Netzwirtschaft

Netzwirtschaft

Die Digitalisierung erfasst immer mehr Lebensbereiche. Wie sie sich auf Menschen und Märkte auswirkt, beleuchtet das Netzwirtschaft-Blog auf FAZ.NET.

Vodafone und die Blogger

| 19 Lesermeinungen

Vodafone hat für seine Social-Media-Kampagne Prügel von allen Seiten einstecken müssen. Doch die kritikfreudigen Blogger haben sich damit einen Bärendienst erwiesen.

Bild zu: Vodafone und die BloggerWenn die deutschen Blogger, die sich so gerne beschweren, dass sie nicht ernst genommen werden, von einem großen Unternehmen wie Vodafone einmal ernst genommen werden, was tun die Blogger dann: Sie prügeln, zum Beispiel Thomas Knüwer, so vehement auf Vodafone ein, dass sich andere Unternehmen von nun an erst einmal sehr genau überlegen werden, Social-Media-Kampagnen dieser Größenordnung zu starten. Dabei wäre diese Kampagne, die viel mehr ist als die verunglückte Pressekonferenz, die Gelegenheit gewesen, Social Media in der Werbung und Kommunikation zu etablieren. Die Chance ist erst einmal vertan worden. 

Doch auch wenn die Kritik überzogen war – Vodafone trägt eine nicht gerade geringe Mitschuld an dem Desaster. Denn einige Dinge hätten den Verantwortlichen vorher klar sein müssen:

– Man kann die neue Zielgruppe der „Generation Upload“ nicht mit Old-School-Marketingsprüchen begeistern. Die Versuche wirkten in der Tat lächerlich (sich daran in unzähligen Blogbeiträgen abzuarbeiten allerdings genauso). Dass die Pressekonferenz aber etwas mehr Inhalt brauchte, war wohl auch dem Vodafone-Chef Fritz Joussen noch klar geworden. Darum verkündete er zum Beginn der PK den Abschluss des VDSL-Bitstream-Vertrages mit der Telekom. Sein Pech: Diese Nachricht interessierte die „Community“ rein gar nicht.

– Ein Unternehmen, das ein eher schlechtes Image in der Zielgruppe hat, muss sich schon mehr als eine Werbekampagne einfallen lassen, um seinen Ruf zu drehen. Das schlechte Image beruht einerseits in der Zustimmung zu den umstrittenen Netzsperren („Zensursula“), die von den Bloggern (aus gutem Grund) abgelehnt werden, andererseits aber auch in den Produkten und Tarifen: Die „Generation Upload“ ist entweder bei T-Mobile unter Vertrag, weil sie ein iPhone will, oder bei O2, weil die Münchner vernünftige Datentarife haben. Vodafone ist in der Zielgruppe weder für coole Handys noch für attraktive Tarife bekannt. Warum also sollte die gut informierte „Generation Upload“ zu Vodafone wechseln? Ein attraktives Angebot hätte die anschließende Diskussion anders aussehen lassen.

Vielleicht lernen wenigstens andere Unternehmen aus dem Vorgang. Zumindest wissen sie jetzt, dass jede Bewegung auf das Social-Media-Terrain sehr kritisch beäugt wird. Fehlertoleranz gibt es nicht. Doch Social Media braucht auf Dauer Social-Media-Kampagnen. Denn Social Media braucht irgendwann einmal eine Finanzierungsquelle. Also: Bitte über den Tag hinaus denken.

Ebenfalls zum Thema:

Zweipunktnull: Vodafone: War das was?

Ralf Schwartz: Vodafone: Wenn der Blauäugige auf den Einäugigen trifft

Don Alphonso: Vodafone lädt auf und eckt an (FAZ)

Mirko Lange: Der (schmutzige?) Kampf um die Deutungshoheit

Sascha Lobo nimmt Stellung

 

0

19 Lesermeinungen

  1. Es gibt in dieser Generation,...
    Es gibt in dieser Generation, für die sich alle möglichen Leute neuerdings Namen ausdenken, gleichwohl es gar keine Generation ist, durchaus auch Leute, die sich erinnern, wie Vodafone an unser D2-Netz gekommen ist und daß es von Stund an bergab ging. Mannesmann Mobilfunk war führend in Deutschland und hatte stets das bessere Angebot. Geh ich heute in einen Vodafoneladen, kann ich allenfalls ein Handheld bestellen und nicht gleich mitnehmen. Keine Ahnung wozu man dann so einen Laden braucht. Die sind auch leer im Gegensatz zu den T-Mobile-Läden, in denen man das IPhone sogleich mitnehmen kann.

  2. Danke, Holger Schmidt. Ich bin...
    Danke, Holger Schmidt. Ich bin erleichtert, auch solche differenzierten Meinungen von der FAZ zu lesen. Habe die vergangenen Stunden damit verbracht, mir über die Hintergründe des Artikels Ihres Kollegen (?) Don Alphonso klar zu werden. Und habe diese Gedanken auch im Blog verarbeitet.

  3. Interessanter Artikel, nur...
    Interessanter Artikel, nur beim zweiten Absatz kann ich nur bedingt zustimmen. Ich persönlich nutze das HTC Magic, was als Smartphone mit Android gut funktioniert. Und das iphone bekommt man ja mittlerweile über die Vertriebspartner auch bei Vodafone: http://www.wiwo.de/unternehmer-maerkte/vodafone-vertreibt-iphone-ueber-handelspartner-401950/

  4. Ich finde den Artikel von Don...
    Ich finde den Artikel von Don Alphonso stilistisch etwas überhastet und wenig strukturiert. Zum Ende hin wird er etwas professioneller, aber er ist ja nun auch kein Autor oder Journalist, da sollte man vielleicht auch keinen klaren Duktus erwarten, wenngleich ich ihm in der Sache in vielem zustimmen.
    Anders ist es hier bei Herrn Schmidt:
    Zum ersten Argument: Es war mitnichten eine Neuigkeit, wie jeder bei heise am 10.07 morgens hätte lesen können:
    http://www.heise.de/netze/Auftakt-fuer-VDSL-Kooperation-von-Vodafone-und-Telekom–/news/meldung/141851
    Zum zweiten Argument: Schmidt begeht einen doppelten Kategorienfehler. Weil er 1. unterstellt, S&F würde eine PK nutzen, um ein Image zu ändern (2. hier geht es vor allem um Branding). Man kann S&F für die stümperhafte Vorbereitung und Durchführung des Vorhabens stundenlang um den Ständer hauen, aber so dumm wären selbst die nicht, eine PK einzuberufen, um ein Image zu ändern.
    Social Media hat übrigens eine ganz andere Veranlassung und einen anderen Exit, als das, was hier so inflationär kolportiert wird. Es geht nicht darum, Blogs zu nutzen, um PIs zu verschleudern und PKs online bei vimeo oder youtube einzustellen. Das ist der Fehler der Leute, die glauben mit drei Brocken Systemtheorie die Postmoderne zu verstehen. Es geht um mehr als nur Elemente und Strukturen zusammen zu stecken. Wer sich ein wenig Mühe macht, kann im Netz herrvoragende Quellen finden, um das dialogische Prinzip und das Aussschließen von Mittelsmännern (Agenturen/Journalisten) zu verstehen. Wer allerdings genau diese bezahlt, um sich Social Media erklären zu lassen, wird natürlich dort niemanden antreffen, der sich dafür bezahlen lässt, sich selbt überflüssig zu machen…achja, und cluetrain können die Marketingmenschen auch ohne S&F verstehen…

  5. Vielleicht ist es aber doch...
    Vielleicht ist es aber doch ein Unterschied, inhaltlich ernst genommen zu werden oder Teil einer PR-Kampagne zu sein…? Im ersten Fall geht es nämlich um Argumente und Politik, im zweiten vor allem um Image und Geld.

  6. Die These ist doch Quatsch:...
    Die These ist doch Quatsch: Diese Kampagne hat die Blogger EBEN NICHT ernst genommen. Ein ‚bloggerädaquates Produkt‘ – zum Beispiel preiswerte Flatrate ohne Wenn und Aber, endlich mal ein Kundendienst, der auch besetzt ist, wenn man man ihn mal braucht – das wären richtige Antworten gewesen, die Blogger dann auch ernst genommen hätte. So schafft man sich einen Marktzugang, auch gegen die Konkurrenz von iPhone. Aber bitte kein Bunt-Anstreichen der Szene als ‚Generation Upload‘! Ich hoffe, die Unternehmen lernen tatsächlich mal etwas daraus – und sie trennen sich endlich mal von dem Konzept einer gewissen elitären Lifestyle- und Blinky-Blinky-Werbung, die ihre Kunden generell als manipulierbare Masse begreift …

  7. > (sich daran in unzähligen...
    > (sich daran in unzähligen Blogbeiträgen abzuarbeiten allerdings genauso)
    Bestimmen Sie jetzt, wer was im Internet schreiben darf? Da kommt wieder die alte Krankheit des Journalismus durch. Die, nach der die Deutungshoheit den Journalisten gehört. Genau den Fehler, den auch Vodafone gemacht hat. Nur hat man da geglaubt, die Deutungshoheit gehört den Werbetypen.
    „Das Internet“ hat sehr gut erkannt, das Vodafone nur heiße Luft produziert hat und man als Kunde immer noch nicht ernst genommen wird.

  8. scusi...es war bei infosat.de...
    scusi…es war bei infosat.de und golem.de, die es schon am 08.07. als News brachten…heise war spät…
    http://www.infosat.de/Meldungen/?msgID=54004

  9. @ Klaus Jarchow: Genau das...
    @ Klaus Jarchow: Genau das laste ich Vodafone doch als Fehler (2. Spiegelgestrich) an: Nichts anzubieten, was für die Generation Upload attraktiv wäre.

  10. @Stephan: Jeder darf...
    @Stephan: Jeder darf schreiben, was er will. Aber Blogger, die sich über das „Denglisch“ auf der PK aufregen, haben nichts anderes als einen Grund gesucht, über die Veranstaltung herzuziehen. Ist doch albern, oder?

Kommentare sind deaktiviert.