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Die Digitalisierung erfasst immer mehr Lebensbereiche. Wie sie sich auf Menschen und Märkte auswirkt, beleuchtet das Netzwirtschaft-Blog auf FAZ.NET.

Amerikas Zeitungen bleiben auf Talfahrt

| 4 Lesermeinungen

Im zweiten Quartal sind die Einnahmen der amerikanischen Zeitungen stärker gefallen als jemals zuvor - im Print wie im Internet. Sollte die Konjunktur jetzt wieder anspringen, lautet die alles entscheidende Frage: Kommen die Werbetreibenden, die in der Krise abgewandert sind, zurück?

Bild zu: Amerikas Zeitungen bleiben auf TalfahrtFür die amerikanischen Zeitungen hat auch das zweite Quartal kein Ende ihrer Talfahrt gebracht. Im Gegenteil: Nach Daten der Newspaper Association of America (NAA) sind die Printeinnahmen im zweiten Quartal um 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr gefallen und haben damit sogar den Einbruch des ersten Quartals noch übertroffen. Vor allem die Rubrikenanzeigen (Jobs, Immobilien, Autos) machen den Printmedien Sorgen: 40 Prozent Verlust gegenüber dem Vorjahr zeigen das Ausmaß der Krise.

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Die Online-Werbeeinnahmen, die bis Anfang 2008 noch einen Teil der Printausfälle kompensieren konnten, sind ebenfalls im freien Fall. Um fast 16 Prozent sind die Einnahmen zwischen April und Juni im Vergleich zum Vorjahr gefallen, obwohl die Reichweiten der Zeitungen in diesem Zeitraum kräftig gestiegen sind. Der Grund liegt im der Verfall der Preise für graphische Werbung, der zwei Auslöser hat: Der Trend zur gut messbaren Suchmaschinenwerbung, die in Krisenzeiten bevorzugt wird, und das endgültige Ende der Knappheit der Werbeflächen als Indikator des Werbepreises, das vor allem die großen Werbenetzwerke gebracht haben. Bild zu: Amerikas Zeitungen bleiben auf Talfahrt

Das Ergebnis ist ein Einbruch der Werbeeinnahmen um 29 Prozent im zweiten Quartal. Da die Konjunktur sich inzwischen wieder leicht erholt hst, stehen den Zeitungen in Amerika nun vor der vielleicht alles entscheidenden Frage: Kommen die Werbekunden, die in der Krise abgewandert sind, zurück?

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4 Lesermeinungen

  1. Sehr aussagekräftiger Bericht...
    Sehr aussagekräftiger Bericht auf den Punkt gebracht, super. Als Anhänger der Printmedien gleichsam der Online-Angebote befindet man sich Zwiespalt: Soll man sie bedauern, schließlich haben sie diese Geister selbst geweckt. Es ist eine Entwicklung, nicht mehr und nicht weniger. Und die gut meßbare SE-Werbung ist für mich der Hauptauslöser. Man muß befürchten, sie kommen zumindest nicht so zurück wie gewünscht.

  2. Der Blick auf die Startseite...
    Der Blick auf die Startseite der New York Times zeigt, wie sich das Medium in unzähligen Special Interest Themen förmlich atomisiert:
    http://www.nytimes.com/
    Es gibt keine Botschaft, keinen Mittelpunkt, keine Top-Kolumnisten mehr. Heute ist Paul Krugman’s völlig dilettantischer Kommentar zu den 9 Trillion Staatsschulden „most read“(ich werde vielleicht antworten):
    http://www.nytimes.com/2009/08/28/opinion/28krugman.html?_r=1&em
    Die NYT ist längst eine Art Interessenarchiv für einstige „Premium“-Zielgruppen geworden. Bei „Real Estate“ finde ich Top-Appartments auf der Upper Westside und direkt am Gramercy Park für 3000 Dollar.
    Krugman glaubt immer noch an das GDP, das von vorne bis hinten erlogen ist. Z.B. wird noch immer im „Hedonic Pricing“ das Wachsen von Schnelligkeit und Speicherplatz fiktiv dem Preis der PCs zugeschlagen, also sozusagen Moores Gesetz monetär als Luftbuchung ins GDP aufgenommen.
    Ich habe eine ganz andere Befürchtung: nachdem andere und ich bei Twitter ausgetreten sind, dies auch bei XING planen, könnte es sein, daß das Internet und damit die „Internetmedien“ ihr All-time-high bereits überschritten haben. Da das Internet ohnehin fast nur aus Werbung besteht – auch die FAZ macht ja letztlich eine Art Dauerwerbung für den erhofften Aufschwung und die Große Koalition, also das Ende von demokratischen Wahlen – zeugen die sinkenden Werbeeinnahmen nicht von sinkenden Werbebudgets, sondern vom Bedeutuings- und Aufmerksamkeitsverlust zumindest der doch relativ gleichgeschalteten Internetmedien, die alle jeden Tag die gleichen Flugzeugabstürze, Ifo-Indices, Becker-Hochzeiten und Kriegsappelle bringen.
    Der Blick auf die aktuelle NYtimes Seite zeigt, daß alles für alle letztlich auch das ist: nichts für niemand.

  3. Es war zu erwarten, dass es so...
    Es war zu erwarten, dass es so kommt, so schnell allerdings hat wohl niemand damit gerechnet. Das steht Deutschland auch ins Haus. Die hiesigen Medien haben dass allerdings noch kaum verstanden. Geschweige denn, dass sie eine Chamce darin sehen.
    Aufzuhalten ist das nicht mehr. Die Informationsknappheit oder -Exklusivität gibt es nicht mehr. Printmedien sind zusätzlich überholt worden. Menschen setzen sich heute ihre eigenen Inhalte zielgerichtet zusammen. Ein Printmedium MUSS sich auf mehrere Zielgruppen einstellen – das verringert die empfundene Qualität bei jedem einzelnen.

  4. Langfristig werden sich lokale...
    Langfristig werden sich lokale Zeitungen nicht mehr halten können, nur der qualifizierte Kommentar, der derzeit vorrangig bei nationalen Zeitungen zu finden ist, wird dem Zeitungssterben entgegen wirken. Hier kann für Qualität auch in Zukunft Geld verlangt werden. Die Zielgruppe hierfür wird jedoch schrumpfen und es wird eine weitere Konzentration geben.

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