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Netzwirtschaft

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Die Digitalisierung erfasst immer mehr Lebensbereiche. Wie sie sich auf Menschen und Märkte auswirkt, beleuchtet das Netzwirtschaft-Blog auf FAZ.NET.

Die vernetzten Alten

Die Anziehungskraft der sozialen Netzwerke hat inzwischen auch die älteren Generationen erreicht. Zumindest in Amerika. In Deutschland könnte Wer-kennt-wen erstmals auch die Älteren zum Netzwerken bringen.

Waren soziale Netzwerke in ihrer Anfangszeit nur etwas für die Jugend, entdecken nun auch die Erwachsenen Facebook, MySpace und Co. Zumindest in Amerika, wo inzwischen jeder dritte Erwachsene über 18 Jahre ein Profil in einem sozialen Netzwerk eingerichtet hat. Das entspricht einer Vervierfachung seit 2005, hat eine Studie des Pew Internet & American Life Project (PDF) ergeben. Dagegen ist der Anteil der jungen Menschen etwa gleichbleibend hoch geblieben.

Auch we Bild zu: Die vernetzten Altennn die älteren Generationen aufholen, nimmt die Nutzung der Netzwerke mit dem Alter weiterhin rapide ab. Sind in der Altersgruppe der 18 bis 24 Jahre alten Menschen noch 75 Prozent auf diese Weise vernetzt, sinkt der Anteil auf 57 Prozent bei den Menschen zwischen 25 und 34 und auf 30 Prozent in der Gruppe bis 44 Jahre. Aber schon jeder fünfte um die 50, jeder zehnte um die 60 und immerhin 7 Prozent der Menschen über 65 Jahre sind in den Vereinigten Staaten in einem sozialen Netzwerk aktiv.

Diese Aktivitätsrate übertrifft die deutschen Werte deutlich. Nach Ergebnissen der ARD-ZDF-Onlinestudie (PDF) aus dem vergangenen Jahr sind zwar die jungen Menschen hierzulande ähnlich stark vernetzt wie in Amerika, aber zum Beispiel nutzt nur jeder fünfte Mittdreißiger und gar nur jeder zehnte Mittvierziger soziale Netzwerke. Und nur 1Prozent der Deutschen über 50 Jahre ist in einem privaten sozialen Netzwerk aktiv, hat die Umfrage ergeben.

Mit dem Aufkommen des Netzwerkes Wer-kennt-wen könnten diese Werte allerdings schnell steigen, denn dort sind alle Altersschichten bis zu 95-Jährigen vertreten. In der Anfangsphase hatten sich Netzwerke wie StudiVZ oder SchülerVZ ausdrücklich an eine jüngere Zielgruppe gewandt. Nun versuchen alle Anbieter, auch die Menschen jenseits dieser Altersgruppe anzusprechen. StudiVZ hat dafür MeinVZ gegründet, um die Menschen aufzufangen, die ihr Studium beendet haben. Auch Facebook hat seine Wurzeln unter den Studenten längst verlassen und versucht, alle Menschen anzusprechen.

Hauptgrund für die Nutzung sozialer Netzwerke ist in Amerika der Kontakt zu Freunden. 90 Prozent wollen mit Freunden in Kontakt bleiben; 50 Prozent wollen neue Freunde kennenlernen. Dafür sind immerhin 37 Prozent der Erwachsenen täglich auf den Netzwerkseiten unterwegs; weitere 38 Prozent sind mindestens einmal in der Woche dort online. Geschäftliche Zwecke verfolgen dagegen weniger als ein Drittel der Nutzer.

Bild zu: Die vernetzten AltenAufgrund der Vielfalt der Netzwerklandschaft ist die Mehrheit der amerikanischen Nutzer in mehreren Gemeinschaften aktiv. Zwar sagen 20 Prozent der Nutzer, zwischen einem privaten und einem geschäftlichen Profil trennen zu wollen, aber die Mehrheit unterhält mehrere Netzwerke, um möglichst viele Freunde erreichen zu können.

Für den deutschen Markt haben 150 Studenten der Cologne Business School zusammen mit der Unternehmensberatung Brain Injection 400 Gemeinschaften in Deutschland und 200 Gruppen innerhalb großer Netzwerke untersucht. Ergebnis: Fast 58 Prozent der Netzwerke oder Gruppen beschäftigen sich mit den Themen Flirt und Liebe. Musik bringt es auf 48 Prozent, 41 Prozent beschäftigen sich mit Urlaub und Reisen, 36 Prozent mit dem Beruf, 27 Prozent mit Auto und Motor und immerhin 16 Prozent mit Wissenschaft.

Das Geschäftsmodell der meisten untersuchten Gemeinschaften basiert auf Online-Werbung. Allerdings hat schon jede vierte untersuchte Plattform Online-Shops integriert, und immerhin 15 Prozent versuchen, mit Premium-Mitgliedschaften eine zahlungswillige Klientel anzusprechen.  

 

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