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Die Digitalisierung erfasst immer mehr Lebensbereiche. Wie sie sich auf Menschen und Märkte auswirkt, beleuchtet das Netzwirtschaft-Blog auf FAZ.NET.

Ebay-Chef Zoll: „Der Wandel zum Social Commerce ist grundlegend"

| 1 Lesermeinung

Ebay kämpft an vielen Fronten. Große Marken hersteller müssen überzeugt, kleine Händler dabei aber nicht verschreckt werden. Zudem wächst der Wettbewerb, da große Offline-Anbieter wie Media Markt jetzt ins Netz drängen. Auch eine Antwort auf Facebook und Co. steht noch aus. Denn: "Der Wandel zum Social Commerce ist grundlegend. Ebay muss Nutzungsformen finden, die zum sozialen Internet passen, damit wir in zehn Jahren noch so im Geschäft sind wie heute", sagte Deutschland-Chef Stephan Zoll der FAZ.

Bild zu: Ebay-Chef Zoll: „Der Wandel zum Social Commerce ist grundlegend"Ebay kämpft an vielen Fronten. Große Marken hersteller müssen überzeugt, kleine Händler dabei aber nicht verschreckt werden. Zudem wächst der Wettbewerb, da große Offline-Anbieter wie Media Markt jetzt ins Netz drängen. Auch eine Antwort auf Facebook und Co. steht noch aus. Denn: „Der Wandel zum Social Commerce ist grundlegend. Ebay muss Nutzungsformen finden, die zum sozialen Internet passen, damit wir in zehn Jahren noch so im Geschäft sind wie heute“, sagte Deutschland-Chef Stephan Zoll der FAZ.

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Viele Händler auf Ebay sind unzufrieden. Mit Ihrem Service, klagen über zu häufige Änderungen der Geschäftsbedingungen oder den Paypal-Zwang. Wo liegen die Knackpunkte?

Ebay hat sich in den vergangenen beiden Jahren stark an den Käufern orientiert, damit diese weiter auf die Plattform kommen – wovon die Händler und Verkäufer natürlich am Ende auch profitieren. Viele Änderungen waren daher insbesondere für den Käufer gut, bedeuteten aber für Händler einen Mehraufwand oder eine Umstellung. Nehmen wir zum Beispiel die Umstellung des Bewertungssystems für Händler. Das hat zuerst viel Unruhe gestiftet, aber die meisten Händler finden dies inzwischen grundsätzlich gut. Nach meiner Auffassung hat sich das Verhältnis zu den Händlern im vergangenen Jahr eher verbessert als verschlechtert. Aber das eine oder andere Mal schießen wir noch über das Ziel hinaus, zum Beispiel bei der Abschaffung der Versandkosten. Das haben wir in der Zwischenzeit wieder relativiert. Grundsätzlich ist Ebay wieder auf dem Weg, Händlern eine verlässliche Verkaufsplattform zu bieten.

Welche Händler mögen Sie denn besonders? Künftig nur noch die großen Markenhersteller, die auf Ebay ihre Produkte der Vorsaison verkaufen?

Nach den privaten Verkäufern, die Ebay groß gemacht haben, sind inzwischen rund 150000 professionelle Händler auf die Plattform gekommen, die mittlerweile sogar mehr Geschäft generieren. Als drittes Standbein bauen wir nun das Geschäft mit den großen Marken herstellern und Handelsketten auf, die ihre Produkte auf Ebay verkaufen können. Dort sehen wir ein großes Wachstumsfeld für Ebay. Aktuell fokussieren wir vor allem auf die Kategorie Mode. Das Angebot ist auf anderen Internet seiten breiter; da möchten wir gern mithalten können. Das heißt aber natürlich nicht, dass wir uns nicht mehr um den kleinen und mittleren Händler oder um die privaten Verkäufer kümmern wollen.

Wie groß ist das „dritte Standbein“ denn inzwischen? 

Wir haben in Deutschland und England rund 100 Hersteller und Händler für die Markenshops gewinnen können. Das Handelsvolumen ist im Vergleich zum Gesamtgeschäft noch klein; aber wir wollen das Segment stark ausbauen. Das wird allerdings seine Zeit brauchen.

Warum geht das so langsam? Die Shopping-Clubs wachsen doch sehr schnell. Offenbar haben die Markenhersteller doch Interesse an diesem Vertriebs kanal.

Es gibt bestimmt Vorbehalte unter den Markenherstellern gegen Ebay, die wir ausräumen müssen. Es geht um die Wahrnehmung. Viele sehen Ebay immer noch als Auktionsplattform und haben uns daher bisher nicht als Vertriebskanal für ihre Produkte ins Kalkül gezogen. Die zweite Hürde: Ebay wird als Schnäppchenmarkt wahrgenommen, auf dem Waren verramscht werden. Wir sind aber kein Preisschredderer.

Ihr CEO John Donahoe setzt stark auf die Plattformstrategie. Wie wird das aussehen? 

Für die Verkäufer möchten wir eine Plattform mit 22 Millionen potentiellen Käufern sein. Die Verkäufer sollen die Möglichkeit haben, ihre Präsenz auf Ebay genau wie ihren eigenen Shop zu gestalten. Damit schaffen wir einen Platz in der „Einkaufsstraße Ebay“. Darin gibt es dann auch „Malls“, in der kleine und größere Shops zu Themen wie Mode beheimatet sind. Genauso können wir uns ein Technik-Outlet vorstellen.

Wie reagiert Ebay auf Spezialisten wie den Reifenhändler Delticom, die sich in vielen Sparten etablieren und Ebay in vielen Nischenmärkten bedrängen?

Wir werden die Eigenheiten dieser sogenannten Verticals stärker berücksichtigen, wie wir es im Bereich Mode jetzt schon tun. Wenn man nun einen Schritt weiterdenkt, müssten die Anwendungen dafür nicht mehr von Ebay programmiert werden, sondern könnten auch von externen Entwicklern hergestellt werden. Eine solche Öffnung der Ebay-Plattform könnte ein nächster Schritt sein. Allein können wir nie schnell genug sein, um die Besonderheiten aller Märkte allein abzudecken. Die Hilfe von Spezialisten könnte hier sehr hilfreich sein.

Nun fürchten Ihre kleinen Händler, ins Hintertreffen zu geraten, wenn sich auf Ebay plötzlich viele große Händler oder Markenhersteller breitmachen.

Es liegt nicht in unserem Interesse, die kleinen gegen die großen Händler auszutauschen. Wir möchten die ersten beiden Säulen um eine dritte Säule ergänzen. Aber natürlich wird der Wettbewerb in vielen Kategorien zunehmen. Aber der Wettbewerb nimmt im ganzen Web zu.

Media Markt und Saturn wollen in den Online-Handel einsteigen. Wird das den Technikmarkt im Netz verändern?

Mit dem Eintritt solcher Player wird der Wettbewerb natürlich intensiver. Aber auch Media Markt und Saturn müssen das Online-Geschäft erst einmal lernen, während die etablierten Händler ihre Erfahrung ausspielen können, um Kunden zufriedenzustellen. Die Markt anteile werden sich nicht über Nacht verschieben. Aber das Umfeld wird schwieriger, keine Frage.

Deutschland ist für Ebay immer noch der zweitwichtigste Markt. Dennoch verkaufen die großen deutschen Handels unternehmen vergleichsweise wenig im Netz; nutzen das Potential nur zu kleinen Teilen aus. Woran liegt das?

Viele Händler haben sich das Internet lange nur angeschaut. Doch die Einstellung zum Netz ändert sich gerade. Inzwischen planen viele mit ein- oder sogar zweistelligen Umsatzanteilen im Internet. Das war vor einem oder zwei Jahren noch nicht der Fall.

Soziale Netzwerke wie Facebook machen zurzeit die Musik im Internet, während Ebay noch aus der Welt des Web 1.0 stammt. Muss sich Ebay an das neue soziale Internet anpassen?

Ja, das wird sehr relevant für uns. Ebay muss an diesen Entwicklungen teilnehmen, muss dabei sein, wenn das Nutzungsverhalten geprägt wird. Viele „Digital Natives“, die mit Facebook aufwachsen, finden Ebay nicht attraktiv. Wir müssen bald einen Weg finden, um Ebay auf Plattformen wie Facebook stärker zu integrieren. Denn wer heute Facebook nutzt, wird es auch in zehn Jahren noch tun und spätestens dann ein relevanter Käufer sein. Wir haben an dieser Stelle keine Zeit zu verlieren. Der Wandel zum Social Commerce ist grundlegend – und kommt sehr schnell. Ebay muss also Nutzungsformen finden, die zum sozialen Internet passen, damit wir in zehn Jahren noch so im Geschäft sind wie heute.

Links: Ebay-CEO John Donahoe: „Paypal wird größer als Ebay“

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1 Lesermeinung

  1. Ich würde eher sagen, Ebay...
    Ich würde eher sagen, Ebay hat sich zu lange auf den Erfolgen ausgeruht …

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