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Die Digitalisierung erfasst immer mehr Lebensbereiche. Wie sie sich auf Menschen und Märkte auswirkt, beleuchtet das Netzwirtschaft-Blog auf FAZ.NET.

Google erobert jetzt auch das mobile Internet

| 7 Lesermeinungen

Das mobile Internet wächst rasant. Immer mehr Unternehmen drängen in den Markt; der Wettbewerbsdruck steigt. Aktueller Shootingstar ist Google mit seinem mobilen Betriebssystem Android. Noch liegen Nokia und Apple vorn. Wohl nicht mehr lange.

„Mobile first“ gab Google-Chef Eric Schmidt als neue Devise für sein Unternehmen auf der Mobilfunkmesse in Barcelona Mitte Februar aus. Der Kampfansage an die Konkurrenz lässt Schmidt nun Zahlen folgen: Im lukrativen Markt der internetfähigen Handys (Smartphones) hat das noch junge Google-Betriebssystem Android im ersten Quartal des Jahres den Konkurrenten Microsoft abgehängt und sich auf Rang 4 unter den Betriebssystemen für diese Geräte geschoben. Dies errechnete das Marktforschungsunternehmen Gartner. Binnen eines Jahres ist der Marktanteil damit von 1,2 auf 10,6 Prozent gestiegen. Rund 65.000 Androiden gehen jeden Tag über die Ladentheken. Das Google-Handy „Nexus One“, das seit dieser Woche auch in Deutschland erhältlich ist, soll den Marktanteil weiter erhöhen.

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Die Androiden kommen

Da Google das Betriebssystem Android verschenkt, nutzt der steigende Marktanteil dem Unternehmen nur indirekt. Google will seine Dominanz in der Online-Werbung im stationären Web auch in das mobile Internet übertragen. Davon ist das Unternehmen aber noch weit entfernt. Nach einer Erhebung des amerikanischen Werbenetzwerkes Millennial Media, das nach eigenen Angaben 83 Prozent der 72 Millionen amerikanischen Nutzer des mobilen Internets erreicht, wächst Werbung auf Android-Systemen zwar am schnellsten, hat aber weiterhin einen sehr großen Rückstand auf Apple. Nach Angaben des Unternehmens entfielen im April 62 Prozent aller Werbeeinblendungen auf mobilen Geräten auf Apple-Produkte. Der Tablet-Computer iPad wird Apple zusätzlichen Auftrieb geben. Mit großem Rückstand folgte auf Rang 2 der kanadische Hersteller Research in Motion (RIM) mit 17 Prozent vor Android-Geräten mit 10 Prozent. Windows Mobile erreichte einen Anteil von 5 Prozent, der weiter fällt. Die nun erlaubte Akquisition von Admob wird Google weiteren Auftrieb geben.

Das letzte Wort ist aber noch lange nicht gesprochen, denn der junge Markt wächst weiter stürmisch. „Im ersten Quartal 2010 stiegen die Smartphone-Verkäufe an Privatkunden so schnell wie seit 2006 nicht mehr“, sagte Gartner-Analystin Carolina Milanesi. 54 Millionen Geräte wurden in den ersten drei Monaten verkauft, 50 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Der Anteil dieser Hochleistungsgeräte am gesamten Handymarkt beträgt inzwischen rund 17 Prozent in aller Welt; in den Industrieländern ist der Anteil schon deutlich höher.

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Blackberry-Hersteller RIM hat sich mit einem Absatz von 10,5 Millionen Geräten in der Rangliste der weltgrößten Handyhersteller auf Rang 4 vorgeschoben und verkauft jetzt mehr Geräte als Sony Ericsson oder Motorola. Apple hat seinen Anteil am gesamten Handymarkt auf 2,7 Prozent fast verdoppelt und sich damit auf Rang 7 vorgeschoben. Mehr als 8 Millionen iPhones hat das Unternehmen im ersten Quartal absetzen können, 112 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. „Apples Wachstum kam von neuen Vertriebspartnern in etablierten Märkten wie Großbritannien und von starken Verkäufen in neuen Märkten wie China und Südkorea“, sagte Milanesi. Die vierte Generation des iPhones, die voraussichtlich im Juni vorgestellt und im dritten Quartal verkauft wird, könnte den Marktanteil noch einmal spürbar erhöhen.

Trotzdem schmilzt der Vorsprung auf Android stetig. Betrug der Abstand im vergangenen Jahr noch 9 Prozentpunkte, sind es in diesem Jahr nur noch 6 Prozentpunkte. Spätestens 2012 könnte Android nach Ansicht der Gartner-Forscher nicht nur Apple, sondern auch RIM überholt haben und damit Rang 2 hinter Nokias System Symbian erreicht haben. Das betagte Symbian-System hat im vergangenen Jahr vier Prozentpunkte seines Marktanteils verloren, liegt mit 44 Prozent aber immer noch unangefochten an der Spitze.

„Obwohl sich Nokias Mittelklassegeräte gut verkauft haben, fehlt dem Unternehmen ein Zugpferd in der Oberklasse“, sagte Milanesi. Geräte auf Basis des neuen Betriebssystems MeeGo, das Nokia gemeinsam mit Intel entwickelt, revitalisieren Nokias Premium-Portfolio frühestens zum Ende des dritten Quartals. Nokia wird einen fortgesetzten Druck auf seine Verkaufspreise von Konkurrenten wie HTC, RIM und Samsung spüren, sagte Milanesi. Die angekündigte Umstrukturierung sei eine Folge des Drucks, den Investoren auf das Unternehmen ausüben, um die Marktanteilsverluste schneller zu stoppen.

Im gesamten Handymarkt liegt ebenfalls Nokia mit einem (ebenfalls schrumpfenden) Marktanteil von 35 Prozent in Führung. Zweitplazierter ist das koreanische Unternehmen Samsung, das im ersten Quartal fast 14 Millionen Handys mehr verkauft hat als im Jahr zuvor. LG hat ebenso wie Sony Ericsson und Motorola an Boden verloren. Erstmals in die Top 10 der Hersteller hat es das Unternehmen G-Five aus Hongkong geschafft, das immerhin 4,3 Millionen Handys verkaufte.

Die hohen Zuwächse im mobilen Internet locken immer mehr Unternehmen an. Hewlett-Packard hat gerade den amerikanischen Hersteller Palm übernommen, um mit Hilfe von dessen Betriebssystem WebOS ebenfalls mitmischen zu können. MeeGo von Nokia und Intel könnte ebenfalls ein ernsthafter Konkurrent werden, da das System nicht nur auf Smartphones, sondern auch auf anderen mobilen Geräten wie der iPad-Klasse einsetzbar ist. Und Microsoft wird mit seinem neuen System Windows Mobile Series 7 spätestens zum Jahresende wieder ein ernsthafter Konkurrent werden.

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7 Lesermeinungen

  1. Ich bin auch davon überzeugt,...
    Ich bin auch davon überzeugt, dass das Android-Betriebssystem mittelfristig Apple und RIM überholt. Ob das allerdings mit Endgeräten wie dem Google Nexus One passiert, ist fraglich. Hier hat das iPhone einfach noch die Nase vorn: http://www.youtube.com/telegateag#p/c/9A23E39A439FDA65/3/sf_dRLiv2Iw

  2. Bei mir ist das dann doch eher...
    Bei mir ist das dann doch eher eine Einstellung und keine Frage der besseren Technik: Ich würde nie von Apple zu Windows wechseln.

  3. Ich denke, dass das ganze...
    Ich denke, dass das ganze Thema mobiles Internet aus Sicht der Monetarisierung doch etwas überschätzt wird. Informieren mit mobilem Internet mag sein, aber eine Bestellung in einem Online-Shop auslösen oder irgendeinen Vertrag abschließen… Das macht doch Niemand mit dem Handy. Vielmehr werden die Leute für solche Anlässe auch weiterhin den guten alten DSL Anschluss zu Hause nutzen. Denn wer will schon das Kleingedruckte auf noch einem kleineren Display lesen ;)

  4. Ein Grundproblem liegt darin,...
    Ein Grundproblem liegt darin, dass in Betrachtungen das „mobile“ Internet von dem „normalen“ Inernet getrennt wird. Langfristig gibt es nur „das“ Internet.
    Das Problem liegt aktuell in der Inkompatibilität einzelner Onlineangebote mit unterschiedlichen „Interfaces“.
    Viele Grüße

  5. Momentan kenne ich zwar jede...
    Momentan kenne ich zwar jede Menge Leute, die ein Android-Handy haben, es aber mehr zum spielen uns ausprobieren nutzen. Ich kenne noch niemand, der z.B. seinen Stromanbieter mit dem Handy gewechselt hat. Aber vielleicht ist das momentan noch unüblich. Die Zukunft wirds zeigen..Auf jeden Fall macht so ein handy Spaß!

  6. Ich bin zwar Apple USER aber...
    Ich bin zwar Apple USER aber glaube auch das sich über kurz oder lang das Android-Betriebssystem durchsetzen wird. Da bleibt uns wohl nur die Möglichkeit abzuwarten und den Markt zu beobachten.

  7. Die Bildunterschrift "Die...
    Die Bildunterschrift „Die Androiden kommen“ könnte treffender nicht sein. Das Android-Betriebssystem wird sich auch in der nahen Zukunft noch stärker durchsetzen. Es wird sich sogar weit absetzen, das nehme ich jedenfalls an.
    Der Kommentator „future of printing“ hat bereits eines der größten Probleme angesprochen. Es ist tatsächlich ein großes Problem, denn aus meiner Sicht ist es dem normalen Webmaster einfach unmöglich seine Webpräsenzen jedem Interface anzupassen. Wir haben es bereits probiert und wir mussten feststellen, dass es uns leider unmöglich erscheint. Es gibt zwar gewisse Techniken für Webpräsenzen, doch diese haben aus unserer Sicht wiederum zu viele Nachteile.
    Zum Beispiel die .mobi muss ja auch auf User mit mobilen Endgeräten zugeschnitten sein. Die Nutzer mit mobilen Endgeräten wie z.B. dem iPhone und anderen Endgeräten werden aber tatsächlich immer mehr. Das sehen wir täglich durch die statistische Auswertung unserer Seitenbesuche. Mal sehen wo der Weg der mobilen Endgeräte noch hinführen wird.

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