Netzwirtschaft

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Die Digitalisierung erfasst immer mehr Lebensbereiche. Wie sie sich auf Menschen und Märkte auswirkt, beleuchtet das Netzwirtschaft-Blog auf FAZ.NET.

Soziale Netzwerke und Spiele sind Gewinner des Jahres im Internet

Alte Bekannte wie Facebook, Google und Youtube haben ihre Reichweiten in diesem Jahr abermals stark erhöht und sind der Konkurrenz wieder ein Stück enteilt. Besonders dynamisch wachsen auch die Online-Spieleseiten. Unter den sozialen Netzwerken zeigen Wer-kennt-wen und MeinVZ die höchsten Zuwächse im deutschen Internet.

Die großen Trends im Internet sind soziale Netzwerke und Online-Spiele. Die Rangliste der Reichweitengewinner in diesem Jahr zeigt das soziale Netzwerk Facebook, das Frauennetz Glam und die Videoseite Youtube an der Spitze in Amerika, während Mozilla, die Organisation hinter dem Firefox-Browser, Youtube und die Suchmaschine Google die deutsche Rangliste anführen, wie das Marktforschungsunternehmen Nielsen Online für die FAZ errechnet hat. Alle Unternehmen waren auch schon im vergangenen Jahr in der Spitzengruppe und ziehen ihren jeweiligen Konkurrenten wie MySpace oder Yahoo weiterhin davon. (-> Youtube und Glam sind die Gewinner des Jahres 2007)

Die Rangliste der größten prozentualen Reichweitengewinner zeigt die Unternehmen mit der höchsten Dynamik. Hier dominieren ganz eindeutig die Online-Spieleseiten. In Amerika liegen gleich vier Spieleanbieter vorn: Zynga, GSN, Gamevance und Quiz Rocket haben ihre Reichweiten zwischen Januar und November um mindestens 300 Prozent erhöht. In Deutschland haben sich mit Pennergame.de und Electronic Arts ebenfalls zwei Spieleseiten unter den ersten zehn Plätzen etabliert. Anbieter wie Gameforge oder Bigpoint haben es trotz hoher Zuwächse allerdings nicht in die Spitzengruppe geschafft. Die Ranglisten für Deutschland zeigen aus methodischen Gründen nur die Reichweitenzuwächse zwischen Mai und November an.

Bild zu: Soziale Netzwerke und Spiele sind Gewinner des Jahres im Internet

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Facebook hat nach Messung von Nielsen seine Reichweite in den Vereinigten Staaten bis November auf 47,5 Millionen Besucher erhöht; nach Comscore-Messungen strömten bereits 50 Millionen Menschen auf die Seite des sozialen Netzwerkes, das nach eigenen Angaben inzwischen 140 Millionen Nutzer in aller Welt hat. In Deutschland hat sich der Weltmarktführer lange Zeit sehr schwergetan hat, nimmt nun aber Fahrt auf: 1,8 Millionen Besucher hat Nielsen im November auf den Facebook-Seiten gemessen, 163 Prozent mehr als im Mai. Anfang Oktober hatte der Facebook-Vorstandsvorsitzende Mark Zuckerberg noch von 1,26 Millionen Nutzern in Deutschland gesprochen.

Trotz des Wachstums hat Facebook bis zu seinem Ziel, das größte soziale Netzwerk auch in Deutschland zu werden, noch ein gutes Stück des Weges vor sich. Denn die Konkurrenz schläft nicht: Wer-kennt-wen hat seine Reichweite seit Mai um 1,7 Millionen auf 4,5 Millionen Menschen ausgebaut. Ähnlich gut hat sich der StudiVZ-Ableger MeinVZ in dieser Zeit entwickelt: Um 1,35 Millionen auf 1,7 Millionen Besucher je Monat hat das Netzwerk, das erst Ende Februar an den Start gegangen ist, zugelegt. Das entspricht 368 Prozent Zuwachs und damit Rang 5 unter den dynamischen Internetseiten.
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Nicht mehr vertreten in dieser Rangliste sind dagegen SchülerVZ und StudiVZ, die im vergangenen Jahr in der Spitzengruppe zu finden waren. Die Reichweite von StudiVZ ist nach Messungen der Arbeitsgemeinschaft Online-Forschung in diesem Jahr sogar gefallen, da die Nutzer nach dem Studium entweder zu MeinVZ oder zur Konkurrenz weiterziehen.

Dagegen hat es das Start-up Qype zum ersten Mal in der Liste der Reichweitengewinner geschafft. Auf Qype können die Nutzer Geschäfte, Restaurants, aber auch Rechtsanwälte oder Banken bewerten, mit denen sie persönliche Erfahrungen gemacht haben. Wer sich dann auf die Suche nach einem Anbieter in seiner Stadt macht, kann dabei von den Erfahrungen anderer profitieren. Auch die Personensuche Yasni.de hat es unter die ersten 15 geschafft. Yasni sammelt alle Informationen, die über Menschen im Internet zu finden sind. Die Nutzer können auf Basis dieser Informationen dann ein eigenes Profil anlegen.

In Amerika gehört das Nachrichten-Blog Huffington Post zu den dynamischsten Unternehmen. Arianna Huffington hat dabei allerdings von der Präsidentschaftswahl profitiert, die ihrem liberalen Politik-Blog sehr viele Besucher zugeführt hat. Die Huffington Post hat gerade 25 Millionen Dollar Risikokapital erhalten, was die Seite mit insgesamt 100 Millionen Dollar bewertet. Damit gilt die Huffington Post als kommerziell erfolgreichstes Blog.

In Deutschland immer groß im Trend sind Preisvergleichsseiten wie Sparbillig.de oder NexTag und Angebote für Schnäppchenjäger. Zu den Gewinnern des Jahres gehört die Seite Vente-Privee.com. In diesem französischen Einkaufsclub werden Markenprodukte erheblich billiger als in den normalen Läden verkauft. Allerdings sind die Markenprodukte meist Auslaufmodelle. Neben Vente-Privee sind auch Anbieter wie Brands4Friends, Buy VIP, Private Outlet oder Triphunter für die Reisebranche in diesem schnell wachsenden Markt aktiv. Klassische Online-Handelsseiten wie Amazon, Quelle oder Otto sind nicht mehr in der Rangliste vertreten, da diese Unternehmen unter den inzwischen 42 Millionen Internetnutzern in Deutschland schon sehr beliebt sind. Lediglich C&A hat die Reichweite seiner Seite stark erhöht, allerdings immer noch auf einem niedrigen Niveau.

Die Rangliste der Gewinner sagt nichts über die Verlierer aus. Dazu gehört das amerikanische Portal Yahoo, das sich nach der gescheiterten Übernahme durch Microsoft in eine schlechte Position manövriert hat. Gute Mitarbeiter laufen in Scharen weg; das Unternehmen muss sparen, während die Konkurrenten Google und Microsoft auch in der Krise weiter investieren. Auch in Deutschland setzt der Trend zum Web 2.0 die klassischen Portale unter Druck. Da sich die Kommunikation in die sozialen Netzwerke verlagert, müssen E-Mail-Anbieter wie Web.de oder GMX um die Aufmerksamkeit ihrer Nutzer kämpfen. Ebay ist weiterhin populär, wird es aber schwer haben, sich weiter zu steigern. Auch von T-Online sind lange keine innovativen Ideen mehr gekommen.  

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