Netzwirtschaft

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Die Digitalisierung erfasst immer mehr Lebensbereiche. Wie sie sich auf Menschen und Märkte auswirkt, beleuchtet das Netzwirtschaft-Blog auf FAZ.NET.

Txtr – die deutsche Antwort auf Kindle?

| 8 Lesermeinungen

Das Berliner Unternehmen Wizpac will mit einem eigenen E-Book gegen Amazon und Sony antreten. Das Konzept dahinter heißt vernetztes Lesen.

Bild zu: Txtr - die deutsche Antwort auf Kindle?Hightech made in Germany – es gibt sie doch. Wizpac heißt das Berliner Unternehmen, das mit seinem elektronischen Lesegerät Txtr gegen Großunternehmen wie Amazon und Sony antreten will. Wizpac will digitale Inhalte aus Zeitungen, Zeitschriften oder Büchern zunächst auf eine Internetplattform bringen und von dort auf das mobile Lesegerät transportieren. Auf der Internetseite können die Nutzer ihre eigenen Inhalte aus dem Internet hinterlegen, ihren Freunden diese Texte empfehlen und kostenpflichtige Inhalte der Verlage kaufen. „Die Nutzer sind bereit, für diese Inhalte zu zahlen“, gibt sich Andreas Steinhauser (Foto), Technikchef von Wizpac, optimistisch. Bei den Verlagen, die zurzeit intensiv nach neuen Erlösquellen für ihre digitalen Inhalte suchen, rennt er mit diesem Ansatz nach eigenen Angaben offene Türen ein. „So wie Apple den Musikverlagen das Geschäft kaputt gemacht hat, haben die Verlage nun Angst, dass Amazon mit Kindle ihnen die Preise diktiert“, sagt Steinhauser. Bei seinem Konzept können die Verlage leichter die Kontrolle über die Preisgestaltung behalten. Die Verlage schwanken noch, wie sie mit der neuen Wetl des Lesens umgehen sollen. (-> Die deutsche Verlage und das E-Book: Zögert nicht, handelt!) Mit ihrer abwartenden Haltung laufen die Verlage aber Gefahr, dass andere Unternehmen wie Amazon die Initiative ergreifen und damit die Verlage sehr schnell in die Defensive bringen können.

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Das Lesegerät Txtr ist leicht und schlank, soll aber zwei bis drei Wochen bis zu vier Stunden Lesespaß bieten. Möglich macht dies die sogenannte elektronische Tinte, die Strom nur beim Umblättern benötigt, nicht aber während der Textanzeige. „Im Moment ist der Bildschirm nur schwarz-weiß; der Farbbildschirm kommt 2010″, sagt Steinhauser. Einzige Anschlussmöglichkeit ist ein Mikro-USB-Anschluss. Dank des Funkstandards W-Lan, einem schnellen UMTS-Mobilfunkanschluss und dem Kurzstreckenfunk Bluetooth kann sich der Txtr aber überall mit der Internetseite synchronisieren. Denn dort laufen neue Inhalte, die zum Beispiel per RSS-Feed von der Seite eines Verlages kommen, automatisch ein. Da die Schnittstellen der Internetseite offen sind, können Verlage auch eigene Anwendungen auf dieser Basis bauen und auf ihre eigenen Internetseiten stellen.

Der Preis für das Gerät stehe noch nicht fest, werde aber 200 Euro sicher überschreiten, sagte Steinhauser. Gegen Ende des Jahres soll das Projekt starten.

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8 Lesermeinungen

  1. Ich weiss nicht, ob ich trotz...
    Ich weiss nicht, ob ich trotz meiner jungen Jahre ein „gestriger“ bin – aber ich kann mich mit diesen Lesegeräten nicht anfreunden. Ich nutze Facebook und Twitter und bin auch sonst sehr aufgeschlossen gegenüber neuen, digitalen Dingen.
    Aber bei den Readern verstehe ich einfach den konkreten Nutzen noch nicht. Ich persönlich versuche eher, die Anzahl der von mir genutzten Devices zu reduzieren: Mein Notebook ist eh immer dabei und kann fast alles was ich brauche. Mein Handy macht Fotos, spielt Musik usw. In welcher Situation bräuchte ich da noch einen solchen Reader – zumal zu diesen Preisen?
    Im meinem Freundeskreis sind alle, die im Jahr 200 Euro für Bücher ausgeben absolute Print-Fans. Wer wenig liest wird wohl kaum so viel Geld für den Reader ausgegeben und dann zusätzlich noch die digitalen Bücher kaufen…
    Vielleser sind Print-Leser – das ist zumindest meine persönliche Erfahrung!
    Bleibt also der Business-Anwender. Der hat sein Notebook oder sein Mobiltelefon dabei, mit dem sich Texte nicht nur lesen, sondern auch wunderbar verarbeiten lassen.
    Also – wer kann mir das erklären? Wie gesagt, ich bin offen, mir fehlt nur DAS Argument! :-)

  2. <p>@Stephan</p>
    <p>Ich...

    @Stephan
    Ich verfolge die Entwicklung dieser Reader ganz genau und das als Vielleser. Gerade für Menschen, die viel lesen, wird sich doch so ein Gerät lohnen. Du bezahlst einmalig zwar relativ viel Geld für das Gerät, aber die Texte zum Download werden billiger sein als die Print Ausgaben – als Vielleser wird man das Geld relativ schnell wieder reinholen. Weiterhin habe ich es langsam satt, soviele Bücher zu haben, die bei jedem Umzug verpackt und transportiert werden müssen. Klar es sieht toll aus, so eine kleine eigene Bibliothek zu haben, aber praktisch ist es nicht unbedingt. Auf der Arbeit würde ich so einen Reader auch bevorzugen, denn ich lese viel am PC und ich muss sagen, dass das ziemlich auf die Augen geht. Ich wäre froh, ein leichtes Gerät zu haben, das auf dem Tisch liegt und das ich immer wieder verwenden kann, um Studien oder Artikel zu lesen. Also ich sehe da viele Vorteile. Einziger Nachteil ist – und da möchte ich Dir Recht geben – man sammelt soviele Geräte an….

  3. Ich sehe das Hauptproblem,...
    Ich sehe das Hauptproblem, dass die Buchindustrie die Buchpreisbindung auch für eBooks durchsetzen will. Damit verhindert sie gründlich jedes Interesse an den teuern Readern.

  4. Ich könnte mir solche Geräte...
    Ich könnte mir solche Geräte auch als Schulbücher vorstellen. Wär doch praktisch, müssten die lieben kleinen nicht permanent so schwere Teile mit sich rumschleppen, könnten Kosten und Papier sparen. Allerdings müsste man eventuell überlegen, ob solche reader auch interaktiv gestaltet werden können, sodass man z.B. Unterstreichungen machen oder Lücken ausfüllen könnte.
    Nutzbar also sind diese Lesegeräte meines Erachtens hervorragend, würden Platzschaffen und einen zeitgemässen Zugang zum Text verschaffen.

  5. Für jeden Topf einen Deckel -...
    Für jeden Topf einen Deckel – wenn Preis, Angebot und Leistung stimmt, lohnt sich für mich so ein Gerät. Ich habe 3 Computer-Zeitschriften im Abo, lese aber nur recht wenig Zeitung (meist FASonntagszeitung ;). Das allein könnte mir so ein Gerät versüßen: Ich würde mir nur noch die Artikel darauf laden, die mich wirklich interessieren. Suchen, archivieren und weitergeben wäre elektronisch so viel einfacher.
    Auf gute (!) Bücher allerdings möchte ich nicht verzichten. Mit Büchern verbindet sich bei mir ein Bauchgefühl, dass sich schwer beschreiben lässt. Ich könnte ein geliebtes Buch nie wegwerfen und leide, wenn ich es von einem Freund böse „gehandhabt“ wiederbekomme. Das kann mir das Gerät sicherlich nicht geben. Mag auch daran liegen, dass meine Frau Buchhändlerin ist…

  6. Jetzt muss sich die Konkurrenz...
    Jetzt muss sich die Konkurrenz à la Txtr noch wärmer anziehen, denn nun hat der kindle auch noch einen grossen bruder – der neue Kindle im XXL-Format. Amazon Kindle DX heisst das gute Stück und kostet 489 Dollar — siehe:
    http://www.techfieber.de/2009/05/06/ebook-xxl-amazon-kindle-dx-kostet-489-dollar/

  7. Also ich freu mich tierisch...
    Also ich freu mich tierisch auf den Tag an dem ich nicht mehr jeden Tag Kiloweise Bücher zur Uni und zurück schleppen muss!

  8. ist an allem was dran!
    Auch...

    ist an allem was dran!
    Auch in meinem Bekanntenkreis gibt es viele -fast alle-, die im Jahr 300 Euro++ für Bücher und Zeitschriften ausgeben. Das geht schnell. Vielleicht gibt es aber auch zunaechst das ebook und dann die Printversion dazu…
    Papyrus hattte auch ein schweren Stand gegen die etablierten Steinplattentraeger…
    Jens
    http://www.berlinstartup.de

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