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Die Digitalisierung erfasst immer mehr Lebensbereiche. Wie sie sich auf Menschen und Märkte auswirkt, beleuchtet das Netzwirtschaft-Blog auf FAZ.NET.

Burda und Axel Springer sind die größten Google-Profiteure unter den Verlagen

| 2 Lesermeinungen

Verlage prügeln gerne auf Google ein. Doch hinter den Kulissen arbeiten viele Häuser sehr erfolgreich daran, ihre Inhalte so gut wie möglich in der Suchmaschine zu präsentieren, um den Verlagsseiten Leser zuzuführen. Besonders erfolgreich dabei sind Burda und Springer.

Hubert Burda hat der Suchmaschine Google eine „schleichende Enteignung“ der Verlage vorgeworfen und der Axel-Springer-Verlag gehört zu den Unterzeichnern der „Hamburger Erklärung“, die den Suchmaschinen vorwirft, den Verlagshäusern einen fairen Anteil an ihren Umsätzen vorzuenthalten. Gerade Burda und Springer haben ihre Internetseiten aber besonders gut an Google angepasst; keine anderen Verlage füttern die Suchmaschine so gut mit Inhalten. Nach einer Untersuchung der Suchmaschinenoptimierer The Reach Group stammen 56 Prozent der Inhalte, die von den 148 deutschen Unterzeichnern der „Hamburger Erklärung“ im Google-Suchindex positioniert wurden, von Burda und Springer: 45 Prozent entfallen auf Burda, 11 Prozent auf Springer. Während Gruner + Jahr, Handelsblatt und Heise noch einen jeweils einstelligen Prozentanteil auf sich vereinen, teilen sich die anderen 143 Unterzeichnerverlage der „Hamburger Erklärung“ die restlichen 27 Prozent der von Google erfassten Artikel.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommen die Suchmaschinenoptimierer von Searchmetrics, die neben der Zahl der von Google News indexierten Artikel auch die Dauer und Art der Plazierung berücksichtigen. Ihr Ergebnis: Burdas Flaggschiff Focus Online und die Springer-Seite Welt Online sind seit Beginn der Messung Anfang April mit Abstand auf den Rängen eins und zwei, haben also die größte Präsenz in Google News. Bild.de liegt in der Halbjahresbetrachtung auf Rang fünf, holt aber stark auf in jüngster Zeit. Entsprechend hoch dürfte die Zahl der Leser sein, die Google diesen Seiten zuführt. Über den Anteil der von Google kommenden Leser reden die Verlage öffentlich nicht. Aber: „Jede halbwegs gut optimierte Verlagsseite bekommt 30 Prozent ihrer Leser von Google. Wer es besser macht, kann auch 60 Prozent erreichen“, sagte Eric Kubitz vom Suchmaschinenoptimierer Contentmanufaktur. Computerzeitschriften oder Modemagazine, deren Inhalte nicht von der Tagesaktualität geprägt sind, beziehen leicht 60 bis 65 Prozent ihrer Leser von Google, sagt Kubitz.

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Alle großen Verlage haben in den vergangenen Jahren kräftig in die Optimierung ihrer Seiten für die Suchmaschinen investiert. „Burda und Springer haben in den vergangenen Jahren viel Mühe darin gesteckt, Archive aufzubohren und in Suchmaschinen zu pumpen“, sagt Christoph Burseg von The Reach Group. Der Aufstieg der zu Burda gehörenden Computerzeitschrift „Chip“ gilt in der Branche sogar als Paradebeispiel, welche Erfolge mit Google-Optimierung erreicht werden können.

Doch allein aktuelle Nachrichten, die nur kurzfristig von Interesse sind, reichen heute nicht mehr aus, um dauerhaft von Google zu profitieren. „Viele Verlage bemühen sich, haltbare Inhalte wie Testberichte ins Netz zu stellen, die auch in einem halben Jahr noch interessant sind. Ein Beispiel dafür ist auch Spiegel Wissen. Wenn diese Artikel viele Links bekommen haben, tauchen sie unter den ersten zehn Suchtreffern auf und bringen dauerhaft Leser“, sagt Kubitz.

Doch trotz der Anstrengungen spielen Verlagsinhalte in Googles Suchergebnissen nur eine geringe Rolle. „Nur gut fünf Prozent der Top-10-Ergebnisse gehören zu den Verlags-Angeboten. Anders formuliert: 95 Prozent aller deutschen Suchabfragen enthalten keine Ergebnisse von Verlagsseiten auf Seite eins. Die wirtschaftliche Bedeutung der Verlagsinhalte für Google scheint also sehr gering zu sein“, sagt Burseg, der Googles Websuche mit – allerdings ungewichteten – Suchanfragen gefüttert hat und die Ergebnisse mit und ohne Verlagsinhalte verglichen hat. Die 5 Prozent umfassen alle Verlagsangebote, also nicht allein die Nachrichtenangebote. „Zum Beispiel zählen bei Burda auch die Inhalte der Seiten wie holidaycheck.de oder guter-rat.de mit hinein. Würden wirklich nur Nachrichten-Seiten betrachtet, würde es noch viel magerer für die Verlage aussehen“, sagt Burseg.

In seiner Analyse sind die Verlagsinhalte, die auf Google News gezeigt werden, allerdings nicht enthalten. „Der Anteil der Google-Nutzer, die auch Google News nutzen, ist mit etwa 5 Prozent der Google-Nutzer extrem klein. Entscheidend ist die Websuche“, sagte Burseg. Tatsächlich nutzen etwa 35 Millionen Menschen in Deutschland die allgemeine Google-Suche, aber nur etwa 2,4 Millionen Google News. Burseg bestätigt mit seinen Berechnungen eine Aussage des Google-Nordeuropachefs Philipp Schindler, der jüngst in einem Interview gesagt hat: „Ich will keinem zu nahe treten, aber Verlags-Content hat nur einen verschwindend geringen Anteil.“ Tatsächlich zeigt ein Blick auf die Rangliste der Suchbegriffe in Google Insights, die von den Google-Nutzern in Deutschland jeden Tag mehr als 100 Millionen Mal in den Suchschlitz getippt werden, auf den ersten 30 Plätzen allein 15 andere Internetunternehmen wie Youtube, Ebay oder GMX. Weitere häufig gesuchte Begriffe wie Wetter, TV, Spiele, Telefonbuch oder Routenplaner sind eher allgemeiner Art.

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Bild zu: Burda und Axel Springer sind die größten Google-Profiteure unter den Verlagen Lesetipp: Google Chefökonom Hal Varian
„Früher hatte eine Zeitung in ihrer Region eine Monopolstellung. Heute konkurrieren aber viele Medien miteinander. Wenn der Artikel im Wall Street Journal über den Iran dem Artikel in der New York Times oder der Washington Post sehr ähnlich ist, sinkt der Preis für die Nachricht wegen des Wettbewerbs auf seine Grenzkosten. Und diese Kosten für die Bereitstellung einer weiteren Einheit dieser Standard-Nachricht betragen im Internet eben null.
FAZ.NET
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Bild zu: Burda und Axel Springer sind die größten Google-Profiteure unter den VerlagenLesetipp: Chris Andersons „Free“
„Nach einigen Jahren mit Online-Experimenten, bei denen immer wieder versucht wurde, die Nutzer für Inhalte zahlen zu lassen, wurde es fast jedem klar, dass der Kampf gegen die digitalen Gesetzmäßigkeiten einen aussichtsloses Unterfangen war. Free hat gewonnen“. Lediglich spezialisierte Informationen, die den Lesern einen hohen Nutzwert bringen und konkurrenzlos sind, seien verkäuflich.  „Die Zeitungsbranche muss sich wie die Musikbranche neu erfinden“  FAZ.NET
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Wie Google News zu seinen Nachrichten kommt:

Google News durchsucht 700 deutschsprachige Nachrichtenquellen und ordnet den gefundenen Artikeln Rubriken zu. Über Erfolg oder Misserfolg vieler Nachrichtenseiten entscheidet dann die Art und Weise, wie Google die gefundenen Nachrichten in der Rangliste sortiert. Denn nur auf die Nachricht, die möglichst weit oben angezeigt wird, klicken die Nutzer auch. „Wichtig ist dabei, wie neu die Nachricht ist, ob es sich um die Originalnachricht handelt und ob sie von einer vertrauenswürdigen Quelle stammt“, sagte Maile Ohye, Leiterin des Google Entwicklerprogramms, in einem Video (siehe unten). Dazu fließen weitere sogenannte Signale wie ein möglichst enger lokaler Bezug in die Bewertung ein. Google bemühe sich, die Originalquelle einer Nachricht zu finden und weit oben zu plazieren. Weiter oben in der Rangliste stehen auch vertrauenswürdige Quellen, die Google über das Klickverhalten seiner Nutzer identifiziert. „Wenn bei einer Auswahl von 5 Quellen sehr viele Nutzer auf den dritten Artikel klicken, ist dies offenbar eine Quelle, der viele Menschen vertrauen“, sagte Ohye. Entsprechend hoch wird die Quelle künftig in den Ranglisten einsortiert. Über die Funktion „Local“ können sich die Nutzer inzwischen auch Berichte von lokalen Quellen und über die Region aus dem Nachrichtenstrom herausfiltern lassen. Google streut Suchergebnisse aus seiner Nachrichtenseiten in die normale Suche sein, hat aber hier – anders als in Amerika – keine Werbung auf Google News. „Es gibt auch keinerlei Pläne, in Deutschland Werbung auf Google News zu schalten“, sagte ein Google-Sprecher.    

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2 Lesermeinungen

  1. gibts diese studien irgendwo...
    gibts diese studien irgendwo auch online zum selberinterpretieren? (gutes beispiel für ein typisch subtraktionistischer eintrag in einem sog. „blog“. danke ;-)

  2. Interessant ist ihre Aussage,...
    Interessant ist ihre Aussage, dass Verlagsinhalte bei Suchanfragen nicht sehr weit oben bei Google sind. Das ist für uns Longtail-Publikationen sehr gut. Nur so bekommen wir Aufmerksamkeit. Ich habe das Glück, dass ich bei Geschäftsmodellinnovationen ganz oben bin. Mache aber auch nichts anderes, so dass ich wohl relevant bin für diesen Begriff.
    Wenn nur die Grossen vorne wären, dann wäre die Medienlandschaft wieder genauso konzentriert, wie sie heute im Papierbereich ist. Danke Google für das Aufbrechen!

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