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Die Digitalisierung erfasst immer mehr Lebensbereiche. Wie sie sich auf Menschen und Märkte auswirkt, beleuchtet das Netzwirtschaft-Blog auf FAZ.NET.

Online-Suche 2:0: Watson war erst der Anfang

| 10 Lesermeinungen

„Wir versuchen uns von Antworten, die auf Links basieren, zu Antworten zu bewegen, die auf Algorithmen basieren, so dass wir die richtige Antwort geben können. Wir haben nun genügend künstliche Intelligenz und genügend Größe, um die richtige Antwort zu berechnen", sagte der Google-Verwaltungsratschef Eric Schmidt. Je größer die Datenbestände in den Google-Rechenzentren werden, desto mehr Antworten lassen sich mit einer intelligenten Verknüpfung der Daten errechnen. Um gute Daten zu bekommen, setzen die Suchmaschinen auf Schema.org und die Mithilfe der Inhalteanbieter.

Google liefert in seiner Suchmaschine nur Links auf andere Internetseiten? Das war einmal. Google liefert inzwischen auch Antworten. Wer zum Beispiel „Wetter Hamburg“ eingibt, bekommt von Google direkt einen aktuellen Wetterbericht geliefert. Auch Aktienkurse, Sportergebnisse, Flugdaten oder das Kinoprogramm kommen inzwischen direkt von Google – was die Klicks auf die Suchergebnisse der anderen Anbieter einbrechen lässt. Geht es nach Google, sind diese einfachen Datenbankabfragen aber erst der Anfang. „Wir versuchen uns von Antworten, die auf Links basieren, zu Antworten zu bewegen, die auf Algorithmen basieren, so dass wir die richtige Antwort geben können. Wir haben nun genügend künstliche Intelligenz und genügend Größe, um die richtige Antwort zu berechnen“, sagte der Google-Verwaltungsratschef Eric Schmidt jüngst auf einer Internet-Konferenz. Je größer die Datenbestände in den Google-Rechenzentren werden, desto mehr Antworten lassen sich mit einer intelligenten Verknüpfung der Daten errechnen. Und wenn die eigenen Informationen mal nicht reichen, kauft Google sie eben. Wie die Reiseseite ITA für 700 Millionen Dollar, die in ihrer Datenbank fast alle Flugverbindungen gesammelt hat. Dank dieser Daten zeigt Google auf die Suchanfrage „Flüge von Frankfurt nach Berlin“ nun einen kompletten Flugplan und die beiden anbietenden Fluggesellschaften Lufthansa und Air Berlin. Der Schritt zu Preisvergleichen ist nicht mehr groß und von dort ist der Weg zur direkten Buchung ebenfalls nicht weit.

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Doch selbst Google kann nicht alle fehlenden Informationen einfach kaufen. Bevor aus der Suchmaschine eine Antwortmaschine werden kann, müssen die Informationen, die Google auf den Internetseiten findet, dort besser ausgezeichnet werden. Dem Wort  „Casablanca“ sollte zum Beispiel im Hintergrund die Information mitgegeben werden, ob es sich um die Stadt oder den Film handelt. Das sollen die Betreiber der Seiten nun selber tun. Dafür hat Google gemeinsam mit den Konkurrenten Microsoft und Yahoo die Initiative „Schema.org“ ins Leben gerufen. Darin haben die Suchmaschinen mehr als 100 Kategorien definiert, die Webseiten-Betreiber künftig mitliefern sollen, zum Beispiel ob es sich um eine Person, eine Organisation, einen Ort oder ein Ereignis handelt. Das wäre ein Schritt in das semantische Internet, das Inhalte nicht nur erkennt, sondern auch versteht. Dann wäre Google in der Lage, nicht nur Suchbegriffe zu finden, sondern auch Fragen zu beantworten – ähnlich wie es der IBM-Supercomputer Watson in der amerikanischen Quizshow Jeopardy demonstriert hat. Diese „Suche ohne Links“ eignet sich vor allem für die Smartphones, auf deren Bildschirmen kein Platz für lange Trefferlisten ist.

Online-Shops übermitteln solche Daten heute schon an die Suchmaschinen, damit ihre Produkte besser in den Suchtreffern auftauchen. Unter den Inhalteanbietern ist der Vorstoß der Suchmaschinen aber weniger beliebt. Denn wenn die Suchmaschinen gleich die Antworten (und nicht nur Links) liefern, werden immer weniger Nutzer nach der Suche noch auf andere Internetseiten klicken, um die Originalquelle anzusehen. „Gerade für Journalismus-Seiten könnte Schema.org gefährlich werden, wenn die Suchmaschinen aus den maschinenlesbaren Daten Wissen generieren können, das nicht mehr vom Urheberrecht geschützt ist“, sagt Alexander Siebert vom Berliner Unternehmen Retresco das sich auf die semantische Aufbereitung großer Datenmengen spezialisiert hat.  Aber wie so oft im Internet befinden sich die Medienunternehmen in einem Dilemma: Wen ein einzelnes Unternehmen mitmacht, verbessert es seine Situation, da es wahrscheinlich besser in der Suchergebnissen auftaucht und entsprechend mehr Besucher bekommt. Genau diese Reaktion erwartet Siebert: „Sobald die Verlage mitbekommen, dass man mit Schema.org oben im Google-Ranking landet, werden alle mitmachen“, lautet seine Prognose. Machen aber alle Unternehmen mit, bekommen die Suchmaschinen mehr Daten, um direkt die Antworten zu liefern. Also versuchen einige Medienunternehmen, ihre Konkurrenten zu überzeugen, dass keiner dabei mitmacht. Und der beste Weg dorthin führt nicht über Appelle, sondern über eine eigene Lösung. Die heißt rNews, wurde vom International Press Telecommunications Council (IPTC) entwickelt und wird aktuell von Medienunternehmen wie der New York Times, AP und Getty Images angepriesen. Das Prinzip ist ähnlich: Namen, Orten oder Zeiten werden in den Dokumenten festgelegt. „Potential können alle wichtigen Nachrichtenanbieter auf der Welt ihre Nachrichten mit Metadaten anreichern. Die Nachrichten werden somit nutzbar und können – als Teil von Semantischen Web-Applikationen – leicht mit anderen Daten verknüpft werden. In kurzer Zeit könnten Nachrichten Teil des semantischen Web werden mit der Besonderheit, extrem dynamische Daten zu haben, die täglich aktualisiert werden“, jubelte Ivan Herman, der im World Wide Web Consortium (W3C) für die Entwicklung des semantischen Web verantwortlich ist.

Allerdings laufen die aktuellen Strategien vieler Verlage in die andere Richtung. Sie planen Zahlschranken vor ihren Inhalten, um direkt Geld mit dem Verkauf verdienen zu können. Das wäre dann das genaue Gegenteil von der perfekten Aufbereitung für eine möglichst weitgehende Nutzung im Web. 

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10 Lesermeinungen

  1. <p>Läuft noch immer alles auf...
    Läuft noch immer alles auf eine Prognose hinaus, die ich privat schon vor 5 Jahren stellte: Echte Qualitätsmedien werden sich ihre Inhalte bezahlen lassen (können) – FAZ, ECONOMIST et al. 08/15 Medien (WAZ, Rheinische Pest etc.) werden verschwinden, weil sie keine zahlenden Kunden mehr finden. Ob sie bei schema.org mitmachen oder nicht. Und die blinden google Jünger werden über durch Algorithmen vorgefertigte Antworten (was Eric Schmidt so für eine Antwort hält) und die Filterfunktionen der Suchmaschinen zunehmend nur noch finden, was in das Schema ihrer Vorurteile passt – wobei das immer noch besser sein kann, als die Lektüre von BLÖD, also nicht per se schädlich für die Meinungsbildung sein muss. Und da diejenigen, die Informationen und selbst denken wollen, schon immer eine kleine radikale Minderheit waren, ist die Nachricht nur für die Beschäftigten und Eigentümer von 08/15 Medien schlecht, ein echter Verlust ist das nicht.
    Gruss,
    Thorsten Haupts

  2. <p>Hui... das wär ja ein...
    Hui… das wär ja ein grauen wenn google plötzlich alle Fragen zur Antwort hätte. Klar muss sich die Suchmaschine weiterentwickeln, das hat google ja auch mit den letzten Updates (Panda, Mayday) sehr gut hinbekommen. Dennoch denke ich der heilige Krall wird in Zukunft sein innovative Produkte (siehe Facebook) zu etablieren die die Internetwelt braucht…

  3. <p>Meiner Meinung nach muss...
    Meiner Meinung nach muss Google nicht immer die Daten selbt vorrätig haben. Wenn man z.B. „Pizza“ und einen „Ortsnamen“ im Google-Suchfenster eingibt, dann spuckt Google eine Liste mit Pizzerien inklusive einer Bewertung aus, ob diese gut oder schlecht sind. Die Bewertungsergebnisse zieht sich Google von qype.com oder pizza.de

  4. <p>Anmerken möchte ich noch,...
    Anmerken möchte ich noch, dass das Web nicht lediglich aus Google besteht – leider ist für die meisten Mitbürger das Web und Big G das Selbe. -> Ein Monopolist macht sich die Welt, wie sie ihm gefällt.

  5. <p>Sehr lesensweter Artikel,...
    Sehr lesensweter Artikel, danke dafür …

  6. <p>Das mit dem Beispiel...
    Das mit dem Beispiel „Flüge von Frankfurt nach Berlin“ habe ich jetzt nicht ganz nachvollziehen können – wurde das evtl. von Google schon wieder geändert? Möglicherweise war das nur ein Test oder hing mit den persönlich angepassten Sucheinstellungen zusammen…

  7. <p>Leider stecken wir...
    Leider stecken wir Content-Lieferanten dabei in einer Zwickmühle. Damit man bei Google eine Chance auf die sonnigen Plätze hat, optimieren wir unseren Content immer mehr extra für Google. Diese Informationen verhelfen Google hingegen, die eigenen Dienste zu pushen. Wenn wir also ein besonders günstiges Flugangebot haben, kann man davon ausgehen, dass ITA die eigenen Seiten damit füttert. Auch wenn die Preise vielleicht (noch) nicht in das Suchergebnis eingehen – die Software von ITA wird nun mal auch von Mitbewerbern genutzt. So wird im Falle ITA den Flugpreisportalen das Wasser abgegraben – mit eigener Unterstützung. Leider gibt es derzeit keinen Ausweg aus diesem Dilemma, außer wieder vermehrt auf Alternativen zu Google zu setzen.
    @Alex: Schau Dir dieses Suchergebnis mal an. An erster Stelle nach den farbig hinterlegten Anzeigen findest Du die Ergebnisse von Google/ITA:
    http://www.google.de/search
    Der Schritt, direkt aus Google eine Buchung durchzuführen ist nur noch ein winzig kleiner, denn die Technik hat Google ja mit ITA eingekauft. Wenn Google das durchzieht, werden viele Flugportale und damit der Wettbewerb sterben.

  8. <p>Sehr guter Artikel. Das...
    Sehr guter Artikel. Das Netz befindet sich immer mehr in Abhängigkeit von einigen Wenigen, so meine Auffassung. google = Internet ist heute bereits im Empfinden der User gleichzusetzen. Meinungsbildende Nachrichten und Informationen sollten auf den Schultern Vieler liegen. Das sichert am Ende auch die Qualität dieser und liefert dem Einzelnen Anworten auf dessen Fragen. Wie diese Anworten technologisch generiert werden ist meiner Meinung nach dabei zweitrangig. Es wir allerdings erstrangig, wenn es wenige Anbieter gibt, die die sematische Suche beherrschen. Auch aufgrund der Marktvorherrschaft.

  9. Google kreiert meist nur...
    Google kreiert meist nur unnütze Scheinanworten, weil Google-Optimierer und Inserenten keinen für uns nützlichen Content produzieren, sondern nur Web-Spam, den Google dann klaut.
    Ich kann aber die Skepsis gegen die Verlagsangebote nicht teilen, wenn ich in unsere Referrer blicke:
    heise.de 6.017
    spiegel.de 1.335
    standard.at 487
    google 92

  10. <p>Hi Alex,</p>
    <p>es ist...

    Hi Alex,
    es ist schön zu sehen, dass ihr von Google Traffic ziemlich unabhängig zu sein scheint – vergleichen lässt sich das aber mit Zeitungen nicht. Oft ist der Auslöser für eine Suchanfrage ein aktuelles Ereignis, sei es jetzt die Eurokrise oder ein Sportereignis. Dort ist google oft der erste Anlaufpunkt und den Besucher bekommt der, der bei Google oben steht. Egal, ob man sonst immer die TAZ, die FAZ oder den Spiegel gelesen hat.
    Ihr bewegt euch in einem sehr speziellen Feld und könnt (konntet) viele Besucher aus einem Artikel bei Heise genieren. Der Normalfall ist das aber nicht.

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