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Die Digitalisierung erfasst immer mehr Lebensbereiche. Wie sie sich auf Menschen und Märkte auswirkt, beleuchtet das Netzwirtschaft-Blog auf FAZ.NET.

Collaboration: „Social Media ist der nächste große Schritt"

| 19 Lesermeinungen

Arbeitsteiliges Wirtschaften setzt Zusammenarbeit voraus. Soziale Medien fördern diese „Collaboration".

In einer arbeitsteiligen Volkswirtschaft hängen Produktentwicklung, Innovation und Marketing, aber auch das Personalwesen immer stärker von einer effektiven internen und unternehmensübergreifenden Zusammenarbeit der Menschen ab. Soziale Medien wie Unternehmensblogs und Wikis, aber auch Facebook und Twitter spielen in diesen Collaborations-Strategien der Unternehmen eine schnell wachsende Rolle, wie eine Umfrage des Beratungsunternehmens Avanade unter 538 Managern in 17 Ländern herausgefunden hat. „Social Media ist der nächste große Schritt in der Collaboration. Nur 9 Prozent der Befragten haben Social Media als Collaboration-Tool nicht auf der Agenda. 50 Prozent geben an, dass sie am Einsatz von Social Media im Unternehmen interessiert sind, um ihre Geschäftsprozesse zu verbessern”, sagte Thomas Krofta, der bei Avanade für Portale und Collaboration verantwortlich ist, der FAZ. Für die Collaboration setzen bereits 78 Prozent Instant Messaging ein. 47 Prozent nutzen das soziale Netzwerk Facebook, jedes dritte Unternehmen hat Wikis und Blogs im Einsatz, während 22 Prozent Microblogging-Dienste wie Twitter verwenden. Kaum genutzt werden hingegen Online-Geschäftsnetzwerke wie Linkedin, hat die Umfrage ergeben.

Noch immer sei der Einsatz dieser modernen Kommunikationsmittel eine Generationenfrage, werde vor allem von den jungen Mitarbeitern initiiert und vorangetrieben. „Knapp jedes zweite Unternehmen gibt aber an, dass es ohne eine entsprechende Social-Media-Strategie potentielle Mitarbeiter nicht ausreichend ansprechen kann”, sagte Krofta. Während die junge Generation hellauf begeistert sei, bremsten häufig ältere Führungskräfte, die Technik-Vorstände und – als Spezialfall in Deutschland – die Mitbestimmungsgesetze den Einsatz der sozialen Medien. „Da soziale Medien wie Instant Messaging auch als Instrument der Arbeitsüberwachung interpretiert werden könnten, sind die Betriebsräte mit im Spiel. Wenn die Betriebsräte aber rechtzeitig eingebunden werden, ist die Mitbestimmung auf Dauer kein Hemmschuh”, erwartet Krofta.

Wichtiger sei es, die Führungskräfte zu überzeugen. Denn 38 Prozent der Befragten gaben an, dass ihre Geschäftsführer das Potential der sozialen Medien, um Kunden und Mitarbeiter anzusprechen, nicht erkennen würden. Jedes fünfte Unternehmen war der Überzeugung, dass Social Media im Unternehmen nicht einsetzbar wäre.„Oft sind es dann die Personaler oder die Fachabteilungen, die soziale Medien vorantreiben”, sagte Krofta. Die Personalabteilungen wünschten sich eine Art„internes Facebook”, um einen schnellen Überblick über die Fähigkeiten und Interessen ihrer Mitarbeiter zu bekommen. „Vor allem nach einem Zusammenschluss mit einem anderen Unternehmen oder zur schnellen Besetzung von Projektteams eignet sich ein internes  Facebook”, sagte Krofta. Knapp 40 Prozent der Befragten, die Social Media nutzen, gaben an, dass der Einsatz dieser Instrumente definitiv helfe, die Mitarbeiterzufriedenheit zu erhöhen. Knapp jeder vierte Befragte gibt an, dass die Produktivität verbessert und der Vertrieb angekurbelt würde.

Unterschiede zwischen Unternehmen, die direkten Endkundenkontakt haben (B2C) oder die nur mit anderen Unternehmen Geschäfte machen (B2B), sind nach Ansicht von Krofta nicht zu erkennen. Dennoch zeige die Studie, dass gerade die B2C-Branchen Medien und Kommunikation sowie Telekommunikation stark an einer Implementierung von Social-Media-Strategien interessiert sind oder bereits eine Strategie implementiert haben. Auch die Finanzinstitute und Energieunternehmen seien sehr aufgeschlossen. Dagegen hinkten die Automobilbranche, die Luft- und Raumfahrtunternehmen sowie Regierungsorganisationen hinterher. Einig waren sich fast alle Befragten, dass Social Media auch dann in ihren Unternehmen Einzug halten wird, wenn eine Social-Media-Strategie von ihnen nicht vorauseilend eingeführt würde. Dann machen es die Mitarbeiter eben ohne ihre Chefs, die dann später mühsam die wild wuchernden Initiativen ordnen und zusammenbinden müssen.

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19 Lesermeinungen

  1. Eines der größten Probleme...
    Eines der größten Probleme ist doch momentan, dass Unternehmen nicht wissen, wie sie eine Social Media Strategie aufsetzen und im Anschluss umsetzen sollen. Man darf nicht mit bestehenden (technischen) Tools wie Blogs oder Wikis versuchen Geschäftsanforderungen abzudecken, sondern es muss genau umgekehrt sein. -> Wie kann ich meine Kunden enger an mich binden, Kundenservice erhöhen oder Leads generieren? Genau das haben wir bspw beim Aufsetzen von chocoBRAIN.com beherzigt. Als Beispiel kommen Kontakte wie im realen Leben über Inhalte/gemeinsame Interessen zustande und können weiter vertieft werden.
    Grüße aus Heidelberg

  2. Hallo,

    den Mitarbeitern nach...
    Hallo,
    den Mitarbeitern nach einer Schulung, wie, was und wo sie kommunizieren dürfen, die Initiative selbst zu überlassen ihr Unternehmen im Social Web zu repräsentieren, ist meiner Meinung nach ebenfalls eine Strategie.
    Das Social Web verlangt weniger nach einer konkreten Strategie als nach flexiblen Handlungsrichtlinien, wie man sich als Repräsentant eines Unternehmens in bestimmten Situationen zu verhalten hat.
    Unternehmen sollten nicht den Fehler machen, die Verwaltung ständig neuer Kommunikationskanäle Dritten zu überlassen, sondern sich und ihre Mitarbeiter darin schulen, selbst zu kommunizieren…
    Grüße
    Gretus

  3. Man müßte eigentlich ein...
    Man müßte eigentlich ein neues Wort für ‘Strategie’ erfinden, das sich nur auf den Zusammenhang mit Social Media bezieht. Bei diesem Wort denken nämlich alle an Planbarkeit im herkömmlichen Sinn, aber das funktioniert nur in Bezug auf ‘wer darf was?’ = allgemeine Kompetenzzuteilungen bzw. -beschränkungen. Es ist oft wirklich schwierig zu erklären, daß man diese Art Kontakte nicht in toto vorausplanen kann.
    Ich habe mir darüber neulich schon mal Gedanken gemacht: http://opalkatze.wordpress.com/2010/05/29/vertane-chancen/.

  4. "Social media" ist keine...
    “Social media” ist keine Strategie. Es ist wenn überhaupt: a) Teil einer Strategie (und kann somit als Strategieinstrument eingesetzt werden) oder b) eine Bedrohung für die Strategie eines Unternehmens, weil Unternehmen nicht mit den sozialen (Kommunikations)entwicklungen mithalten können.
    Das b) aus Sicht vieler Socialmedia-Affinen ein großes Problem darstellt ist in solch einem Blog kein Wunder.
    Aomit müssten alle Unternehmen, die eine vernpnftige (Kommunikations)Strategie besitzen kein “Problem” mit “Social Media” haben, sofern sie es denn integrieren können.
    Viele Grüße

  5. Ein "internes Facebook" wird...
    Ein “internes Facebook” wird also gewünscht. Ich glaub nicht, daß die Leute wirklich ein internes Facebook wollen. Was aber schon seit 10 Jahren (da fiel es mir in einer Internet-Firma auf) gebraucht würde, wäre ein internes Mitarbeiterverzeichnis, in das jeder auch seine Interessen eintragen kann, und das gleichzeitig einen “cheffreigegebenen” bzw. redaktionell bearbeiteten Teil hat, der die gegenwärtigen und früheren Arbeitsaufgaben in der Fa. abbildet. Darüber könnte man dann leichter die Zuständigen und die Wissenden/Erfahrenen finden, die für eine bestimmte Aufgabe gebraucht werden. Aber stattdessen gibt es – Facebook. Naja.

  6. @Gretus/vera: ja, mit...
    @Gretus/vera: ja, mit Engineering-Top-Down-Denken kommt man Twitter und anderem überhaupt nicht bei. Weil es ein ständiges Gespräch ist und nicht eine einmalige Verkündung. Mehr wie der Klatsch von Tante Emma im Lebensmittellädele (die sich und ihre Ware auch immer gut darstellen muß), nicht wie Fernsehen (Broadcast). Vielen steht wahrscheinlich zum Begreifen noch ihre Fernseh- und Selbstbedienungssupermarkt-Erfahrung im Weg.

  7. Mitarbeiter haben immer schon...
    Mitarbeiter haben immer schon kommuniziert…auch über ihre Firma… Das aktuelle Prolem liegt darin, dass sie nun einen enormen “Verstärker” (soziale Medien) benutzen können!

  8. @colorcraze
    Ich glaube, die...

    @colorcraze
    Ich glaube, die Bedenken, die viele Führungskräfte bei Twitter haben, zielen genau auf diesen Gesprächs/Tante-Emma-Laden-Aspekt ab: wenn jeder Mitarbeiter öffentlich „quatscht“, ist es kaum kontrollierbar, was er/sie sagt. Also muss man als Unternehmen darauf vertrauen können, dass die Mitarbeiter eine positive Haltung gegenüber ihrem Arbeitgeber haben und kommunizieren. Letzteres kann man schulen, Ersteres bedeutet, dass man sich um seine Unternehmenskultur kümmern muss. Genau wie Sie sagen, eher ein bottom-up-Ansatz.
    Ich muss aber auch zugeben, dass ich denke, dass der oft angeführte Punkt, dass Mitarbeiter bei der Nutzung von Social Media viel Zeit „verspielen“ wird, seine Berechtigung hat.
    Interessant wäre es, zu erfahren, warum Mitarbeiter kaum das Intranet benutzen, dafür aber ganz heiß auf Facebook sind. Vermutungen?
    Was meint Herr Krofta denn mit „Geschäftsprozesse zu verbessern“ durch Social Media? Ob Social Media mit ihrer Öffentlichkeit für die unternehmensinterne Kommunikation geeignet ist, ist fraglich. Das kommt jetzt darauf an, ob man firmeninterne Wikis oder Kommunikationstools wie z.B. Campfire als Social Media bezeichnet.
    Ansonsten sehe das Potential von Social Media vor allem in der Außenkommunikation, für Kontaktaufbau und –pflege von Kunden (B2C), potentiellen Mitarbeitern (Recruiting) und Geschäftspartnern (B2B), was sicher noch ausbaufähig ist.
    Ein weiterer interessanter Aspekt von Social Media ist – wie in der Überschrift angedeutet, im Text aber leider nicht weiter ausgeführt – die neuen Möglichkeiten für Kollaborationen, die sie bietet.
    Mit Social Media können sich Menschen und Unternehmen in Netzwerken verbinden. Ressourcen lassen sich viel einfacher zusammentragen und bündeln. Durch viele kleine Beiträge einer Menge von Menschen (Crowd) und die sich ergebende Interaktion sind viel bessere Ergebnisse und größere Projekte umsetzbar. Ich denke, diese Kollaborationsmöglichkeiten werden in Zukunft noch mehr genutzt werden. Beispiele für Wissenspools (Crowdsourcing) sind http://www.wikipedia.org (interaktives Lexikon) oder http://www.quirky.com (gemeinsame Produktentwicklung). Genauso lassen sich durch viele kleine Beiträge größere Projekte finanzieren, z.B. bei http://www.kickstarter.com (Finanzierung von Kunstprojekten durch Mikro-Sponsoring) und http://www.seedmatch.de (Finanzierung von Gründungsunternehmen durch Mikro-Investments).

  9. @Lanzsch: "warum Mitarbeiter...
    @Lanzsch: “warum Mitarbeiter kaum das Intranet benutzen, dafür aber ganz heiß auf Facebook sind” – interessante Frage. Vielleicht ist ihnen das Intranet zu unübersichtlich und zu schwierig zu benutzen? Modewelle (alle sind auf Facebook, also müssen wir das auch)? Oder sie empfinden das als Organisationsstruktur, die vielleicht helfen könnte, während sie vom Intranet schon wissen, daß es ihnen bei anderer als der vorhandenen unbefriedigenden Organisation nicht hilft? – Alles reine Spekulation, man müßte die Leute vorsichtig fragen (wobei wenig rauskommt), und die Sache in ihrem Verlauf betrachten…

  10. @ Friederike Lanzsch

    Sie...
    @ Friederike Lanzsch
    Sie haben genau den Kern des Problems getroffen. Eine “ordentliche” Unternehmenskultur würde nicht zu Ängsten in den “Führungsetagen” führen. Die “sozialen Medien” stellen “helfen” natürlich dabei das Problem für jedermann sichtbar(er) zu machen.
    Die jeweiligen Unternehmen hatten also bereits vorher schon Probleme. Jetzt gibt es nur den Unterschied, dass sie diese einfach nicht mehr so gut “kaschieren ” können.
    Viele Grüße

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