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New York Times zieht die Zahlschranke hoch

| 3 Lesermeinungen

Es war eine harte Diskussion, doch nun ist sie entschieden: Die New York Times verlangt für ihre Inhalte im Internet künftig wieder Geld. Die Leser dürfen einige Artikel im Monat kostenlos lesen; darüber hinaus gehende Artikel müssen bezahlt werden.

Die „New York Times“ will ihre Leser im Internet künftig zur Kasse bitten. Nach einem Bericht des Magazins „New York“ hat sich der Verleger Arthur Sulzberger Jr. offenbar für ein System entschieden, das den Lesern den freien Zugriff auf einige Artikel im Monat lässt, darüber hinaus aber den Zugriff nur noch gegen Bezahlung erlaubt. Dieses Modell wird auch von der britischen Financial Times eingesetzt. Die New Yorker haben sich damit offenbar auch gegen einen Beitritt zur Initiative „Journalism Online“ entschieden, die – angeführt von dem ehemaligen Wall-Street-Journal-Herausgeber Gordon Crovitz – ein einfaches Zahlsystem für die Medienbranche entwickeln will. Der Entscheidung ist offenbar eine einjährige Diskussionsphase vorweg gegangen, denn die Internetseite der Times ist mit rund 92 Millionen Besuchern im Monat die populärste Zeitungsseite im Internet.  Eine Zahlschranke wird die ohnehin unter Druck stehenden Online-Werbeeinnahmen weiter einbrechen lassen. 

Wie viele Artikel die Besucher kostenlos lesen können, steht noch nicht fest. Ebenso wenig ist bekannt, ob der Umweg über Google auf die Seite offen bleiben wird. Google hatte im Dezember angekündigt, den Zugriff auf Nachrichtenseiten ebenfalls limitieren zu können (First click free). 

Die Times kehrt damit zur Strategie zurück, die Leser für Inhalte im Netz zahlen zu lassen. Der jüngste Versuch, mit Times Select den Nutzer ausgewählte Kommentare nur gegen Geld zugänglich zu machen, hatte die Zeitung 2007 erfolglos beendet. „Times Select ist nicht nur gestorben, weil die Top-Kolumnisten dagegen protestiert haben, sondern weil die Befürworter eines freien Zugangs eine Alternative anbieten konnten, die mehr Geld versprach“, schreibt das Blog PaidContent.org. Die große Frage sei, ob das neue Modell mehr Umsatz erziele als es in der Online-Werbung verdränge.

Die Times gilt als die Zeitung mit dem modernsten Methode, ihre Inhalte möglichst breit im Internet zu verteilen, um viele Leser auf ihre Seite zu locken (Zeitung 2.0 in der New York Times, New York Times und die Revolution im Internet). 

Links:

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3 Lesermeinungen

  1. hallo! Dieses Modell finde ich...
    hallo! Dieses Modell finde ich eigentlich sehr fair. Den Mainstream bieten die Online-Portale eh kostenlos an, weil sie ja ihre Leser auch etwas zum lesen geben müssen und für andere Inhalte aus der Zeitung wird ein kleiner Betrag fällig.
    Die Strategie scheint mir ziemlich durchdacht und fair zu sein.
    lg Sebastian

  2. <p>Der Schuss wird nach hinten...
    Der Schuss wird nach hinten losgehen. Für die allgemein manipulierenden Nachrichten – also Nachrichten aus Sicht der Redakteure und Journalisten – wird keiner einen Cent zahlen, es sei denn er muss es. Wenn Presseorgane zu einer sauberen, neutralen Berichterstattung in Form von Dossiers – mit „good and bad site“ Betrachtung – und wahren Hintergründen kommen könnten, wäre das wohl etwas anderes. Es gibt ja Webseiten die das vormachen, nur sind sie in Nischen zuhause. Z.B. im Oel-Business. Da werden auch viel höhere Preise gezahlt als die üblichen Cents. Warum gibt es eigentlich keine Versteigerungsbörse für Nachrichten, à la eBay for News? Dann würde auch der Preis mit dem Alter fallen – oder eben mit der Qualität steigen. Für mich zeigt die Unbeweglichkeit der Zeitungsverlage, dass immer noch kein wahrer Konkurrenzkampf entstanden ist und sie sich immer noch auf ihren Lorbeeren ausruhen können. Vor allem aber wohl die Grossen.

  3. Nach wie vor stellt sich das...
    Nach wie vor stellt sich das Problem eines funktionsfähigen Bezahlsystemes, dass einen massenabsatz erlaubt –> hierzu muss dieses System massentauglich sein, d. h. dass man „gerade mal so“ irgendwie (!) Geld an den „Content-Anbieter“ übermitteln kann…wie auch immer diese Technologie für die „breite Masse“ aussehen mag…
    Diese technologische Hürde steht einem Massenabsatz definitiv noch im Wege.

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