehen, daß es technisch gesehen höchst umständlich ist, sich seine Daten aus einem Kilometer entfernten Datenspeicher zu laden, sie zu verarbeiten und dann wieder dorthin zurückzuschicken? Das würde die benötigte Transferkapazität des Datennetzes vollkommen unnötig ins Gigantische aufblähen.

  4. <p>Ich freue mich über jeden...
    Ich freue mich über jeden Konkrurrenten für den Internet Explorer. Googles Browser wird sicher eine Zielgruppe erreichen.

  5. Der größte Trojaner wird...
    Der größte Trojaner wird immer noch vorinstalliert auf den allermeisten PCs ausgeliefert.
    Dass Windows permanent „nach Hause“ telefoniert, das man es sogar online „aktivieren“ muss, scheint bis heute keinen zu stören; dass Word bis heute die wesentlichen Änderungen an einem Dokument mitspeichert, so dass man (peinliche) Korrekturen in einem empfangenen Dokument rückgängig machen kann – egal. Dass Microsoft mit seinem Betriebssystem-Monopol ganze Batterien von Fremdfirmen auf dem Gewissen hat – geschenkt.
    Ich bin bestimmt kein Freund von Überwachung, ob durch Google, Microsoft oder den Staat – aber es erscheint doch scheinheilig, jetzt auf einmal von einem „trojanischen Browser“ zu sprechen – wenn der eigene Rechner (ob Mac oder Windows PC) schon offen wie ein Scheunentor ist…

  6. <p>@ Andreas Spengler: Mit der...
    @ Andreas Spengler: Mit der Überschrift wollte ich eigentlich nur klar machen, dass hinter Chrome viel mehr steckt als nur ein Browser. Böse Absichten wollte ich Google nicht unterstellen, obwohl der ursprüngliche Passus
    „Durch Übermittlung, Einstellung oder Darstellung der Inhalte gewähren Sie Google eine dauerhafte, unwiderrufliche, weltweite, kostenlose und nicht exklusive Lizenz zur Reproduktion, Anpassung, Modifikation, Übersetzung, Veröffentlichung, öffentlichen Wiedergabe oder öffentlichen Zugänglichmachung und Verbreitung der von Ihnen in oder durch die Services übermittelten, eingestellten oder dargestellten Inhalte“
    in den Nutzungsbedingungen nicht wirklich im Sinne des Datenschutzes ist. Inzwischen hat Google die Passage nach kräftigen Protesten geändert. Gut so.

  7. <p>Wir freuen uns über jede...
    Wir freuen uns über jede Konkrurrenten für den Internet Explorer. Der Browser von Google wird sicher eine Zielgruppe erreichen.

  8. Auf der Homepage...
    Auf der Homepage http://www.levrai.de nutze ich alle Google Tools. Und auch Google Chrome ist hilfreicher, weil schneller. Und das ist schon Grund genug, Google Chrome zu nutzen.
    Die Menschheit braucht vielleicht keinen neuen Browser, aber sie benutzt ihn. Bitte schön.

  9. Für einen Erfolg von Chrome...
    Für einen Erfolg von Chrome müsste Google schon ein äußerst erfolgreiches Hardware Bundle anbieten mit dem ihr Browser in der Haushalte kommt. Wenn sie in diesem Bereich zum Beispiel mit eine Netbook einen Erfolg wie Apple mit dem iPhone hinlegen, wäre das sicher möglich. Doch zurzeit weiß glaube keiner in welche Richtung die Entwicklung geht. Netbook, Kindle, Smartphone, TablePC???
    Und wenn Google versuchen würde firefox anzugreifen oder die Unterstütung streicht würde der Imageschaden sicher größer als mögliche zu gewinnende Marktanteile. Chrome ist ein Flop und verschwindet wohl bald wieder…

  10. Na also so richtig in Schwung...
    Na also so richtig in Schwung kommt Google Chrome noch nicht, auch wenn 180 Millionen Gmail nutzen. Mozilla wird trotzdem noch mehr benutzt. Google kann ja nicht alles dominieren.

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