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Die Digitalisierung erfasst immer mehr Lebensbereiche. Wie sie sich auf Menschen und Märkte auswirkt, beleuchtet das Netzwirtschaft-Blog auf FAZ.NET.

Facebook Places – das "Wo-bin-ich-Internet"

| 5 Lesermeinungen

Der neue Dienst „Places" ermöglicht die Ortung der Facebook-Freunde. Damit könnten Empfehlungen von Freunden über Geschäfte, Sehenswürdigkeiten oder Restaurants. Allein wegen der Masse der Facebook-Nutzer könnte Places den ortsbezogenen Diensten zum Durchbruch helfen.

Die Nutzer des sozialen Netzwerkes Facebook können künftig ihren Freunden mitteilen, wo sie sich gerade aufhalten. Der neue Dienst „Places“ ortet den Nutzer über Satellitennavigation (GPS). Mit „Check In“ können die Nutzer dann ihren aktuellen Aufenthaltsort aus einer Vorschlagsliste umliegender öffentlicher Plätze wie Restaurants oder Geschäften auswählen oder einen neuen Platz anlegen. Vorerst funktioniert Places nur in den Vereinigten Staaten und nur auf bestimmten Smartphones wie dem iPhone. Wer seine Facebook-App auf dem iPhone aktualisiert, sieht die Funktion „Orte“ auch in Deutschland auf dem Bildschirm, kann sie aber noch nicht verwenden. Die Ausweitung für alle 500 Millionen Nutzer und für andere Geräte ist aber geplant.

Nach dem „Was-mache-ich-gerade-Internet“ kommt also jetzt das „Wo-bin-ich-Internet“. Auf den ersten Blick erleichtert die Funktion lediglich das Auffinden und Treffen mit Freunden, zum Beispiel in Innenstädten. Der zweite Blick ist spannender: Persönliche Empfehlungen von Freunden können nun helfen, den besten lokalen Händler oder den interessanten Ausflugsort zu finden. So wie Bewertungen anderer Internetnutzer schon heute viele Entscheidungen über eine Hotelbuchung oder die Wahl des passenden Fernsehers beeinflussen, können Empfehlungen der Facebook-Freunde künftig viele lokale Entscheidungen mitbestimmen. Für oder gegen ein Restaurant, für oder gegen ein Schuhgeschäft. Damit ist Facebook Places zwar nur ein weiterer Schritt, lokale Werbung ins Internet zu verlagern. Der Schritt könnte aber ein großer sein, da schon 150 Millionen Facebook-Nutzer die mobile Internetseite des sozialen Netzwerkes nutzen und das mobile Internet gerade seinen Durchbruch geschafft hat. 

Facebook reagiert mit Places auf die wachsende Popularität der ortsbezogenen Dienste wie Foursquare oder Gowalla, die mit der raschen Verbreitung des mobilen Internet schnell Freunde gefunden haben. Marktbeobachter sehen Facebooks Schritt als Durchbruch für die ortsbezogenen Dienste. Denn während bisherige Anbieter wie Foursquare nur wenige Millionen Nutzer gewonnen haben, bietet Facebook mit seinen rund 150 Millionen Anwendern, die das soziale Netzwerk von ihren Smartphones aus nutzen, aus dem Stand heraus eine weit größere Verbreitung. Zudem werden Smartphones immer populärer. In Deutschland besitzen rund 10 Millionen Menschen ein solches Gerät für den mobilen Internetzugang; in zwei Jahren wird sich die Zahl schon auf 20 Millionen verdoppelt haben, schätzt das Marktforschungsunternehmen TNS Infratest. „Das wird auch der Durchbruch für Location Based Services in Deutschland sein. Auf einen Schlag könnten nach unseren Schätzungen 2 Millionen deutsche Facebook-User, die das Netzwerk bereits mobil nutzen, für Facebook Places gewonnen werden. Und die Masse der User ist der entscheidende Erfolgsfaktor für Location Based Services. Zum Vergleich: Foursquare hat nach Schätzung der Webevangelisten derzeit nur 20.000 deutsche Nutzer“, sagt Ben Möhlenhoff von der Agentur Eprofessional in Hamburg. 

Facebook verbindet mit Places die Hoffnung, an Orten gezielt zu werben. Händler können dann zum Beispiel aktuelle Angebote nur an die Menschen richten, die sich in der Nähe aufhalten. Die Händler können auch eigene Profilseiten einrichten. Facebook Pages und Places können auch zusammengeführt werden. Dann können Unternehmen die Menschen „targeten“, die sich als Fan eines Ortes (also eines Unternehmens) geoutet haben. „Unternehmen mit Ladenpräsenz wie Einzelhändler oder auch Gastronomen könnten sich zukünftig viel besser auf Facebook präsentieren. Bislang war eine Brandpage eher sinnvoll für Marken und ortsunabhängige Unternehmen“, sagt Möhlenhoff. Facebook könnte mit dieser Funktion seine Werbeeinnahmen, die in diesem Jahr geschätzte 1,3 Milliarden Dollar betragen, deutlich ausweiten.

Places Advertisers

Mit Hilfe einer Schnittstelle können auch andere Unternehmen die ortsbezogenen Daten nutzen. Erste Partner sind die Pioniere wie Foursquare oder Gowalla, die aber keine exakten Aussagen machten, wie sie künftig mit Facebook zusammenarbeiten wollen. Viele Beobachter sehen in Facebooks Initiative auch schon das Ende der kleinen Wettbewerber. Facebook hatte Anfang des Jahres erfolglos versucht, Foursquare zu übernehmen.

Die Ortsangaben werden als Standardeinstellung nur den Freunden mitgeteilt. Wer von einem anderem Facebook-Nutzer mit eingecheckt werden kann, muss vorher zustimmen. Problematisch ist allerdings die Möglichkeit, auch nicht-öffentliche Plätze anzulegen. Wenn genügend Menschen sich zum Beispiel auf einer Party anmelden, erscheint der Ort als öffentlicher Platz. Der Veranstalter der Party kann den Ort zwar als bedenklich melden, doch bis der Ort von Facebook wieder entfernt ist, kann es dauern. (Zum Thema Datenschutz gibt es einen guten Beitrag bei Techcrunch).

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 HolgerSchmidt (Präsentationen) Bild zu: Facebook Places - das "Wo-bin-ich-Internet"

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5 Lesermeinungen

  1. Dem mobilen Internet gehört...
    Dem mobilen Internet gehört die Zukunft. Die Privatsphäre auch?
    Facebook bietet seinen Anwendern den neuen Service Facebook-Places, ohne echten Mehrwert. Es gibt schließlich viele Möglichkeiten seinen derzeigen Standot mitzuteilen.
    Es geht Facebook hier allein um gezielte Werbung. Durchaus legitim, ehrlicherweise sollte dem Nutzer gesagt werden worauf er sich einläßt. Das ist von Facebook aber nicht zu erwarten.

  2. Places hin oder her, ich werde...
    Places hin oder her, ich werde irgendwie das Gefühl nicht los, dass Facebook inzwischen mehr Leuten Angst als Freude macht.

  3. All diese LBS (Location Based...
    All diese LBS (Location Based Services) speichern alle Daten in Logfiles. Wo man war, ist, mit wem man in Kontakt ist, wem man schreibt und in Zukunft wie man bezahlt, was man kauft und wo. Apple plant eine Integration eines Kreditkarten – Bezahlsystem in iPhones, zusammen mit LBS die lückenlose Analyse eines menschlichen Profils. Geheimdienste, Werbekunden, Staatsgewalt und viele Provider werden sich über diese Ware – sprich Datenprofile – freuen. Es wird einen schwungvollen Handel damit geben, so wie jetzt bereits Steuersünder CDs an den Staat verkauft werden, werden Profile ganzer Regionen in Zukunft verhökert. Ob wohl ich ja der Internet-Werbung zugewandt dastehe, sehe ich hier Handlungsbedarf für viel mehr Datenschutz. Viele Junge Leute (Hauptnutzer) wissen nicht, wie leicht sich später ihre Profile für sie negativ auswirken können. Sogar schon durch Zufall.

  4. Endlich einmal eine...
    Endlich einmal eine interessante Werbemöglichkeit, weg von der Inhaltediskussion hin zu lokalisierbaren Werbeangeboten…

  5. Mal abgesehen davon, dass der...
    Mal abgesehen davon, dass der Datenschutz scheinbar nicht allzugroß geschrieben wird…viele Leute denken, sie müssten sich der Welt mitteilen. Schön und gut, aber die wenigsten Jugendlichen denken dabei an ihre Zukunft. Der nächste Arbeitgeber schaut sich nicht nur bei Google um…

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