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Die Digitalisierung erfasst immer mehr Lebensbereiche. Wie sie sich auf Menschen und Märkte auswirkt, beleuchtet das Netzwirtschaft-Blog auf FAZ.NET.

"Welcome Hubert!" Burda steigt bei Xing ein

| 5 Lesermeinungen

Für 48 Millionen Euro hat Lars Hinrichs fast seinen gesamten Anteil an Xing an Hubert Burda verkauft. Damit ist das Medienhaus größter Aktionär des Online-Geschäftsnetzwerks.

„Welcome Hubert! My company Cinco Capital sold 25,1% of XING to Hubert Burda Digital“. Mit dieser Kurznachricht auf Twitter hat der Xing-Gründer Lars Hinrichs den Verkauf fast seines gesamten Anteils an dem Online-Geschäftsnetzwerk an den Verleger Hubert Burda verkündet. Rund 48 Millionen Euro zahlte Burda für die 1,32 Millionen Aktien, um nun größter Aktionär des erfolgreichsten deutschen Web-2.0-Unternehmens zu sein. „Wenn man mehrere Möglichkeiten hat, höre auf deine Herz. Für mich sind Integrität, Qualität, Ambitionen und Ausrichtung wichtig. Niemals der Preis“, twitterte Hinrichs, der mit anderen Geschäftspartnern auch schon schlechte Erfahrungen gemacht hat. „Die Beteiligung ist ein wichtiger Schritt im Zuge des Ausbaus der digitalen Aktivitäten des Unternehmens“, sagte Burda. Weitere 66 Prozent der Aktien liegen im Streubesitz, die Risikokapitalgesellschaft Wellington Partners hält 6,1 Prozent. Für Hinrichs bleiben nach dem Verkauf von 2,6 Prozent der Anteile des Unternehmens, das er 2003 gegründet hat und das an der Börse mit rund 170 Millionen Euro bewertet wird. Dass Burda seinen Anteil an Xing erhöht, ist zwar nicht auszuschließen, aber wohl aktuell nicht geplant, heißt es aus dem Unternehmen.

Xing sieht die Vorteile vor allem in der Reichweite der Burda Medien. „Burdas Asset ist die große Reichweite. Diese werden wir für Xing nutzen“ sagte Stefan Groß-Selbeck, der vor knapp einem Jahr von Ebay als Vorstandschef zu Xing gewechselt ist. Allerdings sei es zu früh, um über konkrete Projekte zu sprechen. Auf jeden Fall hat Burda mit der Transaktion ein Bein im Online-Stellenmarkt, den Xing kräftig ausbaut, zum Beispiel mit Instrumenten für Headhunter. Hier könnte das vielleicht größte Wachstumspotential für Xing liegen, denn die Wachstumsraten des Unternehmens waren zuletzt gesunken. Ein Eintritt in neue Länder ist für Xing kaum noch möglich, da der amerikanische Konkurrent Linkedin in den meisten Ländern schon präsent ist. „Wir fokussieren uns im Ausland auf Spanien und die Türkei“, sagte Groß-Selbeck. Dort hatte Xing noch unter der Führung von Hinrichs soziale Netzwerke übernommen. Immerhin scheint es Xing im Moment zu gelingen, den Kernmarkt Deutschland gegen Linkedin zu verteidigen. „Seit Jahresanfang haben wir vier Mal mehr Mitglieder gewonnen als Linkedin“, sagte Groß-Selbeck. Xing hat nach eigenen Angaben rund 3,6 Millionen Mitglieder im deutschsprachigen Raum und 4,7 Millionen im Rest der Welt. 662<TH>000 Mitglieder zahlen einen monatlichen Beitrag, um alle Funktionen nutzen zu können. Mit diesen Beiträgen wirtschaftet Xing etwa 85 Prozent seines Umsatzes, der in den ersten neun Monaten 33 Millionen Euro betrug.

Burda weitet mit der Transaktion sein Engagement im Internet weiter aus. Zu dem Medienunternehmen gehören zum Beispiel die Hotelvergleichsseite Holidaycheck, die Online-Händler Computeruniverse und Cyperport und die Partnervermittlung Elitemedianet sowie eine Beteiligung an Glam Media. 

Ohne Risiken ist dieses Geschäft für Burda aber trotzdem nicht. Denn Märkte und Geschäftsmodelle ändern sich in digitalen Märkten viel schneller als in der analogen Welt. Abgesehen von Online-Händlern haben sich im Netz nur wenige Unternehmen auf Dauer behaupten können. Bild zu: "Welcome Hubert!" Burda steigt bei Xing einGerade soziale Netzwerke sind anfällig, wie das Beispiel MySpace zeigt, das von Facebook überrollt wurde. Auch Xing muss sich jetzt gegen den amerikanischen Weltmarktführer Linkedin wehren, der in fast allen großen Ländern schon vorne liegt. Wie schwer es ist, als deutsches soziales Netzwerk auf Dauer gegen einen großen amerikanischen Konkurrenten zu bestehen, zeigt auch das Beispiel StudiVZ versus Facebook deutlich. Burdas Engagement ist eine Wette, dass Xing diesen Wettbewerb gewinnt – zumindest im deutschsprachigen Raum. Dafür muss das Unternehmen aber sein Entwicklungstempo erhöhen und stärker mit anderen Internet-Angeboten kooperieren. Ganz überzeugt scheint auch Burda nicht zu sein. Warum sonst hat sich Burda nur mit 25 Prozent beteiligt statt Xing ganz zu übernehmen?

Das Entwicklungstempo scheint ein Thema bei Xing zu sein. Das Unternehmen wird in den nächsten Tagen eine Testplattform unter der Adresse labs.xing.com ins Netz stellen, auf der neue Applikationen präsentiert werden sollen, um das Feedback der Nutzer einzuholen. „Ganz oben wird dann die Twitter-Integration stehen“, sagte Groß-Selbeck. Die Funktion soll bald freigeschaltet werden. Allerdings werden nicht alle Tweets automatisch von Twitter zu Xing übertragen, sondern nur die Tweets, die mit #Xing gekennzeichnet sind.

Link: Xing kommt vom Wachstumspfad ab

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unter twitter.com/HolgerSchmidt
und twitter.com/netzoekonom 

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5 Lesermeinungen

  1. Testplattform. Das passt schon...
    Testplattform. Das passt schon eher zur Marke. Anders als der erste Aufschlag zum Thema Twitter: http://s.50hz.de/2y

  2. Wow, congrats Mr. Lars...
    Wow, congrats Mr. Lars Hinrichs. Ein Grund, aml zu lächeln. Was macht man so mit 48 Mios?

  3. Es wird sicher interessant,...
    Es wird sicher interessant, wie die Web2.0 Kultur und die etablierten Medien zusammen passen werden. AOL und Time Warner sind ja ein Beispiel, daß es nicht einfach ist. Vor diesem Hintergrund sind 25% sicher weniger Riskant als die komplette Übernahme.

  4. #xing liest sich wie #fb. Gut...
    #xing liest sich wie #fb. Gut geklaut.
    Ob es da irgendein Patent gibt?

  5. Als Blogbetreiber mit stetig...
    Als Blogbetreiber mit stetig wachsender Leseranzahl, sind wir an Ihrer
    Beurteilung des Ebooks „XING erfolgreich nutzen“ unter
    http://www.xing-erfolgreich-nutzen.com interessiert. Ich freue mich auch
    über Ihren positiven Kommentar in unserem Blog
    http://www.presalesmarketing-blog.com
    Freundliche Grüße,
    Robert Nabenhauer

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