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Die Digitalisierung erfasst immer mehr Lebensbereiche. Wie sie sich auf Menschen und Märkte auswirkt, beleuchtet das Netzwirtschaft-Blog auf FAZ.NET.

Facebook macht Kontrolle der Inhalte leichter

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Facebook ändert viele Einstellmöglichkeiten, um die Privatsphäre seiner Nutzer besser zu schützen. Zum Beispiel können die Nutzer können bei jedem Status-Update angeben, wer diese Nachricht lesen soll. Damit macht Facebook eine Anleihe bei Google+.

Bild zu: Facebook macht Kontrolle der Inhalte leichter„Wir wollen verhindern, dass die Menschen überrascht sind, mit wem sie ihre Inhalte geteilt haben“, sagte Chris Cox (Foto), VP of Product und Nummer 4 bei Facebook, der FAZ als Begründung für eine Vielzahl von Änderungen der Privacy-Einstellungen. Die augenfälligste der vielen Neuerungen, die von Donnerstag an ausgerollt werden: Nicht versteckt in den Einstellungen, sondern jeweils direkt beim Verfassen des Status-Updates können die Nutzer künftig den Adressaten der Nachrichten auswählen, also zum Beispiel ihre Freunde, Geschäftspartner oder eben alle Nutzer. Statt „Alle“ heißt es nun „Öffentlich“, „weil viele Nutzer nicht wussten, ob damit alle Internet-Nutzer oder nur alle Facebook-Nutzer gemeint sind“, sagte Cox. Schon bald will Facebook auch das Anlegen dieser Gruppen erleichtern – was stark an die Circles erinnert, mit denen Google+ viele Punkte bei den Nutzern gesammelt hat. Eine Anleihe bei Google+ Circles will Cox aber nicht gemacht haben – „das ist ein komplett anderes Konzept“, sagte er. Nutzer können künftig auch nachträglich ändern, wer den Status Update sehen kann, also zum Beispiel nachträglich von „Öffentlich“ auf „Freunde“ stellen. Den Vorwurf, Facebook werde von vielen seiner 750 Millionen Nutzer nicht verstanden, will Cox aber nicht gelten lassen. „Wir haben kein massives Problem an dieser Stelle“. Mehr als die Hälfte der Mitglieder nutzen nach Angaben von Facebook die Einstellungen zur Privatsphäre, weichen somit vor den Voreinstellungen ab. Die enthält nämlich immer noch die Vorgabe, dass alle Inhalte „öffentlich“ sind.

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Eine weitere wesentliche Änderung: Orte können nun zu allen Inhalten hinzugefügt werden – ohne über die „Places“-Funktion gehen zu müssen, die damit faktisch aufgegeben wird. „Bisher können die Nutzer mit einem Klick auf „Places“ auf ihrem Smartphone ausdrücken, wo sie sich gerade aufhalten. Wir haben aber festgestellt, dass das Location-Konzept sehr viel breiter ist. Der Ort kann also Teil jedes Status-Updates sein und erscheint dann in meinem Newsfeed. Für Facebook besteht das Thema Location nicht nur aus Check-Ins. Es geht um das Mitteilen einer Geschichte oder einer Empfehlung und einer viel breiteren, strukturierten Unterhaltung als nur zu sagen: „Hier bin ich mit meinem GPS-Handy“, sagte Cox. 

Vielen Nutzern war auch ein Dorn im Auge, sind gegen Markierungen auf einem Foto erst nachträglich wehren zu können. Wird ein Nutzer nun in einem Foto markiert, wird er künftig vorab um Erlaubnis gefragt – und nicht erst nach dem Erscheinen des Fotos. Unerwünschte Markierungen sollen also vermieden werden, bevor sie auf Facebook zu sehen sind. Außerdem werden die Möglichkeiten zum Entfernen unerwünschter Markierungen erleichtert.

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Alle Details zu den Änderungen gibt es hier. Zum Datenschutz in Deutschland, den geplanten Akquisitionen und der Meldung von Marktforschern, die Facebook-Nutzung gehe zurück, wollte Cox sich nicht äußern. Nach einem Bericht des britischen Marktforschungsunternehmen Trendstream (siehe Präsentation) legen die Facebook-Nutzer seit zwei Jahren weniger Gruppen an und senden weniger Nachrichten. Vor allem in Deutschland gehe die Nutzungsintensität wegen der Datenschutzbedenken weiter zurück. Allerdings zeigen Zahlen des Marktforschungsunternehmens Comscore in die andere Richtung: Danach ist die Verweildauer aller Facebook-Nutzer im vergangenen Jahr um mehr als 300 Prozent gestiegen, weshalb die rund 22 Millionen Nutzer in Deutschland auf Facebook inzwischen mehr Zeit verbringen als auf Google-Seiten. 

Foto: Facebook

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10 Lesermeinungen

  1. Den Vorwurf, Facebook werde...
    Den Vorwurf, Facebook werde von vielen seiner 750 Nutzern nicht verstanden, will Cox aber nicht gelten lassen.

  2. Seit wann hat Facebook nur 750...
    Seit wann hat Facebook nur 750 Nutzer? Habe ich was verpasst? ;) Ich fande es sehr schön, wenn noch ein Millionen dazwischen kommt.
    Grüße
    tobiasblogt
    —–
    Blog: http://tobiasblogt.wordpress.com/

  3. @tobiasblogt: Jetzt aber nicht...
    @tobiasblogt: Jetzt aber nicht kleinlich werden ;-) Danke für den Hinweis.

  4. <p>Konkurrenzsituationen...
    Konkurrenzsituationen bringen uns immer schneller weiter, als Monopole. Da können wir Google+ schon mal dankbar sein, sie haben Reaktionen und mehr Transparenz bei Facebook provoziert, obwohl noch in Invite-Phase. Bin gespannt auf die nächsten Funktionen, die Facebook in Reaktion bringen wird (einseitige Beziehungen? Schwer vorstellbar).

  5. Tja, man muss solche Firmen-...
    Tja, man muss solche Firmen- (wie Politiker-) Äußerungen richtig lesen:
    „Wir haben kein massives Problem an dieser Stelle“ meint:
    „Wir haben ein sehr großes Problem an dieser Stelle“.
    Oder: Da ist ein Problem, das will man nicht zugeben. Also nimmt man ein besonders starkes Adjektiv, um das dann ruhigen Gewissens in Abrede stellen zu können.
    Kein Problem –> ein Problem –> großes Problem –> größtes Problem –> riesiges Problem –> immenses Problem –> massives Problem.

  6. Wow, ich bin überrascht! Ist...
    Wow, ich bin überrascht! Ist Facebook etwa doch lernfähig und agiert in Zukunft mehr im Sinne der User, was Privatsphäre und Datenschutz angeht? Ich finde es immer erstaunlich, wie noch Internet-Monopolisten plötzlich einlenken, weil ernstzunehmende Konkurrenz vor der Tür steht und man nicht mehr mit der Brechstange seine Features den Usern aufzwingen kann. Zur Abwechslung fragt man wie bei der Bildmarkierung auch mal um Erlaubnis. Wie sich die Zeiten ändern…

  7. <p>Datenschutz wird für...
    Datenschutz wird für Facebook in Zukunft eine der größten Herausforderungen sein … Das Unternehmen hat sich in der Vergangenheit ein paar Fehler zu viel erlaubt!
    Wenn es am Markt bestehen will, muss es sich entweder existierenden Gesetzen beugen oder diese zu eigenen Gunsten umschreiben.
    Vor ein paar Wochen hat Facebook für Deutschland die Stelle eines „Datenschutz-Lobbyisten“ ausgeschrieben … Einstellungsvoraussetzungen neben langer Erfahrung in diesem Bereich waren natürlich auch gute Verbindung zur deutschen Politik ;-)

  8. @Sam Steiner:

    Ich schließe...
    @Sam Steiner:
    Ich schließe mich der Meinung an. Ihne Google + wäre Facebook nie in „einer bessere“ Richtung gewandert.

  9. Ich habe auf meinem Blog ein...
    Ich habe auf meinem Blog ein kurzes Kommentar zum Thema abgegeben:
    http://tobiasblogt.wordpress.com/2011/08/24/kommentar-zur-anderung-der-privatsphare-einstellungen-in-facebook/

  10. Facebook und besserer...
    Facebook und besserer Datenschutz, das wird doch e wieder nix *gg*

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