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Die Digitalisierung erfasst immer mehr Lebensbereiche. Wie sie sich auf Menschen und Märkte auswirkt, beleuchtet das Netzwirtschaft-Blog auf FAZ.NET.

Ebays Risikostrategie

| 6 Lesermeinungen

Weil keine Synergien mit dem Stammgeschäft erzielt werden konnten, will Ebay den schnell wachsenden Internet-Telefoniedienst Skype an der Börse verkaufen.

Bild zu: Ebays RisikostrategieDer Internet-Marktplatz Ebay will seinen Telefoniedienst Skype bis Mitte 2010 an die Börse bringen und damit vom Unternehmen trennen. „Skype hat nur begrenzte Synergien mit Ebay und Paypal“, begründete der Ebay-Vorstandsvorsitzende John Donahoe die Abspaltung von der 3,1 Milliarden Dollar teuren Akquisition. Ebay werde sich künftig ganz auf seine Kerngeschäfte Online-Handel und Online-Zahlungen konzentrieren, wozu auch das Kleinanzeigengeschäft gehört. Anfang der Woche hatte Ebay bereits den Lesezeichen-Dienst StumbleUpon, der vor zwei Jahren für 75 Millionen Dollar gekauft wurde, an die Firmengründer zurückverkauft. Ebay verkauft damit zwei profitable Wachstumstreiber, um ganz auf sein zuletzt lahmendes Kerngeschäft zu setzen.

Die frühere Ebay-Chefin Meg Whitman hatte Skype im Jahr 2005 erworben, um das nachlassende Wachstumstempo im Kerngeschäft wieder zu erhöhen. „Wir werden Skype in unseren Marktplatz integrieren. Die Kombination aus Ebay, PayPal und Skype wird unser traditionelles Geschäft beschleunigen. Denn Käufer und Verkäufer können künftig direkt am Telefon miteinander verhandeln, was vor allem bei komplexen Produkten wie Autos oder Industriegütern wichtig ist. Heute senden Käufer und Verkäufer jeden Tag noch fünf Millionen E-Mails hin und her. Das ist nicht besonders komfortabel“, sagte Whitman im FAZ-Interview damals. 

Bild zu: Ebays Risikostrategie

Diese Integration ist jedoch nie gelungen, obwohl sich Skype gut entwickelt hat. Die Nutzerzahl ist von damals 54 Millionen auf heute 405 Millionen gestiegen. Skype erzielte im vergangenen Jahr 551 Millionen Dollar Umsatz, der bis 2011 auf 1 Milliarde Dollar steigen soll. Ob Ebay allerdings seine Investition in Skype an der Börse zurückkommt, hängt stark vom Börsenumfeld ab. Analyst Imran Khan von JP Morgan schätzt den Emissionserlös auf 1,6 bis 3,1 Milliarden Dollar. Andere Analysten haben Bewertungen zwischen 1 und 2,2 Milliarden Dollar errechnet.

Ebay hatte zuletzt versucht, Skype auf anderem Wege zu verkaufen. Spekulationen gab es auch über eine Rückgabe an die Gründer Niklas Zennström und Janus Friis, deren Angebot aber offenbar unter Ebays Preisvorstellung lag. 

Die Trennung von Skype passt in die Strategie von Donahoe, sich wieder ganz auf das Kerngeschäft zu konzentrieren. Auch in Deutschland geht der Umbau von Ebay weiter. Dort können Markenhersteller und große Händler inzwischen auich ihre Restposten prominent auf der Ebay-Startseite verkaufen. „Da die Lebenszyklen der Pr Bild zu: Ebays Risikostrategieodukte immer kürzer werden, wächst der Bedarf, Produkte der Vorsaison oder Restposten schnell zu verkaufen“, sagte der Deutschland-Chef Frerk-Malte Feller. Die Markenhersteller können sich dafür virtuelle Läden auf Ebay einrichten. Bisher wurden diese Produkte selten im Internet verkauft. Ebay setzt damit auf das sogenannte Live-Shopping, das im Internet stark wächst. Dabei werden Produkte ausgewählter Händler für einen begrenzten Zeitraum in begrenzter Menge angeboten. „Wir rücken Schnäppchenangebote wieder in den Vordergrund“, sagte Feller, der nach dem Weggang von Stephan Groß-Selbeck zu Xing die Leitung des Deutschland-Geschäfts übernommen hat. Ebay ist seit zehn Jahren in Deutschland tätig. In dieser Zeit wurden auf dem Marktplatz mehr als eine Milliarde Produkte im Wert von 42 Milliarden Euro gehandelt. „14,5 Millionen Menschen in Deutschland sind jeden Monat als Käufer oder Verkäufer auf Ebay aktiv“, sagte Feller. Das Handelsvolumen entfällt je zur Hälfte auf professionelle Händler und private Anbieter. Um das nachlassende Wachstum anzukurbeln, hat Ebay im vergangenen Jahr die Einstellgebühren für die Produkte stark gesenkt. „Dadurch ist die Zahl der angebotenen Produkte von 9 auf 30 Millionen gestiegen“, sagte Feller. Allerdings habe der Verzicht auf die Einstellgebühr auch ihren Preis: „Der Umsatz in Deutschland ist im vierten Quartal gefallen.“ Nun sollen mehr Transaktionen den Wegfall der Einstellgebühren kompensieren. Die Deckelung der Versandkosten, eine vereinfachte Rückgabe der gelieferten Produkte und Sicherheitsschlüssel per SMS sollen den Verkauf weiter antreiben, sagte Feller. Inzwischen werden die Händler gezwungen, in einigen Kategorien versandkostenfrei zu liefern.

Dennoch wird es Ebay schwer haben, sein Wachstum wieder zu erhöhen, wenn es Wachstumstreiber wie Skype verkauft. Denn mit dem Innovationstempo, wie es Konkurrent Amazon an den Tag legt, kann Ebay zumindest im Moment nicht mithalten. Amazons Ansatz, als Verkaufsplattform für andere Händler aufzutreten und deren Produkte auch zu versenden, gefährdet Ebays Stammgeschäft. Die völlige Konzentration auf den alten Kern könnte im Internet-Markt zum Risiko für Ebay werden.  

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6 Lesermeinungen

  1. eBay hat inzwischen den...
    eBay hat inzwischen den Grundstein gelegt sich selbst zu vernichten. Wie kann man auf die Idee kommen, die Händler zu zwingen versandkostenfrei zu versenden? Wo ist hier die Kundenfreundlichkeit? Die Versandkosten werden im Artikelpreis einkalkuliert und so bezahlt der Käufer der bei einem Händler mehrere Teile kauft gleich mehrfach die Versandkosten. Vielleicht wird man bald dem Händler auch vorschreiben welche Preise gemacht werden sollen? Desweiteren ist es nicht besonders logisch immer Amazon mit ebay zu vergleichen.

  2. yep, skype hat nur begrenzte...
    yep, skype hat nur begrenzte Synergien mit Ebay und Paypal – absolut, eben das wurde ja schon vor der uebernahme 2005 kritisiert. ebay hat salopp gesagt in den fetten jahren mega-mist gebaut und die mega-chance vermasselt, aus dem mega-phaenomen skype ein mega-geschaeft zu machen … die smarten skype-gruender sind zurecht sauer und so auch die eBay-aktionaere.

  3. Die sollen Ebay an die...
    Die sollen Ebay an die Gründer zurück verkaufen. Wenn dann die EU noch die ollen Deutschen Mobilfunk-Carrier dazu verknackt, VoIP zulassen zu müssen und nicht alles zu blockieren, was ihnen grad in den Kram paßt, dann ist Skype wirklich ein Super-Produkt mit Zukunft. Freu mich drauf…

  4. Die sollen Ebay an die...
    Die sollen Ebay an die Gründer zurück verkaufen. Wenn dann die EU noch die ollen Deutschen Mobilfunk-Carrier dazu verknackt, VoIP zulassen zu müssen und nicht alles zu blockieren, was ihnen grad in den Kram paßt, dann ist Skype wirklich ein Super-Produkt mit Zukunft. Freu mich drauf…

  5. "Diese Integration ist jedoch...
    „Diese Integration ist jedoch nie gelungen, obwohl sich Skype gut entwickelt hat.“
    Ich benutze Skype seit Jahren und wusste bis eben nicht einmal, dass das irgendwas mit Ebay zu tun hat, in der Hinsicht hätten die aus geschäftlichen Gründen vielleicht echt mal Werbung oder so machen sollen, obwohl es mir als Verbraucher natürlich recht ist, nicht mit dieser genervt zu werden.

  6. 400.000.000 kunden ! für...
    400.000.000 kunden ! für 1,6-3 milliarden $, da sollte die telekom zugreifen !!!

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