Netzwirtschaft

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"Das Internet ist der Megatrend der Spielebranche"

| 2 Lesermeinungen

Die Spielebranche wird von Innovationen angetrieben. Die Branche setzt auf Online-Spiele, 3D und Bewegungssteuerung. Vor allem das Internet sorgt für Phantasie. Disney, Electronic Arts und sogar Google haben sich mit viel Geld in den Markt eingekauft.

Die Spielebranche steckt – mal wieder – in einem Umbruch. Nach Jahren hoher Zuwächse ist der Markt für Computer- und Videospiele in Deutschland im vergangenen Jahr um mehr als 2 Prozent geschrumpft. Weil weiterhin innovative Spielkonzepte oder neue Konsolen fehlen, hat sich der Markt im ersten Halbjahr weiter nach unten bewegt: Um 5 Prozent im Spieleumsatz, gar um 30 Prozent in den Konsolenverkäufen, hat die Gesellschaft für Konsumforschung ausgerechnet. Wenn sich die Spielefans in dieser Woche zur Branchenmesse Gamescom in Köln treffen, ist das Online-Geschäft der aktuell einzige Wachstumstreiber. „Online ist der Megatrend in der Spielebranche. Der Umsatzanteil wird in wenigen Jahren von heute 20 auf 50 Prozent steigen“, erwartet Olaf Coenen, Geschäftsführer des Spieleproduzenten Electronic Arts in Deutschland. Viele Branchengrößen haben sich deshalb in den Markt eingekauft: Electronic Arts hat 275 Millionen Dollar für Playfish gezahlt, Disney sogar 563 Millionen Dollar für Playdom. Auch Google ist mit der Akquisition von Slide und der Beteiligung am Farmville-Erfinder Zynga schon in den Markt eingestiegen. Der Suchmaschinenbetreiber möchte mit „Google Me“ eine Plattform aufbauen, die Facebook im sozialen Internet Konkurrenz machen soll. Online-Spiele sollen ein wichtiger Faktor in Googles Strategie spielen.

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Angelockt werden alle von traumhaften Wachstumsraten: Um 70 Prozent hat Gameforge, einer von zwei großen Online-Spieleanbietern in Deutschland, seinen Umsatz im vergangenen Jahr gesteigert. „In diesem Jahr wird Gameforge wieder mit einer hohen zweistelligen Rate wachsen“, sagt Finanzvorstand Christoph Jennen. Flaggschiff im Portfolio des Unternehmens ist das Spiel Metin 2, das in Europa von acht Millionen Menschen gespielt wird, die über das Internet miteinander verbunden sind. Metin 2 ist damit in Europa ähnlich populär wie der Pionier unter den Online-Spielen, World of Warcraft.

Während für ein klassisches Videospiel zuerst einmal in die Konsole und die Spiele investiert werden muss, haben die Online-Spielproduzenten die Einstiegshürde denkbar tief gelegt: „Das Spielen ist kostenlos. Wenn das Spiel gefällt, können die Nutzer selbst entscheiden, ob sie zum Beispiel zusätzliche Charaktere oder Zeitvorteile kaufen wollen. Und wie viel sie dafür ausgeben wollen“, sagt Jennen. Etwa 10 Prozent der Spieler geben Geld aus. Insgesamt beträgt das Marktvolumen für Online-Spiele nach Schätzungen von Pricewaterhouse-Coopers (PwC) in diesem Jahr rund 210 Millionen Euro in Deutschland. In vier Jahren könnte es schon 330 Millionen Euro sein.

„Zu viele Spiele-Apps, die der Markt nicht braucht“

Eine spannende Frage wird sein, ob Spiele-Apps für Geräte wie das iPhone oder das iPad den Etablierten gefährlich werden können. Bernd Fakesch, Deutschland-Chef von Nintendo, hat keine Angst vor den Apps. „Ich glaube nicht, dass die Spiele-Apps für iPad oder iPhone uns das Wasser abgraben werden. Es gibt zwar viele Spiele-Apps, aber die wenigsten Anbieter verdienen damit Geld. Natürlich geht jeder in einen neuen Markt rein, aber das muss sich auch irgendwann einmal rechnen. Es werden sich nur wenige Anbieter durchsetzen. Es gibt einfach zu viele Apps, die der Markt nicht braucht. Solange Nintendo es schafft, einzigartig zu bleiben und gute Familienunterhaltung bietet, mache ich mir keine Sorgen. Wir müssen einfach weiterhin Spiele auf den Markt bringen, die es rechtfertigen, eine eigene Hardware zu kaufen. Ich habe keine Angst vor dem iPhone. Wir haben nicht die Sorge, dass unser Markt wegbricht“, sagte Fakesch der FAZ..

Die Gamescom soll aber auch der Aufbruch ins 3D-Zeitalter der Spieleindustrie werden. Nintendo wird seine in die Jahre gekommene mobile Spielekonsole DS zur 3DS aufrüsten. Damit sollen Spiele in dreidimensionaler Darstellung ohne 3D-Brille möglich sein. „2011 wird die Nintendo 3DS schon in maßgeblichen Stückzahlen verkauft werden. Bis allerdings stationäre Konsolen und Fernseher auf 3D aufgerüstet sind, werden noch einige Jahre vergehen“, erwartet Coenen. Trotzdem werden 3D-Produktionen schon zu den Schwerpunkten der Messe in diesem Jahr gehören. Wie Crises 2 der Frankfurter Spieleschmiede Crytek, die 3D als Modell der Zukunft sieht. „Sofern die ersten erschwinglichen 3D-Fernseher erscheinen, wird jeder zugreifen – auch das Hardcore-Publikum. Ich denke nicht, dass alle Titel das 3D-Format unterstützen. Zukünftig werden aber immer mehr große Produktionen Gebrauch von der 3D-Technik machen“, hofft Cervat Yerli, der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens.

Die beiden großen Konsolenhersteller Sony und Microsoft werden ihre neuen Bewegungssteuerungen präsentieren: „Move“ heißt es bei Sony, „Kinect“ nennt Microsoft seine Möglichkeit, Spiele nur mit dem Körper und ganz ohne Controller in der Hand zu steuern. Beide Ansätze sind Weiterentwicklungen der kabellosen Steuerung, mit der Nintendos Spielekonsole Wii so erfolgreich die Gelegenheitsspieler angesprochen hat. Von September an wird Sonys Gerät im Handel sein; Kinect kommt wohl im November, um die weibliche und ältere Zielgruppe für sich zu gewinnen, die bisher eher selten zur Playstation 3 oder Xbox 360 gegriffen haben. Da die Wii in Deutschland in diesem Jahr sogar etwas häufiger verkauft wurde als im gleichen Vorjahreszeitraum, haben Sony und Microsoft weitere Marktanteile an Nintendo verloren und müssen sich daher etwas einfallen lassen, ihre aktuelle Konsolengenration aufzupeppen.
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2 Lesermeinungen

  1. Schade, dass der Autor noch...
    Schade, dass der Autor noch nie etwas von iPhone, iPod touch oder gar dem iPad gehört hat. Hätte er, wäre wohl ein anderer Artikel entstanden.

  2. Hallo Holger,

    ich weiss, ich...
    Hallo Holger,
    ich weiss, ich weiss – ich pick mir gerade den Snippet raus, der nicht „Artikel-Maincontentlike“ ist, aber denn ich dennoch anschneiden möchte. Eine Soziale Googe Plattform = das nächste Experiment ala „Google Buzz“? Für eErfolgsversprechend halte ich sowas nur dann, wenn auch wirklich innovationen zu erwarten sind. Aber welche sollen das sein? Ein Dislike Button? Die sozialen Netzwerke sind schon zu gross, als dass man Ihnen Konkurrenz in Ihrem Metier machen kann, es sei denn FB bekommt einen derben Dämpfer (z.b.des Datenschutzes wegen), der wie eine Epidemie grasiert. Aber ansonsten sehe ich da keinen Spielraum für Klonartiges.
    Gruß
    Phil

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