Netzwirtschaft

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Planen Verleger ein Bündnis gegen Google – und für Microsoft?

| 14 Lesermeinungen

Das Blog Techcrunch berichtet von einem Geheimtreffen großer Verlage mit Microsoft. Künftig könnten die Inhalte der Verlage bevorzugt in Microsofts Suchmaschine Bing zu finden sein, die dafür bezahlt.

Bild zu: Planen Verleger ein Bündnis gegen Google - und für Microsoft?War Rupert Murdochs Ankündigung, seine Seiten aus dem Google-Index zu nehmen, nur der Beginn einer konzertierten Aktion der Verleger, die ihre Inhalte künftig lieber Microsofts Suchmaschine Bing zur Verfügung stellen? Techcrunch Europe schreibt über ein Geheimtreffen zwischen großen europäischen Verlegern, darunter Axel Springer und Financial Times, und Microsoft. Die Suchmaschine möchte die Verleger auf ihre Seite ziehen mit dem Ziel, dass die Inhalte der Verlage künftig besser in Bing als in Google zu finden sind. Zudem greift Michael Arrington eine Spekulation von Jason Calacanis auf, wonach Bing die Verlage dafür bezahlen könnte, wenn sie Bing das exklusive Recht geben, ihre Seiten zu indexieren. Wenn weitere große Verlage diesen Schritt gehen, könnte die Machtbalance im Suchmaschinengeschäft in Richtung Bing verschoben werden – und Murdochs Schritt Google weit mehr Probleme bereiten als bisher erwartet wurde. Dabei soll es auch die Möglichkeit geben, mit Hilfe des Automated Content Access Protocol nur Teile einer Seite zu indexieren. 

Chris Anderson, Wired-Chefredakteur, beschreibt in seinem Buch „Free“ das Verhältnis zwischen Google und den Verlagen: „Weshalb sollte sich ein Unternehmen wie Google Gedanken darüber machen, wie andere Firmen ,Free‘ zu ihrem wirtschaftlichen Vorteil einsetzen können? Weil Google auf andere Unternehmen und ihre Daten und Informationen angewiesen ist, um diese zu indizieren, zu strukturieren und sonst wie zu verpacken, um selbst daran zu verdienen. Wenn das digitale ,Free‘ Branchen das Geld entzieht, bevor es neuen Geschäftsmodellen gelingt, es wieder ins Spiel zu bringen, gibt es nur noch Verlierer . . . Deshalb würde es Google sehr begrüßen, wenn die Zeitungen im Geschäft blieben. Google hat ein starkes Interesse daran, dass es viele Sieger gibt, denn diese erzeugen wieder Informationen, die Google aufbereiten kann. … Der Google-Vorstandsvorsitzende Eric Schmidt macht sich Gedanken darüber, dass ,Free‘ für Google nur allzu gut funktioniert, aber nicht gut genug für den Rest.“

Eine Antwort von Google auf die Gespräche zwischen Verlagen und Microsoft wird wohl nicht lange auf sich warten lassen. Denn Google wird auf die Verlagsinhalte nicht verzichten wollen, selbst wenn sie über die Integration von Twitter quasi über einen Umweg doch wieder zu finden sein werden. Die Nutzer hätten immer den Eindruck, bei Google nicht alles Relevante zu finden – und könnten versucht sein, zu Microsofts Bing zu wechseln. Das wird Google verhindern müssen. Wahrscheinlich ist genau das die Absicht der Verleger: Sie wollen Google unter Druck setzen. Kein ungeschickter Zug.

Links:

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14 Lesermeinungen

  1. So viel ich weiss, heisst der...
    So viel ich weiss, heisst der Herr Jason Calacanis, nicht Johan Calananics.

  2. @ puyol5: Danke, war schon...
    @ puyol5: Danke, war schon spät ;-)

  3. Die im Artikel genannten...
    Die im Artikel genannten Spekulationen stammen nicht von „Johan Calananics“, sondern von „Jason Calacanis“.

  4. das ist ein interessanter...
    das ist ein interessanter plot, aber wenn es verlagen gelingt, dass bing bezahlt, wird auch google zahlen. dh zu der oben beschriebenen situation kann es nur übergangsweise kommen.

  5. Ist das denn nicht arg naiv?...
    Ist das denn nicht arg naiv? Stellen wir uns das Szenario doch mal vor: „Die Verleger“ – also eine Handvoll Betreiber von Nachrichtenseiten – sperrt alle (!) Suchmaschinen aus und lässt nur noch Bing zu. Was passiert?
    – Google zeigt die anderen Quellen auf den ersten Plätzen; kleinere Zeitungen, reine Web-Nachrichtenportale – und die freuen sich über richtig viel Traffic. Da diese eher ihre Werbevermarktung über AdSense verwalten, ist das für Google am Ende sogar ein prima Geschäft.
    – Der Traffic auf den Portalen „der Verleger“ bricht um 20-40 % ein. Falls es dort Werbeerlöse gibt, brechen diese auch ein.
    – Bing, also Microsoft, sorgt für einen finanziellen Ausgleich. Wie viel wird das sein? Wie viel ist Content im Internet wert? Und: wie viel wird Microsoft dafür zahlen und wie dies wieder refinanzieren? Microsoft ist ja nun nicht als Wohlfahrtsorganisation bekannt…
    – Dieser Ausgleich wird aber nur für die „Exklusivität“ gezahlt werden. Klar. Was sind dann aber „Suchmaschinen“? Würde das heißen, dass die Inhalte raus aus allem müssen, was nicht das eigene Portal ist? Microsoft wird sich das so wünschen…
    Die Verleger würden also ihre derzeit schlecht laufenden Geschäfte noch einmal deutlich verschlechtern und gegen ein definitiv nicht skalierbares Geschäftsmodell eintauschen – und sich für die Zukunft Microsoft ausliefern.
    Ich bezweifle, dass „die Verleger“ blöd genug sind, um das zu tun. Oder?
    eric

  6. @ christoph kappes; @eric: Ich...
    @ christoph kappes; @eric: Ich bin auch sehr gespannt, könnte mir aber vorstellen, dass die Verleger verzweifelt genug und Microsoft reich genug für einen solchen Deal sind. Dass Google dann reagieren muss, ist auch klar. Wahrscheinlich ist das sogar die Absicht der Verleger. Gar nicht dumm.

  7. Gerne, wenn das so kommt, ist...
    Gerne, wenn das so kommt, ist die Zeit reif für eine neue Suchmaschine, die wie Google einst – den Markt aufmischt. User wollen ungefilterte Suchergebnisse. Sie werden dort hingehen, wo sie glauben oder wissen – neutraler und umfangreicher bedient zu werden. Verleger haben immer noch nicht kapiert, das jetzt der User bestimmt und nicht mehr sie. Wenn sie aber durch altbackenes Handeln dazu beitragen, dass der Markt aufgemischt wird, dann finde ich das gut. Wettbewerb belebt immer das Geschäft. Nur sollten sie noch so lange warten bis der Westen die Hegemonie über das Netz erreicht, denn den Rest der Welt von ca. 6 Milliarden Usern interessiert es wirklich wenig ob sich Deutsche oder US-Verleger mit Suchmaschinen streiten. Irgendwie kümmern die sich nicht mehr um ihr eigentliches Geschäft.

  8. Seit wann ist denn eine...
    Seit wann ist denn eine robots-datei rechtlich verbindlich?

  9. Erinnert an das...
    Erinnert an das Gefangenendilemma: http://de.wikipedia.org/wiki/Gefangenendilemma

  10. Mal ehrlich: Der Content der...
    Mal ehrlich: Der Content der ach so tollen „Verlage“ ist durchaus austauschbar. Verschwinden die Verlagsseiten aus Google, ergeben sich völlig neue Geschäftsmöglichkeiten für Mitbewerber, die tatsächlich online tragfähige Geschäftsmodelle haben. Dieser lächerliche Versuch, Google unter Druck zu setzen, treibt das Mühlrad der Veränderung nur noch schneller an – nicht zum Vorteil der Verlage.

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