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PayPal: "80 bis 90 Prozent bleiben den Verlagen"

| 4 Lesermeinungen

Die Erfolgsaussichten der Paid-Content-Strategien vieler Inhalteanbieter hängen nicht unwesentlich von der Existenz eines einfachen, breit akzeptierten Online-Zahlverfahrens für Kleinstbeträge ab. Den bisher erfolgversprechendsten Versuch, ein solches System aufzubauen, hat jetzt der Zahlungsdienstleister PayPal gestartet

Bild zu: PayPal: "80 bis 90 Prozent bleiben den Verlagen"Die Erfolgsaussichten der Paid-Content-Strategien vieler Inhalteanbieter hängen nicht unwesentlich von der Existenz eines einfachen, breit akzeptierten Online-Zahlverfahrens für Kleinstbeträge ab. Den bisher erfolgversprechendsten Versuch, ein solches System aufzubauen, hat jetzt der Zahlungsdienstleister PayPal gestartet. „Digitale Inhalte sind eine große Chance für Paypal. Wir arbeiten auch mit Verlegern am Aufbau eines Online-Zahlungssystems. Wir werden in den kommenden drei, sechs oder zwölf Monaten viele Innovationen auf diesem Feld sehen“, sagte der Ebay-Vorstandsvorsitzende John Donahoe der FAZ im Mai. Gregor Bieler (Foto), der Deutschland-Chef von Paypal, erklärt die Details zum Start des Systems.

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Mikropayment, also das Bezahlen von Kleinstbeträgen im Internet, hat bisher im Internet nicht wirklich gut funktioniert, weil die Transaktionskosten bei den geringen Beträgen zu hoch waren. Jetzt startet PayPal den nächsten Anlauf. Was machen Sie besser als andere?

Bieler: Für die Konsumenten muss es möglich sein, auch ohne das Herausziehen der Kreditkarte oder der Suche nach Pin- und Tan-Nummern sicher und einfach zu bezahlen. Und für die Anbieter soll sich der Verkauf der Inhalte lohnen. Bezahlinhalte sollen die Anbieter und nicht die Kreditkartenunternehmen reich machen.

Wie einfach muss die Bezahlung werden, damit sie akzeptiert und genutzt wird?

Bieler: Die Einfachheit ist tatsächlich der Schlüssel. PayPal soll das Online-Äquivalent zum Münzeinwurf werden. Mit einem Klick muss bezahlt werden können. Wir haben die passenden Produkte dafür gebaut: Wahlweise mit einem, zwei oder drei Klicks kann bezahlt werden. Interessanterweise wollen die Konsumenten die Ein-Klick-Zahlung gar nicht, weil es als unsicher empfunden wird. Es wird also auf eine Zwei-Klick-Zahlung hinauslaufen, die die meisten Anbieter einsetzen werden.

Wann kommen die ersten Verlage damit auf den Markt?

Bieler: Wir befinden uns in Gesprächen mit allen großen Inhalteanbietern, darunter alle großen Verlage. Wir haben auch eine intensive Kooperation mit dem Zeitschriftenverlegerverband. Jeder wird wohl eine eigene Lösung bauen – aber auf Basis einer Ein-, Zwei- oder Drei-Klick-Zahlung. Wir sind bereit, aber das Umstellen der Geschäftsmodelle in den Verlagen dauert doch recht lange. Dort herrscht eine gewisse Zögerlichkeit, den Hebel umzulegen.

Wie viel bleibt den Verlagen, wenn sie zum Beispiel einen Artikel für einen Euro verkaufen?

Bieler: Das hängt vom Volumen der Transaktionen ab. Wir starten mit 10 Cent plus 10 Prozent der Transaktion – also gehen bei einem Euro Verkaufspreis 20 Cent an PayPal. Ist das Volumen höher, kann der PayPal-Anteil auf 5 Cent plus 5 Prozent sinken. Für den Verlag bleiben dann 80 bis 90 Prozent des Verkaufspreises von einem Euro. Das empfinde ich als faire Lösung, wenn man sich anschaut, was Apple von den App-Umsätzen einbehält. Ich fände es schön, wenn jetzt mal ein Verlag damit anfängt, damit man zeigen kann, wie es funktioniert.

Google hat den Markt auch entdeckt. Ein ernsthafter Konkurrent?

Bieler: Googles Zahlsystem Checkout gibt es schon einige Jahre und hat bisher noch nicht einmal ein Prozent Marktanteil global erreicht. Das nutzt keiner. Für den Zahlungsverkehr im Internet braucht man eine große Organisation, vor allem für das Risikomanagement. Bei PayPal arbeiten alleine 3500 Leute im Risikomanagement, die sich jede Transaktion anschauen, die über unsere Systeme laufen. 95 Prozent der Transaktionen läuft unbeanstandet durch, aber 3 bis 5 Prozent der Transaktionen schauen wir uns manuell an. Man ist erstaunt, welche unlauteren Versuche man dabei entdeckt. Diese Transaktionen müssen wir unterbinden. Solch ein System lässt sich nicht über Nacht etablieren. Wenn Google in den Markt gehen sollte, würde das Unternehmen sehr hohe Verluste erzielen. (-> Google und Apple wollen sich in Online-Zahlungsmarkt einkaufen)

Was ist mit iTunes?

Bieler: Wir sind nicht auf iTunes vertreten, weil wir damit kein Geld verdienen können. Apple will zu viel Geld für sich. PayPal hat die Entscheidung getroffen, keine Märkte zu kaufen.

Wie groß ist der Markt für Mikropayments?

Bieler: Groß, denn es gibt gleich fünf Bereiche, die gut funktionierende Zahlungssysteme im Internet brauchen. Zum einen die Inhalteproduzenten wie die Printmedien, die ihre Artikel im Web verkaufen wollen, aber auch die Anbieter digitaler Güter wie Spiele oder Software. Der dritte große Bereich ist das Social Gaming. Wenn man an Spiele wie Farmville oder Mafiawars denkt: Dort kaufen sich die Menschen Traktoren, Energie oder Bauernhäuser und geben dafür unglaublich viel Geld aus. Das ist der schnellstwachsende Bereich im Netz. Der vierte Bereich ist das sogenannte In-Game-Payment, das eher die Anbieter der Spielekonsolen wie Sony, Microsoft oder Nintendo angeht. Für die Spiele der Zukunft werden die Kunden wahrscheinlich nicht mehr wie heute 50 oder 60 Euro für die DVD im Laden ausgeben, sondern nur noch 10 oder 20 Euro. Während des Spielens können dann Zusatzfunktionen dazugekauft werden, wenn ein neues Spielelevel erreicht wird. Der fünfte Bereich heißt ganz einfach Facebook. Facebook hat das Projekt einer eigenen Währung zurückgestellt und PayPal als Partner genommen. Wir wickeln die Zahlungen auf Facebook ab.

Wie viele Kunden hat PayPal inzwischen? Wie entwickelt sich die Nutzerzahl?

Bieler: In Deutschland melden sich jeden Monat 500 000 neue Kunden an. Wir haben jetzt 15 Millionen Kundenkonten in Deutschland und werden in spätestens zwei Jahren die 20-Millionen-Marke überschreiten. Ungefähr die Hälfte der Menschen, die in Deutschland im Internet einkauft, hat ein PayPal-Konto.

Wir sehr ist das Bezahlen mit dem Handy noch Versuchslabor, und wie viel ist Realität?

Bieler: Wir werden im Januar den „Mobile Express Checkout“ präsentieren. Dann können die Nutzer mit den gängigen Smartphones wie iPhone oder Android bezahlen. Auf Ebay machen die mobilen Transaktionen in diesem Jahr schon 1,5 Milliarden Dollar aus.

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4 Lesermeinungen

  1. dann ist es doch hier bestens...
    dann ist es doch hier bestens aufgehoben, es bleibt alles in der Familie

  2. Toller Artikel und eine klare...
    Toller Artikel und eine klare Erkenntnis was der Markt benötigt. Mich würde nur noch interessieren wann PayPal Bank-Produkte anbietet? Zum Beispiel Kredite, Sparkonten etc.? Ist PayPal eine Bank und wenn nicht welche stehen dahinter? Wenn man das Vertrauen der Kundschaft in Bezug auf Zahlungen von Internet-Transaktionen hat, warum soll man dann keine weiteren Dienstleistungen anbieten, die das gleiche Vertrauen benötigen? Sicherlich ist es in Zukunft interessant die potentiellen Konkurrenten von PayPal und ihre Entwicklung / Chancen zu beobachten. Vielleicht hier auf FAZ-Net?

  3. Im Vergleich zu Apple sind 80...
    Im Vergleich zu Apple sind 80 bis 90% vielleicht viel, allerdings macht Apple auch im Appstore mehr als nur Zahlungen abzuwickeln … Für den Verkauf von Programmen dürfte Apples Modell (für das auf dem iPhone eh keine Alternative gibt) günstiger sein als 80% an Paypal abzudrücken.
    Wenn ich Apple wäre, hätte ich eh schon die 70% für In-App-Käufe auf 80% erhöht und dann könnte Paypal direkt wieder nach Hause gehen. Allerdings muss man auch sehen, dass Apple keine Firma für ein solches Low-Margin-Geschäft wie Online-Payment ist …

  4. Von irgendwas muss die EZB ja...
    Von irgendwas muss die EZB ja ihren Angelsteg (Anlege …) finanzieren.

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