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Die Digitalisierung erfasst immer mehr Lebensbereiche. Wie sie sich auf Menschen und Märkte auswirkt, beleuchtet das Netzwirtschaft-Blog auf FAZ.NET.

Internetfachleute warnen vor digitaler Spaltung

| 7 Lesermeinungen

Medienkompetenz wird in der Informationsgesellschaft eine zentrale Bedeutung haben. Deutschland liegt im internationalen Vergleich aber zurück. Die digitale Kluft schließt sich nicht von allein, warnen Wissenschaftler.

Bild zu: Internetfachleute warnen vor digitaler SpaltungSpätestens in zehn Jahren werden 95 Prozent der Erwachsenen in Deutschland das Internet regelmäßig nutzen. Und spätestens in 15 Jahren ist das Internet das Unterhaltungsmedium Nummer eins in Deutschland. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Umfrage unter 550 Fachleuten aus Politik, Industrie und Wissenschaft zur Zukunft der Informationsgesellschaft bis zum Jahr 2030 (PDF). Als Kernaufgabe dieser Entwicklung wird gesehen, alle Menschen auf diesem Weg mitzunehmen, um die digitale Spaltung zu überwinden. „Die Kluft zwischen Gesellschaftsgruppen, die am digitalen Leben teilhaben, und denen, die hiervon nicht profitieren, gilt es zu überwinden. Und zwar in mehrfacher Sicht: zwischen Stadt und Land, jung und alt sowie zwischen Menschen geringeren und höheren Bildungsstands“, sagt Arnold Picot (Foto), Vorstandsvorsitzender des Münchner Kreises, der zu den Initiatoren der Studie gehört.

Allerdings sind die befragten Fachleute skeptisch: Rund die Hälfte geht davon aus, dass die digitale Spaltung aufgrund der zunehmenden Alterung der Gesellschaft erst 2030 oder vielleicht sogar nie überwunden werden wird. Entsprechend wird Medienkompetenz auch im Arbeitsumfeld der Menschen immer mehr an Bedeutung gewinnen. „Dabei ist die Entwicklung der Informationsgesellschaft kein Automatismus, der sich durch den rasanten technischen Fortschritt technologischer Entwicklungen und der Wissensakkumulation zwangsläufig einstellt“, warnen die Autoren der Studie. Trotz der schnellen Verbreitung des Internets und seiner Dienste, insbesondere der sozialen Medien, werde die Kompetenz zur Anwendung dieser Möglichkeiten in weiten Teilen der Bevölkerung noch nicht vorhanden sein.

„Der Umgang und das Zurechtfinden der Menschen in dieser sich verändernden Lebenswelt, sei es privat oder beruflich, lässt sich als eine zentrale Herausforderung an moderne Gesellschaften und Wirtschaftssysteme formulieren“, heißt es in der Studie. Die gesellschaftlichen Bedingungen müssten mit den Veränderungen Schritt halten – und zwar schnell: „Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass Deutschland in diesem Themenkomplex derzeit nicht zum Kreis der weltweit führenden Länder gehört.“ Die Kompetenz der Bürger im Umgang mit dem Internet und mit digitalen Daten solle von Politik und Wirtschaft gefördert werden. Auch Kinder und Jugendliche an den Schulen sollten früh an das Internet herangeführt werden, um eine verantwortungsvolle Teilnahme an der Informationsgesellschaft zu ermöglichen. Dazu gehöre auch das Schulfach Medienkunde, das eingeführt werden müsse. 

Wichtigster Treiber der Entwicklung ist das mobile Internet. Vom Jahr 2015 an werden mehr Menschen in Deutschland das Internet regelmäßig mit Hilfe mobiler Geräte als mit stationären Computern nutzen, sagen die Autoren der Umfrage voraus. Das mobile Internet steckt in Deutschland noch in einem Stadium, den das stationäre Netz etwa im Jahr 1999 hatte: kaum Pauschaltarife, geringe Breitbandabdeckung. Doch eine neue Gerätegeneration (angeführt vom iPhone), mehr und mehr Pauschaltarife und die Einführung der vierten Mobilfunkgeneration (LTE) werden das mobile Internet schon bald zu einem Massenmarkt verwandeln. Dann werden Anwendungen möglich sein, die das stationäre Netz nicht kennt. Moderne Navigationssysteme, Ortungs- und Lokalisierungsfunktionen gehören ebenso dazu wie die Darstellung von umfeldbezogenen Informationen, die unter dem Schlagwort Augmented Reality diskutiert werden.

Eine moderne Informations- und Kommunikationstechnik wird künftig noch stärker das Innovationstempo vieler Schlüsselindustrien wie Medien, Energie, Automobil und Gesundheit bestimmen, schreiben die Autoren. Vom Jahr 2015 an werde es für drei Viertel der Mediennutzer in Deutschland normal sein, ein und denselben Medieninhalt über verschiedene Träger zu nutzen – zum Beispiel Zeitungsartikel auf mobilen Geräten, Fernsehsendungen auf dem Computer oder Internetinhalte auf dem Fernseher. Die meisten Medieninhalte werden dann auf Abruf bereitgestellt, nicht mehr als vorgefertigtes Programm.  

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7 Lesermeinungen

  1. Defizite und Notwendigkeiten...
    Defizite und Notwendigkeiten richtig erkannt, doch wird man auch hierauf wieder nicht angemessen reagieren. Eine Gesellschaft, die schon jetzt heftige Divergenzen auf dem Bildungssektor aufweist, wird auch zukünftig noch tiefer gespalten werden. Da stellen die modernen Medien nur ein Schlachtfeld von vielen dar. Ich denke, der Zug ist schon abgefahren und man läuft zur Zeit noch am Bahnsteig hinterher, in der Hoffnung, der Zug möge noch einmal anhalten.

  2. Hallo,

    das Ganze ist...
    Hallo,
    das Ganze ist letzendlich einfach eine Generationsfrage. Es mag sein, dass insbesondere ältere Deutsche sich mit neuen Dingen etwas schwer tun, irgendwann aber werden alle wie selbstverständlich mit dem Internet, sprich einer völlig vernetzten Welt, umgehen und diese in ihren Alltag integrieren.
    Man sollte weg von der Vorstellung, das Internet wäre zwingend mit der Arbeit an einem Rechner verbunden. Dgegen, dass irgendwann der Kühlschrank, das Auto oder das Handy fortwährend online, sprich im Internet ist, wird sich keiner wehren können. Das Internet wird Einzug in sämtliche Lebensbereiche halten und die Menschen einfach mitziehen. Ob sie nun wollen oder nicht…
    Grüße
    Gretus

  3. Guten Tag,

    betrachtet man...
    Guten Tag,
    betrachtet man nicht nur Deutschland so bestehen vor allem 3 Einflussgrößen, die auf diesen Trend einwirken. 1.) Grundsätzlich: Habe ich überhaupt Zugriff auf das Internet bzw möchte ich dies als Person 2.) Einfachheit: Wie einfach sind Anwendungen bedienbar und erlernbar. Apple ist hier ein hervorragendes Beispiel wie Anwendungen selbst für Unbedarfte intuititv nutzbar sind bzw werden. „It’s simple to be difficult but it’s difficult to be simple“ 3.) Medienkompetenz: Man kann nicht erwarten, dass sich jeder Mensch geübt und mit der notwendigen Vorsicht im Internet bewegt. Hier sind vor allem die Plattformbetreiber gefragt entsprechende Rahmenbedingungen und vordefinierte Hilfestellungen vorzugeben. Ein Plattformbetreiber für Schüler sollte bspw Grundeinstellungen bereits so vorgeben, dass keine Fremden die eigenen Daten defaultmäßig einsehen können, sondern nur verbundene Freunde.
    Je mehr Unsicherheit bei den Menschen be-/entsteht, desto größer wird auch die Spaltung der Gesellschaft werden, da nur die „Geübten“ das Internet anzuwenden wissen werden.
    Grüße Jens Kramer

  4. Noch 15 Jahre bis das Internet...
    Noch 15 Jahre bis das Internet Unterhaltungsmedium Nummer 1 ist? Defintiv nicht, das geht wesentlich schneller und da sollten sich auch einige schon mal anschnallen, wenn dann noch mehr ihrer geliebten Gewohnheiten verschwinden.

  5. Hallo,
    die Prognosen zur...

    Hallo,
    die Prognosen zur Entwicklung des Internets halte ich auch für sehr realistisch.
    Wenn man sich die aktuelle ARD/ZDF Onlinestudie anschaut, bestätigt sich das ja bereits zu einem großen Teil. In der Gruppe der 14-29 Jährigen haben wir mit 96 % die höchste Internetverbreitung und eine Verweildauer von täglich durchschnittlich 180 Minuten.
    Es ist auch völlig richtig, dass man zukünftig Werbeträger und Werbemittel nicht mehr trennen kann, die Konvergenz der Medien ist unheimlich hoch und wird maßgeblich von der Entwicklung des Internets determiniert.
    Ich sehe die Risiken in der Pull-Strategie des Internets. Der Vorteil – nur das zu suchen, was einen auch interessiert – treibt die digitale Spaltung voran.
    Daher bin ich auch der festen Überzeugung, dass ein medienpädagogisches Lehrfach in den Schulen bereits ab dem Grundschulalter Pflicht sein sollte. Allerdings schließe ich mich hier auch der Meinung von Bienchen Sommer an: Unser Bildungsbereich weist einige Mängel auf. Nicht zuletzt ist es aufgrund der föderalen Struktur und Bildung als Länderangelegenheit schwierig, Einheitlichkeit in diese Thematik zu bringen. Zudem muss bereits bei der Ausbildung des Lehrpersonals begonnen werden. Betrachtet man deren Studieninhalte, so finden diese medienpädagogischen Themen nahezu keine Rolle. Hier sollte der erste Grundstein meiner Meinung nach gelegt werden.
    Wir dürfen gespannt sein, wie es sich in Zukunft entwickelt.
    VG
    Stefan

  6. Medienkunde? Ist nicht...
    Medienkunde? Ist nicht vielleicht die gute alte Allgemeinbildung wichtiger, vielleicht noch Sport und Hauswirtschaftlehre?
    Wenn die Kids etwas zu sagen haben, können sie es ja über die Medien transportieren, veröffentlichen, und erwerben ihre Kompetenz „by doing“.

  7. Meiner Meinung nach eine...
    Meiner Meinung nach eine Analyse mit falschen Ergebnissen und daraus abgeleiteten falschen Forderungen und Entwicklungsszenarien. Der Staat soll sich nicht in das Geschehen einmischen das der Wirtschaft gehört aber er hat die Aufgabe die Infrastruktur zu ermöglichen. Dafür hat der Staat die Aufgabe vom Volk übertragen bekommen nicht mehr und nicht weniger. Die Analyse und Ergebnisse beschäftigen sich mit Nebenkriegsschauplätze bzw. wählt Standorte um in Zukunft das Medium zu steuern und nicht um ihm den freien Lauf zu ermöglichen. Was tut der Staat „ernsthaft“ gegen Spam? Was tut der Staat ernsthaft gegen die Kriminalisierung des Internet. Der Wunsch, das Internet möge doch in 15 Jahren auf vielen Mobilgeräten laufen, kommt dem des ehemaligen Wunsches nach UMTS nach. Träumer mit wirtschaftspolitischem Sendungsbewusst sein. Der Wunsch nach Arbeitsplätzen und Geld / Steuern verdienen spricht daraus. Bulshit. Das Internet wird von Kommerz getrieben, ob wir wollen oder nicht. Es ist der erste Markt, auf dem fast alle volkswirtschaftlichen Faktoren frei und transparent sind. Unternehmen investieren wegen ROI, der Staat wegen politischer Steuerung. – Natürlich, heute bekommen auch Schüler in der Schule erklärt wie man mit einem Zug von A nach B fährt. Die Eisenbahn ist ja auch ein Infrastrukturbestandteil. – Anstatt Geld für falsche Analysen auszugeben, sollte man das Geld in eine bessere Infrastruktur stecken, damit jeder das Internet nutzen kann. Und man sollte bei ewig gestrigen, verbohrten dafür werben, dass sie doch mal das Internet nutzen sollen – bei vielen älteren – für die das Interne einen echten Nutzen bringen könnte. Das wäre demokratische Arbeit.

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