Netzwirtschaft

Netzwirtschaft

Die Digitalisierung erfasst immer mehr Lebensbereiche. Wie sie sich auf Menschen und Märkte auswirkt, beleuchtet das Netzwirtschaft-Blog auf FAZ.NET.

Drei Amerikaner bieten für Wunderloop

| 2 Lesermeinungen

Von den ursprünglich 30 Interessenten für den insolventen Targeting-Spezialisten Wunderloop sind noch sechs Bieter im Rennen. "Drei amerikanische und drei europäische Unternehmen haben unverbindliche Angebote für Wunderloop abgegeben", sagte Torsten Ahlers, CEO von Wunderloop, der FAZ.

Von den ursprünglich 30 Interessenten für den insolventen Targeting-Spezialisten sind noch sechs Bieter im Rennen. „Drei amerikanische und drei europäische Unternehmen haben unverbindliche Angebote für Wunderloop abgegeben“, sagte Torsten Ahlers (Foto), CEO von Wunderloop, der FAZ. Der Datenraum sei nun geöffnet, so dass sich die Unternehmen detailliert mit den Geschäftszahlen des Unternehmens vertraut machen können. „In zwei Wochen soll die Zahl auf zwei Interessenten reduziert werden, die dann verbindliche Angebote vorlegen“, sagte Ahlers. Bis Ende des Monats soll dann die Entscheidung fallen, wer den Zuschlag für Wunderloop erhält. 

Ende April hatte Wunderloop überraschend einen Insolvenzantrag gestellt, weil sich die Altinvestoren (Klaus Hommels, Michael Kleindl sowie die Hexal-Gründer Andreas und Thomas Sprüngmann) und die neuen Investor United Internet und Deutsche Telekom nicht auf eine Zwischenfinanzierung des defizitären Unternehmens einigen konnten. Auslöser des Eskalation war dabei wohl die Telekom, die aus Prinzip keine Brückenfinanzierung geben wollte, obwohl der Betrag eigentlich Kleingeld für das Unternehmen ist. Sollte Wunderloop jetzt in die Hände der Amerikaner fallen, wäre die Telekom der große Verlierer, da das Unternehmen seit Jahren die Wunderloop-Technik einsetzt.

Der Ausgang des Bieterprozesses könnte strategische Bedeutung für den gesamten Online-Werbemarkt in Deutschland haben. Die deutschen Unternehmen sehen die Gefahr, dass Google seine dominante Stellung im Suchmaschinengeschäft auch auf die graphische Display-Werbung erweitert. Gegen Google kann aber kein deutsches Unternehmen alleine bestehen. Daher haben sich die vier deutschen Medienunternehmen RTL, Prosieben Sat.1, Gruner & Jahr und Tomorrow Focus bereits zur Plattform Ad Audience zusammengeschlossen, um ihre Kräfte im Online-Werbemarkt zu bündeln. Wunderloop ist der strategische Dienstleister für Ad Audience, verantwortlich für die zielgenaue Auslieferung der Werbung. Auch der Deutschen Tlekom und United Internet wird Interesse nachgesagt, an dieser Plattform mitzuwirken. Sollten noch weitere große Medienunternehmen auf den Zug aufspringen, könnte eine Art „Deutschland-Netzwerk“ entstehen, das es mit Google aufnehmen könnte. Geht Wunderloop aber an einen amerikanischen Bieter, müssten sich die deutschen Unternehmen möglicherweise nach einem neuen Targeting-Anbieter umschauen. Zwar gibt es mit Nugg.ad einen deutschen Konkurrenten, aber jeder Zeitverlust für die Umstellung würde Google in die Hände spielen. Der Google-Chef Eric Schmidt hat die graphische Werbung nämlich als wichtiges Wachstumsfeld in diesem Jahr ausgerufen.

_________________________________________________________________________________________

Bild zu: Drei Amerikaner bieten für WunderloopTägliche Infos zur Netzökonomie 
unter twitter.com/HolgerSchmidt (Web / Media / Social Media)
und twitter.com/netzoekonom (Mobile / Telco)
Tweetranking-Profil: http://tweetranking.com/holgerschmidt   

0

2 Lesermeinungen

  1. Trotz Insolvenz noch von US...
    Trotz Insolvenz noch von US amerikanischen Unternehmen zu den Red Herring TOP 100 gekührt. http://www.wunderloop.com/site/?page_id=968&lang=en
    Faszinierend!

  2. Hatte jemand Informationen was...
    Hatte jemand Informationen was aus Wunderloop inzwischen geworden ist?

Kommentare sind deaktiviert.