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Die Digitalisierung erfasst immer mehr Lebensbereiche. Wie sie sich auf Menschen und Märkte auswirkt, beleuchtet das Netzwirtschaft-Blog auf FAZ.NET.

Kartell gegen Monopol: EU genehmigt „Anti-Google-Allianz" deutscher Online-Werber

| 7 Lesermeinungen

Die deutschen Online-Werber verbünden sich gegen Google. Vier Vermarkter großer Fernsehsender und Verlage bündeln ihre Reichweiten, um in der grafischen Werbung besser gegen Google aufgestellt zu sein.

Die EU-Kommission hat das Gemeinschaftsunternehmen der vier deutschen Online-Werbeunternehmen Gruner + Jahr EMS, SevenOne Media, IP Deutschland und Tomorrow Focus ohne Auflagen genehmigt. Damit kann die „Targeting-Allianz“ der Medienhäuser ihre Online-Reichweiten bündeln, um im hart umkämpften Markt für grafische Online-Werbung besser aufgestellt zu sein und vor allem dem Konkurrenten Google besser Paroli bieten zu können. (-> Vermarkter planen Anti-Google-Allianz).

Die Unternehmen werden Teile ihrer Internetseiten künftig von dem Gemeinschaftsunternehmen vermarkten lassen. Erstmals werde es möglich sein, mit Werbung aus einer Hand 75 Prozent aller deutschen Online-Nutzer in qualitativ hochwertigen Umfeldern zu erreichen, sagte Stefan Krötz, Verkaufsleiter von SevenOne Media, einer Tochtergesellschaft des Fernsehsenders ProSieben Sat.1. Mit diesen Reichweiten lassen sich gewünschte Zielgruppen besser als bisher erreichen. Dieses sogenannte Targeting gilt als vielversprechende Methode, um graphische Online-Werbung nur den Menschen zu zeigen, die sich für das Produkt interessieren.

Die einzelnen Reichweiten der vier Online-Werber schwanken zwischen 27,3 Prozent der Internet-Nutzern, die G+J EMS erreicht, bis zu 46 Prozent, die Tomorrow Focus mit Werbung versorgen kann. Alle vier Unternehmen haben jedoch im vergangenen Jahr ihre Reichweite kaum ausbauen können und sind gezwungen, neue Wege zur Erhöhung ihres Umsatzes einzuschlagen. Google erreicht in Deutschland dagegen mehr als 90 Prozent der 40 Millionen Internetnutzer.

Die EU-Kommission sieht keine Gefahr einer Einschränkung des Wettbewerbs im Europäischen Wirtschaftsraum, teilte die Behörde am Freitag mit. Angesichts der geringen Marktanteile der Unternehmen in der Online-Werbung und der Präsenz starker Wettbewerber wie Google gebe es keinen Anlass zu wettbewerbsrechtlichen Bedenken, heißt es. Diese Formulierung bedeutet, dass die EU den gesamten Online-Werbemarkt (einschließlich des Suchmaschinenmarketings) als relevant ansieht und nicht nur die grafische Werbung. Als die EU Googles Kauf von Doubleclick genehmigte, wurden offenbar die beiden Teile des Werbemarktes noch getrennt voneinander betrachtet. Doubleclick ist der Weltmarktführer in der Auslieferung grafischer Werbeflächen auf die Internetseiten. Im gesamten Online-Werbemarkt ist Google mit einem Anteil von mehr als 50 Prozent klarer Marktführer in Deutschland.

Der Umsatz von geschätzten rund 2 Milliarden Euro in Deutschland kommt aber fast ausschließlich aus dem Suchmaschinengeschäft. In der grafischen Online-Werbung spielt Google bisher keine große Rolle, aber der Kauf von Doubleclick und des Videoportals Youtube zeigt klar die Ambitionen von Google, auch in diesem Markt Fuß fassen. Dazu passt auch die Aussage des Google-Vorstandschefs Eric Schmidt, der die grafische Werbung als größten Wachstumstreiber für Google in diesem Jahr sieht.

Die Allianz der vier Vermarkter könnte noch größer werden, denn hinter den Kulissen werden auch Gespräche mit den beiden Platzhirschen Interactive Media, der Vermarkter der Deutschen Telekom, und United Internet Media geführt. Beide Unternehmen erzielen erhebliche höhere Werbeumsätze als die vier Mitglieder der Allianz. Zudem hat sich United Internet Media an Wunderloop beteiligt, dem bevorzugten Targeting-Dienstleister der Allianz. Mit diesem Schritt hat sich United Internet automatisch ins Gespräch eingebracht.  

Bild zu: Kartell gegen Monopol: EU genehmigt „Anti-Google-Allianz" deutscher Online-Werber 
Die Reichweiten der Online-Vermarkter im dritten Quartal 2009. Quelle: AGOF

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7 Lesermeinungen

  1. "Der Umsatz von geschätzten...
    „Der Umsatz von geschätzten rund 2 Milliarden Euro kommt aber..“ ich denke es müsste Gewinn und nicht Umsatz heissen. Wäre ein wenig mau :-)

  2. @ Chris: Nein, 2 Miliiarden...
    @ Chris: Nein, 2 Miliiarden Euro Umsatz, nicht Gewinn.

  3. Ich muss ehrlich zugeben, dass...
    Ich muss ehrlich zugeben, dass ich es erst auch so gesehen habe, wie „Chris“. Erschien mir ebenfalls etwas mau. Hatte da irgendwie andere Dimensionen im Sinn, aber gut, ich denke, 2 Milliarden Umsatz sollten auch reichen.. :)

  4. Das hat die EU durchaus ganz...
    Das hat die EU durchaus ganz richtig gesehen, daß es sich da um einen Zwergenaufstand handelt, den man durchwinken kann. –
    „Es gibt derzeit 3 Weltmächte. Die USA, China, und Google.“

  5. erstaunlich, daß die Verlage...
    erstaunlich, daß die Verlage erst jetzt darauf kommen, sich zusammenzuschließen und Google paroli zu bieten. Wurde Zeit….

  6. Nun ja, man wird...
    Nun ja, man wird sehen…
    Prinzipiell wäre das ja durchaus begrüßenswert. Aus dem dem verlinkten Bericht lässt sich jedoch herauslesen, dass hier möglicherweise (wieder mal) versucht wird, klassische (grafische) Werbeformate einfach 1:1 auf das Internet zu übertragen. Am Format der Werbung ändert sich also nichts, es wird lediglich versucht, durch Größe die Reichweite zu erhöhen. Der Erfolg von Google ist aber ursprünglich nicht deren Reichweite zuzuschreiben, sondern innovativen Produkten (die z.B. auch Unternehmen mit kleinem Budget ermöglichen, effektiv zu werben) und einem mittlerweile wohl nicht mehr zu schlagenden „Targeting“ der Werbung auf die Interessen der Nutzer.

  7. in USA lebend, aber mit...
    in USA lebend, aber mit langjähriger Erfahrung im Presse- und Internet-Sektor in Deutschland (Mitbegründer, ehem. Vorstand/AR des Markt&Technik Verlages) habe ich heute diesen Vorschlag auf meine Webseite gestellt:
    “Gema-Lösung” für Datennutzung durch Google
    http://keshoo.com/?p=360
    Es würde mich freuen, wenn Sie den Gedanken (siehe auch weiter unten) aufgreifen könnten.
    Mit besten Grüssen aus California
    Otmar Cürten (früher als Otmar Weber bekannt)
    http://keshoo.com
    Die Nachricht von Google ab jetzt auch eingestellte Bilder von Internet-Teilnehmern in Google Map zu integrieren veranlasst mich dem “Spiegel” auf seinen heutigen Artikel diesen Feedback zu geben:
    “Es wird Zeit darüber nachzudenken eine “Gema-Lösung” für die Nutzung von Informationen finden, die Teilnehmer des Internets kostenlos eingestellt haben, wenn Firmen wie Google mit Aggregation und Indizierung Milliarden damit verdienen.
    Damit könnte man nicht nur die Monopolstellung von Google entschärfen sondern auch das Problem der Verlage lösen, wenn diese für ihre ins Netz gestellten Informationen einen Geldrückfluss von Google &Co erhalten.
    Immerhin gehören die ins Netz gestellten Bilder, Texte usw. dem Urheber der Information. Das Internet ist eine so starke Lebens- und Business beeinflussende Kraft geworden, es jetzt an der Zeit wäre eine Erlaubnis zur Indizierung oder irgend einer anderen Verwertung im Internet zur geschäftlichen Nutzung einzuführen.”
    Wer auch so denkt, sollte diesen Gedanken weiter verbreiten, um politische Kreise zum Denken und Handeln anzuregen.
    Es wird Zeit für eine deutliche Veränderung für Verwendung der Internet-Daten einzutreten, wenn einige wenige Konzerne damit Milliarden verdienen!

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