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Die Digitalisierung erfasst immer mehr Lebensbereiche. Wie sie sich auf Menschen und Märkte auswirkt, beleuchtet das Netzwirtschaft-Blog auf FAZ.NET.

Groupon: Weltmarktführer mit deutscher Hilfe

| 28 Lesermeinungen

Groupon ist eines der aktuell heißesten Start-Ups im Internet. Das Bündeln der Kaufkraft bringt den Nutzern hohe Spareffekte und Groupon eine Bewertung von einer Milliarde Euro. Nun sollen die deutschen Samwer-Brüder helfen, das Groupon-Modell in die ganze Welt zu exportieren.

Gemeinsam billiger kaufen: Mit der Idee, die Kaufkraft der Menschen im Internet zu bündeln, war einst das niederländische Internetunternehmen Letsbuyit spektakulär gescheitert. Das Modell feiert nun eine fulminante Wiederauferstehung. Groupon heißt der amerikanische Pionier der zweiten Generation, der sich für die Eroberung des Weltmarktes ausgerechnet deutsche Hilfe geholt hat. Für einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag (gezahlt allerdings in Anteilen) hat Groupon den deutschen Klon Citydeal übernommen. Was Groupon besonders beeindruckt hat: In nur sechs Monaten hat das Citydeal-Team, hinter dem als treibende Kräfte die Brüder Marc und Oliver Samwer stehen, das Modell in 15 weiteren Ländern gestartet. „Die Samwers sind die beeindruckendsten Gründer, die ich je getroffen habe“, sagte Andrew Mason (Foto), der Groupon-Gründer, der FAZ.

Weil Groupon selbst noch keine Auslandsniederlassung aufgebaut hat, sollen nun die Samwers den Job machen. Der Vertrag zwischen Groupon und Citydeal sieht vor, Groupon-Seiten in zehn weiteren Ländern an den Start zu bringen, bevor die Konkurrenz zum Zug kommt. „Wir starten demnächst in Lateinamerika, zuerst in Brasilien“, sagte Mason. Mexiko steht danach auf der Liste. Damit das Citydeal-Team die Expansion mit Elan vorantreibt, enthält der Vertrag eine „Earn-out“-Klausel. Ein Teil des Kaufpreises wird erfolgsabhängig erst zu einem späteren Zeitpunkt fließen. Auf zwei Jahre ist diese Phase angelegt.

Das Geschäft hat den Samwers und den weiteren Investoren (Holtzbrinck-Ventures, Otto-Gruppe/eVenture Capital Partners und dem skandinavischen Investor AV Kinnevik) Anteile am zurzeit wohl heißesten Internet-Start-up eingebracht. Der Einstieg der Investoren DST und Battery im April, die 135 Millionen Dollar investierten, hat Groupon mit einer Milliarde Dollar bewertet – gerade einmal 20 Monate nach der Gründung. Die Gefahr, das Letsbuyit-Schicksal zu erleiden, besteht wohl nicht mehr: „Seit Juni 2009 ist Groupon profitabel“, sagte Mason. Daher gebe es auch keine Notwendigkeit, neues Kapital aufzunehmen. „Es gibt auch keine Pläne für einen Börsengang“, sagte Mason. Bei der Wahl des geeigneten Partners für die Auslandsexpansion war die Wahl für Citydeal wohl schnell getroffen. „Wir haben uns Citydeal ebenso wie alle anderen Copycats von Groupon angeschaut. Ausschlaggebend war die Qualität des Teams, das allen anderen weit voraus war. Sie sind nicht nur die Besten in Deutschland, sondern auch schon in 15 anderen europäischen Ländern vertreten. Das war für Groupon der beste Schritt, eine Präsenz in Europa aufzubauen“, sagte Mason.

Ein 4-Gänge-Menü für 55 statt 120 Euro oder drei Stunden Kartfahren für 39 statt 78 Euro: Wenn nur genügend Käufer zusammenkommen, lässt sich auf Groupon gemeinsam gut die Hälfte sparen. Für die Anbieter der Gutscheine scheint Groupon mehr als nur eine einmalige Werbeaktion zu sein. „Als ich anfing, hatte ich auch die Befürchtung, die Händler könnten nicht wiederkommen. Doch das Gegenteil ist der Fall. 97 Prozent der Händler, die vor zwei Monaten dabei waren, sind auch heute noch aktiv“, sagte Mason. „Unser Problem ist ein anderes, vor allem in größeren Städten: Wir haben eine lange Warteliste. Zum Beispiel warten in Chicago mehrere hundert Händler auf einen Platz auf der Groupon-Seite“, sagte Mason.

Während in Deutschland oft Restaurants versuchen, ihre Lokale auf diese Weise zu füllen, ist die Bandbreite in Amerika größer. „Groupon funktioniert für die ,verhinderten Champions‘ ebenso wie für große Unternehmen. Zum Beispiel hatten wir Mitgliedschaften für ein Museum in Chicago auf der Seite, 50 Prozent billiger als normal. In seiner 100-jährigen Geschichte hat das Museum 80000 Mitglieder gewonnen. Ein einziger Tag auf Groupon hat 6000 weitere Mitglieder gebracht“, sagte Mason. Die stärkste Nutzergruppe sind 21 bis 35 Jahre alte Frauen, die in Städten leben. Groupon hat 7,5 Millionen Besucher im Monat auf seinen Seiten, davon 6 Millionen in den Vereinigten Staaten und 1,5 Millionen in Europa. In Amerika gewinnt das Unternehmen nach Angaben von Mason eine Million neue Mitglieder in einem Monat. Da die Markteintrittshürden allerdings gering und Netzwerkeffekte nicht relevant sind, besteht noch genügend Platz für Konkurrenten wie Dailydeal. Das Unternehmen ist zwar kleiner, wächst aber ebenfalls schnell. Händler haben somit die Wahl.

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28 Lesermeinungen

  1. Sehr geehrter Herr...
    Sehr geehrter Herr Schmidt,
    haben Sie denn noch genauere Einsichten, wie das Geschäftsmodell dieser Gruppenkauf-Portale funktioniert? Wie viel Prozent der Gutscheine werden in der Regel eingelöst und was passiert mit den Gutscheinen die nicht eingetaucht werden. Was müssen Unternehmen zahlen, die einen Deal anbieten möchten?
    Herzlichen Gruß und besten Dank
    Jörn Steinz
    http://www.strongquickly.com

  2. Und Groupon (ehemals CityDeal)...
    Und Groupon (ehemals CityDeal) und Dailydeal sind nicht die einziegen Player auf dem Markt. Sogar Verlage (WAZ mit Westdeal) trauen sich schon in das neue Geschäftsfeld. Händler können zwischen aktuell sieben Anbietern wählen.
    Für potentielle Kunden ist eine Vielzahl von Anbietern natürlich auch schön, aber schwieriger zu überblicken. Deswegen sind Aggregatoren wie http://www.dealmob.de , die tagesaktuell alle Anbieter vergleichen ein guter Weg, die richtigen Deals zu machen.

  3. ich bin wirklich sehr...
    ich bin wirklich sehr gespannt, ob sich dieses erfolgreiche „couponing-modell“ aus den usa auch 1:1 auf deutschland transferieren lässt, was in sachen „gutscheine & rabattmarken“ wohl noch eher entwicklungsland ist – die aktuelle wirtschaftskrise und die sinkenden reallöhne könnten diesen prozess katalysieren…

  4. Es ist schon erstaunlich wie...
    Es ist schon erstaunlich wie es die Samwers Brüder immer wieder schaffen frühzeitig profitable Ideen umzusetzen und dann auch noch gewinnbringend zu verkaufen bzw. an große Investoren zu „vermieten“ ;-)
    Shopping-Clubs, Rabatt-, Gutscheinseiten usw. gibt es schon länger in Deutschland, aber Citydeal ist für mich ein Paradebeispiel dafür, wie man mit genügend Kapital im Rücken einen Markt „von Hinten aufrollen“ kann.
    Sehr interessant finde ich Ihren Artikel in Bezug auf die Aussagen zum amerikanischen Markt. Das macht Hoffnung … Danke dafür

  5. Erfreulich zu sehen, wie sich...
    Erfreulich zu sehen, wie sich City Deal oder jetzt Groupon entwickelt hat.
    Gerade in Maßen eingesetzt ist eine solche Coupon / Rabatt-Aktion für kleinere Unternehmen eine gute Möglichkeit, mehr Bekanntheit und sogannenten „Trial“ zu generieren, also Neukunden, die erst nur aufgrund des Coupons kommen, jedoch beim nächsten Mal dann den vollen Preis bezahlen.
    Für unsere kleineren Stadtgeheimnisse bei bei http://www.mycitysecret.com nutzen wir dieses Medium gerne- sofern eben in Maßen eingesetzt.
    Interessant ist es, zu beobachten, wie sich Groupon weiterentwickeln wird – wir dürfen gespannt sein.

  6. Der Markt ist mit dem...
    Der Markt ist mit dem Zusammenschluss von Citydeal/Groupon noch heißer umkämpft als zuvor. Die derzeitige Phase wird zeigen, ob der deutsche bzw. europäische Markt Bestand hat.
    Die Deals werden von Tag zu Tag excluxiver und erreichen auch immer höhere Rabattespannen. Wichtig ist nach wie vor das Vertrauen der Anbieter und der Endverbraucher, da nur so langfristige Partnerschaften möglich sind.
    Die Möglichkeiten der Grouponanbieter sind nachwievor noch lange nicht ausgeschöpft.
    Liebe Grüße
    Antje

  7. Faszinierend wie dieser...
    Faszinierend wie dieser Artikel sofort mit Kommentar-Werbung gefüllt wird…

  8. Sehr interessant das Konzept,...
    Sehr interessant das Konzept, aber ich glaube in Deutschland eine Eintagsfliege! Genau wie diese Liveshopping Angebote, von http://www.swoodoo.de bis http://www.preisrevier.de sind die doch schon alle über die Wupper oder gehen es bald… naja, bin mal gespannt, ob das wirklich was großes wird… naja, mal schauen wie die händler mitspielen…

  9. Im Grunde ist das System auch...
    Im Grunde ist das System auch genial, vor allem wenn man wie bei Groupon bzw. anderen Anbietern als Vermittler fungiert und keine eigenen waren anbietet. Mit zunehmender Bekanntheit kommen die Händler irgendwann direkt auf einen zu und man kann die Vertriebskosten zurückfahen. Ich denke, dass man Groupon auch in Europa profitabel aufziehen kann.

  10. Die Deutsche Grouponszene...
    Die Deutsche Grouponszene bleibt in Bewegung. Nachdem Reduti nun von DailyDeal geschluckt wurde, tritt ein neuer Berliner Startup: http://getdeal.de auf die Bühne. Die aktuellen Angebote sind bei uns auf RegioDeals.de ganz frisch gelistet. Grüße Guido

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