Netzwirtschaft

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Die Digitalisierung erfasst immer mehr Lebensbereiche. Wie sie sich auf Menschen und Märkte auswirkt, beleuchtet das Netzwirtschaft-Blog auf FAZ.NET.

Deutsche Unternehmen fallen im Internet zurück

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Rund drei Viertel der Deutschen nutzen das Internet. Doch unter den beliebtesten zehn Seiten sind acht Angebote aus Amerika. Social Media und das mobile Internet bieten den deutschen Unternehmen nun die zweite Chance.

Bild zu: Deutsche Unternehmen fallen im Internet zurückDie deutschen Unternehmen fallen im deutschen Internet zurück. Die Übermacht der Amerikaner zeigt sich in der Liste der meistbesuchten Seiten. Die Amerikaner belegen inzwischen die ersten acht Ränge und erst auf den Plätzen neun und zehn tauchen mit dem Portal T-Online und dem Fernsehsender RTL die ersten beiden deutschen Seiten auf. Noch schlechter sieht die Lage nach einem Blick auf die Wachstumsraten aus: Während Facebook, Google, Youtube oder Amazon ihre Besucherzahlen im Vergleich zum Vorjahr kräftig gesteigert haben, können die beiden deutschen Vertreter nicht mehr zulegen, wie die Nielsen-Statistik zeigt.

Im Online-Werbemarkt dominiert Google mit einem Anteil von etwa 60 Prozent an den gesamten Werbeeinnahmen. Im E-Commerce bestimmen Amazon und Ebay das Geschehen im Online-Handel, in dem mit Otto nur ein deutsches Unternehmen auf diesem Niveau mitspielt. Auch in jungen Märkten geben die Amerikaner inzwischen den Ton an – entweder weil sie besser sind oder weil sie sich die deutschen Marktführer gekauft haben.

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Ein Beispiel für die erste Variante ist das soziale Netzwerk Facebook, das die deutschen Konkurrenten wie StudiVZ oder Wer-kennt-wen klar überflügelt hat. Es gibt aber auch genügend Beispiele für die Variante, sich den deutschen Marktführer einfach zu kaufen. Was Ebay mit der Samwer-Gründung Alando schon früh praktiziert hat, ist mit dem Automarktplatz Mobile und jüngst mit dem Shopping-Club Brands4Friends nochmals geglückt. Der Gutscheindienst Groupon hat den deutschen Klon Citydeal und damit aus dem Stand die Marktführerschaft hierzulande übernommen.

Vor allem Portale wie T-Online gelten als unbewegliche Dinosaurier im Web, deren Anteil an der Internetzeit der Menschen stetig sinkt. Nach einer Berechnung des Marktforschungsunternehmens Comscore ist die Internetzeit auf den Portalseiten im vergangenen Jahr in Europa um 18 Prozent gefallen, während soziale Netzwerke 38 Prozent zugelegt haben.

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10 Lesermeinungen

  1. Hier zeigt sich der...
    Hier zeigt sich der Unterschied der Wesensarten der verschiedenen Kontinente ungemein. US-Amerikaner streben vorwärts um das Machbare zu machen. In Deutschland und Europa streitet man sich darüber wie man was macht, was nicht machbar ist. Irgendwie ist die Wesensart in Europa und speziell Deutschland „gegeneinander“ gerichtet und oft nicht zielführend. Ich wundere mich immer wieso Deutsche, gemeinsam nicht mehr an einem Strang ziehen können. In anderen Ländern ist der Zusammenhalt von Nationalitäten viel grösser. Das wirkt sich hier aber auch in anderen Bereichen massiv aus und schlägt sich dann in solchen Zahlen wieder. Schade eigentlich, denn das Potential für Deutschland wäre sehr gross. So lange aber, die die Kapital haben und einsetzen wollen, nicht mit denen die was „machen“ wollen zusammen arbeiten – kann nichts vorwärts gehen. In Deutschland wollen alle nur billige „Praktikanten“ haben und es herrscht eine „Jeder-gegen-Jeden“ Mentalität. In den USA suchen sie eher Partner die Risiko mit übernehmen und dann auch eine andere Motivation haben – auf möglichst gleicher Augenhöhe.

  2. @Gordian Hense
    Das kann man...

    @Gordian Hense
    Das kann man wohl so stehen lassen – DITO!

  3. Vielen Dank für das...
    Vielen Dank für das interessante Doku…

  4. Danke für die...
    Danke für die Informationen!
    @Gordian
    Ich stimme zu, dass Social Media in Deutschland anders funktioniert. Auch beim Potential stimme ich zu. Die Uni-Absolventen lernen Theorien, die total veraltet sind – das Potential ist also da. Der Rest zeugt von Resignation.
    Da muss ich mich als Berater an die Arbeit machen und nach den passenden Lösungen suchen. Denn eines ist klar: Die Amerikanische Begeisterung für neue Themen lockt in Deutschland keinen hinter dem Ofen hervor. Das muss Biss haben wie ein Mehrkornbrot!
    Viel Erfolg wünsche ich Dir!

  5. Das stimmt. Nach 10 Jahren in...
    Das stimmt. Nach 10 Jahren in der deutschen Internetwirtschaft kann ich dafür nur einen Grund nennen: Geschäftsmodelle, die auf Free-Services wie Google und Facebook basieren, werden in Deutschland nicht finanziert.
    Amazon und Co haben bis zu 90% Marketingausgaben gehabt – das lehnen die deutschen Finanzierer und ihre Berater, die FH-Professoren, völlig ab.
    T-Online wiederum baut nur auf syndicated Content und lehnt jedes Social Web ab.
    Die Mischung von Software und Free-Services macht’s – sie kommt aber nie in eine Finanzierung, da eben alles ohne Marketing laufen soll.
    Auch eine Huffington Post könnte in Deutschland laufen – aber deutsche Redakteure lehnen Schreiber von außen konsequent und meistens erfolgreich ab.
    Ich werde trotzdem nicht verraten, wo selbst in Deutschland neue Trends gemacht werden. Ohne VC und FH.

  6. In den USA ist es die offene...
    In den USA ist es die offene Art und Weise zu netzwerken. So wie bereits beschrieben, offen für Neues zu sein und nicht hinter jedem einen Mitwettbewerber zu sehen oder zu denken – könnte ich besser machen.
    Und wenn doch, dann ist es auch nicht weiter schlimm. Denn es führt eher zu weiteren Innovationen bzw. Kooperationen. Man muss garnicht so weit über den Teich schauen, um Trends zu entdecken. Gerade aus England werden immer wieder interessante Ansätze gemeldet. Das nur mal grundsätzlich.
    Ich bezweifle aber, dass lt. der o.g. Zahlen Facebook und T-Online vergleichbar sind. Besucherzahlen? Eine Community spiegelt die Grundbedürfnisse des Menschen wieder, so meine Auffassung. Austauschen mit Leuten die man kennt, gleiche Interessen haben oder andere Meinungen vertreten. Deswegen auch Social-Community. Bei T-Online geht es doch vorrangig um das Angebot von Hintergundinformationen, Nachrichten oder Produkten.
    Es ist wichtig nicht einfach nach Kennzahlen zu suchen die vergleichbar sind. Sondern im Vorfeld nach dem Ziel eines Onlineangebotes zu schauen, um danach eine Vergleichbarkeit herzustellen.

  7. Ich will zwar nicht unnötig...
    Ich will zwar nicht unnötig simplifizieren, aber das liegt sicher stark am vorherrschenden Verständnis von Datenschutz (die dt. Datenschutzkommission schiebt hier zT unnötig einen Riegel vor) sowie auch am stark divergierenden Verhältnis zur durch Social Media hervorgerufenen Transparenz (die einen halten sie für gut und viele sind strikt dagegen, obwohl sie gar nicht wissen warum).

  8. Das Problem in Deutschland ist...
    Das Problem in Deutschland ist ein Mentalitätsproblem, man sucht nur die schnelle Mark anstelle von vorhanden Potential und Wachstum zu sprechen.
    Ausserdem ist die Ausrichtung oft nur auf den lokalen Markt gerichtet udn vieles oft nur vom Ausland den USA kopiert, als eigene neue Wege zu gehen und so kann es ja auch nicht gehen und schon gar nicht klappen.

  9. Es ist mittlerweile zum...
    Es ist mittlerweile zum Volkssport geworden, dass von international erfolgreichen Seiten schnell eine Kopie erstellt wird, um zumindest mit dem Clone national zum Marktführer zu werden – mit dem Hintergrund irgendwann vom Weltmarktführer aufgekauft zu werden. Das nenne ich einfallsloses Geschäftsmodell.

  10. <p>naaja, onlinebuchhändler...
    naaja, onlinebuchhändler und soziale netzwerke wurden ja auch in deutschland gegründet, nicht wahr? aber in netzökonomien gab es schon immer tendenzen, daß nur der größte übrigbleibt bzw den hauptteil des gewinnes absahnt und die usa als größter einheitlicher binnenmarkt der welt hat immer gute chancen einen solchen bigplayer und firstmover hervorzubringen – es gibt ja auch keinen deutschen konkurrenten zu microsoft windows…insofern ist das gered‘, wie dumm die deutschen sind, überflüssig wie ein kropf

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