Netzwirtschaft

Netzwirtschaft

Die Digitalisierung erfasst immer mehr Lebensbereiche. Wie sie sich auf Menschen und Märkte auswirkt, beleuchtet das Netzwirtschaft-Blog auf FAZ.NET.

Google richtet graphische Werbung am Surfverhalten aus

| 2 Lesermeinungen

Die Internetsuchmaschine Google steigt groß in die graphische Online-Werbung ein. Mit einem eigenen Targeting-Instrument soll die Relevanz der Werbung erhöht werden.

Die Internet-Suchmaschine Google startet heute ihre lange erwartete Offensive im Markt für graphische Online-Werbung. Neu ist ein Targeting-System, das die Werbung zielgerichtet an den Interessen der Nutzer ausliefern soll. Das System heißt „Interest Based Ads“ und verwaltet Anzeigen für das Google-Content-Netzwerk und die Videoseite Youtube (-> Youtube setzt im Werbemarkt auf Googles Hilfe). Zum Content-Network gehören die Seiten, die Google-Anzeigen auf ihren Seiten zeigen. In Deutschland beträgt die Reichweite des Google-Content-Netzwerkes 89 Prozent. Dazu gehören 18 Seiten der Top 100 Sites wie Focus Online. 

Um die Werberelevanz zu erhöhen, sollen zwei Targeting-Methoden möglich sein:

– Nutzern, die kürzlich die Webseite eines Werbetreibenden aufgerufen haben, wird beim Aufruf von Seiten des Google Content-Netzwerks und auf YouTube eine entsprechende Anzeige angezeigt. Wenn sich beispielsweise ein Nutzer im August auf einer Sportbekleidungs-Webseite ein Fußball-Trikot angesehen hat, könnte derWebseitenbetreiber den Nutzer im Dezember mit einer Anzeige auf anderen Webseiten auf besondere Angebote hinweisen, zum Beispiel auf seinen Winterschlussverkauf.

– Nutzer, die auf Webseiten des Google Content-Netzwerks oder auf YouTube waren, bekommen in der Folge Werbung basierend auf ihren thematischen Interessenangezeigt. Wenn beispielsweise ein Nutzer einen großen Teil seiner Online-Zeit damit verbringt, sich Auto-Videos auf YouTube und Autotest-Webseiten im Google-Content-Netzwerk anzusehen, wird er von dem neuen System als Autoliebhabereingestuft. Entsprechend werden im Google Content-Netzwerk sowie auf YouTubefür diesen Nutzer vermehrt Kfz-bezogene Werbeanzeigen eingeblendet.

Im Browser des Nutzers lernt ein Cookie über die angesteuerten Webseiten, welche Interessengebiete dem Surfer wichtig sind. Darauf basierend werden im Cookie Interessenkategorien zugeordnet. Innerhalb des Google Content Netzwerks und auf YouTube werden sodann Anzeigen angezeigt, die auf diesen Kategorien basieren. Nach Angaben von Google werden keine sensiblen Kategorien wie Religion, Gesundheit oder sexuelle Vorlieben angelegt. Es werden keinerlei persönliche Daten vermerkt, keine IP-Adresse und keine Suchanfragen.

Mit dem „Ads Preferences Manager“ (www.google.com/ads/preferences) können Nutzer ihre Interessenkategorien einsehen und sich dafür entscheiden, ganz auf Interest Based Ads zu verzichten. „Wir sind der Auffassung, dass Werbeanzeigen eine nützliche Informationsquelle darstellen, die Nutzer mit Produkten, Dienstleistungen und Ideen verbinden, für die sie sich interessieren“, sagt Stefan Tweraser, Country Sales Director von Google Deutschland. „Wir können die Relevanz und den Nutzen von Online-Werbung erhöhen, indem wir Zusatz-Informationen über die abgerufenen Seiten von Nutzern heranziehen. Interest Based Ads assoziieren Interessenkategorien wie „Sport“, „Autos“ oder „Haustiere“ mit dem Browser des Nutzers. Dies geschieht auf der Grundlage der vom Nutzer aufgerufenen Seiten. Unter Berücksichtigung dieser Kategorien können wir dem Nutzer anschließend interessengerechte Text- und Displayanzeigen einblenden. Wenn ein Nutzer beispielsweisegerne reist und viele Tourismus-Webseiten besucht, kann Google verstärkt Reiseangeboteanzeigen“, sagte Tweraser.

„Wir gehen davon aus, dass wir im Laufe der Zeit die Fähigkeit ausbauen, relevante Werbung zum passenden Zeitpunkt beim richtigen Nutzer zu platzieren, indem wir dieInteressenkategorien mithilfe unserer Nutzer und Partner des Google Content-Werbenetzwerkes sukzessive auf- und ausbauen. Durch Interest Based Ads erhalten unsere Nutzer bessere und relevantere Online-Werbung; Werbetreibenden werden dadurch neue Möglichkeiten eröffnet, ihre Markenbotschaften zu kommunizieren und Produkte anzubieten; Partner im Google Content-Werbenetzwerk können mit ihren Online-Inhalten den Umsatzsteigern. Wir sind davon überzeugt, dass bessere Werbung für alle Beteiligten von Vorteil ist- insbesondere, weil der neue Ads Preferences Manager unseren Nutzern ein Plus an Transparenz, Wahl- und Steuerungsmöglichkeiten hinsichtlich der Werbeeinblendungenbietet.“

Alle Webseitenbetreiber, die Partner des Google Content-Netzwerks sind, haben bis zum 8. April 2009 Zeit, ihre Datenschutzerklärungen anzupassen und ihre Nutzer darüber zu informieren, dass ihnen bei einem Besuch dieser Webseiten Interest Based Ads angezeigt werden könnten.

Es wird interessant zu beobachten sein, wie sich Googles Markteintritt in das behavioral targeting auf die etablierten Unternehmen wie nugg.ad und Wunderloop auswirkt.

_________________________________________________________________
Infos zur Netzökonomie auch per ->  Bild zu: Google richtet graphische Werbung am Surfverhalten aus

0

2 Lesermeinungen

  1. An sich finde ich es ja gut,...
    An sich finde ich es ja gut, dass wenn man schon Werbung ausgesetzt wird, dass sie wenigstens passt. Ich will aber nicht wissen welche Profile Google über jeden einzelnen Menschen erstellen könnte. Die Datenbank wächst täglich und irgendwie wirds einem fast schon unheimlich. Bin trotzdem kein Anti-Googeler, im Gegenteil.

  2. Erwähnt werden sollte, dass...
    Erwähnt werden sollte, dass Adsense Websitebetreibern die Möglichkeit bietet, interessenbasierte Ads auszuschließen.
    Die Option ist ein wenig versteckt. Zu finden nicht bei der Anzeigenverwaltung, sondern unter „Mein Konto“. Deaktiviert man die neue Adform, werden lt. Google „Informationen über Besuche von meinen Websites […] nicht zum Erstellen von Kategorien der Interessen verwendet“. Frage ist, ob Google sich auch daran hält.

Kommentare sind deaktiviert.