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Die Digitalisierung erfasst immer mehr Lebensbereiche. Wie sie sich auf Menschen und Märkte auswirkt, beleuchtet das Netzwirtschaft-Blog auf FAZ.NET.

Das Web 2.0 erreicht die Gewinnschwelle

| 4 Lesermeinungen

Es war ein langer Weg: Viele Web-2.0-Angebote wie Facebook, Youtube oder StudiVZ haben erst einmal kräftig investieren müssen. Doch jetzt scheinen die Netzwerke ihr Modell auch für den wirtschaftlichen Erfolg gefunden zu haben. Immer mehr Werbetreibende verlagern ihre Budgets ins Web 2.0, weil sich dort ihre Kunden aufhalten.

Eigentlich ist 2009 für die Online-Werbung ein schwaches Jahr mit nur einstelligen Zuwächsen. Doch für die sozialen Netzwerke, die sich mit Online-Werbung finanzieren, reicht das geringe Wachstum, um an die Gewinnschwelle heranzurücken. Das weltgrößte Netzwerk Facebook hat rund fünf Jahre nach der Gründung und 700 Millionen Dollar Investition im zweiten Quartal erstmals einen positiven Mittelzufluss erreicht, teilte der Gründer und Vorstandsvorsitzende Mark Zuckerberg im Unternehmensblog mit. Eigentlich sei dies erst für 2010 geplant gewesen.

In diesem Jahr werde Facebook mehr als 500 Millionen Dollar Umsatz erzielen, sagte Marc Andreessen, Mitglied des Facebook-Aufsichtsrats, in einem Interview. Wenn sich Facebook mehr angestrengt hätte, wären auch 1 Milliarde Dollar Umsatz möglich gewesen, sagte Andreessen. Noch gibt Facebook dem Nutzerwachstum den Vorrang vor dem Umsatz. Jeden Tag registrieren sich 700.000 Menschen bei Facebook, das inzwischen geschätzte 6 Millionen Nutzer in Deutschland und mehr als 300 Millionen Nutzer auf der ganzen Welt hat. „Die Nutzerzahl wächst schnell. Die Werbung auf den Seiten wächst aber noch schneller“, sagte der Europachef Blake Chandlee. 

Auch der deutsche Marktführer, die VZ-Gruppe mit StudiVZ, SchülerVZ und MeinVZ, nähert sich der Gewinnschwelle. „Wir haben in einigen Monaten schon Gewinne erzielt. Im Gesamtjahr werden wir allerdings noch einmal rote Zahlen schreiben“, sagte der Vorstandsvorsitzende Markus Berger-de Léon. Auch für Googles Videoseite Youtube schließt sich die Lücke zwischen Kosten und Umsatz schnell. „Die Kosten für Sp Bild zu: Das Web 2.0 erreicht die Gewinnschwelleeicherplatz und Bandbreite sinken stetig. Gleichzeitig steigt der Werbeumsatz sehr schnell. Videowerbung in Deutschland wächst in diesem Jahr um 264 Prozent. Youtube wächst schneller – das gilt für Umsatz und Reichweite. Unser Geschäft hebt jetzt ab“, sagte Henrique de Castro, der bei Google für die Vermarktung graphischer Werbung und damit auch für die Werbung auf Youtube zuständig ist. Noch Anfang des Jahres hatte der Google-Vorstandschef Eric Schmidt angekündigt, Youtube müsse auch 2009 nach dem richtigen Modell für die Monetarisierung suchen. „Jetzt haben wir das Modell gefunden. Die Nachfrage der Werbekunden verschiebt sich von statischen Werbebannern hin zu bewegten Bildern“, sagte de Castro. In Deutschland wird Youtube jeden Monat von etwa 15 Millionen Menschen aufgesucht und ist damit so populär wie T-Online. In aller Welt suchen 330 Millionen Menschen im Monat die Videoseite auf.

Dass die Web-2.0-Angebote langsam aber sicher auch wirtschaftlichen Erfolg haben, liegt an ihrer großen Popularität unter den Nutzern, die auch die Werbetreibenden anzieht. Mehr als 80 der größten 100 Unternehmen der Vereinigten Staaten werben inzwischen auf Facebook; in Großbritannien ist die Quote mit 40 der Top-50-Unternehmen ähnlich hoch, sagte Chandlee. Die Unternehmen wenden sich dem Web 2.0 zu, weil immer mehr Nutzer dort immer mehr Zeit verbringen. Nach Messungen des Marktforschungsunternehmens Nielsen hat sich die Zeit, die Nutzer auf diesen Seiten verbringen, binnen eines Jahres auf 17 Prozent der gesamten Internetzeit verdreifacht. „Dieses Wachstum bedeutet einen grundlegenden Wandel in der Internetnutzung. Der Wunsch nach Vernetzung, Kommunikation und dem Teilen der Informationen treibt das Wachstum im Internet immer stärker“, sagte Jon Gibs von Nielsen.

Parallel zum Nutzerwachstum ist das Online-Werbevolumen in den Netzwerken im August um 119 Prozent auf 108 Millionen Dollar gestiegen. Der Anteil an der gesamten Online-Werbung hat sich in diesem Zeitraum auf 15 Prozent mehr als verdoppelt. „In der Vergangenheit hatten Werber schwerwiegende Bedenken gegenüber Werbung in sozialen Medien. Die beachtlichen Zuwächse der Werbeausgaben, die wir in den vergangenen zwölf Monaten gesehen haben, zeigen, dass diese Bedenken nicht mehr bestehen“, sagte Gibs. Vor allem Werber, die direkten Kontakt zu ihren Zielgruppen aufbauen wollen, verlagern immer mehr Werbedollar in soziale Netzwerke, wo sie einen Dialog mit ihren Zielgruppen führen können, sagte Gibs. Das bestätigt das Marktforschungsunternehmen Emarketer, das amerikanische Werbern nach ihren Plänen für das kommende Jahr befragt hat. Danach wollen drei von vier Werber ihre Ausgaben in den sozialen Netzwerken erhöhen. Mit großem Abstand auf Rang 2 folgen Werbeausgaben in Suchmaschinen, in das etwa jeder zweite Befragte mehr Geld investieren will. In klassische Online-Werbung wollen 28 Prozent der Werber mehr Geld investieren.

Während die marktführenden Web-2.0-Angebote ihr Geschäftsmodell gefunden zu haben scheinen, ist der Kurznachrichtendienst Twitter noch auf der Suche. Auch die Twitter-Gründer konzentrieren sich in dieser frühen Phase noch auf das Wachstum, haben aber angekündigt, Premium-Dienste für Unternehmen einzuführen. Auch Werbung wird früher oder später kommen. Die Erfolgsaussichten dafür sind nicht schlecht. Nach einer Untersuchung des Marktforschungsunternehmens Interpret befassen sich 24 Prozent der Nutzer in ihren Kurznachrichten mit Produkten oder Unternehmen – ein doppelt so hoher Anteil wie in anderen sozialen Netzwerken. 20 Prozent der Twitter-Nutzer schauen sich Unternehmensseiten an, doppelt so viel wie Nicht-Nutzer und die Wahrscheinlichkeit eines Klicks auf eine Werbung ist bei Twitter-Nutzern mit 20 Prozent doppelt so hoch wie bei Nicht-Nutzern, haben die Marktforscher herausgefunden. Eine Untersuchung an der amerikanischen Pennstate-Universität bestätigt das Ergebnis: „20 Prozent aller Tweets enthalten Anfragen für Produktinformationen oder Antworten auf diese Fragen“, sagte Jim Jansen, Professor für Informationswissenschaften und Technologie an der Universität. „Entsprechend nutzen Unternehmen Twitter immer stärker für Markenaufbau und Pflege der Kundenbeziehungen“, sagte Jansen.

Links:

– Wachablösung: Web 2.0 läuft Web 1.0 den Rang ab

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4 Lesermeinungen

  1. Die VZ-Gruppe zieht jetzt mit...
    Die VZ-Gruppe zieht jetzt mit „Self-Service“ Anzeigen nach und macht hier facebook erneut Konkurrenz, bevor das Anzeigengeschäft für facebook in Deutschland überhaupt anlaufen konnte.

  2. Na hoffentlich springt da auch...
    Na hoffentlich springt da auch was für unsere Umwelt raus. MfG

  3. Die Entwicklung von Werbung...
    Die Entwicklung von Werbung bei sozialen Netzen und Web 2.0 Diensten ist ja schon eine Bereicherung im Vergleich zu AdWords und Afili Netzen. Die Frage ist nur, ob es auch kleinere Blogs schaffen werden, sich noch besser zu etablieren.

  4. Ich sehe die Werbung in Web...
    Ich sehe die Werbung in Web 2.0 noch sehr skeptisch an.
    Während Google mit Adsense & Adwords ein wirklich einfaches transparentes Werbe-System besitzt, hat zumindest Facebook noch ein eigenes Werbe-System integiert.
    Alle anderen Sozialen Netzwerke hingegen verwenden entweder die veraltete TKP Währung auf Banner-Formate, die einfach nicht ideal sind.
    Zudem kommt, dass aktuell nur Google im SEM & Content-Network Transparenz bieten kann und dass Werbung in Social Networks noch sehr undurchsichtig ist.
    Daher sehe ich leider die große Gefahr, dass die Anbieter sich selbst behindern und dass sich kein globaler Standard durchsetzen wird.
    lg Sebastian

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