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Abschreibungen treiben United Internet tief in die roten Zahlen

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Hohe Abschreibungen auf die Beteiligungen an den Konkurrenten Freenet, Versatel und Drillisch haben United Internet im vergangenen Jahr in die roten Zahlen gedrückt. Leidtragende sind vor allem die Aktionäre: Der Aktienkurs ist im vergangenen Jahr von 19 auf etwa 5 Euro gefallen und nun streicht das Unternehmen auch noch die Dividende.

Bild zu: Abschreibungen treiben United Internet tief in die roten ZahlenDas Internetunternehmen United Internet ist im vergangenen Jahr in die roten Zahlen gerutscht. Der Verlust betrug 121,5 Millionen Euro, nachdem im Jahr zuvor noch 155,4 Millionen Euro Gewinn erwirtschaftet wurde. Verantwortlich dafür sind 275 Millionen Euro hohe Abschreibungen, vor allem auf die Beteiligungen an den Konkurrenten Freenet, Versatel und Drillisch. Der Großteil dieser Beteiligungen war Firmengründer Ralph Dommermuth (Foto) eingegangen, um die DSL-Sparte von Freenet zu übernehmen, was aber bisher nicht gelungen ist. „Im Nachhinein hätten wir uns die eine oder andere Beteiligung besser verkniffen. Wir sind alles andere als stolz darauf. Trotzdem war es gut, Freenet nicht gekauft zu haben. Sonst hätten wir heute das viel größere Fiasko“, sagte Dommermuth.Zudem hat das Unternehmen auch alle nicht börsennotierten Beteiligungen um mindestens 50 Prozent abgeschrieben, um die Bilanz zu säubern. Als Reaktion auf das schwache Unternehmensergebnis streicht United Internet die Dividende.

Im Kerngeschäft, das vor allem schnelle DSL-Internetzugänge unter der Marke 1&1, das Vermieten von Speicherplatz im Internet, kostenpflichtige E-Mail-Postfächer und Online-Werbung umfasst, arbeitet United Internet weiterhin profitabel. Der Umsatz stieg um 11 Prozent auf 1,65 Milliarden Euro; das Ergebnis vor Zinsen und Steuern legte 8,3 Prozent auf knapp 256 Millionen Euro zu.

Die Wirtschaftskrise zeigt sich aber auch im operativen Geschäft: Der Umsatz der Online-Marketing-Sparte des Unternehmens ging im vergangenen Jahr um knapp 4 Prozent zurück; das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen brach in diesem Segment gar um 70 Prozent auf 12,9 Millionen Euro ein. Auch im DSL-Geschäft lief es nicht wie gewohnt: Im vierten Quartal gewann das Unternehmen netto nur rund 40.000 DSL-Kunden hinzu. Insgesamt hat United Internet im vergangenen Jahr nur 230.000 neue DSL-Kunden gewonnen, nachdem im Jahr zuvor noch 420.000 Neukunden hinzugekommen waren. „Unser DSL-Kundenbestand wird 2009 nur gering zulegen“, sagte Dommermuth, ohne jedoch konkrete Zahlen zu nennen.

Für weitere Enttäuschung am Aktienmarkt wird neben der Streichung der Dividende auch der Ausblick sorgen: Zwar erwartet das Unternehmen für dieses Jahr zwar noch ein leichtes Umsatzwachstum, aber wegen der Schwäche des Online-Werbemarktes kein Gewinnwachstum mehr. (-> United Internet: Ende der Wachstumsstory?). Auf technischer Ebene will United Internet in diesem Jahr zu einem Spezialisten für die Heimvernetzung werden. Es gebe einen großen Bedarf für die Verbraucher, alle Kommunikationsgeräte im Haushalt per W-Lan ans Internet anzuschließen, sagte Dommermuth.

United Internet wird auch 2009 an der Konsolidierung des DSL-Marktes beteiligt sein. Das Unternehmen versucht hinter den Kulissen weiterhin, die DSL-Sparte von Freenet zu übernehmen. „Wir reden mit vielen Marktteilnehmern – auch mit Freenet“, sagte Dommermuth. Das Unternehmen sei weiterhin am Portal, der DSL-Sparte und dem Hosting-Geschäft von Freenet interessiert, sagte Finanzvorstand Norbert Lang. Offenbar wird weiterhin über den Preis verhandelt. Freenet hat im vierten Quartal weitere 100.000 DSL-Kunden verloren, was den Preis drücken wird.

Gleichzeitig hat das spanische Unternehmen Telefonica Interesse an einer Übernahme von United Internet gezeigt, ist dabei aber nicht auf Gegenliebe bei Dommermuth gestoßen. „Es gab keine Gespräche mit Telefónica. United Internet steht nicht zum Verkauf“, sagte Dommermuth. Dennoch könnte die Situation des Unternehmen ungemütlich werden, sollte Telefonica den Konkurrenten Hansenet wie erwartet übernehmen.

Bild zu: Abschreibungen treiben United Internet tief in die roten Zahlen

 

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3 Lesermeinungen

  1. Wesentlich dürfte auch der...
    Wesentlich dürfte auch der Rückzug aus dem Shopping-Geschäft sein (smartshopping.de taucht nicht mehr als Marke auf, bzw. als vierte Erlössäule).
    Lange hat die Strategie funktioniert, bisher schlecht vermarktete Portale (Web.de, GMX) aufzukaufen bzw. zu „vermarkten“. Doch denen bricht jetzt allen gleichzeitig die Click-Reichweite weg, da Google hat die Rankingmethoden angepasst hat, um Platz für den eigenen Shopping-Service zu schaffen.
    Aufgrund des Nutzerprofils dieser Seiten, die eher Unterschichten ansprechen, wird auch mit Werbung nicht viel zu verdienen sein. V.a. da vergleichbare Massenmedien (TV-Sender, große Zeitungen) aktuell preislich sehr flexibel sind.
    Lycos hat es vorgemacht: 1) Content Qualität immer weiter runterfahren 2) auf massive SEO-Massnahmen (Whitelabels etc.) setzen, um dennoch Clicks zu generieren 3) von Google abgestraft werden 4) aus dem Markt ausscheiden.
    Alle Reichweiten-Zwischenhändler, die keinen echten Mehrwert oder eigene Inhalte erschaffen, werden von Google & Co. sukzessive aus dem Markt gedrängt.
    Zwischen den Inhalte-Anbietern (qualifizierte Reichweite), den Lesern / Kunden und den Hersteller-Shops bzw. Fachhandel, Online-Handel steht in Zukunft nur noch ein „Vermittler“: Google u.a. große Suchmaschinen wie Yahoo, MySpace, Facebook…

  2. Wenn man keie Ahnung vom...
    Wenn man keie Ahnung vom System hat sollte man nicht Kommentare abgeben bangmann.

  3. @bangemann: wie kommst du...
    @bangemann: wie kommst du darauf, dass web.de und gmx schlecht vermarktet werden? Von einem Reichweiten-Schwund kann hier nicht die Rede sein, ganz im Gegenteil. Die Nutzungsintensität nimmt zu. Die Emaildienste erfreuen sich großer Beliebtheit.
    Warum haben 20 Mio Deutsche ihre Email bei web. de und GMX???

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