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Web.de will Web 2.0-Zentrale werden

| 3 Lesermeinungen

Der neue Web.de-Chef Jan Oetjen ruft eine neue Strategie aus: Web.de soll "Single Communication Point" werden, also alle Nachrichten aus den sozialen Netzwerken an einem Punkt bündeln. Auch für das erfolglose Netzwerk Unddu.de hat er eine Lösung: Community-Dienst statt eigenständiges Netzwerk.

Bild zu: Web.de will Web 2.0-Zentrale werdenJan Oetjen, der neue Chef des Internet-Portals Web.de, will eine Strategie gegen die Wanderung junger Internetnutzer in die sozialen Netzwerke und die damit verbundene Verlagerung der Kommunikation gefunden haben. Web.de soll der zentrale Kommunikationspunkt im Internet werden, an dem die Nutzer die Nachrichten aus allen sozialen Netzwerke in einem Postfach verwalten können. „Wir glauben an die Integration, an einen Kommunikationspunkt im Internet“, sagte Qetjen. Statt sich nacheinander bei StudiVZ, Xing oder Facebook einzuloggen, um neue Nachrichten abzurufen, sollen die Nutzer künftig alle Netzwerke und E-Mail-Dienste auf einer Seite zusammenführen. Web.de hat dafür bereits den „Multi-Messenger“ entwickelt; weitere Angebote sollen unter dem Stichwort „Single Communication Point“ zur Computermesse Cebit im März folgen.

Bild zu: Web.de will Web 2.0-Zentrale werdenWeb.de und auch GMX, die beide zu United Internet gehören, sind mit jeweils rund 12 Millionen Nutzern die beiden führenden E-Mail-Dienstleister in Deutschland. Allerdings kommunizieren vor allem junge Menschen immer häufiger in sozialen Netzwerken wie Studi VZ oder Schüler VZ mit ihren Freunden. „Bis 2007 stand die E-Mail in der Gruppe der 14 bis 19-Jährigen hoch im Kurs. Ein Jahr später ist der Anteil derer, die mindestens einmal wöchentlich E-Mails versenden oder empfangen, von 79 auf 75 Prozent gefallen. Funktionen wie Mailen oder Chatten verlagern sich in das Web 2.0″, heißt es in der jüngsten ARD-ZDF-Online-Studie. Die Arbeitsgemeinschaft Online-Forschung hatte jüngst erstmals sinkende Reichweiten für die beiden E-Mail-Dienste gemessen.

Oetjen sieht in seinen internen Zahlen allerdings keinen Reichweitenverlust. „Wir können nicht beobachten, dass uns im E-Mail-Bereich etwas wegbricht. Um unser Geschäftsmodell machen wir uns keine Sorgen“, sagte Oetjen. Auch glaubt er die Zielgruppe der jungen Menschen für die E-Mail-Anbieter nicht verloren: „Auch die jungen Menschen werden älter und gehen dann zur E-Mail zurück“. Wer zum Beispiel eine Bewerbung abschicke oder Anhänge versende, nutze dafür lieber eine seriöse E-Mail-Adresse. „Auch wer auf seine Privatsphäre achtet, bevorzugt die E-Mail“, sagte Qetjen.

Den sozialen Netzwerken sagt er eine Bereinigung voraus. „Es wird eine dramatische Konsolidierung geben. Jede weitere Gemeinschaft hat einfach einen negativen Zusatznutzen“, sagte Oetjen – und schließt dabei die eigene, bisher weitgehend erfolglose Gemeinschaft unddu.de mit ein. „Unddu.de wird es als eigenständiges sozialen Netzwerk auf Dauer schwer haben“, sagte Oetjen. Zu übermächtig ist die Konkurrenz, zu klein die eigene Nutzerbasis. Die Zukunft von unddu.de liege daher eher in einem Community-Dienst statt in einer eigenständigen Gemeinschaft, sagte Oetjen. „Die Öffnung der Gemeinschaften wird die nächste große Welle. Der Trend geht heraus aus den geschlossenen Nutzergruppen“.

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3 Lesermeinungen

  1. <p>Ein aktuelles Besipiel, wie...
    Ein aktuelles Besipiel, wie die E-Mail bei web.de funktioniert. Folgende E-Mail findet sich im web.de-Postfach:
    Betreff: 1 Rate
    Hallo
    Ihr Abbuchungsauftrag Nr.22442228 wurde erfullt.
    Ein Betrag von 548.29 EURO wurde abgebucht und wird in Ihrem Bankauszug als „Vattenfallabbuchung “ angezeigt.
    Die Auflistung der Kosten finden Sie im Anhang in der Datei: Rechnung.
    Alle unsere Rechnungen sind mit einem Sicherheitszertifikat versehen – der ist fuer Sie nicht von Bedeutung
    Vattenfall Europe AG
    Chausseestra?e 23
    10115 Berlin
    Vertretungsberechtigter: Karl Treumeier
    Umsatzsteuerident-Nummer: DR123052388
    Handelsregisternummer HRB 74215B
    – (Ende der E-Mail) –
    Das Attachment (rechnung.zip) enthält den folgenden Vermerk von web.de: „Bei Eingang geprüft, kein Virus gefunden“
    Das sieht ein Blinder, diese E-Mail bzw. das Attachment ist faul. Was tut der Empfänger – er forwarded die E-Mail an „abuse@web.de“ und enthält sie postwendend zurück mit dem Vermerk:
    <abuse@1und1.de>: host mxintern0.schlund.de[212.227.126.201] said: 550 This message contains a virus (W32.SillyFDC) (in reply to end of DATA command)
    Was lernen wir daraus in puncto Virenschutz bei web.de? Wundert sich da noch jemand, wenn man auf ein web.de-Mail-Adresse verzichtet?

  2. <p>Web.de wird...
    Web.de wird untergehen!
    Aus dem schlichten und einfachen Grund, dass es nicht für die Zukunft gewappnet ist. Es hat schlechten Kundenservice, und geht nicht auf seine Kunden ein.
    Mr Web.de sollte sich mal ‚What would Google do‘ von Jeff Jarvis durchlesen und sehen, was mit Dell passiert ist, als sie aufgehört haben, auf ihre Kunden zu hören.
    Web.de ist unseriös und kommt mir vor wie eine verzweifelte, profit getriebene kurzsichtige Firma, die die long term goals aus den Augen verlieren. Denn Kunden, wie Sie und Ich sind die Zukunft. Web 2.0 ist nur ein Ausdruck für Erfolg nach der Krise, Erfolg wie von Google, HuffPost, fb, etc …Erfolg den Web.de niemals haben wird!!!!!
    groups.google.de/…/daswahrewebde

  3. <p>Sehen wir uns mal die...
    Sehen wir uns mal die Historie an, wie eigentlich alles kam: Web.de hatte seinen großen Aufstieg um die Jahrtausendwende, als alle Welt per 56k Modem ins Internet wollte. Die kostenlose eMail Adresse war Provider-Unabhängig und bot nicht nur den Download per POP3, sondern vor allem eine webbasierte Abruf- und Bedienmöglichkeit mit allen Features. Damals wuchsen sie mit atemberaubender Geschwindigkeit. Heute verkommt Web.de immer mehr zur Marginalität. Dass aus alten Tagen noch so viele Menschen eine Mailadresse dort haben ist meiner Meinung nach der einzige Grund, warum sie überhaupt noch relevanten Traffic haben. Die angebotenen anderen Dienste gibt es nach meinem Dafürhalten schlicht allesamt woanders besser. Und auch in Punkto Mail aggieren Googlemail, GMX und Co. zum Teil mit deutlich attraktiveren Features. Nun haben sie ihr Dilemma erkannt und wollen einen neuen Dienst bieten, der ihnen wieder eine größere Relevanz geben und ihr Dahinschrumpfen verhindern soll. Schwer für mich vorstellbar, dass dieser Plan gelingen wird.
    Jetzt einen Software-Dienst zu schaffen, der die Nachrichten von verschiedenen Plattformen zusammenfasst, das ist m.e. eine sehr naive Idee. Eben diese Social Media Plattformen leben finanziell davon, dass User sich bei Ihnen einloggen. Wieso sollten sie sich ihre Inhalte und Nachrichten von Web.de auslesen lassen? Damit die User sich bei Web.de einloggen und dort Werbeeinnahmen generieren? StudiVZ, Facebook & Co. werden sich technisch und rechtlich dagegen wehren, ist meine Meinung. Ich bin aus der Web-Branche – es ist ein leichtes, das zu unterbinden. Die Vorstellung, dass sich darüber irgendwer freut ist naiv – zu glauben, die erlauben das, noch naiver. Außerdem ist meine persönliche Meinung, dass diese Dienste kaum einer nutzen würde, selbst wenn es ginge. Auf sozialen Plattformen will man nicht nur lesen, sondern auch interaggieren, schreiben, Bilder uploaden. Will dann Web.de auch all die anderen Features von Facebook abbilden und Inhalte in sie hineinsenden? Oder ist man der Ansicht, die Menschen wären mit dem bloßen Lesen zufrieden. Dann hat man den Reiz nicht erkannt, nach dem Social Media funktioniert: Interaktion.
    Das alles wirkt wie Träume von technisch unwissenden und schlecht beratenen Managern, die sich gegen den angefangenen Sterbeprozess eines Dinosauriers stemmen wollen, den sie in ihrer Position natürlich nicht einfach hinnehmen können. Realistisch sind diese Aussichten in meinen Augen als Web-Consultant mit 13 Jahren Berufspraxis und Agenturleiter nicht.

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