Netzwirtschaft

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Die Digitalisierung erfasst immer mehr Lebensbereiche. Wie sie sich auf Menschen und Märkte auswirkt, beleuchtet das Netzwirtschaft-Blog auf FAZ.NET.

Internet-Weltrangliste: Google baut Vorsprung aus; Facebook rückt auf Rang 4 vor

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Die Dominanz amerikanischer Internetunternehmen wird größer. Im Wettstreit der Musketiere Google, Facebook, Apple und Amazon können selbst die Chinesen nicht mehr mithalten.

Googles Dynamik ist ungebrochen. Im vergangenen Jahr hat die Suchmaschine die Zahl ihrer Nutzer in aller Welt um 131 Millionen auf 890 Millionen erhöht und erreicht damit rund drei Viertel der 1,2 Milliarden Internetnutzer auf der Erde, wie das Marktforschungsunternehmen Comscore für die FAZ ermittelt hat.

Bild zu: Internet-Weltrangliste: Google baut Vorsprung aus; Facebook rückt auf Rang 4 vorIn der Rangliste der größten Internetseiten der Welt führt Google damit klar vor Microsoft (730 Millionen Nutzer) und Yahoo (602 Millionen). Neuer Viertplazierter in der Weltrangliste ist Facebook. Das soziale Netzwerk hat im vergangenen Jahr die meisten neuen Nutzer gewonnen und sich von Rang 7 auf Rang 4 vorgeschoben. Zu den Verlierern des Jahres gehören AOL, der Facebook-Rivale MySpace und die chinesische Videoseite Youku, die in den vergangenen zwölf Monaten jeweils mehr als 10 Millionen Nutzer verloren haben.

Die Dominanz der amerikanischen Internetunternehmen in der Welt nimmt stetig zu. Nicht nur die größten Internetunternehmen kommen aus Amerika, sondern auch die Unternehmen mit den höchsten Zuwächsen. Große asiatische Seiten wie Tencent, Baidu oder Alibaba können das Wachstumstempo der Amerikaner nicht mithalten. Zum Beispiel hat der amerikanische Kurznachrichtendienst Twitter im vergangenen Jahr die Zahl seiner Nutzer um 1075 Prozent oder 55,2 Millionen auf 60 Millionen in aller Welt erhöht. Kein anderes Unternehmen ist so schnell gewachsen, obwohl die Dynamik in der zweiten Jahreshälfte nachgelassen hat. Andere Aufsteiger wie Alloy Media oder Betawave, die ihre Nutzerzahl um mehr als 200 Prozent gesteigert haben, kommen ebenfalls aus Amerika. Gemeinsame Merkmale der Wachstumsunternehmen: Sie nutzen das Internet als Plattform, verbinden oft viele andere Seiten miteinander oder lassen die Inhalte von der Masse der Internetnutzer erstellen. Eine technische Gemeinsamkeit der schnell wachsenden Unternehmen ist der Einsatz von Programmierschnittstellen, sogenannten APIs. Erst diese Schnittstellen machen aus Internetseiten Plattformen, an die sich andere Seiten anschließen können, Informationen und Inhalte austauschen können. Daraus entstehen Ökosysteme, die das Wachstum meist viel schneller vorantreiben, als es eine einzelne Seite allein je könnte. Was Facebook und Google erfolgreich vorgemacht haben, will Twitter nun ebenfalls als Wachstumstreiber nutzen: Ryan Sarver, Plattform-Direktor bei Twitter, kündigte auf der Internetkonferenz Le Web im Dezember an, die 140 Zeichen langen Kurznachrichten (Tweets) der 60 Millionen Nutzer künftig allen externen Seiten in Echtzeit über die Twitter-API zur Verfügung zu stellen.

Viele Entwickler werden mit Hilfe dieser Echtzeit-Nachrichten nun neue Anwendungen programmieren, die Twitter auf vielen Seiten im Internet präsent machen. Google und Bing haben die Echtzeit-Tweets bereits in ihre Suchmaschinen integriert und den Kurznachrichten damit eine weit größere Reichweite gebracht. Stetig auf dem Weg nach oben sind auch Apple und Amazon. Apple hat die Zahl seiner Nutzer im vergangenen Jahr um fast 45 Millionen gesteigert, Amazon hat sogar 54 Millionen neue Nutzer hinzugewonnen. Beide Unternehmen gehören mit Google und Facebook zusammen zur Spitzenklasse der Internetunternehmen, die Netzwerkeffekte und überlegene Technik miteinander vereinen. Apple ist zwar primär ein Computerhersteller, hat sich aber mit dem iPhone in wenigen Jahren in den Handy-Markt katapultiert und könnte mit einem neuen Tablet-Computer schon bald eine neue Geräteklasse etablieren. Die guten Geräte allein wären aber nicht der Grund, Apple auf eine Stufe mit Google und Facebook zu stellen. Es ist die Verknüpfung zwischen Hardware und dem Verkauf der Inhalte, der Apple in den vergangenen Jahren so populär gemacht hat. So wie Apple mit seinem digitalen Musikspieler iPod den Musikverkauf im Internet erfunden hat, wird dem Unternehmen auch zugetraut, den Verkauf von Videos, elektronischen Büchern oder Zeitungsinhalten im Netz zu einem ähnlichen Erfolg zu machen. Ähnliches gilt für Amazon. Der größte Online-Händler der Welt hat an Weihnachten erstmals mehr elektronische als gedruckte Bücher verkauft.

Bild zu: Internet-Weltrangliste: Google baut Vorsprung aus; Facebook rückt auf Rang 4 vor

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Der Wettstreit der Musketiere hat bisher viele Innovationen für die Nutzer hervorgebracht, doch der Kampf um die Herrschaft im Netz kann auch ins Negative umschlagen, wie der Web-2.0-Pionier Tim O’Reilly befürchtet. Er erwartet einen „Krieg um das Web“, in dem es den großen Unternehmen nicht mehr genügt, dominante Suchmaschine, Online-Händler oder soziales Netzwerk zu sein. Die großen Anbieter wollen die alleinige Kontrolle erreichen. Das gehe zu Lasten des Netzes als interoperable Plattform. „Stattdessen sehen wir Facebook als Plattform, Apple als Plattform, Google als Plattform und Amazon als Plattform. Die großen Unternehmen werden das ausfechten, bis nur noch einer als König übrig bleibt“, vermutet O’Reilly.

Neben den sozialen Netzwerken haben es auch sehr viele Medienunternehmen in die Weltranglisten geschafft. Dazu gehören junge Mediennetzwerke wie Alloy Media oder Netshelter, die sich auf junge Menschen oder Technikbegeisterte spezialisiert haben. Auch Glam Media ist als Netzwerk weiter auf Wachstumskurs und hat auch in Deutschland Fuß gefasst. Andere Wachstumstreiber sind sogenannte Content-Farmen wie Answers.com oder Demand Media, die Inhalte so billig wie möglich erstellen. Diese Inhalte sollen die Fragen beantworten, die von vielen Menschen in den Suchmaschinen gestellt werden. „Uns geht es um ein nachhaltiges Medienmodell, eine Maschine für das zu bauen, was die Welt wissen will“, sagt der Gründer Richard Rosenblatt.

Neben neuen Medienunternehmen haben es auch etablierte, aber dennoch innovative Medienunternehmen wie NBC Universal und die New York Times in die Ranglisten geschafft. NBC Universal hat gemeinsam mit News Corp. und Disney die erfolgreiche Fernsehseite Hulu.com ins Leben gerufen, während die New York Times als Paradebeispiel für die intelligente Verbreitung der Inhalte eines Medienhauses im Netz gilt. Das New Yorker Zeitungshaus setzt ebenfalls auf Programmierschnittstellen, um den Nutzer die Verbreitung der Inhalte der Times möglichst einfach und automatisiert zu ermöglichen.

Deutsche Unternehmen spielen in dieser Liga keine Rolle. Zwar hat es mit der Deutschen Telekom ein Unternehmen in die Rangliste geschafft, aber außerhalb Deutschlands spielt die Telekom im Internet keine Rolle. Etwa die Hälfte der Nutzer haben die deutschen Seiten wie T-Online, T-Mobile oder T-Home besucht, der Rest entfällt vorwiegend auf die Mobilfunkangebote des Unternehmens, zum Beispiel in den Vereinigten Staaten oder Großbritannien. Weil sich mit der reinen Sprach- und Datenübertragung immer weniger verdienen lässt, will die Telekom künftig im Internet mehr tun als bisher. „Serviceangebote spielen eine immer größere Rolle als der reine Netzzugang, der heute noch im Vordergrund steht. Und weil die Grenzen zwischen Internet, Mobilfunk und Fernsehen zunehmend verschwimmen, sind wir zurzeit in mehreren Arbeitsgruppen dabei, für diese Zeit ein Konzept zu entwickeln“, sagte der Vorstandsvorsitzende René Obermann in einem Interview. Zur neuen Strategie sollen auch Kooperationen und Übernahmen gehören.

Die wirtschaftliche Erholung und die gute Entwicklung an den Börsen werden 2010 das Übernahmefieber im Internet wieder anfachen. Twitter wird wahrscheinlich weitere Unternehmen aus seinem Ökosystem kaufen; auch Google und Apple werden wegen ihrer prall gefüllten Kassen zu den Käufern gehören. Cisco gilt nach Ansicht des amerikanischen Blogs Techcrunch als wahrscheinlichster Käufer für das Geschäftsnetzwerk Linkedin, das ebenfalls schnell gewachsen ist. MySpace könnte weiter Musikdienste zukaufen und die etablierten Medienhäuser werden sich sicher an ihren jungen Herausforderern beteiligen wollen.

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Weltweite Nutzeränderung November 2009 gegenüber November 2008 

Links: Die Schrittmacher im Internet

 

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16 Lesermeinungen

  1. Zusammenhang zwischen...
    Zusammenhang zwischen Innovation und Wohlstand
    Die Deutschen reden über seit Jahrzehnten über „Armut“ (nicht etwa Not!) und „Gerechtigkeit“ und vernachlässigen über eine nicht endende, geradezu zwanghaft anmutende Verteilungsdiskussion ihre technologische Entwicklung.
    Computer, Web1.0 / 2.0, soziale Netzwerke – all das kommt aus der quirligen San Francisco Area und nicht aus Berlin, Hamburg oder München. So entsteht auch der neue Reichtum dort und nicht hier. Wieder zeigt sich dass Eigeninitiative, privates und gesellschaftliches Kapital über Startup-Finanzierer (Venture Capital – ebenfalls in Silicon Valley „erfunden“) dem europäischen etatistischen System überlegen ist.
    Amerika bringt jeden Tag neue Ideen und Jungunternehmer hervor. Diese werden „reich“ und finanzieren hinterher wiederum neue Ideen … ein positiver Kreislauf. So entsteht in der Folge ein individueller und gesellschaftlicher Wohlstand der – allen Krisen und allem Krisengerede zum Trotz – die USA im Wettbewerb vorne stehen lässt.
    Nur zur Visibilisierung der Umkehrschluss: Wie sähe der deutsche und europäische Alltag heute aus ohne Personalcomputer, Software, Internet, Hochfrequenztelefonie (Handy, Smartphone), Web-Applikationen, GPS usw?

  2. An Google ist wirklich...
    An Google ist wirklich erstaunlich, dass die eine enorm schnelle Time-to-Market haben.
    Google versucht mit seinen Labs viele Verbesserungen aus, die besten werden in die Produkte installiert und die anderen einfach eingestellt.
    Im Vergleich mit allen anderen Internet-Firmen kann keiner eine ähnliche Time-to-Market aufweisen und daher finde ich persönlich, dass google den Erfolg sich auch hart erarbeitet hat.
    liebe Grüße
    Sebastian

  3. Google erkennt die Zeichen der...
    Google erkennt die Zeichen der Zeit. Die neuesten Entwicklungen wie das Betriebssystem Android oder das Smartphone Nexus One erscheinen sehr viel versprechend. Zu vergessen sind aber nicht die gescheiterten Versuche Googles, darunter z.B. Wikipedia mit Google Knol Konkurrenz zu machen.

  4. Das ist wirklich mal eine...
    Das ist wirklich mal eine interessante Auswertung. Besucher Stürme wie bei Twitter waren ja hervorzusehen und das Google mit knapp 900 mio. Besuchern im Monat auf Platz 1 verharrt war auch abzusehen, doch es gibt so viele Websites von denen ich niemals gedacht hätte, dass sie so beliebt sind.

  5. Ich denke das google wird in...
    Ich denke das google wird in den nächsten 10Jahren da oben bleiben. Gravierende Einschnitte könnte es nur geben wenn Services auf den Markt kommen die im heimischen Wohnzimmer nutzbar sind.

  6. Ich bewundere Google für...
    Ich bewundere Google für seine Erfolgsstory, die ja offensichtlich ungebrochen weitergeht. Heute kommt doch keiner mehr ohne Google aus. Und das auch dann nicht, wenn er im tiefsten Grunde seines Herzens sich ein wenig an „Big Brother“ erinnert fühlt.

  7. Google hat die Marktherrschaft...
    Google hat die Marktherrschaft fest in der Hand. Das wird sich auch nie oder in absehbarer Zeit nicht mehr ändern. Wer sollte denen die Position auch streitig machen ?

  8. Solange Google nicht in mein...
    Solange Google nicht in mein schlafzimmer schaut, dürfen Sie alles machen was Sie wollen. Ich find den Konzern derzeit unschlagbar, diese Services sind spitze. Kein anderer Dienst gibt mir kostenlos soviel Speicherplatz für mein Mailkonto und das gratis. An google kommt keiner so schnell ran.

  9. Als google angefangen hat,...
    Als google angefangen hat, waren sie inovativ und fresch. Heute sind sie es immer noch aber auch riesen groß. seit 10 jahren verdinen sie geld mit ihrer arbeit und nun haben sie viele neider. das ist numal so. microsoft hat es vor gemacht und es gibt tausende andere! ich finde das in ordnung so. getreu dem motto:
    von den top 100 unternehmen im dow-jons von 1970 gibt es heute noch 20 %, der rest ist dem markt zu opfer gefallen.

  10. Ich denke das nun langsam gut...
    Ich denke das nun langsam gut ist. Für die Vielfalt finde ich es nicht gut, dass eine Markenmacht inovative kleine Unternehmen schluckt umd keine Konkurenz aufkommen zu lassen. Das es nur Amerikanische Firmen sind, liegt daran das in dieser Region das Internet Allgemeingut ist. In Deutschland hat man Hürden zu Überwinden um so eine Geschäftsidee umsetzen zu können. Ich denke man sollte ein Regionalprinzip einführen um keinen Firme eine Möglichkeit zu bieten gegen solche großen Firmen zu bestehen.

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