Netzwirtschaft

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Der "deutsche Bill Gates" verlässt Yahoo

| 2 Lesermeinungen

Marco Börries, der "deutsche Bill Gates", verlässt Yahoo aus familiären Gründen. Börries war die ständige Pendelei zwischen dem Silicony Valley und Hamburg leid.

Yahoo verliert einen Hoffnungsträger: Der Deutsche Marco Börries, der für Yahoo vor allem die Software für Mobiltelefone entwickelt hat, verlässt das Unternehmen Ende April. Aus familiären Gründen, wie er sagt. Börries, der mit der Übernahme seines Softwareunternehmens Verdisoft zu Yahoo gekommen war, hat in den vergangenen Jahren als Chef der Sparte „Connected Life“ versucht, Yahoo im Wettbewerb um das mobile Internet gegen die Konkurrenten Microsoft und Google zu halten. „Ich wollte diesen Schritt eigentlich schon im vergangenen Sommer machen, konnte aber (den damaligen Yahoo-Chef) Jerry Yang nicht hängen lassen», sagt Börries der dpa. Börries betont, er habe derzeit keine konkreten beruflichen Pläne, sondern wolle sich vor allem seiner Familie widmen, die seit dem vergangenen Jahr wieder in Hamburg wohnt. Möglicherweise hat der Abschied auch mit der neuen Yahoo-Chefin Carol Bartz zu tun, denn zeitich verlässt auch der CFO Blake Jorgensen das Unternehmen.

Börries war in den vergangenen Jahren ständig zwischen dem Silicon Valley und Hamburg gependelt. In einer E-Mail an seine Mitarbeiter betonte er, nicht zwischen zwei Kontinenten pendeln zu wollen. Börries ist nach dem Verkauf seiner zwei Softwareunternehmen Star Division an Sun Microsystems und Verdisoft an Yahoo finanziell unabhängig. „Ich werde aber nicht in Rente gehen“, sagte der 40 Jahre alte Software-Spezialist. Was man ihm sofort glaubt, wenn man seine Geschichte kennt. 1984 ging Marco Börries aus Lüneburg mit nur 15 Jahren als Austauschschüler ins Silicon Valley. Microsofts erstes Betriebssystem MS-DOS war seit drei Jahren auf dem Markt. Börries war von den Anfängen der modernen Informationstechnik begeistert und gründete 1985 – gerade einmal 16 Jahre alt – mit 2000 D-Mark Konfirmationsgeld das Start-up-Unternehmen Star Division.

Die Garagenfirma programmierte Star Office, eine günstige Variante von Microsofts Bürosoftware. Weil die Software fast so viel konnte wie die Microsoft-Programme, aber nur einen Bruchteil kosteten, wird sie 25 Millionen Mal verkauft. Börries, der David, macht dem Goliath Gates Konkurrenz, was ihm den Beinamen „der deutsche Bill Gates“ einbringt. Lange vor Gates erkannte Börries schon im Jahr 1996, dass das Internet unser Leben total verändert. Dann winkte plötzlich der große Coup: IBM-Deutschland übernahm Star Office für sein Betriebssystem OS/2 und wollte die Software ganz groß rausbringen. Doch dann kaufte IBM überraschend Lotus und musste aus dem Vertrag mit Börries wieder aussteigen – was sich Börries aber gut bezahlen ließ. Von 30 Millionen Dollar war die Rede. 1999 machte Börries dann aber richtig Kasse. Für rund 70 Millionen Dollar verkaufte er Star Division an den erbitterten Microsoft-Konkurrenten Sun Microsystems. Aus dem Jungunternehmer Börries wurde der Angestellte Börries, der aber nur zwei Jahre bei Sun aushielt. Ein Abschnitt sei zu Ende gewesen, sagte Börries damals und stieg aus. Mehr Zeit für die Familie wollte er haben; Geld genug hatte er dafür.

Aber Börries hielt das beabsichtigte zweijährige Nichtstun am neuen Wohnort in Kalifornien nur vier Monate aus. Dann gründete er Verdisoft, mit 20 Millionen Dollar eigenem Geld. Zweck der Firma: Ein Art universelle Schnittstelle zwischen allen Geräten verschiedener Hersteller. Daten von Computern sollen ihren Weg auf das Handy finden und auch wieder zurückfließen können. Mit 20 Mitarbeitern entwickelte er in Kalifornien und Hamburg die Software, die ihn 2002 zurück auf die Cebit führte. Die Software wird gut, und plötzlich wollten alle sie haben. United Internet meldete Interesse an der Software an; auch mit T-Mobile und Vodafone verhandelte er schon damals. Aber richtig viel Geld wollen die Unternehmen nicht für die Software zahlen.  Doch dann kam Yahoo, kaufte die ganze Firma und Börries gleich mit. Seit 2005 war er als „Senior Vice President Connected Life“ einer der Top-Manager von Yahoo – und einer ihrer Hoffnungsträger. Nun ist Yahoo wieder um eine Hoffnung ärmer.

-> Börries: Das Betriebssystem eines Handys ist irrelevant

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Infos von Holger Schmidt zur Netzökonomie auch per ->  Bild zu: Der "deutsche Bill Gates" verlässt Yahoo

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2 Lesermeinungen

  1. <p>Na, so würde ich das auf...
    Na, so würde ich das auf keinen Fall stehen lassen..
    1. Y! GO ist überhaupt nicht erfolgreich. Fragen Sie doch mal bei Simyo. Nur ein kleiner 4stelliger Bereich an nutzern, die sich das über 12 Monate runter geladen haben.. das Konzept klingt auf dem Papier gut, scheitert aber in der Praxis.
    2. Nur ein Beispiel: Als die deutsche pr abteilung vor zwei wochen dei PM herausgeschickt hat anlässlich des MObile Kongresses in Barcelona war ein link zum Download der neuen Applikation. wir haben tagelang versucht diesen LInk bzw. die applikation in Itunes runter zu laden, wurden aber immer mit der Meldung vertröstet nur für die USA bestimmt.
    3. Schein und Wirklichkeit sind in der KOmmunikation bei dem Thema immer zwei welten gewesen.. hier eine Pressebereich, der sein Handwerk nicht beherscht auf der anderen Seite tolle visionäre die ohne rücksicht auf Google und Apple ihr eigenes ding durchziehen mussten, da verdisoft vor 4 Jahren mit einem Verkauf an _Yahoo! einen Weg eingeschlagen hat, den man nicht mehr hatte verlassen können..
    4. mit anderen worten, erfolg für Marco Boerries und Verdisoft definitiv nur für Yahoo! und den Aktionär am Ende ein Scherbenhaufen..

  2. Hier können wir definitv für...
    Hier können wir definitv für Klarheit sorgen: Die Pressemeldung aus Barcelona weist klar darauf hin, dass die angekündigten Produkte im zweiten Quartal verfügbar sind. Hier direkt zum Nachlesen:
    http://yahoo.enpress.de/pressemeldungen.aspx?p=2228
    Die offizielle Einführung von Yahoo! Mobile ist wie folgt geplant:
    Mobiles Internet:
    • Markteinführung: Voraussichtlich Ende März 2009
    • Mobile Geräte: Für alle mobilen Geräte mit WebKit-basierten Browsern (z. B. iPhone und iPod Touch, viele Nokia 60 Serien und Android Geräte), Opera Mini 4.x, Windows Mobile Geräte mit Internet Explorer Mobile sowie BlackBerry® Bold™ und BlackBerry Storm™ Browser
    iPhone:
    • Markteinführung: Voraussichtlich Ende März 2009
    Smartphones:
    • Markteinführung: Voraussichtlich Ende Mai 2009
    • Mobile Geräte: Mehrere hundert ausgewählte Modelle von RIM, Windows Mobile, Nokia S60 und 40, Samsung, Sony Ericsson und Motorola
    Zum Marktstart werden alle Versionen von Yahoo! Mobile voraussichtlich in folgenden Ländern verfügbar sein: Deutschland, USA, Kanada, Großbritannien, Frankreich, Indien, Indonesien und Philippinen. Versionen für andere Länder werden im Laufe des Jahres 2009 folgen.
    Mit besten Grüßen von Yahoo! Deutschland

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