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Die Digitalisierung erfasst immer mehr Lebensbereiche. Wie sie sich auf Menschen und Märkte auswirkt, beleuchtet das Netzwirtschaft-Blog auf FAZ.NET.

United Internet: Ergebnis wichtiger als Kundenwachstum

| 3 Lesermeinungen

Wachstum ja, aber profitabel bitte: Nach der Übernahme der DSL-Kunden von Freenet zieht sich United Internet ein Stück aus der Jagd um die DSL-Kunden zurück. Dafür dürfen die Aktionäre wieder auf eine Dividende hoffen.

Mit einem Kurssprung von 10 Prozent in der Spitze reagierte die Aktie des Internetunternehmens United Internet auf die Geschäftszahlen des ersten Halbjahres. Der Umsatz ist gegenüber dem Vorjahr um 3,7 Prozent auf 844,5 Millionen Euro geklettert und auch das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) legte – entgegen den Erwartungen der Börse – um 1,4 Prozent auf 148 Millionen Euro zu. Daraufhin hob United Internet die Prognose für das Gesamtjahr an und erwartet statt einer Stagnation nun rund 5 Prozent Umsatz- und Ergebniswachstum.

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Erkauft wurden die guten Ergebnisse allerdings mit einem Verzicht auf Kundenwachstum im Markt für schnelle DSL-Internetanschlüsse. Ohne Übernahme der Freenet-Kunden hat das Unternehmen seit Jahresanfang 50000 DSL-Kunden an die Konkurrenz verloren; bis zum Jahresende soll diese Zahl auf 100000 steigen. „Wir schauen 2009 mehr auf das Ergebnis. Uns ist es egal, ob wir dann 100000 DSL-Kunden mehr oder weniger haben“, sagte der Vorstandsvorsitzende Ralph Dommermuth in Frankfurt.

Für Marcus Sander, Analyst bei Sal. Oppenheim, ist die Strategie richtig: „Die Profitabilität ging auf Kosten der Kundengewinnung. Aber die Devise „kein Kunde um jeden Preis“ zu gewinnen, macht Sinn, denn United Internet ist mit den Freenet-Kunden gut aufgestellt“, sagte Sander. United Internet hatte für 123 Millionen Euro 700000 DSL-Kunden von Freenet erworben, die bis zum Jahresende auf die technische Plattform von United Internet verlagert werden sollen. Ob aber alle Kunden diesen Schritt mitgehen, ist allerdings noch nicht sicher. Ein Sonderkündigungsrecht haben die Freenet-Kunden nicht.

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Die nachlassende Dynamik des DSL-Marktes zeigt sich gut in den Wachstumsraten der DSL-Kundschaft von United Internet.

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Während sich der Verkauf von Speicherplatz im Internet (Webhosting) gut entwickelt, lief das Geschäft mit der Online-Werbung weiter schlecht. Der Umsatz ging im zweiten Quartal um 13 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurück; das Ergebnis sackte sogar um fast 60 Prozent ab. „Wir glauben, dass wir in diesem Geschäft jetzt den Boden erreicht haben. United Internet Media wird in diesem Jahr etwa das Ergebnis des Vorjahres erreichen“, sagte Dommermuth. Das Geschäft mit graphischer Werbung der Tochtergesellschaft Adlink hatte United Internet jüngst an das französische Unternehmen Hi-Media verkauft und dafür eine 10,7-Prozent-Beteiligung an Hi-Media erhalten.

Für das Geschäft mit den VDSL-Hochgeschwindigkeitszugängen hat sich United Internet mit der Deutschen Telekom verbündet. „Es wird auf Dauer zwei Infrastrukturen geben: VDSL und Fernsehkabel. Nach unserer Meinung macht es Sinn, wenn bei VDSL alle in einen großen Topf einzahlen, statt in jeder Stadt neue Konstellationen zu schaffen“, sagte Dommermuth, der sich daraus bessere Einkaufskonditionen bei der Telekom erhofft. Zudem sei United Internet am Kauf des Webhosting-Anbieters Strato interessiert. Vom Zustandekommen dieser Transaktion könnte auch abhängen, ob United Internet in diesem Jahr wieder eine Dividende zahlt: „Wir werden eine Dividende zahlen, wenn wir das Geld nicht für weitere Investitionen benötigen“, sagte Finanzvorstand Norbert Lang.  

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3 Lesermeinungen

  1. Ergebnis wichtiger als...
    Ergebnis wichtiger als Kundenwachstum:
    Vielleicht merkt man hier den Unterschied zwischen einem Unternehmen, welches von „fremden“ Managern geführt wird und einem Unternehmen, welches von seinem Gründer geleitet wird. Sharholder Value ist eben nicht alles.

  2. Was für n dämlicher...
    Was für n dämlicher Kommentar von Martin: Ergebnis und Shareholder Value sind lediglichzwei verschiedene Wörter für die gleiche Sache: Kohle, Zaster, Penunzen usw. Dommermuth ist auch seinen Aktionären verantwortlich. Ich will aber nicht abstreiten, daß ein Unternehmer was anderes ist als ein manager.

  3. (..) United Internet ist mit...
    (..) United Internet ist mit den Freenet-Kunden gut aufgestellt, sagt Herr Sander. Nur: Ist das Freenet-Image denn so positiv für United?

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