Netzwirtschaft

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Die Digitalisierung erfasst immer mehr Lebensbereiche. Wie sie sich auf Menschen und Märkte auswirkt, beleuchtet das Netzwirtschaft-Blog auf FAZ.NET.

Die Zukunft der Nachricht – zwischen Netzwerkfilter und iPhone

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iPhone, Twitter, Facebook, Google - ein Bericht über das Nachrichtengeschäft erwähnt heute Produkte und Unternehmen, die vor ein paar Jahren in diesem Metier noch keine Rolle gespielt haben. All dies sind Instrumente für die drei großen Trends im Nachrichtengeschäft, die das Pew Internet & American Life Project in seinem Report „Understanding the Participatory News Consumer" identifiziert hat: Nachrichten werden persönlich, mobil und die Menschen wollen am Nachrichtengeschehen teilnehmen. Das klingt erst einmal harmlos, ist es aber nicht.

iPhone, Twitter, Facebook, Google – ein Bericht über das Nachrichtengeschäft erwähnt heute Produkte und Unternehmen, die vor ein paar Jahren in diesem Metier noch keine Rolle gespielt haben. All dies sind Instrumente für die drei großen Trends im Nachrichtengeschäft, die das Pew Internet & American Life Project in seinem Report „Understanding the Participatory News Consumer“ (PDF) identifiziert hat: Nachrichten werden persönlich, mobil und die Menschen wollen am Nachrichtengeschehen teilnehmen. Das klingt erst einmal harmlos, aber die Folgen für das Nachrichtengeschäft, das zunehmend von der Technik geprägt wird, sind es nicht: „Die Tage der Loyalität zu einer Nachrichtenorganisation oder einer Technologie sind im Internet-Zeitalter vorbei“, schreiben die Journalismusforscher.

Die wichtigste, wenig überraschende Erkenntnis lautet: „Das Internet steht im Zentrum der Geschichte, wie Menschen ihr Verhältnis zu Nachrichten ändern“. Das Internet ist in Amerika inzwischen die drittpopulärste Nachrichten-Plattform nach lokalen und nationalen Fernsehnachrichten. Der Konsum der Nachrichten ist dabei über viele Plattformen verteilt. Die meisten Befragten nutzen zwei bis fünf verschiedene Online-Nachrichtenquellen am Tag. Die Art, wie sie diese Nachrichten konsumieren, hat sich in den vergangenen Jahren aber drastisch verändert.

– 33 Prozent der Handy-Nutzer lesen Nachrichten auf ihrem Mobiltelefon

– 28 Prozent der Internet-Nutzer haben auf ihrer Startseite im Netz verschiedene, sie interessierende Nachrichtenquellen aggregiert. Das funktioniert perfekt mit einem RSS-Reader oder Twitter, aber auch große Portale wie Yahoo bieten die Aggregation und persönliche Auswahl prominent auf ihrer Startseite an.   

– 37 Prozent der Internet-Nutzer nehmen am Nachrichtengeschehen teil, produzieren also selbst Nachrichten, kommentieren sie und teilen sie via E-Mail, Facebook oder Twitter mit ihren Freunden oder Bekannten.

Die sozialen Medien funktionieren also immer stärker als Netzwerkfilter. Da die Nachrichtenmenge immer größer wird, verlassen sich vor allem junge Menschen verstärkt darauf, von ihren Freunden in ihren sozialen Netzwerken auf die wichtigsten Ereignisse aufmerksam gemacht zu werden. „Die Erfahrung der Menschen mit Nachrichten, speziell im Internet, wird zu einer geteilten, sozialen Erfahrung. Die Menschen verbreiten Links in E-Mails, publizieren Nachrichten in ihren sozialen Netzwerken, betonen Geschichten in ihren Tweets“, heißt es in der Studie. 75 Prozent der Befragten erhalten Nachrichten, die als E-Mail weitergeleitet wurden oder in sozialen Netzwerken gepostet wurden. 52 Prozent gaben an, Links zu Nachrichten auf diese Weise mit anderen zu teilen.

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23 Prozent der Nutzer sozialer Netzwerke, die auch Online-Nachrichten lesen, folgen Nachrichtenorganisationen oder individuellen Journalisten in sozialen Netzwerken. 3 Prozent der Onliner nutzen Twitter, um einen Link zu einer Nachricht zu posten oder zu retweeten. Das sind 18 Prozent aller Twitter-Nutzer. „Soziale Netzwerke sind also ein Alarmsystem für die engagiertesten Nachrichtenleser. 15 Prozent der Nutzer verlassen sich auf die Nachrichtenhinweise aus ihrem Freundeskreis aus den sozialen Netzwerken. Besonders ausgeprägt ist diese Art der Informationsausnahme unter jungen Menschen“, folgern die Forscher.
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Links:

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Der normale Online-Nutzer besucht nur wenige Nachrichtenangebote im Netz. Mehr als die Hälfte der Befragten konzentriert sich auf zwei bis fünf Seiten, 21 Prozent nutzen gar nur eine Seite. Nur 11 Prozent schauen sich mehr als fünf verschiedene Nachrichtenseiten im Internet an. Trotz der geringen Bandbreite der Quellen ist die Loyalität zu einer Nachrichtenseite gering. 65 Prozent der Befragten sagten, keine bevorzugte Nachrichtenseite im Netz zu haben. Dieses Ergebnis ist eine Folge der Aggregatoren oder Netzwerkfilter, die mit unterschiedlichen Ansätzen versuchen, die interessanteste Information zu finden – unabhängig von der Quelle.

70 Prozent der Befragten waren der Meinung, dass die Masse an verfügbaren Informationen überwältigend ist. 63 Prozent sind der Meinung, dass die großen Nachrichtenanbieter aber einen guten Job machen, um die wichtigen Nachrichten herauszufiltern. Aber 72 Prozent schlossen sich auch der Meinung an, dass die großen Anbieter die Nachrichtenlage nur verzerrt wiedergeben, was aber vorwiegend ein amerikanisches Phänomen ist.

Tröstlich für etablierte Anbieter: Obwohl das Internet als Nachrichtenplattform weiter wächst, hat es die Offline-Medien für die meisten Amerikaner aber nicht komplett verdrängt. Sie bevorzugen eine Kombination aus Online- und Offline-Medien für ihre tägliche Nachrichtendosis. Die populärsten Online-Nachrichten sind das Wetter, nationale Ereignisse, Gesundheit & Medizin, Wirtschaft, internationale Ereignisse und Wissenschaft & Technologie.

Die Journalismusforscher haben auch nach den Gewohnheiten der Menschen im mobilen Internet gefragt. 26 Prozent der Amerikaner rufen mit ihren mobilen Geräten inzwischen Informationen ab. Die folgende Grafik zeigt die mobile Nutzung in Prozent aller Handy-Nutzer in Amerika.

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Tägliche Infos zur Netzökonomie:

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 Twitter.com/netzoekonom (Mobile / Telco) 

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46 Lesermeinungen

  1. Meine grobe Interpretation der...
    Meine grobe Interpretation der Zahlen in Bezug auf ’schnelle‘ Nachrichten:
    Die klassischen Medienformen sind zurück. Allerdings nicht als Einzelformate & deutlich aufgestützt auf die Sammler mit Echtzeitfunktion.
    Soziales Web 1.0 (Digg, delicious, StumbleUpon, …) verliert an Bedeutung durch Langsamkeit.
    Das in Deutschlands Printmedien belächelte Echtzeit-Aufmerksamkeitsgeschäft gewinnt rasant Bedeutung: Die Auswertung schwacher Verbindungen menschlicher Kommunikation durch Algorithmen in Echtzeit ersetzt in vielen alltäglichen Nachrichtensituationen die klassische Aufbereitung der Gatekeeper.

  2. Für mich ist die Frage immer:...
    Für mich ist die Frage immer: wie sehr bzw. wie schnell ist das auf Europa/den deutschen Sprachraum übertragbar?
    Das Diktum, dass „wir nicht mehr nach Neuigkeiten suchen werden, sondern warten, bis sie uns gefunden haben“ (ich glaube, Jeff Jarvis) ist zwar sehr plakativ, gilt aber wahrscheinlich auch nur für einen Teil der Infos.
    Aber je mehr Info „herumfliegt“, desto eher wird das natürlich schon stimmen – quasi fast als Notwehr.
    Anyway: hat jemand Erfahrungen im Umlegen von US-Studien auf Europa?

  3. Thomas Baekdal hat in seinem...
    Thomas Baekdal hat in seinem Blog einen wunderschöne Darstellung der Medienentwicklung gebloggt: http://www.baekdal.com/articles/management/market-of-information/.
    Er skizziert in einem Chart auf einen Blick den „stream of information“ der letzten 210 Jahre und damit die Entwicklung der unterschiedlicher Informationsquellen. Die Daten zum Chart sind zwar nicht 100%ig stichhaltig nachvollziehbar, es zeigt aber perfekt die Entwicklung inkl. Ausblick in die Zukunft.

  4. Thomas Baekdal hat in seinem...
    Thomas Baekdal hat in seinem Blog einen wunderschöne Darstellung der Medienentwicklung gebloggt: http://www.baekdal.com/articles/management/market-of-information/.
    Er skizziert in einem Chart auf einen Blick den „stream of information“ der letzten 210 Jahre und damit die Entwicklung der unterschiedlicher Informationsquellen. Die Daten zum Chart sind zwar nicht 100%ig stichhaltig nachvollziehbar, es zeigt aber perfekt die Entwicklung inkl. Ausblick in die Zukunft.

  5. <p>Man sollte den Begriff...
    Man sollte den Begriff Nachrichten weiter aufsplitten. Soziale Plattformen werden nur bei sozial relevanten Nachrichten, z.B. über regionale Veranstaltungen, als Quelle eine Rolle spielen.
    In den meisten Bereichen hat das Social Web weniger einen meinungsbildenden als einen einfach multiplizierenden Charakter. Bestimmte News sollten von den etablierten Medien also auch weiterhin als gegeben dargestellt werden, bestimmte Arten von Nachrichten werden durch Beteiligung der Leser aber eben auch hochwertiger…

  6. Für mich sind die oben...
    Für mich sind die oben genannten Daten schlüssig. Sie sind sicher auch, über kurz oder lang überall anwendbar. Das ist nur eine Frage der Zeit. Die interessante Frage ist ja wohl eher, wie die Nachrichten und Meinungen, nach diesen Strukturen, aufgenommen, interpretiert und als „wahr“ definiert werden. Schon jetzt stammt sicher eine grosse Zahl an News vom Hörensagen bzw. Copy/Paste z.B. in sozialen Netzen. Der Stellenwert einer News wird nach der Position in Suchergebnissen bestimmt. Technokratischer Zufallsindikator. Die Wahrnehmung und Interpretation von Nachrichten und Meinungen nimmt mit der Anzahl an möglichen Quellen und Medien oder Technologien stark zu. Bei Jugendlichen wird es sicher einen stärkeren, gelernten „Filter“ geben als bei älteren Menschen oder aber umgekehrt. Die Sicht auf die Welt und ihre Ereignisse wird dadurch sicher in Zukunft eine breitere Schneise darstellen als früher. Auch die daraus abgeleiteten Meinungen und Einstellungen müssen damit zwangsläufig unterschiedlicher werden. Man sieht das ja bereits an der unterschiedlichen Einstellung gegenüber „Gewalt“ bei unterschiedlichen Alters- und Sozialgruppen. Für viele wird z.B. Nötigung damit lediglich zu einer „stärker dargestellten Meinung“. Viele Medien tragen dazu auch noch bei, in dem sie solche Bilder verstärken und wiederholen. Das heisst für mich, dass die Interpretationsbreite auch zwischen Jung und Alt zunehmen wird. All das, bedeutet viele Probleme, die auf uns zukommen und über die wir nicht einmal angemessen diskutieren. Das sie kommen werden ist unabwendbar, die Frage ist hier – wie gehen wir dann damit um? Zum Beispiel die Reizüberflutung, Unterscheidung zwischen wichtig und unwichtig, Basiswissen oder Spezialwissen, Allgemeinbildung oder Oberflächlichkeit. Und, die Geschwindigkeit mit der sich diese Systeme und Nachrichten entwickeln ist exponentiell. Alles was sich so entwickelt endet irgendwann entweder bei Null oder im Extrem.

  7. Ich bin immer wieder erstaunt,...
    Ich bin immer wieder erstaunt, wie groß die Unterschiede zwischen den USA und Deutschland sind. In den USA machen scheinbar alle bei Social News mit, während in Deutschland Yigg und Konsorten richtige Nischenangebote bleiben.

  8. Danke für diesen Beitrag, es...
    Danke für diesen Beitrag, es wird nicht oft mit Statstiken hantiert die man gebrauchen kann. Es ist eine Menge arbeit alle Daten zu sammeln und auszuwerten. Gut gearbeitet und verständlich aufbearbeitet.

  9. Wie wir sehen werden viele...
    Wie wir sehen werden viele Informationen im Internet abgerufen, ob es Lastminutereisen oder Urlaub allgemein ist. Aber auch Nachrichten und Informatinen über das Reisewetter. Die Statistiken sind daher viel Wert. weil man Rückschlüsse auf die Häufigkeit der Abfragen schliessen kann. Und dadurch mehr Informationen sammeln und liefern kann.

  10. Die Zukunft hat begonnen, oder...
    Die Zukunft hat begonnen, oder doch nicht. Lieber etwas Nostalgie, ein altes Röhrenradio, oder lieber ein Internetdigitalradio. Lieber eine alten Tarif oder einen neuen, einen DSL Anschluß oder lieber mit dem guten alten Modem in das Internet. Es gibt gutes altes, aber es gibt auch gutes neues. Aber wichtig ist die Gegenwart. Die Marmelade von gestern ist schon aufgegessen, die Marmelade von morgen ist noch garnicht gekocht, also geniessen wir die Marmelade von heute. Und erinnern uns an die Marmelade von gestern und freuen uns auf das neue von Morgen…..

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