Netzwirtschaft

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Eklat bei Freenet

Oliver Steil wirft das Handtuch: Der Debitel-Chef wird nach der Übernahme nicht in den gemeinsamen Freenet-Vorstand einziehen. Die Gründe interpretiert jede Seite auf ihre Weise.

Bild zu: Eklat bei FreenetEntgegen den Planungen wird Oliver Steil, der Vorstandsvorsitzende des Mobilfunkunternehmens Debitel, nach der Übernahme durch Freenet nicht in den gemeinsamen Vorstand des Unternehmens einziehen. Nach Angaben des Freenet-Aufsichtsratsvorsitzenden Helmut Thoma war Steil, der vor zwei Jahren von der Unternehmensberatung McKinsey an die Debitel-Spitze gerückt ist, mit den finanziellen Bedingungen seines neuen Vertrages nicht einverstanden. „Es ging nur ums Geld“, sagte Thoma der FAZ. Aus Unternehmenskreisen ist aber zu hören, der Aufsichtsrat habe Steil die vorher zugesicherten Kompetenzen für Vertrieb, Marketing und Kundenbindung jetzt nicht mehr gewähren wollen. Auch habe es wiederholt unterschiedliche Auffassungen zwischen Steil und dem Freenet-Vorstandschef Eckhard Spoerr über die strategische Ausrichtung des Unternehmens gegeben, die sich auch nach langen Diskussionen nicht aus dem Weg räumen ließen.

D Bild zu: Eklat bei Freeneter Freenet-Großaktionär Permira ist mit dem Rückzug von Steil auf jeden Fall nicht glücklich. „Wir bedauern diese Entwicklung. Oliver Steil wäre eine wichtige Integrationsfigur für die Debitel-Belegschaft gewesen“, sagte ein Sprecher. Nach Angaben aus Finanzkreisen macht sich Permira weiterhin Sorgen über den Ruf von Spoerr am Kapitalmarkt. Der Aktienkurs ist seit einem Jahr auf Talfahrt. Als möglicher Nachfolger war immer wieder Steil genannt worden. Der will trotz allem nun seinen Vertrag als Vorstandschef bei Debitel, der bis 2010 läuft, erfüllen. Thoma ist aber optimistisch, dass Steil es sich noch einmal überlegt. „Das Tischtuch ist nicht zerschnitten. Die Wahrscheinlichkeit, dass Oliver Steil zurückkommt, ist größer als 50 Prozent“, sagte Thoma. Auch ihm ist klar, dass Steils Demission bei Permira ganz schlecht ankommt. Stephan Howaldt, der Deutschland-Chef von Hermes, einem weiteren Freenet-Aktionär, wollte sich zu der Sache nicht äußern. Seine Stimme hatte auf der Hauptversammlung den Ausschlag für Spoerr gegeben. Er hatte Freenet damals sehr klar gebeten, die Debitel-Mitarbeiter mit offenen Armen zu empfangen.  Für Spoerr ist diese Entwicklung auf jeden Fall von Vorteil: Der Kronprinz im eigenen Hause ist erst einmal weg. Und sein Aufsichtsrat steht wieder einmal hinter ihm. Nur mit Permira und Hermes könnte es nun etwas ungemütlich werden. Aber das kennt Spoerr ja schon.

 

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