Netzwirtschaft

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Die Digitalisierung erfasst immer mehr Lebensbereiche. Wie sie sich auf Menschen und Märkte auswirkt, beleuchtet das Netzwirtschaft-Blog auf FAZ.NET.

Endspiel um den deutschen Breitband-Markt

Der Markt für schnelle Internetanschlüsse nähert sich der Sättigung. Daher mobilisieren die Anbieter noch einmal alle Kräfte. Aber einige Akteure werden noch aus dem Markt ausscheiden.

Das stürmische Wachstum auf dem deutschen Breitbandmarkt geht in diesem Jahr zu Ende. Statt 4,5 Millionen Haushalte, die im vergangenen Jahr auf einen Breitbandanschluss umgestiegen sind, geht die Neukundenzahl in diesem Jahr eher Richtung 3 Millionen. „Das Endspiel um den Breitbandmarkt hat begonnen“, sagt Klaus Thiemann, Chef von Kabel BW. Die Anbieter mobilisieren daher noch einmal ihre Kräfte: Ein scharfer Preiswettbewerb ist um die verbleibenden Haushalte und um die stark steigende Zahl der wechselwilligen Kunden entbrannt. Kaum hatte Congstar, die Zweitmarke der Deutschen Telekom, seine Komplettangebote aus Telefon und Internet auf den Markt gebracht, zog United Internet nach und reaktivierte seine E-Mail-Dienste GMX und Web.de als Billigmarken. Das Angebot von United Internet ist ein echter Kampfpreis: 21,36 Euro im Monat für einen doppelten Pauschaltarif für Festnetzgespräche und Internet liegen auf Höhe der Selbstkosten. Das zeigt den Druck, unter dem die Unternehmen stehen. Im zweiten Quartal hatten nämlich vor allem Vodafone/Arcor und die Kabelnetzbetreiber wie Kabel Deutschland oder Kabel Baden-Württemberg Erfolg bei den Haushalten, die eine Breitbandverbindung ins Internet bestellten. Dagegen mussten neben der Deutschen Telekom auch United Internet und Hansenet mit schwachen Zuwächsen auskommen.

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    Das nahende Ende des Booms treibt die Konsolidierung auf dem Breitbandmarkt voran. Freenet bemüht sich, seine DSL-Sparte noch in diesem Jahr zu verkaufen. Allerdings kämpft das Unternehmen mit sinkenden Kundenzahlen. In den ersten sechs Monaten hat Freenet schon 180 000 DSL-Kunden an die Konkurrenz verloren. Je länger der geplante Verkauf der DSL-Sparte dauert, desto geringer wird der Verkaufserlös.

    Neben Freenet denkt auch Telecom Italia über einen Verkauf seiner deutschen Tochtergesellschaft Hansenet nach, die von der Übernahme der AOL-Zugangssparte aus dem Tritt gebracht worden ist. Wegen der sehr kurzen Kündigungsfrist ist die Wechselquote bei Hansenet zudem überdurchschnittlich hoch.

    Selbst das Geschäftsmodell von United Internet steht auf dem Prüfstand. Alle anderen DSL-Anbieter, die als Wiederverkäufer von DSL-Anschlüssen der Deutschen Telekom groß geworden sind, wurden inzwischen entweder verkauft (AOL) oder stehen noch zum Verkauf (Freenet). Auch für United Internet wird es schwierig, auf Dauer ohne eigenes Netz wettbewerbsfähig zu bleiben. Daher fordern inzwischen die ersten Analysten den Ausstieg aus dem DSL-Geschäft. Die Umsätze seien gefährdet und das Unternehmen stehe unter Druck, seine Position durch Zukäufe zu sichern, sagt Nicolas Didio, Analyst der französischen Bank Exane BNP Paribas. Die DSL-Strategie sei nicht überzeugend und lasse viele Fragen offen, sagen auch die Analysten von HSBC. Als bessere Option sehen sie einen Ausstieg aus dem DSL-Markt und einen Fokus auf das hochmargige Geschäft mit Speicherplatz (Hosting) oder Online-Werbung. Der Verkauf der DSL-Sparte könnte die Expansion des Hosting-Geschäftes in den schnell wachsenden Märkten in Asien oder Südamerika finanzieren. Goldman-Sachs-Analyst James Sawtell hält das Unternehmen sogar für einen Übernahmekandidaten.

    Langfristige Konstanten auf dem deutschen Breitbandmarkt sind offenbar nur die Deutsche Telekom und Vodafone, die den Namen ihrer Festnetzgesellschaft Arcor verschwinden lassen wird. Welche Strategie der spanische Anbieter Telefónica verfolgt, ist immer wieder Anlass für Spekulationen. Die Spanier betreiben ein sehr großes Breitbandnetz, haben aber keine eigenen Endkunden, sondern stellen ihr Netz Anbietern wie United Internet zu Verfügung. Zu Telefónica gehört bereits das Mobilfunkunternehmen O2, und daher wird es für möglich gehalten, dass das Unternehmen mit einer Hansenet-Übernahme in großem Stil in den deutschen Telekommunikationsmarkt einsteigt, zumal Telefónica bereits an Telecom Italia beteiligt ist.

    Auch hinter den Eigentumsverhältnissen der Kabelnetzbetreiber stehen Fragezeichen. Alle drei Unternehmen, Kabel Deutschland, Kabel Baden Württemberg und Unity Media, befinden sich im Besitz von Beteiligungsgesellschaften, die nicht an langfristigen Engagements interessiert sind. In den kommenden drei Jahren sind also einige Eigentümerwechsel zu erwarten, die – mangels strategischer Investoren – auch zu Börsengängen führen können. Auf jeden Fall werden die Unternehmen nach ihren eher späten Starts in den Breitbandmarkt in der verbleibenden Zeit versuchen, mit ihren Angeboten für Fernsehen, Telefon und Internet noch möglichst viele Kunden zu gewinnen, um sich attraktiv zu machen.

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