Netzwirtschaft

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Die Digitalisierung erfasst immer mehr Lebensbereiche. Wie sie sich auf Menschen und Märkte auswirkt, beleuchtet das Netzwirtschaft-Blog auf FAZ.NET.

Das mobile Internet gewinnt – aber wer verliert?

| 10 Lesermeinungen

Smartphones und Tabletcomputer haben den Medienwandel spürbar beschleunigt. Die Internetangebote gewinnen im Durchschnitt 11 Prozent Nutzer hinzu. Das Interesse an elektronischen Lesegeräten ist jedoch begrenzt.

Das mobile Internet hat in den vergangenen zwei Jahren spürbar an Fahrt gewonnen. Inzwischen gehen mehr als 8 Millionen Menschen in Deutschland per Smartphone, Tabletcomputer oder elektronischem Lesegerät regelmäßig im Netz, hat das Marktforschungsinstitut Allensbach in seiner Computer- und Technikanalyse Acta 2011 ermittelt. Weitere 7,3 Millionen Menschen planen aktuell den Kauf eines Smartphones; 3,7 Millionen Deutsche wollen bald einen Tabletcomputer – bevorzugt das iPad von Apple – erwerben, haben die Allensbach-Forscher erfragt. Dagegen ist das Interesse an E-Readern wie dem Amazon Kindle begrenzt: 860 000 Menschen besitzen nach Allensbach-Angaben ein solches Gerät; 1,8 Millionen wollen sich noch eines zulegen.

„Smartphones und Tablets werden für viele Menschen der erste Zugang zum Internet werden. Die Tastatur eines Personalcomputers ist die Hauptbarriere für die Menschen, die ansonsten keine Notwendigkeit oder Gelegenheit haben, sich mit diesen Computern auseinanderzusetzen“, sagt Gartner-Analystin Angela McIntyre. Sie erwartet, dass Tabletcomputer in den kommenden zehn Jahren Eingabegeräte wie Tastatur und Maus zu einem großen Teil verdrängen werden.

Da die Medienzeit der Menschen endlich ist, geht die Zeit für Smartphones und Tablets anderen Medien verloren. Nach einer Befragung des Marktforschungsunternehmens GFK MRI unter 3000 Amerikanern lesen 28 Prozent der Tablet-Besitzer auf ihren Geräten Nachrichten und Magazine. Mehr als 40 Prozent der Befragten gaben aber an, aus diesem Grund weniger gedruckte Zeitungen, Magazine und Bücher zu lesen. Noch stärker ging das Interesse an anderen Spielekonsolen zurück, da Spiele die Hauptanwendung für Tabletcomputer sind. Dagegen haben Fernsehen und Kino eher wenig an Attraktivität unter den Tabletbesitzern verloren.

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Die mobilen Internetsurfer tragen die üblichen demographischen Merkmale der „Early Adopter“, also jener Technik-Avantgarde, die immer früh auf solche Entwicklungen aufspringt: jung, hohes Einkommen, überwiegend männlich und vergleichsweise hoher Bildungsgrad. Unter den Tablet-Besitzern ist der Altersdurchschnitt im Moment etwas höher; dafür ist die Absicht unter jungen Menschen, alsbald einen solchen Computer zu erwerben, deutlich stärker ausgeprägt. Generell ist das Interesse am mobilen Internet umso höher, je jünger die Menschen sind. Auch das ist typisch für das frühe Stadium einer technischen Entwicklung. Die Art der Nutzung des mobilen Webs unterscheidet sich vom stationären Internet. Zwar liegt die E-Mail als beliebteste Anwendung unterwegs wie am Schreibtisch ganz vorne, aber dann folgen im mobilen Web schon Anwendungen wie Wetterberichte, Navigation und Veranstaltungshinweise.

Die beliebtesten Seiten unter den Nutzern von Smartphones und Tabletcomputern sind – wenig überraschend – Google und Facebook. Jede Woche greifen mehr als 7 Millionen Menschen auf die Google-Seiten mobil zu; bei Facebook beträgt die Zahl 4,5 Millionen. Unter den mobilen Angeboten der Nachrichtenmedien liegt Bild.de an der Spitze vor Spiegel Online, dem Kicker und der ARD.

Im Durchschnitt führt die mobile Nutzung zu einem Anstieg der bisherigen Online-Nutzerschaft um 11 Prozent. Ein Blick hinter den Durchschnittswert zeigt, dass große Anbieter wie Google, Facebook oder T-Online kaum neue Nutzer im mobilen Internet gewinnen können, während kleinere Seiten wie Mens Health oder Qype ihre Nutzerschaft um mehr als 30 Prozent ausgedehnt haben. Das Interesse für Themen unterscheidet sich kaum vom stationären Internet. Am Beispiel Spiegel Online haben die Forscher nur eine deutlich höhere Affinität für Artikel über Internet- und Telekommunikationsgeräte sowie eine etwas höhere Lesequote in den Themen Politik und Wissenschaft festgestellt.

Im Durchschnitt greifen 18 Prozent der Online-Leser eines Mediums auch auf die mobilen Angebote zu. Bild.de hat mit 27 Prozent einen deutlich höheren Anteil, das ZDF mit 11 Prozent einen unterdurchschnittlichen Anteil mobiler Zugriffe. Bei den meisten Tageszeitungsangeboten (Welt.de, FAZ.NET und Sueddeutsche.de) liegt der Mobil-Anteil bei rund 15 Prozent.

Die Seiten nutzen ihr Mobil-Potential stark unterschiedlich aus. Zum Beispiel greifen 76 Prozent aller Google-Nutzer, die über ein Smartphone oder einen Tabletcomputer verfügen, auch auf die mobilen Angebote der Suchmaschine zu. Bei der IT-Seite Golem.de beträgt dieser Anteil dagegen nur 33 Prozent.

 

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10 Lesermeinungen

  1. Zitat:
    "Die Tastatur eines...

    Zitat:
    „Die Tastatur eines Personalcomputers ist die Hauptbarriere für die Menschen…“
    ###
    „Der Füller, Bleistift, Kuli verhindert das die Leute schreiben und damit sich auszudrücken lernen ! :-))“ klingt fast genau so falsch. Erlernen von Kulturtechniken wie z.b. des Schreibens ist immer mit ein wenig Arbeit verbunden!
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    Verglichen mit „Handschrift“ ist erlernen des Schreibens mit einer Tastatur kinderleicht.
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    Die Tastatur, besser das Schreiben damit, ist genau das, was einen Rechner und damit den Nutzer aus der Passivität befreit und ihn zum AKTIVEN Teil des Netzes macht!
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    Gesten, Wischen, Maus…… alles macht den Nutzer zu einem Bediener einer komfortabelen Fernbedienung. Zappen darf er, aber teilnehmen (bis auf den Button mag ich) darf, besser kann er ohne Tastatur oder ein ähnliches, einfaches Textaufnahmegerät nicht.
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    Erst mit der Tastatur wird ein Rechner zum Kommunikationmittel. Ermöglicht mehr als dumpfes entgegennehmen von Inhalten.
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    Ob es vielleicht Methode ist, die Tastatur weg zu definieren?
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    Excurs:
    Schreiben und lesen lernen war vor Jahrhunderten eine Möglichkeit aktiv an dem gesellschaftlichem Prozess teil zu nehmen, wurde vom Privileg zum Allgemeingut.
    Wenn man es zuspitz zu Grundlage für unsere demokartische Gesellschaft. Ohne Text, Wort aktiv und passiv zu beherrschen war und ist eine gleichberechtigte gesellschaftlich Teilnahme nicht möglich.
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    Kennt jemand einen Weg, auf dem z.B. 60Mio. Analphabeten mit vielleicht 10Mio. des Schreibens und lesen kundigen gemeinsam demokratisch in einer Gesellschaft leben könnten?
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    Das Netz mit diesen sehr einfachen Mitteln sich auszutauschen, zu kommunizieren, zu partizipieren ist schlüssig die nächste Stufe der Entwicklung, der Partizipation.
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    Ob das nicht so sehr erwünscht ist?
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    Smartphone und Tabletts sind nette Spielzeuge, in Nischenanwendungen, mobil… ganz brauchbar, aber die Tastatur wird und darf wohl im Kommunikationsprozess nicht verschwinden.
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    Es sei denn, Ziel ist es wieder eine sprachlose Masse als Nutzer des Netzes zu bekommen.
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    Gruss
    Sikasuu

  2. mobiles Internet?
    Langsam...

    mobiles Internet?
    Langsam komme ich in die Jahre, wo ich mich immer Frage, wozu brauche ich …?
    Wozu brauche ich mobiles Internet?
    Wenn ich auf eine Party gehen sollte, dann weiss ich schon vorher, wie ich da hinkomme. Und wenn ich mir nicht sicher bin, ob mir die gefallen würde, dann werde ich schon eine Alternative parat haben.
    Wenn ich irgendwo hin reise, dann informiere ich mich in der Regel vorher, selbst das verlaufen in einer fremden Stadt ist zum Teil von mir gewollt, denn so lernt man die Stadt wirklich kennen.
    Nachdem ich mal Facebook 2 Monate getestet habe, frage ich mich, was wollen Menschen dort wirklich? Sich präsentieren? Keine Ahnung, ich habe dank Facebook 2 oder 3 Telefonnummern und Emails alter Freunde wiedergefunden, das muss reichen. Übrigens gibt es da eine irre mobile Möglichkeit, ich kann diese Leute mit meinem Handy anrufen.
    Beim Bücherlesen könnte ich mir ein Lesegerät vorstellen, natürlich einen E-Reader und nicht ein Tablet-Computer, denn ich will ja meine Augen nicht zu sehr belasten. Wenn ich die letzten 100 ungelesenen Bücher bei mir zu Hause durchgelesen habe (dauert noch Jahre) werde ich darüber nachdenken.
    Besonders toll finde ich die Wetterapps, stattdessen kann man ja mal rauskucken.
    Oder, statt mit seinem Handgerät zu spielen, könnte man sich mal mit einem richtigen Menschen unterhalten, aber so sitzen halt in der Bahn 4 Menschen sich gegenüber, einer hört Musik, zwei telefoniert, einer surf im Internet und am Ende sind die vier gemeinsam unterwegs…

  3. Wenn wer verliert, dann kann...
    Wenn wer verliert, dann kann es ja fast nur der stationäre DSL Festnetzanschluss sein. In meinen Augen ist das mobile Internet auf dem Handy bzw. Smartphone aber kein Substitut im engeren Sinne. Vielmehr ergänzt es die bereits vorhandenen Möglichkeiten. Weil jetzt auf dem Handy gesurft werden kann, werden aber die Wenigsten ihren DSL Anschluss kündigen. Auf dem PC ins Internet ist immer noch deutlich komfortabler. Wenn Jemand verliert, dann auf lange Sicht vielleicht die Unternehmen, die es nicht schaffen Bündelprodukte aus stationärem DSL/Festnetz und mobilem Internet anzubieten.

  4. Die oben angezeigte Grafik...
    Die oben angezeigte Grafik muss mir mal jemand erklären. So Google wöchentlich von 7 Mio. Nutzern auf dem Smartphone und von 39 Mio auf dem Desktop-PC/Mac oder Laptop aufgerufen wird – sollte das insgesamt nicht ca. 46 Mio. Zugriffe ergeben und nicht, wie oben angegeben, 39,9 Mio.?
    Und falls die 7 Mio. lediglich die auf 39 Mio. fehlenden Zugriffe sind, sprich 32 Mio. Nutzer den PC/Mac oder Laptop benutzen, dann (ist das einerseits eine ziemlich verwirrende Art der Darstellung und andererseits) frage ich mich wie und auf welchem Endgerät sich die restlichen 0,6 Mio. denn die Webseite anzeigen lassen?
    Danke um Aufklärung!
    MfG

  5. zu meinem vorherigen...
    zu meinem vorherigen Kommentar:
    Oder verhält es sich so, dass Nutzer tatsächliche individuelle Nutzer sind und es daher einen overlap gibt und, im Beispiel Google, die 0,6 Mio. die Gruppe derer repräsentieren, welche ausschliesslich per mobilem Endgerät auf die Seite zugreifen?
    Danke erneut!

  6. <p>@Thomas Herb: Es gibt...
    @Thomas Herb: Es gibt natürlich Nutzer, die per PC und per Smartphone auf eine Seite zugreifen. Insofern dürfen die Zahlen nicht einfach addiert werden, sondern müssen um Überlappungen bereinigt werden.

  7. @derritter: genauso hätte man...
    @derritter: genauso hätte man vor 60 Jahren verwundert über das Fernsehen, vor 90 Jahren über das Kino und vor 120 Jahren über das Automobil urteilen können. Telegramme schreiben fanden in Zeiten von Briefen bestimmt auch so einige völlig überflüssig und von der ersten Akzeptanz von (der von Ihnen anscheinend durchaus benutzten) Mobiltelefonen brauchen wir gar nicht erst anfangen zu reden… Machen Sie nicht den Fehler und übertragen Sie Ihr aktuelles persönliches Nutzerverhalten der von Ihnen angesprochenen Technologien auf eine generelle sinnvoll/sinnlos Analyse. Auf den ersten Blick scheint die Idee eine Tageszeitung auf einem Computerbildschirm zu lesen kurios, („man kann ja schnell rausgehen und eine kaufen“) aber das würden Sie heute ja auch nicht mehr in Frage stellen.

  8. Zum Thema mobile...
    Zum Thema mobile Endgeräte:
    @Sikasuu: Wenn ich mir ansehe, wie einige „digital natives“ mit Ihrem Smartphone schreiben, dann denke ich ist hier die Tastatur überflüssig. Recht gebe ich Ihnen dennoch in puncto aktives Kommunizieren & Partizipieren, denn ein Tablett ist nun mal vorrangig ein Empfangsgerät und eignet sich (stand heute) nur bedingt zum wirklichen Arbeiten. Jedoch denke ich, dass die Reise zu einer Hybrid-Lösung aus Smartphone to Go und einem stationären Laptop mit Tablett Charakter gehen wird. Ähnlich wie es sich mit DSL und mobilem Internet verhält, wird auch im Endgeräte Lager an einer Symbiose aus mobil und stationär gearbeitet (siehe Motorola Atrix).

  9. Kleiner Nachtrag zu hybriden...
    Kleiner Nachtrag zu hybriden Endgeräten: Das Bento Book.
    Das kann Apple sicher noch besser…und dann hat sich das Thema stationär vs. mobile und content empfangen und gestalten erledigt und die gute alte Tastatur ist einfach jetzt virtuell.
    http://www.yankodesign.com/2011/05/06/bento-box-kinda-like-voltron/

  10. Kleiner Nachtrag zu hybriden...
    Kleiner Nachtrag zu hybriden Endgeräten: Das Bento Book.
    Das kann Apple sicher noch besser…und dann hat sich das Thema stationär vs. mobile und content empfangen und gestalten erledigt und die gute alte Tastatur ist einfach jetzt virtuell.
    http://www.yankodesign.com/2011/05/06/bento-box-kinda-like-voltron/

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