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United Internet: Ende der Wachstumsstory?

Hohe Abschreibungen, nur 20000 neue DSL-Kunden, Verlust und abermalige Prognosesenkung: United Internet muss das schlechteste Quartal seit Jahren hinnehmen. Ist die Wachstumsstory am Ende? Wie sehr belastet die Konjunktur das Unternehmen?

Bild zu: United Internet: Ende der Wachstumsstory?145 Millionen Euro Abschreibungen auf Freenet und Drillisch, nur 20000 Neukunden im DSL-Geschäft und ein Verlust von 103 Millionen Euro bedeuten ein rabenschwarzes Quartal für United Internet und seinen Chef Ralph Dommermuth (Foto), das Konsequenzen hat: Das Unternehmen musste seine Prognose senken. Im Sommer hatte das Unternehmen bereits die Wachstumsprognose von 20 auf 16 Prozent reduziert. Nun geht das Unternehmen noch von 10 Prozent Wachstum des operativen Geschäfts in diesem Jahr aus. Der Umsatz wird 2008 nur noch auf 1,66 Milliarden Euro statt auf 1,725 Milliarden Euro und das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen nur noch auf 330 Millionen Euro (statt 345 Millionen Euro) steigen, teilte das Unternehmen Adhoc mit. Entsprechend fiel der Aktienkurs schon in der ersten Handelsstunde um 10 Prozent.(-> FAZ.NET Aktienanalyse) Offenbar befürchten einige Anleger schon das Ende der Wachstumsstory für das Unternehmen. Die Frage ist aber zuerst, wie anfällig United Internet gegenüber der Konjunkturflaute ist. 

Bild zu: United Internet: Ende der Wachstumsstory?

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Der Umsatz stieg zwischen Juli und September auf 407 Millionen Euro von 375 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Das ist das geringste Umsatzwachstum seit Jahren. Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) legte ebenfalls nur leicht um 1,4 Prozent auf 77,7 Millionen Euro zu. Analysten hatten im dritten Quartal durchschnittlich mit einem Umsatz von 418 Millionen Euro, einem Ebitda von 87 Millionen Euro und einem Verlust von 97 Millionen Euro gerechnet. Auch der wichtige Indikator DSL-Kunden weist nach unten. Der Grund für das geringe Wachstum der DSL-Kundenzahl war eine Kündigungswelle: 170000 Kunden haben United Internet nach Ablauf ihres 2-Jahres-Vertrages den Rücken gekehrt. Da das Unternehmen 190000 neue Kunden für seine DSL-Komplettpakete gewonnen hat, ist die Kundenzahl netto nur um 20000 gestiegen. Diesen geringen Anstieg hatte das Unternehmen aber vorhergesagt. Im viertel Quartal erwartet das Unternehmen nur noch 60000 statt der bisher vorhergesagten 100000 neuen DSL-Kunden. Auch die Schwäche auf dem Online-Werbemarkt werde anhalten. Die Vermarktung der eigenen Portale (Web.de, GMX und 1&1) entwickele sich schwächer als gedacht. Das Segment solle 2008 noch um rund 20 Prozent wachsen. 

„Die Zahlen sind noch schlechter als erwartet. Aber es gibt auch einige positive Dinge. United Internet hat weiterhin gute Kundenzuwächse außerhalb des DSL-Geschäftes. Geht man davon aus, dass die Kundenumstellung einmalig ist, so ist die Prognoseabweichung allein durch diesen Effekt und das schwache Werbegeschaeft zu erklären. Das könnte bedeuten, dass 80 Prozent des Gruppenumsatzes (Access, Hosting) gut laufen und tatsächlich keinen Konjunktureffekt haben“, sagte Analyst Marcus Sander von Sal. Oppenheim. 

Die Zahlen seien schon schwach ausgefallen, der Ausblick hingegen sei „geradezu desaströs“, fasst die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) den Drittquartalsbericht von United Internet zusammen. Eine Senkung des Umsatzausblick hatten die Experten nach eigener Aussage bereits erwartet. Das Ausmaß und die Auswirkung auf die Profitabilität überraschten jedoch sehr. United Internet werde sowohl im DSL-Geschäft als auch im Online Marketing stark getroffen. Als Konsequenz kündigen die Analysten eine kräftige Revidierung ihre Schätzungen nach unten an.

Auftrieb könnte die Übernahme der DSL-Sparte von Freenet bringen, aber auch dies United Internet zurzeit nicht zu gelingen. (-> Spoerr hat zu hoch gepokert) . Statt dessen erwägt das Unternehmen nun den Verlauf seiner Beteiligung an Freenet. „Wenn der Preis für Freenet wieder stimmt, könnten wir uns vorstellen unsere Beteiligung abzustoßen“, sagte United-Internet-Chef Ralph Dommermuth der Nachrichtenagentur Reuters. „Wenn das Geschäft richtig geführt wird und die Finanzkrise beendet ist, dann kommt die Aktie sicher auch wieder auf die 16 Euro, zu denen wir gekauft haben“, umriss er die Bedingungen für einen möglichen Verkauf. Derzeit ist die Aktie allerdings weniger als fünf Euro wert.

Nach einer Serie von Herabstufungen ist die United-Internet-Aktie auf den tiefsten Stand seit 2005 gefallen und wird mit etwa 5,25 Euro gehandelt.

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