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Amazons Browser Silk soll das mobile Internet auf Trab bringen

| 6 Lesermeinungen

Mit „Silk“ und einer Zwischenspeicherung von Inhalten in der Cloud sollen Internetseiten im mobilen Web künftig viel schneller angezeigt werden.

Amazon ist als weltgrößter Online-Händler bekannt. Amazon ist aber auch einer der führenden Anbieter für Cloud Computing, verfügt also über riesige Rechenzentren, in denen viele Unternehmen ihre Internetseiten speichern. „Elastic Cloud Computing“, kurz EC2, heißt die Datenwolke, mit der Amazon nun zum Überholen im mobilen Internet ansetzen will. Dafür hat das Unternehmen einen neuen Browser names Silk erfunden, der im Zusammenspiel mit der Cloud die Internetseiten viel schneller anzeigen soll als herkömmliche Browser. Damit sollen die beschränkten Rechenleistungen der mobilen Geräte und die zuweilen geringen Bandbreiten im mobilen Internet gleichermaßen überwunden werden.

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Amazon-Gründer Jeff Bezos präsentiert sein neues Tablet Kindle Fire (Foto: AP)

Der Silk-Browser wird erstmals auf dem neuen Amazon-TabletcomputerKindle Fire eingesetzt, der von November an für 199 Dollar in Amerika verkauft wird. Neben dem günstigen Preis soll der neue schnelle Browser die Kunden anlocken. „Browser sind in den vergangenen 15 oder 20 Jahren auf die selbe Weise gebaut worden, ohne neue Architektur-Ansätze“, sagt Jon Jenkins, der bei Amazon als Direktor Softwareentwickler für Silk verantwortlich ist. „Wir haben einen fundamental anderen Blick auf den Web-Browser geworfen; nämlich wie man einen Browser im Zeitalter des Cloud-Computings baut“, sagte Jenkins.

Denn Silk ruft die Internetseiten nicht direkt ab, sondern greift auf die zwischengespeicherten Versionen dieser Seiten zu, die in der Amazon-Cloud zum Abruf bereit stehen. Dort wird der Großteil der nötigen Rechenarbeit zur Darstellung der Seiten erledigt. Anschließend werden die Daten noch komprimiert, so dass der Transfer der Dateien auf den Kindle Fire weniger Bandbreite benötigt und entsprechend schneller gehen soll. „Statt einer 3 Megabit Bilddatei im Jpg-Format übertragen wir nur eine Datei mit 50 Kilobit“, sagte Peter Vosshall, Softwareingenieur bei Amazon. Das entspricht einer Reduktion der übertragenen Datenmenge zwischen Cloud und Tablet um den Faktor 60.

Zudem will Amazon aus dem Nutzerverhalten lernen und Seiten, die besonders häufig aufgerufen werden, schon im Hintergrund laden. Surfen viele Leser der New York Times von der Startseite besonders häufig ins Wirtschaftsressort, wird diese Seite also schon einmal versorglich für den Abruf vorbereitet, lautet ein Beispiel von Amazon.

„Ein typischer Browser basiert auf den Designs aus der Mitte der neunziger Jahre. Damals war das Web aber viel einfacher und es gab noch nicht die mobilen Geräte, wie wir sie heute kennen“, sagte Peter Vosshall, Softwareingenieur bei Amazon. Mit dem neuen Browser, der die Aufgaben zwischen dem Tabletcomputer und der Cloud aufteilt, ändere man nun das Spiel, meint Vosshall.

Nun wird im Internet auch heute schon häufig mit sogenannten Proxy-Servern gearbeitet, die Seiten lokal zwischenspeichern, um einen schnellen Zugriff zu ermöglichen. Der Amazon-Ansatz spielt aber erstmals die Größenvorteile des Cloud-Computings aus, faktisch alle populären Seiten in seinen Rechenzentren vorzuhalten. Denn die Rechenzentren sind mit extrem schnellen Leitungen mit dem Internet verknüpft und können so ständig ein Abbild des Webs speichern.

Allerdings ist in der Technik-Welt auch schon einige Kritik laut geworden. „Der Silk-Browser hat das Potential, das mobile Web dramatisch zu verbessern – aber sein Design birgt aber auch zwei Probleme in sich“, schreibt Stephan Shankland vom Branchendienst Cnet. Problem Nummer Eins: Der Browser sei entwickelt worden, weil der Kindle Fire nicht über ausreichend Rechenkraft verfüge. Neue, populäre Web-Applikationen wie das Spiel Angrybirds benötigen allerdings ausreichend Rechenkraft auf dem Gerät, damit sie funktionieren. Solche Apps seien mit der Silk-Architektur nicht vereinbar, kritisiert Shankland. Das zweite Problem sei der Datenschutz. Amazon als „Mann in der Mitte“ könne nun genau mitverfolgen, welche Menschen welche Internetseiten anschauen. Diese Informationen will Amazon nach eigenen Angaben nach 30 Tagen löschen, doch das Unternehmen erfährt zum Beispiel genau, nach welchen Produkten ein Nutzer sucht. Diese Informationen können auch für maßgeschneiderte Angebote genutzt werden, denn Amazon ist ja auch der weltgrößte Online-Händler. Amazon will die Daten allerdings anonym speichern. „Die Nutzungsdaten werden anonym gesammelt und in einer aggregierten, Form gespeichert, die keinen Rückschluss auf die einzelnen Nutzer zulässt“, sagte ein Amazon-Sprecher.

Auf einen dritten Aspekt weist das Sicherheitsunternehmen Sophos hin: Eine gesicherte Verbindung, zum Beispiel zur Bank, werde in den Amazon-Rechenzentren durch eine andere Art der Verschlüsselung ersetzt. Streit um die Haftung im Fall eines Diebstahls beim Online-Banking könnten die Folge sein. Die Käufer des Fire können die neue Browser-Funktion auch komplett ausschalten. Die amerikanische Datenschutz-Organisation Electronic Frontier Foundation (EFF) hat schon angekündigt, den Silk-Browser genau beobachten zu wollen.

Auf dem Tabletmarkt könnte der Einstieg von Amazon deutlich schärferen Wettbewerb für das iPad von Apple bringen. Bisher haben die Konkurrenzprodukte von Samsung, HTC, Research in Motion oder Asus dem iPad nur etwa 30 Prozent des Marktes abnehmen können. Kindle Fire hat schon erste Preissenkungen ausgelöst und wird den Einstiegspreis für viele Tablets auf 200 Dollar senken. Da Apple voraussichtlich seiner Einstiegspreis von 500 Dollar beibehalten wird, könnte das untere Marktsegment, in dem sich vorwiegend Geräte mit dem Google-Betriebssystem Android tummeln, nun schnell wachsen. Allerdings schaut auch Google besorgt in Richtung Amazon. Denn das Unternehmen nutzt zwar das Android-System, ist aber nicht als Partner zu verstehen. Amazon hat seinen eigenen App-Store für Android-Apps und nutzt keinen Google-Browser. Inzwischen gibt es sogar Gerüchte, Amazon sei am Erwerb der HP-Tochtergesellschaft Palm interessiert, die das Betriebssystem WebOS entwickelt hat. Mit WebOS könnte Amazon sein eigenes Betriebssystem nach eigenen Wünschen anpassen und sich nach Belieben von der Android-Konkurrenz unterscheiden. Der Kauf des WebOS könnte für Amazon auch den Einstieg in den Smartphone-Markt bedeuten, um seine Vertriebsplattform für digitale Inhalte weiter auszubauen. Dann wäre Amazon eindeutig ein Konkurrenz für Google.

-> Apples iPad gegen den Rest der Welt

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6 Lesermeinungen

  1. So neu ist das alles nicht,...
    So neu ist das alles nicht, die Mobilversionen des Browsers Opera („Mobile“ und „Mini“) bieten schon längst eine serverseitige Komprimierung und Optimierung für mobile Endgeräte, wodurch Geschwindigkeit erhöht und benötigtes Datenvolumen verringert werden.

  2. Aus ebay wird google
    .
    Ebay...

    Aus ebay wird google
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    Ebay kommt Amazon näher durch Annahme der Auktionen bei Zunahme der Sofortkäufe und macht sich unsympathisch durch hohe Ladezeiten der Seiten, nicht zuletzt aufgrund Plazierung von Fremdwerbung. Amazon macht sich sympathisch durch unaufdringliche Integration von Fremdwerbung in Form über den eigenen Markplatz und akzeptable Seitenladezeiten. Google kommt Amazon näher durch zunehmende Seitenladezeiten und nachlassende Findigkeit von Produkten in freien Online-Shops, besonders in der Suchkategorie „Shopping“ und leidet nach wie vor unter Spam der sogenannten Preisvergleichsdienste.
    .
    Der springende Punkt, warum ich Amazon meine Daten gerne anvertrauen würde: ich habe den Eindruck und die Erfahrung beweist bisher, daß die bei Amazon nicht gegen mich, sondern für mich verwendet werden. Sie dienen nicht der Verdeckung meiner Suchwünsche mit dem bekannten Ungewollten, sondern sie verhelfen mir zu nützlichen Entdeckungen. Und weil Amazon nach einer langen, gesunden Wachstumshistorie nicht nur aus weichen Unternehmenswerten besteht, wie beispielsweise Facebook, traue ich Amazon eine ausreichende Langlebigkeit zu, die meine Daten nicht weiterzuveräußeren, damit sie dann gegen mich verwendet würden. Gegen Maulwürfe und Löcher sind sie selbstverständlich nicht geschützt, sowie sie niedergeschrieben sind.

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    Der springende Punkt, warum ich Amazon meine Daten gerne anvertrauen würde: ich habe den Eindruck und die Erfahrung beweist bisher, daß die bei Amazon nicht gegen mich, sondern für mich verwendet werden. Sie dienen nicht der Verdeckung meiner Suchwünsche mit dem bekannten Ungewollten, sondern sie verhelfen mir zu nützlichen Entdeckungen. Und weil Amazon nach einer langen, gesunden Wachstumshistorie nicht nur aus weichen Unternehmenswerten besteht, wie beispielsweise Facebook, traue ich Amazon eine ausreichende Langlebigkeit zu, meine Daten nicht weiterzuveräußeren, damit sie dann gegen mich verwendet würden. Gegen Maulwürfe und Löcher sind sie selbstverständlich nicht geschützt, sowie sie niedergeschrieben sind.
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    Unverständlich ist mir allerdings die Vorschrift von Amazon, Drittanbieter dürften ihre Produkte bei Amazon nicht (nichtmal um die Provision) teurer anbieten als im eigenen Shop. Das scheint wieder dem Webspam in Form von werbefinanzierten Preisvergleichseiten geschuldet, die gleichzeitig eine Geißel des beratenden stationären Handels sind. Wenn Amazon mit dem FeuerFeuer dieses Segment des Web ausblendet, wird Amazon damit eine Stufe sympathischer. Und zum Zocken auf zu kleinem Display reicht das Handy zumal für Tisch-Spiele zu zweit erst das iPad-Format gerade groß genug ist.

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    Der springende Punkt, warum ich Amazon meine Daten gerne anvertrauen würde: ich habe den Eindruck und die Erfahrung beweist bisher, daß die bei Amazon nicht gegen mich, sondern für mich verwendet werden. Sie dienen nicht der Verdeckung meiner Suchwünsche mit dem bekannten Ungewollten, sondern sie verhelfen mir zu nützlichen Entdeckungen. Und weil Amazon nach einer langen, gesunden Wachstumshistorie nicht nur aus weichen Unternehmenswerten besteht, wie beispielsweise Facebook, traue ich Amazon eine ausreichende Langlebigkeit zu, meine Daten nicht weiterzuveräußeren, damit sie dann gegen mich verwendet würden. Gegen Maulwürfe und Löcher sind sie selbstverständlich nicht geschützt, sowie sie niedergeschrieben sind.
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    Unverständlich ist mir allerdings die Vorschrift von Amazon, Drittanbieter dürften ihre Produkte bei Amazon nicht (nichtmal um die Provision) teurer anbieten als im eigenen Shop. Das scheint wieder dem Webspam in Form von werbefinanzierten Preisvergleichseiten geschuldet, die gleichzeitig eine Geißel des beratenden stationären Handels sind.

  5. Der Ansatz, Webseiten nicht...
    Der Ansatz, Webseiten nicht nur über einen Proxi zwischenzuspeichern, sondern dabei in der Größe zu reduzieren, ist soweit ich weiß nicht neu sondern bereits von Mobilfunkprovidern probiert worden. Bislang hat sich die Technik wohl nicht richtig durchgesetzt. Ob es Amazon gelingen wird, bleibt also spannend.
    Ob es klappt oder nicht hängt wohl davon ab:
    – ob es Amazon gelingt, die Datenumwandlung so vorzunehmen, dass der Nutzer keinen Qualitätsunterschied merkt
    – ob die eigenen Geräte trotz reduzierter Rechenleistung in anderen Segmenten attraktiv genug sind
    – ob ein Geschwindigkeitsvorteil in Deutschland tatsächlich zum tragen kommt, wenn Datenpakete zur Aufbereitung über Rechenzentren in Irland oder in den USA geleitet werden

  6. Das ERSTE Problem ist, daß...
    Das ERSTE Problem ist, daß Angry Birds nicht geht.
    Das ZWEITE Problem ist der Datenschutz.
    Meine Prioritäten liegen da irgendwie andersherum.

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