Netzwirtschaft

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Nachrichtenagenturen schließen Pakt mit Google

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Google zeigt die Texte von acht weiteren Nachrichtenagenturen künftig auf seinen eigenen Seiten. Damit verweist Google immer mehr Nutzer auf seine eigenen Inhalte und nicht mehr auf fremde Seiten.

Die Suchmaschine Google wird nach den Vereinbarungen mit AP, AFP, Canadian Press (CP) und der britischen Press Association (PA) die Artikel von acht weiteren Nachrichtenagenturen auf eigenen Seiten als sogenannte „Hosted News“ zeigen. Google hat dazu eine Vereinbarung mit der European Pressphoto Agency (epa) unterzeichnet. Zu den Unterzeichnern gehören die Agenturen EFE (Spanien), Lusa (Portugal), Belga (Belgien), APA (Österreich), mti (Ungarn), Keystone (Schweiz), PAP (Polen) und ANA (Griechenland). Mit der Deutschen Presseagentur (dpa), die ebenfalls Mitglied der epa ist, laufen die Verhandlungen noch, sagte ein Google-Sprecher. Damit setzt Google seine Strategie fort, mehr Inhalte an sich zu ziehen. Google beantwortet nämlich immer mehr Suchanfragen selbst – mit eigenen Inhalten. Die Nutzer werden in diesem Fall nicht mehr auf die Seiten der Verlage geführt, sondern bleiben auf den Google-Seiten. Die Werbeerlöse, die inzwischen mit den üblichen Google-Anzeigen auf den eigenen Nachrichtenseiten erzielt werden, gehen dann komplett an den Verlagen vorbei. Dafür freuen sich die Agenturen über die Zusatzerlöse, die sie aber mit Google teilen müssen. 

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„Dieser neue Ansatz verbessert nicht nur die Informationssuche für die Nutzer. Er identifiziert auch Journalisten und Herausgeber, die für die Erstellung und Verbreitung von Nachrichten hart arbeiten, als ursprüngliche Nachrichtenquelle“, erklärt Josh Cohen, Business Product Manager von Google News. Walter Grolimund, epa-Aufsichtsratsvorsitzender, sagte: „Die Vereinbarung ist für Nachrichtenagenturen von besonderer Bedeutung, da diese nun klar als Quelle für den von ihnen erstellten Originalinhalt erkennbar und anerkannt werden. Zudem können sie dank der mit Google geteilten Werbeeinnahmen neue Erträge für alle auf Google News gehosteten Artikel generieren.“

Diese Vereinbarung wird die Sorge vieler Verlage verstärken, dass Google immer mehr Inhalte an sich zieht. Nach Google Maps, Videos (Youtube) oder Börseninformationen sind die Nachrichten schon das vierte eigene Inhalteangebot, das Google in den Trefferlisten anzeigt. Immer mehr Suchende landen beim Klick auf das Suchergebnis dann bei einem weiteren Google-Angebot. Die Verlängerung der Wertschöpfung geht dann zulasten der anderen Inhalteanbieter im Netz, allen voran der Verlage, die bisher etwa ein Drittel ihrer Besucher von Google bekommen und mittels Suchmaschinenoptimierung noch mehr Traffic bon Google herbeiholen wollen.

In Großbritannien wollen die Medien inzwischen mehr Geld von Google für ihre Inhalte. „Die Rolle der Media-Aggregatoren wie Google News muss überdacht werden. Unter dem Stichwort „Digital Britain“ sind wir in Gesprächen mit der Regierung und der Regulierungsbehörde. Dabei geht es um die Tatsache, dass Google alle Inhalte kostenlos bekommt. Google sagt, dass die Medienunternehmen im Gegenzug sehr viele Nutzer von Google bekommen. Das ist richtig, aber die Werbepreise für Display-Werbung sind eingebrochen. Der Traffic, der von Google kommt, ist also lange nicht mehr so wertvoll wie er einmal war. Und darüber muss man reden. Wir wollen Geld von Google für unsere Inhalte“, sagte Carolyn McCall, Vorstandsvorsitzende des britischen „Guardian„, der FAZ im Januar am Rande der Burda Digitalkonferenz DLD in München.

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2 Lesermeinungen

  1. ...wie so oft bei Google:...
    …wie so oft bei Google: Einfach clever. Damit schrumpft der Google-Kuchen für Verlage, die ja auch oft überwiegend Agenturmeldungen verarbeiten. Was bleibt den Verlagen? Eigene hochwertige Inhalte zu erstellen – die dann auch über Google Klicks bringen. Ist aber nur so eine Idee… ;-)

  2. Problem ist, dass auch wenn...
    Problem ist, dass auch wenn der Verlag eigene Inhalte erstellt bei der Suche auf Google oder Google News dann sicherlich die „eigenen“ Agentur-Inhalte zuerst angezeigt werden. Konkurrenz ist also auf jeden Fall da und selbst teuer erstellter Content wird so weniger geklickt.
    Die größten Probleme sollten die Verlage haben, die stark auf Google gesetzt haben und einen großen Traffic-Anteil von dort beziehen; gell, Welt…?

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