Netzwirtschaft

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United Internet: "Geld ist jetzt wichtiger als Reichweite"

Die Vermarktung fremder Internetseiten ist schwierig - weshalb United Internet diesen Teil des Geschäfts seiner Tochtergesellschaft Adlink an den französischen Konkurrenten Hi Media verkauft hat. Mit den Franzosen hat UIM-Chef Matthias Ehrlich viel vor.

Die United-Internet-Tochtergesellschaft Adlink hat ihr Geschäft mit graphischer Online-Werbung an den französischen Konkurrenten Hi Media verkauft. Die Franzosen bezahlen 29,4 Millionen Euro für die Sparte; davon 12,2 Millionen Euro als Kredit und 17,2 Millionen Euro in Form von 10,7 Prozent der Hi-Media-Aktien. Damit wird Adlink größter Aktionär der Franzosen und hat zudem das Recht, den Anteil an Hi Media weiter zu erhöhen, teilten die Unternehmen mit. In der Adlink verbleiben die Geschäftssparten Sedo und Affilinet.

Bild zu: United Internet: "Geld ist jetzt wichtiger als Reichweite"United Internet hatte Adlink bereits Anfang 2008 zum Verkauf gestellt, aber offenbar keinen Käufer gefunden. Seit Ende des vergangenen Jahres haben Adlink und die Schwestergesellschaft United Internet Media (UIM) dann Gespräche über eine mögliche Verschmelzung der beiden Unternehmen geführt. In der Zwischenzeit hat sich das Marktumfeld für graphische Werbung allerdings deutlich verschlechtert. Vor allem die Vermarktung fremder Internetseiten ist unter Druck gekommen, weshalb Adlink inzwischen Verluste schreibt und zu einer Belastung für United Internet geworden ist.

Die geplante Zusammenführung der Eigenvermarktung (UIM) und der Fremdvermarktung (Adlink), um die Reichweite im Internet zu erhöhen, sei jedoch schwieriger gewesen als gedacht. „In der Online-Werbewelt hat sich in diesem Jahr viel verschoben. Reichweite steht im Moment nicht mehr ganz oben auf unserer Prioritätenliste. In dieser Krise steht das Ziel, Geld zu verdienen, oben“, sagte UIM-Chef Matthias Ehrlich (Foto). Viele Anbieter, die 2009 stark auf die Fremdvermarktung gesetzt hätten, haben nach Angaben von Ehrlich jetzt große wirtschaftliche Schwierigkeiten, weil die Preise stark gefallen sind. „Viele verlieren jetzt Geld; die erhofften Ergebnisse kommen nicht“, sagte Ehrlich. Der Spagat, eine Vermarktung der eigenen Seite mit der Fremdvermarktung vieler fremde Seiten im „Long Tail“ funktioniere nicht so einfach wie gedacht, sagte Ehrlich.

Die Zusammenarbeit mit dem Fremdvermarkter Hi Media, der derzeit 370 Mitarbeiter beschäftigt und im vergangenen Jahr 136 Millionen Euro Umsatz erzielt hat, soll Adlink helfen, aus der Bredouille zu kommen. „United Internet wird künftig eng mit Hi Media zusammenarbeiten. Die Erhöhung der Beteiligung an Hi Media ist durchaus denkbar“, sagte  Ehrlich, der mit der Vermarktung der unternehmenseigenen Seiten Web.de und GMX der Branchenprimus in Deutschland ist. Auch Hi Media hat Großes vor: „Wir werden dann in ganz Europa einen Marktanteil von etwa fünf Prozent haben und sind damit größer als Yahoo, auch wenn wir noch nicht an MSN oder Google heranreichen“, sagte Hi-Media-Chef Cyril Zimmermann. Er rechnet damit, dass die Integration der rund 200 Adlink-Mitarbeiter bis Ende des Jahres abgeschlossen sein wird. 

 

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